ECOMMERCE - Aus der Praxis

Ausverkauft! Handling von nicht mehr vorhandenen Produkten im E-Commerce

18. Dezember 2017 (jvr)
Bild: Adobe Stock

Wenn im stationären Handel ein Produkt nicht mehr verfügbar ist und erst nachbestellt werden muss, fängt ein versiertes Verkaufsteam den enttäuschten Konsumenten mit anderen Angeboten auf. Im Onlinehandel droht hingegen die schnelle Abkehr zur Konkurrenz, ganz einfach per Mausklick. Längst nicht alle Online-Shops kennen die ideale Prozesskette, um im Falle eines Ausverkaufs interessierte User im Online-Shop zu halten. Kay Freimund, Senior SEO Consultant bei der Bremer Agentur 42Digital zeigt, was ein Shop in so einen Fall tun sollte.

Immer wieder sind Produkte in Onlineshops nicht mehr verfügbar, da sie entweder ausverkauft sind oder aus dem Sortiment genommen wurden. Wie sollte nun vorgegangen werden, um eine bestmögliche User Experience zu gewährleisten und gleichzeitig die Suchmaschine zufrieden zu stellen?

Foto: Presse 42DIGITAL Kay Freimund, 42DIGITAL

„Ist ein Produkt eines Webshops nicht mehr vorhanden, so sollte standardmäßig der Statuscode 404 ausgespielt werden. Dieser teilt der Suchmaschine mit, dass die angeforderte Ressource momentan nicht verfügbar ist. Außerdem werden die auftretenden Fehler in der Google Search Console gelistet und lassen sich somit analysieren“, sagt Kay Freimund, Senior SEO Consultant bei 42Digital.

Der Nutzer und der 404 Statuscode

Für den User hingegen spielt weniger der zurückgegebene Statuscode eine Rolle als vielmehr der Inhalt der Seite. Um eine bestmögliche Usability zu gewährleisten, sollte die 404 Seite laut SEO-Spezialisten Freimund dem Nutzer folgende Informationen geben:

  • Die Mitteilung, dass das gesuchte Produkt nicht mehr verfügbar ist.
  • Die Empfehlung möglichst ähnlicher Produkte.
  • Der Hinweis zur Nutzung der Suchfunktion.

Das reduziert die Absprungrate und erhöht die Wahrscheinlichkeit anderer Conversions im Shop.

404 Fehler, Verlinkungen & Weiterleitungen

Sobald 404 Fehler wie oben beschrieben in der Search Console auflaufen, sollten diese genauer analysiert werden.

Grafik: 42Digital  » Vergrösserung

Klickt man auf den entsprechenden Link in der Übersicht, so finden sich neben den Fehlerdetails die URLs, über welche die nicht gefundene Seite verlinkt wurde. An dieser Stelle muss nun geprüft werden, ob die nicht gefundene URL über externe oder interne Verlinkungen verfügt.

Externe Verlinkung

Ist die URL wie in oben stehendem Beispiel über eine externe Quelle verlinkt, so sollte per 301 Redirect weitergeleitet werden. Dabei ist zu beachten, dass die Ziel-URL der Weiterleitung ein möglichst ähnliches Produkt ist. Ist die URL, auf die weitergeleitet wird, inhaltlich zu weit entfernt, steigt die Wahrscheinlichkeit, dass der Nutzer abspringt, weil seine Erwartung nicht erfüllt wird.

Vorteile der 301 Weiterleitung:

  • Im Gegensatz zu einem Statuscode 404 wird die komplette Linkpower über die Seite weitergegeben.
  • Der Traffic, welcher über die externe Verlinkung gewonnen wird, läuft nicht auf eine Fehlerseite.
  • Der Nutzer erhält im Optimalfall das Produkt passend zu seiner Erwartung, die er durch den geklickten Link kommuniziert hat. Positive Rankingsignale werden an die Ziel-URL weitergegeben.

Interne Verlinkung

Sobald 404 Fehler wie oben beschrieben in der Search Console auflaufen, sollten diese genauer analysiert werden. Klickt man auf den entsprechenden Link in der Übersicht, so finden sich neben den Fehlerdetails die URLs, über welche die nicht gefundene Seite verlinkt wurde. An dieser Stelle muss nun geprüft werden, ob die nicht gefundene URL über externe oder interne Verlinkungen verfügt.

404 vs. 410 Statuscode

Neben dem Statuscode 404 gibt es ebenfalls die Möglichkeit, dass nicht gefundene URLs den Statuscode 410 ausgeben. Dieser gibt der Suchmaschine die Information, dass die entsprechende Ressource endgültig entfernt wurde. Dies hat zur Folge, dass die URL nicht wie bei einem Statuscode 404 noch mehrere Male von der Suchmaschine gecrawlt wird. Somit ist davon auszugehen, dass eine URL mit dem Statuscode 410 schneller aus dem Index entfernt wird als eine URL mit dem Statuscode 404.

!Aber Achtung:Grundsätzlich ist es jedoch am besten, wenn der Suchmaschinen-Bot so wenige Statuscodes 4xx wie möglich crawlen muss und stattdessen lediglich relevante URLs mit dem Statuscode 200 ausliest!

Restock in Sicht

Ist ein Produkt momentan ausverkauft, aber es ist sicher, dass es in absehbarer Zeit wieder verfügbar ist, sollte die Webseite weiterhin den Statuscode 200 ausgeben und die Produktseite mit allen Informationen beibehalten werden. Um eine optimale User Experience zu gewährleisten, sollten folgende Schritte durchgeführt werden:

  1. Dem Nutzer muss der Hinweis gegeben werden, dass das Produkt momentan ausverkauft ist.
  2. Außerdem sollte mitgeteilt werden, wann mit einem Restock des Produktes zu rechnen ist.
  3. Dem User sollte die Möglichkeit gegeben werden, sich für einen Alert einzutragen, um benachrichtigt zu werden, sobald das Produkt wieder verfügbar ist.
  4. Um eine höhere Chance auf weitere Seitenaufrufe zu haben, sollten dem Nutzer möglichst ähnliche Produkte empfohlen werden

Vorteile dieses Vorgehens: Die Seite wird nach wie vor von der Suchmaschine gecrawlt und weiterhin in den Suchergebnissen indexiert. Durch den Alert besteht die Möglichkeit, E-Mail Adressen von Nutzern einzusammeln, deren Vorlieben bekannt sind. Dies bietet hervorragende Möglichkeiten für Remarketing. Durch den Alert sowie die ähnlichen Produkte besteht trotz des momentan ausverkauften Produktes die Möglichkeit auf einen Sale.

10 Tipps auf einen Blick

Abschließend hier noch einmal die wichtigsten Tipps von 42 Digital, die auch in einem entsprechendem Whitepaper auf der Agentursite abrufbar sind.

  1. Nicht mehr vorhandene Ressourcen sollen standardmäßig den Statuscode 404 ausspielen
  2. Usability der 404 Fehlerseite beachten
  3. Produkte, bei denen ein Restock voraussehbar ist, behalten den Statuscode 200
  4. Statuscode 410 führt dazu, dass Produkte schneller aus dem Index fallen
  5. 404 Fehler nicht automatisch auf die Startseite weiterleiten
  6. Keine Seiten im Look von 404 Fehlerseiten mit Statuscode 200 – vorsicht Soft 404 fehler
  7. Keine Seiten im Look einer 404-Page, welche den Statuscode 200 ausgeben
  8. Auflaufende 404 Fehler in der Search Console analysieren
  9. URLs mit Backlinks sollten per 301 Redirect weitergeleitet werden
  10. Der Inhalt des Weiterleitungsziels muss möglichst relevant sein