Adzine Top-Stories per Newsletter
DATA

Geo-Informatiker als Architekten der modernen Außenwerbung

Axel Wiehler, 10. Februar 2026
Bild: Mario Verduzco – Unsplash

Trend? Hype? Medien-Phänomen? All das kann Geomarketing nicht bieten. Es fällt kaum auf. Und doch – oder gerade deshalb – ist es in der Werbewirkung gleichermaßen unterschätzt wie unverzichtbar. Weil es genau dort ansetzt, wo Media-Entscheidungen fallen: an der Schnittstelle von Daten, Standortwissen und menschlicher Expertise.

Während kreative Motive und immer größere Screens die Aufmerksamkeit der Branche auf sich ziehen, orchestriert Geomarketing die vielleicht wichtigste Revolution der Außenwerbung still und leise im Hintergrund: in Datenströmen, Modellen und Kartenschichten, die die reale Welt präziser abbilden als je zuvor. Die Digitalisierung hat Geomarketing aus einer ursprünglich statischen Auswertungsdisziplin nahezu unbemerkt in ein dynamisches System verwandelt. Es kann Zielgruppenbewegungen, Aufenthaltswahrscheinlichkeiten und situative Faktoren beinahe in Echtzeit erfassen.

Vom statischen Werkzeug zum dynamischen System

Technologie ist dabei der Treiber. Was früher hauptsächlich auf soziodemografischen Clustern, Einwohnermeldedaten und groben Verkehrszählungen beruhte, wird heute durch eine Vielzahl digitaler Signale angereichert: anonymisierte Mobilitätsdaten aus Apps, Frequenzmessungen aus Geofences, digitale POS-Informationen, Satellitendaten und kontextuelle Trigger wie Wetter oder Events. Dank neuer methodischer Ansätze, wie der Einsatz von KI zur Erkennung von Mustern zwischen „Ort“, „Zeit“ und „Ereignis“, sowie der Vereinfachung in der Datenintegration zwischen verschiedenen Arten von Datensätzen, konnten wir unsere Tech-Stacks enorm stärken und ein Präzisionsniveau erreichen, das Außenwerbung auf ein völlig neues Fundament stellt.

Das ist im intermedialen Vergleich zentral, weil wir dank Geomarketing gleichermaßen Reichweite und Zielgruppengenauigkeit erzielen. Es geht längst nicht mehr darum, wo unsere Zielgruppen wohnen, sondern wie sie leben, wie sie sich über den Tag bewegen. Die viel zitierte „Customer Journey“ wird geografisch greifbar. Morgens am Bahnhof, mittags im Büro-Tower, abends im Fitnessstudio – all diese Alltagsmuster lassen sich heute datengestützt analysieren und gezielt adressieren. Für Marken bedeutet das: Kampagnen können viel genauer dort ausgespielt werden, wo Zielgruppen sich tatsächlich aufhalten, nicht nur dort, wo man sie vermutet. Dabei verschwimmen die Grenzen zwischen klassischem Geomarketing und programmatischer digitaler Außenwerbung (pDOOH). Daten, die früher allein für Planung und Standortanalyse genutzt wurden, steuern heute live die Ausspielung auf (digitalen) Screens und optimieren die Selektion klassischer OOH-Flächen. Das Tagging von analogen Werbeträgern mit detaillierten Standort-Informationen ist nur einer von vielen Schritten Richtung ganzheitlicher Echtzeit-Schaltzentrale.

Die Architekten hinter den Kulissen

In diesen Kontrollzentren sitzen die Architekten der modernen Außenwerbung: die Geoinformatiker. Sie systematisieren die Vielzahl an Daten, bereiten sie auf und analysieren sie – eine Wissenschaft für sich. Doch Geomarketing wird für die Außenwerbung immer mehr zu einem entscheidenden Erfolgsfaktor, weil wir inzwischen zwar viel bessere Instrumente haben, die räumliche Infrastruktur auszuleuchten, aber wir brauchen dafür eben auch exzellent ausgebildete Menschen, diese zu bedienen. Das Zusammenführen und Bereinigen großer Geodatenmengen, das systematische Klassifizieren von passenden Gebieten oder das automatisierte Geofencing sind komplementäre, aber nicht identische Kompetenzen zur klassischen Mediaplanung. Geoinformatiker füllen diese Daten mit Leben. Genau wie die Planung und der Einkauf lebt Geoinformatik von der Liebe zum Detail.

Fest steht: Geomarketing wird nie der glitzernde Star der Branche sein, aber der Motor, ohne den nichts läuft. Kaum wahrnehmbar, aber wirkungsvoll und effizient. Und in einer Werbewelt, die zunehmend auf Relevanz statt Lautstärke setzt, könnte genau das sein größter Vorteil sein. Wie bei jedem Motor gilt natürlich auch hier: Man muss genau wissen, wie man ihn wartet.

Bild Axel Wiehler Über den Autor/die Autorin:

Axel Wiehler ist seit 2021 Geschäftsführer von Planus Media. Zuvor war er ebenfalls als Geschäftsführer bei Initiative Media und bei der Ströer Sales & Services GmbH tätig.

EVENT-TIPP ADZINE Live - SPOTLIGHT: Geodata Innovation am 19. Februar 2026, 11:30 Uhr - 12:30 Uhr

In dieser SPOTLIGHT-Folge nehmen wir Innovationen rund um Data und Targeting unter die Lupe. Jetzt anmelden!

Konferenz

Digital Events

Whitepaper

Das könnte Sie interessieren