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SEARCH MARKETING

SEOday in Köln: SEO bleibt eines der Top-Themen im Online-Marketing

Von Arne Schulze-Geißler, 18. August 2011

Über Suchmaschinenoptimierung wird in vielen Marketingabteilungen gefachsimpelt und gemutmaßt. Das Wissen kommt mit der täglichen Praxis und der Erfahrung. Am 27.10.2011 heißt es für alle, die den Lernprozess beschleunigen wollen: Auf nach Köln zum SEOday! Denn mittlerweile haben sich selbst im SEO so viele Spezialdisziplinen herausgebildet, dass es eben auch für jeden dieser Bereiche Experten gibt. Wer also sein Spezialwissen vertiefen möchte oder aber einen Rundumschlag durch das ganze SEO-Spektrum sucht, der scheint am 27. Oktober in Köln gut aufgehoben zu sein. In der BusinessLounge des RheinEnergieStadions wird man auf viele der erfahrensten deutschen SEOs treffen.

Wir sprachen schon jetzt mit einem der Veranstalter der Kölner SEO Konferenz Fabian Rossbacher sowie mit den beiden Referenten Sasa Ebach, Geschäftsführer der Vipex Organic Linkmarketing GmbH, und Pelle Boese, Geschäftsführer der gjuce GmbH.

ADZINE: Macht denn ein reiner SEO-Event Sinn, lässt sich das Thema überhaupt so isoliert betrachten?

Fabian Rossbacher

Fabian Rossbacher: Das Thema SEO, also die Optimierung für den natürlichen (organischen) Bereich innerhalb der Google-Ergebnisse macht immer noch extrem viel Sinn. Natürlich gibt es mittlerweile eine Menge weiterer Trafficquellen wie AdWords, Facebook, Twitter, Display etc., jedoch sind die Google-SERPs immer noch eine der Haupttrafficquellen. Das unschlagbare Argument für die organischen Google-Rankings ist jedoch der Preis. Sie sind nämlich, wenn man einmal oben ist, immer noch kostenlos! Da dies mit hoher Wahrscheinlichkeit auch für die nächsten Jahre so bleiben wird, macht es absolut Sinn, einen ganzen Tag über das Thema und die unterschiedlichen Strategien zu reden und sich auszutauschen. Nach den Vorträgen gibt es eine große Party mit free Drinks für alle Konferenzteilnehmer. Das ist ein idealer Zeitpunkt, einen Speaker oder andere Experten um Rat zu fragen und natürlich auch für Networking!

ADZINE: Gibt es Themen, die dich gerade als Programmierer besonders beschäftigen im SEO?

Fabian Rossbacher: Ja, gibt es. Jeder, der intensiv SEO betreibt, kommt irgendwann im Link-Buildung an die Stelle, wo er anfängt, gezielt Links durch Kooperationen oder Kauf aufzubauen. Wenn du also einen starken Link von deinem Gegenüber haben möchtest, musst du etwas zurückgeben können. Besonders spannend wird es, wenn du eine ganze Anzahl von starken Seiten hast, von denen du tauschen kannst. Ich arbeite gerade an einem Expired-Domain-Snapper, der Domains findet, welche andere aufgegeben haben. Diese analysiere ich nach speziellen Merkmalen, z. B. IP-Pop/Sichtbarkeitskennzahlen, und entscheide dann, ob sie gekauft wird oder nicht.

ADZINE: Was ist denn generell beim Link-Building los? Vor Jahren wurde man davor gewarnt, zu offensichtlich Links auszutauschen oder zu kaufen. Mittlerweile gibt es zahlreiche Plattformen zum Tauschen und Traden von Links. Ist es Google etwa mittlerweile egal, wo die Links herkommen?

Sasa Ebach

Sasa Ebach: Google ist es ganz und gar nicht egal, woher Links kommen. Diese sind historisch für den Löwenanteil des Erfolgs bei Google verantwortlich. Gute Links verbessern die Suchergebnisse. Mit besseren Suchergebnissen lässt sich eine höhere Zufriedenheit bei Suchenden erzielen. Je zufriedener diese sind, desto öfter kommen sie wieder und klicken im Schnitt vermehrt auf Googles AdWords-Werbung. Schlechte Links – in der Praxis ist die große Mehrzahl aller manipulativen (gekauften oder getauschten) Links schlecht – können demnach als direkter Angriff auf Googles zentrales Geschäftsmodell interpretiert werden. Google wehrt sich immer mehr gegen solche Strategien. Manchmal in einzelnen medienwirksamen Individualabstrafungen, in den weitaus meisten Fällen jedoch durch die Anwendung von global wirksamen Algorithmusänderungen.

In der Vergangenheit ist das immer und immer wieder passiert. Zuerst haben Links aus Verzeichnissen funktioniert. Heute bringen sie kaum noch was. Auch Links aus Gästebüchern waren mal der letzte Schrei. Dann hat Google auch diese Links abgewertet. Heute sind Links von sogenannten Expired-Domains heiß begehrt. Das sind Domains, die frei (ablaufen) und von SEOs übernommen werden. Der Vorteil hier: Sie haben in einigen Fällen schon gute Werte: PageRank, Domainpopularität, Sichtbarkeit und Traffic. Fabian wird uns dazu bestimmt noch einiges auf dem Event dazu erzählen.

Wer als Branchenoutsider Google nicht genau genug beobachtet, für den entsteht zwar genau der von dir geschilderte Eindruck. Denn es wurde vor Jahren schon vor Taktik X gewarnt, aber keiner hält sich dran. Wer genau hinsieht, dem fällt auf, dass Google Schritt für Schritt immer mehr Müll entfernt. Manchmal dauert es eben ein bisschen länger, wie z. B. mit dem aktuellen Panda-Update. Die SEO-Branche regt sich schon seit über 10 Jahren kollektiv über Schrottinhalte auf. Langsam ging es Google auf die Nerven und mit Panda haben sie eine globale Offensive gestartet, um diese Inhalte auf einen Schlag zu eliminieren.

Links zu tauschen, ist übrigens ein völlig natürliches Verhalten. Das gab es auch schon lange vor Google. Links zu kaufen, ist auch in Ordnung, solange man sich an die Richtlinien hält und auf einen Nofollow-Link besteht. Solche Kauflinks machen immer dann Sinn, wenn sie Traffic auf verkaufs- oder linkorientierte Inhalte liefern können. Im letzteren Fall kann ein Kauflink Besucher auf eine verlinkungswürdige Seite bringen, die dann auf natürliche Weise verlinken. In meinem Vortrag werde ich über die aktuellen Trends sprechen und zeigen, welche Sorten von Linkaufbau es gibt und wie man das Link-Building für maximalen Erfolg am besten organisiert.

ADZINE: Für den Nutzer gibt es ja immer mehr Optionen, die Web-Suche zu filtern, ich persönlich filtere stark nach Aktualität. Werden diese zusätzlichen Suchoptionen von den Usern gut angenommen und berücksichtigen Unternehmen diese Aspekte schon ausreichend in ihren SEO-Aktivitäten?

Sasa Ebach: Ich habe es gerade getestet: Wer nach „testbericht iphone“ sucht, der bekommt im August 2011 den Testbericht von chip.de (Ende 2010) auf der Top-Position. Wer die Suche auf den letzten Monat einschränkt, bekommt viele kleinere Testberichte zu iPhone und Zubehör, die, je nach Intention des Suchenden, viel nützlicher sein könnten.

Die Suchwörter werden auch immer länger und die User immer intelligenter. Mir geht es dabei genau wie allen anderen. Ich hasse es, dass bei den meisten Suchanfragen irgendwelche Ergebnisse angezeigt werden, die schon 7 Jahre alt sind. Hier versagt der klassische Algorithmus von Google fürchterlich und beweist, dass die vertikalen Suchen und die Filtermöglichkeiten enorm an Bedeutung gewinnen. Für die optimierenden Unternehmen ist das Chance und Herausforderung zugleich. Der Prozess der Optimierung wird zwar immer schwieriger, aber so haben auch viele neue Inhalte eine Chance gefunden zu werden.

ADZINE: Die Universal Search hat ja generell einige Veränderungen mit sich gebracht. Haben Bilder und Videos in den Suchergebnissen große Auswirkungen auf die notwendigen SEO-Maßnahmen mit sich gebracht oder ist die Grundformel für effektives SEO gleich geblieben?

Sasa Ebach: Die Grundformel für effektives SEO ist gleich geblieben. Zum richtigen Zeitpunkt wertvolle Informationen veröffentlichen (egal in welchem Format) und dann die technischen Kniffe kennen, um diese Inhalte an der richtigen Stelle zu positionieren. Die Universal Search hat hier der SEO-Arbeit viel Leben eingehaucht und viele neue Experten hervorgebracht. Für pfiffige Leute ist es zwar kein Problem, sich das Know-how anzueignen, allerdings gibt es mittlerweile zu viele Unterbereiche im SEO, als dass da eine Person noch alles lernen und ausführen könnte.

Martin Mißfeldt, der Bilder-SEO, wird uns bestimmt wieder tolle Case-Studies präsentieren und Niels Dörje, seines Zeichens Spezialist im gesamten Universal-Bereich, kennt auch die letzten Tricks und Techniken, auf die man bei der Optimierung achten muss. Ich schlage vor, dass sich die Besucher die Herren einfach mal persönlich vorknüpfen. Beide sind nicht nur mit allen Wassern gewaschen, sondern auch unglaublich zugänglich und hilfsbereit.

ADZINE: Lieblingsthema der Medien und auch ganz weit vorn in der öffentlichen Wahrnehmung sind Social-Media-Plattformen. Sowohl Twitter als auch Facebook haben eigene Search-Projekte. Glaubst du, dass die Facebook-Search bald ein ganz eigenes Thema für SEOler wird?

Sasa Ebach: Die Facebook-Search ist schon länger ein eigenes Thema im Online-Marketing. Die große Frage für viele Unternehmen lautet: „Wie bekommen wir unsere Datenbankinhalte so in der Facebook-Search, dass sie dort gute Rankings erzielen?“ Ein Thema, dem sich SMO-Guru Curt Harlinghausen und die überaus charmante Social-Media- und SEO-Expertin Anna-Lena Radünz in ihrem Vortrag „Facebook-SEO“ sicherlich annehmen werden.

ADZINE: Wirken sich heute schon Social-Media-Aktivitäten positiv auf das Search-Ranking bei Google aus oder gibt es nach wie vor keine echten Erkenntnisse darüber, wie der Einfluss ist?

Sasa Ebach: Die einhellige Meinung ist, dass es keine einhellige Meinung zu diesem Thema gibt. ;-)

Dennoch hat es vor Kurzem eine interessante Umfrage dazu gegeben, an der sich auch viele SEO-Day-Referenten beteiligt haben. Social-Media-Ranking-Signale – Statements von 21 SEOs im Überblick.

Persönlich glaube ich nicht an eine signifikante Beeinflussung zwischen organischer Suche und Social-Media-Signalen. Wenigstens nicht durch die Bank. Ein Pharmakonzern wird seine Hämorrhoiden-Seite wahrscheinlich nicht über eine Facebook-Fanpage vermarkten, um dann durch viele Likes/Shares die Rankings bei Google zu verbessern. Oder vielleicht habe ich auch einfach nicht genügend Fantasie. Theoretisch ist es schon möglich. Eines steht auf jeden Fall fest. Das Thema ist neu und es wird hier vor allem mit Google+ einen Versuch von Google geben, genau dies zu ermöglichen. Ich halte es kategorisch für NICHT ausgeschlossen, dass wir bald mehr Social-Signale als Links aufbauen. Im Moment sieht es für mich nicht so aus. Spannende Zeiten. :-)

ADZINE: Was passiert im Bereich Mobile? Der Anteil an mobilem Search-Traffic wächst aktuell rapide an. Welche Herausforderungen bringt diese Entwicklung für die Suchmaschinenoptimierung mit sich?

Pelle Boese

Pelle Boese: Website-Betreiber, deren normale Desktop-Website bereits über ein gutes Ranking in den SERPs verfügt, können diesen Erfolg schnell auch auf mobilen Traffic ausweiten. Die Reihenfolge der Ergebnisse auf Smartphones entspricht nämlich in der Regel exakt den Ergebnissen der Suche mit einem Desktop-Browser. Nur landen die Nutzer beim Klick auf das Suchergebnis meist auf der Desktop-Version der Website, die für die Nutzung auf Smartphones ungeeignet ist.

Mobile Suchmaschinenoptimierung setzt deshalb nach dem Klick an: Nutzer, die über Suchmaschinen auf die Desktop-Seite gelangen, müssen auf die jeweils passende Detailseite der mobilen Version der Website weitergeleitet werden. Die notwendigen technischen Anpassungen sind zwar häufig komplex und müssen sehr sorgfältig geplant und umgesetzt werden. Dank der relativ hohen CPMs und CPCs für mobilen Traffic zahlen sich diese einmaligen Investitionen aber häufig schon nach wenigen Monaten aus.

In einzelnen Branchen wird der mobile Traffic schon bald wichtiger sein als der Desktop-Traffic. So findet schon heute etwa jede dritte Suche nach einem Restaurant über ein Smartphone statt. Wer sich in einem Themenumfeld mit hohem lokalem Bezug bewegt, für den ist eine mobile Version seiner Website und eine mobile SEO-Strategie schon heute absolute Pflicht.

ADZINE: Welche Rolle spielt dabei Google Places?

Pelle Boese: Lokale Ergebnisse haben bei der Smartphone-Suche starke Relevanz und erfreuen sich hoher Klickraten. Google-Places-Einträge werden zudem in der Universal-Search auf Smartphones viel stärker wahrgenommen als auf dem Desktop, da sie sehr prominent am Anfang der Seite auftauchen. Findet der Nutzer hier einen passenden Eintrag, scrollt er häufig erst gar nicht weiter zu generischen Ergebnissen. Die Optimierung der Google-Places-Rankings spielt daher eine zentrale Rolle bei der mobilen Suchmaschinenoptimierung.

ADZINE: Wir danken Euch für die ausführlichen Antworten und freuen uns auf Köln!

Arne Schulze-Geißler Über den Autor/die Autorin:

Arne Schulze-Geißler, Chefredakteur ADZINE