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App Fraud: Übernehmen bald die Bots?

5. April 2018 (ft)
Bild: rodjulian - Adobe Stock

Der Betrug mit App-Downloads nimmt weiter zu und verursachte bereits im ersten Quartal 2018 bereits einen Schaden von weltweit 700 bis 800 Millionen US-Dollar – im Vergleich zum Vorjahr ein Anstieg von 30 Prozent. Neben den finanziellen Einbußen ist der Anteil der betrügerischen Installationen ebenfalls um 15 Prozent angewachsen. Damit sind 11,5 Prozent aller marketinggesteuerten Installationen betroffen.

Dies geht aus dem neuesten „The State of Mobile App Install Fraud“-Report von AppsFlyer hervor. Hierfür wurden von September 2017 bis Februar 2018 6.000 Apps und 10 Milliarden Installationen untersucht.

Technologisches Wettrüsten – Bots auf dem Vormarsch

Die jüngste Untersuchung zeigt außerdem, dass sich die Betrugsarten schnell ändern und aktuell immer mehr Bots für Mobile Fraud verantwortlich sind.

Bild: Appsflyer Presse In der Verteilung der unterschiedlichen Fraud-Typen, nimmt besonders Bot Fraud stark zu.  » Vergrösserung

Noch im Sommer 2017 waren Device Farms für ein Allzeithoch von 56 Prozent der betrügerischen Installationen verantwortlich. Nachdem sich die Branche jedoch an diese Form von Fraud durch entsprechende Lösungen angepasst hat, ist in der Folge Click Flooding sprunghaft angestiegen.

Bild: Ben Jeger - Appsflyer

Werden neue Schutzmaßnahmen eingeführt, reagieren Betrüger entsprechend und entwickeln neue Methoden. Der Zyklus geht weiter. Fraud ist zu einem regelrechten Wettrüsten geworden, da beide Seiten immer raffinierter werden.

(Ben Jeger, Managing Director DACH von AppsFlyer)

Im Anschluss hat Appsflyer einen Anstieg an Bots beobachtet, die versuchten, das Software Development Kit (SDK) des Unternehmens in kleinem Maßstab auf der ganzen Welt zu fälschen. Im Februar 2018 überholten Bots die Device-Farmen als das meistgenutzte Betrugswerkzeug mit einem Anteil von 30 Prozent. Ein Grund könnte sein, dass Bots als Programme über Serverfarmen laufen und damit einfacher aufzubauen sind. Bei Device-Farmen werden echte Smartphones genutzt, die nach entsprechenden Klicks auf Werbung eine neue Device ID zugeteilt bekommen.

„Fraud, der auf mobile App-Vermarkter abzielt, entwickelt sich schneller als je zuvor. Was früher sechs Monate dauerte, kann heute in Wochen, manchmal sogar in wenigen Tagen realisiert werden“, ergänzt Jeger.

USA im Zentrum der Attacken – gefolgt von Indien und Indonesien

Mit 98 Millionen US-Dollar ist der finanzielle Schaden in den USA am größten, gefolgt von Indien mit 26 Millionen US-Dollar und Indonesien mit 24 Millionen US-Dollar. In Europa entsteht in UK mit 16 Millionen US-Dollar der größte Schaden. Dagegen hält sich der Schaden in Deutschland in Grenzen. Hierzulande beläuft er sich auf sieben Millionen US-Dollar.

Appflyer hat zwei Hauptfaktoren identifiziert, die für Betrüger entscheidend sind: die Höhe der Auszahlung und die Reichweite. Aus diesem Grund zielen sie einerseits auf Länder mit relativ hohen CPIs (Cost per Install) wie USA, Japan, Großbritannien oder Deutschland, andererseits auf Länder mit hohem Volumen wie Indien, Indonesien und Brasilien ab.

Shopping-Apps erleiden höchste Verluste

Shopping-Apps mit ihren hohen CPIs und ihrer starken Verbreitung haben mit 275 Millionen US-Dollar im ersten Quartal 2018 die größten finanziellen Verluste erlitten. Aber auch Gaming-, Finance- und Travel-Apps waren stark betroffen. Im Gaming-Bereich etwa sind die Auszahlungen zwar viel niedriger, aber die Reichweite ist extrem hoch, so dass sich der Aufwand dennoch lohnt. Entstandener Schaden für die Gaming-Branche: 103 Millionen Euro.

Die Beliebtheit oder Verbreitung einer App hat dagegen nichts mit ihrer Anfälligkeit für Fraud zu tun. Appsflyer konnte keine Korrelation zwischen der Anzahl der nicht-organischen Installationen einer App und der Fraud-Rate feststellen.