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Trading Desk Spree7 mit neuem CEO

Von Jens von Rauchhaupt, 4. September 2013

Viktor Zawadzki übernimmt zur dmexco die Geschäftsführung von der Spree7 GmbH, dem Berliner Media-Trading-Desk für den Echtzeiteinkauf digitaler Werbung. Zawadzki wird zusammen mit dem neuen Chief Operating Officer (COO) Thomas Kaczensky die nächste Entwicklungsstufe für Spree7 einläuten.

Viktor Zawadzki folgt als CEO auf Spree7- Gründungsgeschäftsführer Oliver Busch, der das Unternehmen auf eigenen Wunsch verlässt, um sich einer neuen beruflichen Herausforderung zu stellen. Der 32-jährige Diplom-Volkswirt Zawadzki ist schon im April dieses Jahres als Vice President Product Management & Business Development in die Spree7-Geschäftsleitung eingestiegen. Zuvor war Zawadzki im Umfeld des Inkubators Rocket Internet tätig und verantwortete zuletzt als Head of Display Marketing and Cooperations Display Marketing und Online-Kooperationen für die Portale eDarling und SHOPAMAN in 20 Ländern. Man könnte meinen der Gründer des Spree7 Gesellschafters MediaMath Joe Zawadzki hat einen Vertreter aus der deutschen Verwandtschaft an die Spitze des Unternehmens berufen.

Adzine: Herr Zawadzki, gibt es da verwandtschaftliche Verbindungen zum MediaMath-Gründer und Realtime Bidding Pionier Joe Zawadzki?

Zawadzki: Da müsste ich meinen Stammbaum checken, aber wahrscheinlich nein. Zufall oder Schicksal wird schwer statistisch zu validieren sein.

Adzine: Welche Ausgangssituation finden Sie bei Spree7 für den nächsten Entwicklungsschritt vor?

Viktor Zawadzki

Zawadzki: Spree7 konnte in den letzten 18 Monaten eine beachtliche Entwicklung hinlegen – das Team um Olli Busch hat sich nicht bloß mit dem Markt entwickelt, sondern eine relevante, alleinstellende Position besetzt und Realtime Advertising in Deutschland aktiv mitgestaltet. Statt starkem Vertrieb investierte Spree7 in erfahrenes Personal, das die Vielzahl an Optionen bewerten und kombinieren kann. Statt Schnellschüssen entstehen Roadmaps, die Kunden systematisch den Weg in die neue datengetriebene Mediawelt führen. Aus dem Start-up ist mittlerweile ein profitables Unternehmen geworden, das sich mit seinem Transparenzansatz und konzeptioneller Herangehensweise einen guten Ruf machte.

Adzine: Transparenz ist ein gutes Stichwort: wie soll die nächste Entwicklungsstufe des Unternehmens aussehen?

Zawadzki: Auch in „Phase Zwei“ wird Spree7 den Markt vorneweg aktiv mitgestalten. Realtime Advertising wird gerade ziemlich schnell erwachsen, und es gilt viele gute, manche unfertige und insgesamt überwiegend lose technologische Komponenten nun kompetent und zielführend zusammenzubringen. Während unter den kapitalintensiven Demand-Side-Plattformen (DSP) und Supply-Side-Plattformen (SSP) bereits die Konsolidierung begonnen hat, werden wir im Bereich ergänzender Komponenten für Realtime Advertising-Ansätze noch auf Jahre hinweg einen kontinuierlichen Zustrom an beachtenswerten Innovationen sehen. Doch anders als in einem App-Store werden diese Daten, Tools und Targetings nicht nur mit dem Basissystem, sondern auch in Kombination funktionieren müssen. Der Mörtel zwischen den amerikanisch geprägten Bausteinen im Realtime Advertising besteht aus Hirnschmalz, Schweiß und Tränen – hier sind wir als transparenter Trading Desk gefordert, das jeweils Beste für die einzelne Agentur, den einzelnen Kunden und die einzelne Kampagne zusammenzufügen. Und was nicht passt, passend zu machen.

Adzine: Ist eine solche Integration der Komponenten zu einem kampagnenindividuellen „Full-Stack“ wirklich alleine mit Expertise zu bewerkstelligen?

Zawadzki: Nein. Erfahrung und Kompetenz bilden eine gute Basis, um Potentiale und Handlungsbedarf zu erkennen, werden aber alleine nicht ausreichen. Wir werden uns auf deutsche Tugenden besinnen, uns auch hier eine Ebene tiefer mit der Funktionsweise der verfügbaren Technologien beschäftigen und Lücken mit Eigenentwicklungen beseitigen. Das bedeutet explizit nicht, dass wir unsere neutrale Position aufgeben werden und mit eigenen Technologien an den Markt gehen. Unser Fokus liegt darauf Verbindungen zu schaffen und die natürlichen Ineffizienzen dieser jungen Disziplin schnellstmöglich zu eliminieren. Das betrifft sowohl die Beschleunigung unnötig manueller Abläufe als auch die Effizienzsteigerung eingesetzter Marketinggelder. Letztendlich geht es darum die Vielfalt der Möglichkeiten im Realtime Advertising operativ in Wettbewerbsvorteile für Agenturen, ihre Kunden und natürlich auch Spree7 als transparenten Trading Desk umsetzen zu können. Ich will Spree7 innerhalb der kommenden 3 Jahre als wichtigsten, innovativsten und sichersten Trading-Desk-Partner für die „Top 11 bis 50“-Mediaagenturen fest verankern.

Adzine: Spree7 setzt also weiterhin allein auf Agenturservices. Ist mit dieser Strategie eine Internationalisierung überhaupt denkbar?

Zawadzki: In der Tat sehen wir die transparente Zusammenarbeit mit Mediaagenturexperten, die ihren Kunden besser kennen als ihre Westentasche, als Schlüssel für erfolgreiche Kampagnenkonzepte. Sollte Realtime Advertising tatsächlich die Grenzen zu Kreation, Dialogmarketing und gar klassischen Medien auflösen – wovon wir ausgehen – wird diese Bündelung der Kompetenzen unerlässlich sein. Wir betreuen derzeit 12 recht heterogene Agenturen sehr intensiv und partnerschaftlich. Direktkunden betreuen wir nur dann, wenn sie eine Inhouse-Agenturstruktur aufgebaut haben und keine festen Agenturbeziehungen pflegen. Dieses Modell gelingt uns bereits jetzt schon sehr gut auf internationalem Parkett: wir Arbeiten aus Berlin heraus für Niederlassungen von Neu-Delhi über Dubai bis USA und Canada. Rund ein Drittel unserer Umsätze kommt aus dem Ausland für Schaltungen in wiederum anderen Länderkonstellationen. Unsere derzeit internationalste Kampagne läuft in 26 Ländern der Erde. Das inhaltliche Spektrum des internationalen Geschäfts macht uns nicht nur großen Spaß, wir sehen auch enormes Potential.

Adzine: Das sind eine Menge Themen auf nahezu unerkundetem Gebiet. Wie wollen Sie die angehen?

Zawadzki: Das muss ich zum Glück nicht allein. Mit dem bevorstehenden Ausstieg von Spree7-Gründungsgeschäftsführer Oliver Busch nach der dmexco werde ich Spree7 als Doppelspitze mit Thomas Kaczensky führen, der als COO die Themen Technology, Operations, HR und Finance verantwortet. Thomas bringt 15 Jahre Erfahrung in allen Bereichen der Ad-Technology mit ein. Gerade in Zeiten technologischer Umbrüche hilft es sehr jemand mit solch profundem Agentur- und Vermarkterwissen an der Seite zu haben, der den ganzen Weg hierher mitgegangen ist. Wie ich selbst ist auch Thomas bereits seit einigen Monaten an Bord und hat seine Themen bereits übernommen. Was mich angeht: in der Welt von Rocket Internet lernt man schnell schwimmen – mit großen Teams und noch größeren Budgets. Auch wenn es ein anderes Geschäftsfeld ist, die von Schlagzahl, Pragmatismus und kompromissloser Ergebnisorientierung geprägte Schule wird mir auf Spree7s Weg zur Revolutionierung der digitalen Media sicherlich hilfreich sein.

Adzine: Spree7 hat um sich herum eine Marketingwelt aus revolutionären Begrifflichkeiten und Ikonografien geschaffen. Werden Sie altgedienten Medialeuten damit auch auf der dmexco Angst einjagen?

Zawadzki: Nun, „altgedient“ ist nicht gleichzusetzen mit „fortschrittsfeindlich“. Gerade die alten Hasen der Branche haben mit dem Einzug des Internets zur Jahrtausendwende schon einmal eine digitale Revolution des Marketings mitgemacht und haben da mehr Übung drin, als mancher Onliner. Zudem sehen wir die Disziplinen im Realtime Advertising wieder zusammenlaufen, so dass wir es sind, die ihr Team auf klassisches Werbe-Knowhow und integrierte Kommunikation zurückbesinnen. Unser Revolutionslook motiviert nach Innen und Außen: schließlich bekommt man mit uns die Revolution auf seine Seite.

Adzine: Herr Zawadzki, besten Dank für das Gespräch!

Jens v. Rauchhaupt Über den Autor/die Autorin: