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NEW WORK

Fachwissen aus eigener Hand – bei Otto schulen Mitarbeiter ihre Kollegen

René Weber, 29. November 2019
Bild: Otto Presse

Online-Händler Otto ist bekannt für sein erfolgreiches Employer Branding, zu dem auch ein selbst entwickeltes Weiterbildungsprogramm für die Mitarbeiter gehört. Otto-Führungskräfte Jan-Philipp Wachsmuth, Bereichsleiter Online Marketing, und Anne-Katharina Mardfeldt, HR Managerin Personalentwicklung, erklären im Interview, wie der Konzern das Thema umsetzt und welche konkreten Weiterbildungsmöglichkeiten zur Verfügung stehen. Wachsmuth, vorher Geschäftsführer bei Eprofessional, leitet das 100-köpfige Online-Marketing-Team seit Mai, während die Wirtschaftspsychologin Mardfeldt neben ihren Tätigkeiten für Otto an der Hochschule Fresenius Entwicklungspsychologie lehrt.

Otto ist einer der wenigen Online-Händler in Deutschland, der Konkurrenz für Amazon darstellt. Das Hamburger Versandhaus ist mit großem Abstand vor Zalando die Nummer zwei unter den hiesigen Online-Shops. Diese Erfolgsgeschichte ist zu einem großen Anteil darauf zurückzuführen, dass das Familienunternehmen die Digitalisierung ihres klassischen Katalog-Geschäfts gemeistert hat.

Heute gilt Otto als Branchen-Primus im Online-Marketing, der seine technologische Infrastruktur überwiegend selbst aufbaut. Damit das funktioniert, müssen die Mitarbeiter des Konzerns über entsprechende Fähigkeiten verfügen, wobei Weiterbildung eine zentrale Rolle zukommt.

ADZINE: Hallo Anne und Jan, großzügige Elternzeit, Urlaubsgeld, Betriebssport und Fahrkartenzuschüsse – in Gesprächen erzählen Bekannte von mir, die im Otto-Kosmos arbeiten, gerne von ihren diversen Benefits. Unter unseren Lesern befinden sich viele Marketer, daher die Frage: Was zeichnet die Attraktivität Ottos als Arbeitgeber für Marketer aus, abgesehen von den genannten Sozialleistungen & Co.?

Jan-Philipp Wachsmuth

Jan: Otto bietet als großer Konzern besonders viele Möglichkeiten – sei es in der Zusammenarbeit mit den anderen Tochterfirmen oder auch speziell den verschiedenen Fachbereichen – zum Beispiel mit der Business Intelligence entstehen schnell spannende Sparrings. Aber auch die aktuelle Weiterentwicklung unseres Geschäftsmodells zur Plattform ist eine tolle Perspektive und besondere Herausforderung für alle, auch für uns Marketer. Es bieten sich viele Möglichkeiten sich zu entwickeln und eigene Ideen einzubringen, was zum Beispiel durch den Aufbau neuer Technologien machbar ist. Wir arbeiten gerne nach dem Test- and-Learn-Ansatz und haben viele kluge Köpfe bei uns im Bereich.

ADZINE: Wie viele Mitarbeiter arbeiten überhaupt im Marketing bei Otto und welche Fähigkeiten sind im Detail gefragt? In Prozentwerten: Wie viele Mitarbeiter verteilen sich auf die Marketingbereiche Brand und Performance?

Jan: In Brand und Performance wollen wir künftig nicht mehr denken, sondern eher in Content/Kreation und Media. Insgesamt hat Otto ca. 200 Mitarbeiter im digitalen Marketing. Da werden viele Fähigkeiten benötigt, weshalb die Kollegen auch sehr breit aufgestellt sind. Im Performance Marketing sind aktuell beispielsweise eher Data Analysten und Mitarbeiter mit technischem Hintergrund gefragt, aber wir brauchen genauso auch Strategen und Querdenker, die im Content-Bereich und im Performance Marketing unterwegs sind.

ADZINE: Nehmen wir mal an: Der Data Analyst Hans Spurenleser arbeitet seit drei bis vier Jahren bei euch. Welche Weiterbildungsmöglichkeiten gäbe es konkret für ihn, damit er weiter an seinen Skills schleifen kann? Kannst du uns Beispiele nennen?

Jan: Mit unserer eigenen Otto-Akademie bieten wir unseren Kollegen ein breites Spektrum an Weiter- und Fortbildungsmöglichkeiten. Außerdem steht jedem Fachbereich ein Kollege aus der Personalentwicklung mit Rat und Tat zur Seite, wenn es um die persönliche und fachliche Weiterentwicklung geht.

Anne-Katharina Mardfeldt

Anne: Darüber hinaus gibt es bei uns auch die Möglichkeit in verschiedenen Bereichen bei Otto oder auch konzernweit in der gesamten Otto Group zu hospitieren. Direktes Lernen von den eigenen Kollegen quasi. Außerdem haben wir jetzt gerade eine neue Initiative ins Leben gerufen, bei der jeder Mitarbeiter online Kurse absolvieren kann – nicht nur gewisse Basiskurse zum Thema Digitalisierung, sondern auch vertiefend zu allem, was persönlich interessiert. Das Ganze nennen wir “TechUcation”.

ADZINE: Wer treibt bei euch in erster Linie das Thema Weiterbildung an? Ist HR der Treiber oder kommt das aus den Fachabteilungen heraus? Wie funktioniert die Zusammenarbeit zwischen HR und Fachabteilung konkret, wenn es um Weiterbildung geht?

Jan: Wir arbeiten sehr eng zusammen und tauschen uns aus. Uns ist es wichtig, dass wir dem Personalbereich Impulse geben können, genauso überlegen sich die Kollegen aus der Personal- und Organisationsentwicklung, welche Weiterbildungsangebote fürs Unternehmen und die einzelnen Fachbereiche sinnvoll sind.

Anne: Wie gut dieses Zusammenspiel aus Experten der Fachrichtungen und HR- Kollegen funktioniert, zeigt unser Format “mySession”. Hier kann jeder Sessions einstellen, bei denen das eigene Wissen an die Kollegen weitergegeben wird, die diesen Kurs belegen. Das kann jedes Thema sein – nicht nur im beruflichen Kontext. Das ergibt einen bunten Blumenstrauß an Lernmöglichkeiten und -inhalten für alle.

ADZINE: Marketing ist sehr komplex geworden: immer mehr neue Endgeräte und Kanäle, anspruchsvolle Kunden erwarten eine super Experience. „Spezialisten gewinnen den Sprint, Generalisten den Marathon“ – sagte Marketing-Experte Pascal Fantou letztens in einem Interview mit uns. Wie steht ihr zu der Aussage? Wie kurz- und langfristig plant ihr die Weiterbildung eurer Marketer? Wie bleibt ihr am Puls der Zeit und entscheidet darüber, welche Expertise heute und in Zukunft wirklich gefragt ist?

Jan: Ob Generalisten den Marathon gewinnen würde ich bezweifeln. Die braucht es mit Sicherheit auch, aber der Mix macht es am Ende. Wobei aktuell ein starker Trend zu technischen Skills und Data-Analysts geht und das wird sich meiner Meinung nach so schnell nicht ändern.

Anne: Und genau dafür ist unsere Initiative TechUcation gedacht. Hier können sich die Kollegen sowohl das Basiswissen aneignen und sich individuell sowie bedarfsorientiert auf verschiedene Themengebiete spezialisieren. Das gesammelte Wissen wird von Experten aus der Wirtschaft und Wissenschaft sowie den eigenen Kollegen vermittelt. Es ist ein dauerhafter Lernprozess, der nicht auf eine bestimmte Zeit begrenzt ist. Die Kurse können jederzeit absolviert werden, damit das Wissen aktuell bleibt.

ADZINE: Räumt ihr Mitarbeitern gewisse Kapazitäten zur Weiterbildung fix ein oder ist das Verhandlungssache mit dem Chef: Mal klappt es und man darf zu den Online Marketing Rockstars, mal nicht, weil mal wieder zu viel zu tun ist?

Jan: Weiterbildungen und lebenslanges Lernen sind uns sehr wichtig, aber sie müssen natürlich sinnvoll für den jeweiligen Menschen und den Fachbereich sein, das Gleiche gilt für Veranstaltungen.

Anne: Wir wollen, dass sich die Mitarbeiter kontinuierlich weiterbilden, denn Lernen und Arbeiten werden zunehmend eins. Dafür schaffen wir die richtigen Rahmenbedingungen – beispielsweise sollen die Kurse von TechUcation während der Arbeitszeit absolviert werden.

ADZINE: Stichwort Mitarbeiterführung: In welchen Zyklen gibt es bei euch im Unternehmen Personalgespräche, in denen ja Weiterbildung auch gerne ein Thema ist? Wie laufen die konkret ab? Werden darin messbare Ziele besprochen, beispielsweise im Sinne von Objectives und Key Results (OKR)?

Jan: Das Arbeiten mit OKR ist Teil unserer täglichen Arbeit. Nichtsdestotrotz führen wir regelmäßig Feedbackgespräche. Dafür nutzen wir ein selbstentwickeltes Tool, das auch das regelmäßige Führungs- und 360-Grad-Feedback für Projektgruppen ermöglicht.

ADZINE: Vielen Dank für das Interview euch beiden!

Bild René Weber / Adzine Über den Autor/die Autorin:

René ist als Freelancer in den Bereichen PR, Digital Marketing und Event tätig. Er besitzt über zehn Jahre Erfahrung in der Kommunikation von Technologiethemen für Unternehmen aus dem Digital Marketing, Advertising und E-Commerce. In dieser Zeit war er in der PR-Beratung tätig, hat das Marketing auf Medien- und Unternehmensseite verantwortet und viele Fachevents – offline wie online – geplant und organisiert. René war in den Jahren 2019 bis 2020 als Marketing Director bei ADZINE tätig. In dieser Rolle verantworte er die Marken-Positionierung der Fachpublikation für Ad- und Martech. Dazu gehörte unter anderem die Weiterentwicklung der Konferenzen von ADZINE EVENTS (z.B. Adtrader Conference, Play Video Advertising Summit).

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