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agma veröffentlicht Konvergenzreichweiten für Radio – BVDW mit Kritik

19. November 2015 (jvr)

Die Arbeitsgemeinschaft Media-Analyse e.V. (agma) veröffentlichte heute die ma 2015 Audio und damit wie sie sagt „erstmals konvergente Radioreichweiten.“ Sie ergänzt die ma Radio um Hörerzahlen für Webradios, damit Radio-Werbeinvestitionen zukünftig übergreifend geplant und bewertet werden können. Nicht alle sind mit der neuen Konvergenzwährung glücklich. Der Bundesverband Digitale Wirtschaft (BVDW) e.V. fordert dringend methodische Verbesserungen und wäre wohl auch gern von der agma bei der Ausarbeitung der ma Radio mit ins Boot geholt worden.

Die konkreten Kritikpunkte des BVDW: Music-on-Demand-Dienste wie Spotifiy oder Aggregatoren-Sites wie radio.de wurden in der ma Audio gar nicht berücksichtigt. Außerdem zweifelt der BVDW an, dass Kleinstanbieter überhaupt in der ma Audio sauber erfasst werden. Für die Digitalexperten am gravierendsten ist allerdings die Frage, inwieweit die zentrale Herausforderung einer Konvergenzwährung, nämlich digitale und analoge Nutzung vergleichbar zu machen, valide bewältigt wurde.

Rainer Henze

Rainer Henz, Vorstand von laut.de und Vorsitzender der Fokusgruppe Audio im BVDW: „Auf IP-Seite haben wir mit der technischen Messung aller Nutzungsvorgänge in Kombination mit einer Online-Tagebuchstudie eine recht harte Datenbasis. Die UKW-Seite basiert ausschließlich auf Telefonumfragen zur Markenerinnerung der Hörer. Selbst die Offenlegung des Methodensteckbriefs – eine Woche vor Veröffentlichung der ma Audio – vermag nicht zufriedenstellend zu beantworten, ob diese Zahlen valide vergleichbar gemacht wurden. Hier fordern wir die agma dringend auf, die Publisher zur Zusammenarbeit einzuladen und stehen als BVDW gerne mit unserer Expertise als Sparringspartner zur Verfügung, um die positive Grundlage, die mit der ma Audio für eine konvergente Planung geschaffen wurde, jetzt schnell und zielorientiert in eine wirklich medienadäquate und valide Konvergenzwährung zu überführen.“

Die ma Audio verknüpft drei Studien: die bisherige ma Radio und die Logfile-basierte Messung der ma IP Audio sowie eine eigens erhobene Online-Tagebuchstudie. Die ma Radio basiert auf einer repräsentativen Befragung von knapp 80.000 Personen (ab 14 Jahren) und gibt Auskunft über die Radionutzung der Bevölkerung insgesamt – unabhängig vom Empfangsweg. Die ma IP Audio erfasst per Logfile-basierter Messung gezielt die Leistung von Online-Audio-Angeboten und die Online-Tagebuchstudie liefert die Information, welche Personen über welche Geräte welchen Sender hören.

Die agma macht in der heutigen Pressemitteilung deutlich, dass diese Studie von Werbungtreibende, Agenturen und Medien gemeinsam verabschiedet wurde. Damit sei die ma 2015 Audio ab sofort „Die crossmediale Währung für Radio-Werbeinvestitionen.“ Einen Diskussionsbedarf mit dem BVDW sieht sie damit offenbar nicht. „Die ma 2015 Audio eröffnet Werbungtreibenden und Agenturen erstmals die Möglichkeit einer konvergenten Radioplanung auf einer einheitlichen Datenbasis“, erklärt Axel Pichutta, Vorstandsvorsitzender der agma und Vorstand Agenturen: „Mit der ma 2015 Audio erfüllt die agma die Forderung der Nutzerseite nach einer konvergenten, einheitlichen und verlässlichen Planungsbasis für das Medium.“ Olaf Lassalle, Geschäftsführer der agma, ergänzt: „Radio liefert hochvalide und von allen Marktpartnern akzeptierte Konvergenzreichweiten. Für die Radioplanung bedeutet das eine konsequente Weiterentwicklung zur augenblicklichen und zukünftigen Nutzung von Radioinhalten auf unterschiedlichsten Übertragungswegen.“