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Lokale Werbung im Aufwind

Von Sandra Goetz, 30. März 2015

Ob Bewertungsportale, Anzeigenblätter, Tageszeitungen oder Branchenverzeichnisse – um den lokalen Werbemarkt ist ein heftiger Kampf entbrannt. Immer stärker mischen Online-Marketing-Dienstleister mit, die sich auf kleine und mittelständische Unternehmen konzentrieren, um diesen im lokalen Suchmaschinenmarketing auf die Sprünge zu helfen. Adzine sprach mit Burkhard Leimbrock, seit September 2014 General Manager von Reach Local Deutschland und Österreich, während einer Niederlassungseröffnung in Hamburg.

Adzine: Nach Berlin, München, Düsseldorf, Frankfurt/Main und Wien jetzt auch mit einem Büro in Hamburg. Warum?

Burkhard Leimbrock: Mit dem Hamburger Büro wollen wir den norddeutschen Markt noch stärker erobern. Bislang hatten die Berliner diesen Raum mitbetreut; es gibt aber noch Luft nach oben, der Standort Hamburg lohnt sich in vielerlei Hinsicht.

Adzine: Um den lokalen Werbemarkt scheint ein Kampf entbrannt zu sein, wie sehen Sie das?

Raimer von Wienskowski Burkhard Leimbrock

Leimbrock: In Deutschland fließen nach wie vor mehrere Milliarden Euro in regionale Printwerbung wie Tageszeitungen, Anzeigenblätter und Gelbe Seiten. In regionale Online-Werbung wird schätzungsweise noch unter einer halben Milliarde Euro investiert. In den nächsten Jahren wird diese Zahl deutlich auf über 1 Milliarde Euro steigen und ein erheblicher Anteil davon wird in regionales Performance Advertising investiert.

Adzine: Das heißt, die Wachstumskurve steigt weiter?

Leimbrock: Ja, der Markt wächst von Jahr zu Jahr weiter, und es gibt genügend Platz auf der Anbieterseite von regionaler Werbung. Auf der Nachfrageseite gibt es schon jetzt Tausende von Kunden und die Zahl wird weiter steigen.
Dabei gilt zu bedenken, dass viele KMUs immer noch nicht “ready for online” sind. Viele von ihnen besitzen noch gar keine oder eine stark überholungsbedürftige Webseite, die zum Beispiel noch nicht mobilefähig ist.

Adzine: Wie schätzen Sie die Stellung von Reach Local im Wettbewerb ein? Mit Winlocal gibt es bereits harte Konkurrenz. Google mischt mit Google My Business jetzt auch mit, dann wären da noch Anzeigenblätter, Tageszeitungen etc.

Leimbrock: Reach Local ist in einer hervorragenden Marktposition. Wir sind seit unserem Start in Deutschland vor vier Jahren von 0 auf über 100 Mitarbeiter, von 1 Büro auf fünf Regionalbüros und von 0 Kunden auf über 1000 Kunden gewachsen und damit Marktführer im Bereich regionales Online-Performance-Marketing. Und auch in Europa und weltweit sind wir in einer führenden Position und dabei einer der größten Google-Partner.

Adzine: Wo sehen Sie die Gründe für Ihren Erfolg?

Leimbrock: Reach Local bietet seinen Kunden ein selbst entwickeltes und weltweit eingesetztes Produkt mit einem individuellen Vor-Ort-Service an. Da wir bereits 2003 in den USA gegründet wurden, verfügen wir nicht nur über umfangreiche und internationale Erfahrung im digitalen Marketing, sondern haben unser Produkt über die Jahre hinweg kontinuierlich optimiert und weiterentwickelt. In den nächsten Wochen werden wir in Deutschland unser neues EDGE-Produkt vorstellen, mit dem lokale Werbetreibende den Erfolg ihrer Werbeausgaben über mehrere Kanäle noch besser messen und steuern können.

Adzine: Die Nutzung von Verzeichnismedien in gedruckter Form ist noch immer hoch. Friseure, Gastronomen, aber auch Handwerksbetriebe vertrauen noch auf Print à la Gelbe Seiten. Eine Ipsos-Untersuchung vom November 2014 unter 2000 Befragten stellte fest, dass 61,2 Prozent der deutschen Haushalte Verzeichnismedien nutzen, Online vom Computer aus folgt mit 51,4 Prozent. Selbst die gebührenpflichtige Telefonauskauft wird mit 15,7 Prozent ordentlich genutzt. Was will Reach Local tun, um das zu ändern?

Leimbrock: Es gibt einen klaren Vorteil von Online-Werbung: die Messbarkeit der getätigten Maßnahmen. Über Online-Marketing lassen sich Leads generieren und in Kunden umwandeln. Das ist grundsätzlich – insbesondere für KMU, die noch stärker auf die Effizienz ihrer Ausgaben achten müssen – sehr attraktiv.

Aber der Bereich Suchmaschinenmarketing ist erklärungsbedürftig. Ich denke, da müssen und können wir noch einiges an Aufklärungsarbeit leisten. Wir engagieren uns beispielsweise im Rahmen von Partnerschaften mit Verbänden, wie jetzt aktuell mit dem DEHOGA Bayern, wo wir Informationsveranstaltungen zum Thema Online-Marketing geben.

Adzine: KMUs werden direkt von Ihnen angesprochen, lohnt sich das Geschäft? Der Markt für regionale Werbung müsste preislich unter einem enormen Druck stehen, oder?

Leimbrock: Anbieter von Online-Marketing-Lösungen auf nationaler Ebene haben einige Großkunden mit größeren Umsätzen. Anbieter von regionalen Online-Marketing-Lösungen haben Hunderte von Kunden mit geringerem Budget, die aber auch Service vor Ort nachfragen. Daher sind langfristig die Player in einer guten Position, die es schaffen, den Bereich Online-Marketing skalierbar und ggf. international zu managen.

Adzine: Wie will sich Reach Local im Markt aufstellen?

Leimbrock: Wir überzeugen unsere Kunden vor allem mit einer hohen Servicekomponente und wir konzentrieren uns darauf, Konsumenten in Kunden zu verwandeln. Im Rahmen eines vorher vereinbarten Budgets überprüfen wir in regelmäßigen Abständen, welche Suchbegriffe sich zur Umwandlung in Kunden eignen, und passen diese dann im Laufe der Kampagne immer wieder an. Ein umfassendes Reporting informiert unsere Kunden turnusmäßig transparent über die Performance ihrer Kampagnen.

Adzine: Welche Bedeutung hat Mobile für Reach Local und für die Kunden?

Leimbrock: Wir empfehlen unseren Kunden eine gut funktionierende responsive Website mit interessanten Inhalten und vielen Kontaktelementen. Und diese Kriterien gelten dann auch für die mobile Nutzung. Da ein immer größer werdender Teil der Google-Nutzung mobil erfolgt und wir unsere Leads überwiegend über Google AdWords erzeugen, ist es wichtig, den Konsumenten auch mit einer entsprechend funktionierenden Seite für das Smartphone zu bedienen.

Adzine: Ändert sich die Arbeit dadurch für Reach Local? Wo müssten Ihrer Meinung nach für Mobile die Hebel angesetzt werden?

Leimbrock: Die mobile Nutzung wird in den nächsten Jahren noch weiter zunehmen. Wir haben bereits vor einiger Zeit eine App gelauncht, mit der unsere Kunden den Erfolg ihrer Kampagnen auch unterwegs nachvollziehen können. Das ist insbesondere für Unternehmen interessant, deren Mitarbeiter häufig nicht an einem festen Platz arbeiten, sondern viel unterwegs sind, wie beispielsweise in der Hotellerie.

Adzine: Herr Leimbrock, wir danken für dieses Interview und wünschen viel Erfolg!