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Bei Arbeit, Sport und Spiel

Jens von Rauchhaupt, 15. June 2007

Genau in 2 Wochen wirft Apple das iPhone auf den US-amerikanischen Markt. Die neue Generation der Mobilfunkgeräte beherrscht etwas, worauf der User an seiner stationären Rechenmaschine noch länger wird warten müssen. Die Touchscreentechnologie macht Internetinhalte noch erlebbarer für den Endverbraucher. Damit steigen auch die Möglichkeiten des Werbetreibenden mit dem Konsumenten zu interagieren. ADZINE bleibt dem mobilen Internet treu und befragte Michael Neidhöfer, Geschäftsführer und Leiter für den Bereich Sales & Marketing bei dynetic solutions.

In Deutschland gibt es zwei wichtige Hausnummern, die ein Websitebetreiber kennen muss, wenn er in das mobile Internet einsteigen will: Die Dynetic Solutions GmbH aus Kaiserslautern und die Sevenval AG aus Köln. Beide Firmen haben sich darauf spezialisiert, Internetseiten an das Mobilfunkgerät anzupassen. Dynetic nennt die dafür entwickelte Plattform emoveo UAP. Bekannte Medien- und Internetunternehmen wie etwa AOL, eBay, RTL, Spiegel Online, die Zeit Online und nun auch das Manager Magazin vertrauen auf die Erfahrung und die Technologie der Pfälzer.

ADZINE: Herr Neidhöfer, dynetic sorgt zum Beispiel für den mobilen Zugang der Videostreams bei T-Online, während Sevenval das gesamte T-Online-Portal für das Handy fit gemacht hat. Kommt man sich da nicht ins Gehege? Wie würden Sie die Unterschiede zwischen Sevenval und dynetic beschreiben?

M. Neidhöfer: Jeder konzentriert sich auf seine eigenen Stärken. Wir sind eher Softwareanbieter und technischer Dienstleister. Die Technologie von Sevenval ist primär darauf ausgerichtet möglichst schnell eine Webseite an das Mobilfunkgerät anzupassen, während wir ein Content Managing System Plugin anbieten, das mit universellen Mediendaten - sei es Audio oder Videos - umgehen kann und neueste Technologien wie etwa Ajax integriert.

ADZINE: Was wissen wir eigentlich inzwischen über die Nutzerzahlen des mobilen Internets?

M. Neidhöfer: Die neuesten Zahlen der OPA-Europe (Online Publisher Association) zeigen, dass die Nutzung des mobilen Internets stark steigt. 75 Prozent aller Besitzer eines Mobilfunkgerätes haben mit ihrem Gerät einen Zugang in das mobile Internet und gut 40 Prozent nutzen diesen auch. Vor drei Jahren lag diese Zahl noch bei 5 Prozent. Außerdem verändern sich derzeit die Verweildauern signifikant. Während früher die Anwender nur kurz mit dem Mobiltelefon in das Internet gegangen sind, nutzen sie das mobile Internet inzwischen weit länger.

ADZINE: Was ist die größte Hürde für eine schnelle Akzeptanz des mobilen Internets?

M. Neidhöfer: Auch wenn sich derzeit preislich viel tut, die größte Hürde des mobilen Internets ist die Tarifpolitik der Mobilfunkbetreiber. Gerade in Deutschland ist es auch noch immer so, dass der Nutzer das mobile Internet mit WAP und mit hohen Kosten verbindet. Wir können das mit der Preispolitik von O2 im Jahre 2004 belegen. Als O2 damals die erste Flatrate für das mobile Internet angeboten hat, konnten wir plötzlich eine exponentielle Steigung des Traffics feststellen. Ich halte aber auch die Übertragungsgeschwindigkeiten für einen wichtigen Aspekt. Es macht einfach mehr Spaß mit UMTS mobil zu gehen. Sicherlich ist die Content Adaption auch noch eine Problemstellung. Hier trifft man immer wieder auf unterschiedliche Philosophien. Manchen Kunden geht es nur um die schnelle Umsetzung für das Mobilfunkgerät, andere sehen die Adaption als einen längeren Prozess, der auch einer guten Usability Rechnung tragen soll. Die Preisgestaltung, Übertragungsgeschwindigkeit und Content Adaption sind meines Erachtens die drei größten Hürden für das mobile Internet.

ADZINE: Nun hat dynetic gerade das Internetangebot von Zeit Online für das mobile Internet angepasst. Wenn man die Inhalte dieser Publikation mit dem Handy aufrufen will, muss man eine ziemlich umständliche URL mit einem vorangestellten "mobile" ohne "www" eingeben. Ist das sinnvoll? Bei FAZ.net klappt das zum Beispiel mit der altbekannten www-URL ganz prima.

M. Neidhöfer: Die www-URL macht dann Sinn, wenn es dem Kunden primär darum geht, seine Webseite einfach mobil anzupassen und abzubilden. Viele Kunden wollen aber gerade eine mobile-URL, um eine eigene mobile Marke zu erschaffen. So können sie ihre Nutzer extra darauf hinweisen, dass sie etwas Neues im Angebot haben. Es gibt ja auch noch die dritte Möglichkeit der ".mobi"-Adressendung, die von einem großen Konsortium angeboten wird. Sicherlich hätte auch eine einheitliche Handhabung für den Anwender seine Vorteile, wir können aber unsere Kunden nur beraten und Ihnen alle drei Möglichkeiten aufzeigen.

ADZINE: Hat dynetic eigentlich bereits die technischen Spezifikationen für das iPhone erhalten?

M. Neidhöfer: Oh ja, die haben wir und das Gerät ebenfalls. Apple wird in den Staaten das iPhone zunächst nur exklusiv für AT&T ausliefern. Da wir auch auf dem amerikanischen Markt vertreten sind, kennen wir das Gerät bereits. Das iPhone ist schon deshalb für den gesamten Markt wichtig, weil es Steve Jobs in seinen Präsentationen gelungen ist, allen Leuten klar zu machen, dass man damit in das Internet gehen kann. Allein deswegen ist das iPhone relativ cool für den gesamten Markt. Es öffnet den Menschen die Augen, dass man nun das Internet ganz einfach auch mit dem Mobilfunkgerät nutzen kann.

ADZINE: Das iPhone hat auch ein recht großes Display, gut für Werbeinhalte. Adressiert dynetic eigentlich das Thema Werbung und Vermarktung von Internetinhalten am Mobiltelefon?

M. Neidhöfer: Wir sind reiner Technologieanbieter. Eine Vermarktung von Internetcontent für das Mobiltelefon planen wir nicht. Aus unserer Sicht ist es auch gar nicht notwendig, einen mobilen Dienstleister dafür zu haben. Technologisch ist es sehr einfach, Werbeelemente von einem bestehenden Adserver an mobile Endgeräte auszuliefern. Dafür haben wir ein Adserver Transcoding Interface entwickelt, das diese Kommunikation zwischen Mobilfunkgerät und Server bewerkstelligen kann. Ansonsten fokussieren wir uns auf unsere Rolle als Softwareanbieter.

ADZINE: Was kann man eigentlich alles am Mobilfunkgerät messen, was auch für die Werbeindustrie relevant sein könnte?

M. Neidhöfer: Neben den Klicks, der PIs, können wir mittlerweile auch bei den neueren Geräten die Unique User erfassen. Daneben ist es möglich, die Geräteklassen der User zu erkennen, aus denen sich ja bestimmte Zielgruppen ableiten lassen.

ADZINE: Videostreams im Internet sind in aller Munde, wie bekommt man als Technologieanbieter die Datenmengen in den Griff, damit der User nicht in die Kostenfalle tappt?

M. Neidhöfer: Unsere Software rechnet die Datenmengen so weit wie möglich herunter. Nicht jeder Nutzer hat aber den perfekten Datentarif für Videodienste. Das Wichtigste ist, dass der Anwender vom Anbieter des Dienstes gut informiert wird. Die Clips, die heute angeboten werden, variieren zwischen ein und zehn Minuten Abspieldauer. Dabei können bis zu 10 Megabyte Datenvolumen entstehen. Das ist die absolute Schmerzgrenze. Wirklich schwierig wird es, wenn der Netzbetreiber seine Datentarife unübersichtlich gestaltet. Viele Kunden wissen dann gar nicht, dass sich eine Flatrate beispielsweise nur auf die eigenen on-deck-Dienste des Mobilfunkbetreibers beziehen kann und Videostreams außerhalb des walled garden extra berechnet werden. Das Problem ist einfach die Tarifvielfalt.

ADZINE: Haben Sie oder ihr Unternehmen schon einmal versucht auf die Mobilfunkbetreiber einzuwirken?

M. Neidhöfer: Wir sprechen selbstverständlich mit den Netzbetreibern, aber ich bin Realist genug, dass unsere Einwirkungskraft gering ist. Allerdings kommunizieren auch unsere Kunden wie eBay mit Netzbetreibern und versuchen gemeinsam gute und nutzerfreundliche Dienste zu entwickeln, die sowohl on-deck als auch off-deck optimal funktionieren. Die Netzbetreiber müssen sich an die veränderten Marktbedingungen anpassen und akzeptieren, dass immer mehr Content an ihren Portalen vorbeiläuft.

ADZINE: Könnten Sie uns abschließend ein kleines Beispiel geben, wie sich Internet und mobiles Internet mit WAP Push- oder SMS-Diensten verbinden lassen?

M. Neidhöfer: Das Kicker Magazin hat mit einem sehr einfachen Verfahren unglaublich hohen Traffic auf ihrer mobile Webseite generieren können. Mit einem kleinen Symbol an einzelnen Bundesligabegegnungen kann sich der Nutzer dort im normalen Internet registrieren. Daraufhin erhält er nach der Begegnung einen Alert auf das Mobilfunktelefon mit einem Link in das mobile Internet, wo nähere Informationen zur Begegnung zur Verfügung gestellt wurden. Auch bei Spiegel Online wird das Versenden der Artikel auf das Mobiltelefon erfreulicherweise sehr gut angenommen. Die inhaltliche Verknüpfung beider Welten scheint die beste Lösung. Das Internet und das mobile Internet kannibalisieren sich jedenfalls nicht.

ADZINE: Herr Neidhöfer, haben Sie vielen Dank für das informative Gespräch.

Liebe Leser: Falls Ihnen der Begriff walled garden Rätsel aufgibt, empfehlen wir Ihnen die Lektüre "Mobiles Internet auf dem Prüfstand" http://www.adzine.de/de/site/contentfcmsv445dde21109068/artikel.xml/

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