ADTECH

Wie der IAB die DSGVO-Einwilligung zentral in den Griff bekommen will

Von Jens von Rauchhaupt, 9. Mai 2018

In Zusammenarbeit mit dem IAB Adtech Lab stellt die europäische Dependance des internationalen Dachverbandes Interactive Advertising Bureau (IAB) nun ein 'Open Framework' zur Einholung der Nutzer-Einwilligung zum Download zur Verfügung. Das Framework soll allen Werbeträgern und Programmatic Playern den datenschutzkonformen Umgang des Nutzer-Consents innerhalb der programmatischen Systeme ermöglichen.

Das Ziel des IAB Europe Transparency & Consent Frameworks ist eine effiziente Kommunikation zwischen Marktteilnehmern, damit sie ab dem 25. Mai ihren datenschutzrechtlichen Pflichten nachkommen können. „Vordergründig ist, wie der Name verrät, transparente Informationen darüber, welche Unternehmen auf einem Internetdienst Daten erheben und verarbeiten, und zu welchen Zwecken. Darüber hinaus erlaubt es Internetdiensten ihren Werbepartnern Signale über etwaige Zustimmungen des Benutzers zu senden“, erläutert Matthias Matthiesen, Director, Privacy & Public Policy im IAB Europe.

Das Framework ist sowohl für die App-Vermarktung als auch für Desktop einsetzbar und wird beim Werbeträger implementiert. Auf diese Weise können die Nutzer informiert werden, welche Adtech-Plattformen (Vendor) mit dem Publisher zusammenarbeiten und der Nutzer kann hierzu seine Einwilligung geben oder eben diese verneinen. Per Platzhalter können die Adtech-Anbieter in den Bid-Stream integriert werden. Da Publisher bestrebt sein werden, nicht zu viele Partner zu implementieren, könnte das IAB Transparency & Consent Framework auch einen bereinigenden Effekt auf die Branche haben.

Matthias Matthiesen, IAB Europe

Auf jeden Fall ist der IAB als internationaler Dachverband bestrebt, dieses Consent-Framework als Branchenstandard zu etablieren. Je mehr Unternehmen sich dazu entscheiden diesen offenen und gemeinnützigen Standard zu unterstützen, desto einfacher wird es, eine effiziente Kommunikation zwischen den Marktteilnehmern sicherzustellen. Matthiesen vom IAB Europe: „Langfristig wird sich ein Standard durchsetzen und wir hoffen, dass dies der IAB Europe Standard sein wird, da er der einzige nicht-proprietäre, offene, und gemeinnützige Standard ist. Wir sehen großes Interesse aus der Branche: Seitdem wir vor etwa vier Wochen Registrierungen eröffnet haben, haben sich rund 130 Technologie Unternehmen (SSPs, DSPs, etc.) in die Global Vendor Liste eintragen lassen.“

Und immer mehr Unternehmen machen mit. Matthiesen zieht dazu ein Vergleich zum EDAA. Dort würden etwa 175 Unternehmen beim Selbstregulierungsverband EDAA beteiligen, um das industrieweite Opt-Out über das OBA-Icon zu ermöglichen. „Wir sind also auf bestem Wege zur flächendeckenden Industrieunterstützung. Darüber hinaus haben sich vor kurzem größere Verlage, wie Axel Springer, dazu entschlossen das Framework zu unterstützen, weil sie auch der Meinung sind, dass flexible, offene und gemeinnützige Standards langfristig besser sind als proprietäre Standards einzelner Unternehmen.“

Es gibt aber auch Ungereimtheiten. So realisiert das IAB-Mitglied Google den Consent zunächst über eigene "Ad Technology Provider Controls" und über eine eigene Vendor-Liste ausgesuchter Adtech Provider. Erst bei Third Party Ad Exchanges wird bei Google das IAB Framework empfohlen.

Wieso dieser Alleingang von Google? Matthiesen will das nicht kommentieren. Er sagt dazu nur: „Wir sind der Auffassung, dass das Transparency & Consent Framework für alle Marktteilnehmer funktioniert und werden weiterhin den Dialog mit allen Marktteilnehmern suchen, um das IAB Europe Transparency & Consent Framework so weiterzuentwicklen, dass die großmöglichste Anzahl an Unternehmen unseren Standard verwendet.“

Nun war allerdings Deutschland eigentlich immer auch ein Sonderfall. Jedenfalls hatte sich die hiesige Branche neben dem Consent (Einwilligung) auch auf das berechtigte Interesse als Rechtfertigungsgrund konzentriert. Anders als eine Einwilligung lässt sich ein berechtigtes Interesse schwerlich übemitteln. Der IAB scheint aber dafür eine Lösung gefunden zu haben. Das Framework soll auch darüber informieren können, ob eine Datenverarbeitung auf Basis eines berechtigten Interesses stattfindet. Matthiesen ergänzt: „Darüber hinaus haben wir vor Kurzem Pubvendors.JSON veröffentlicht, eine Erweiterung des Frameworks, die es Publishern nicht nur Erlauben wird ihre Technologieunternehmen besser zu kontrollieren, sondern gleichzeitig auch mehr Flexibilität und Sicherheit bieten wird, wo berechtigte Interessen als Verarbeitungstatbestand bestehen.“

Hier geht’s zum Download des IAB Frameworks.