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MOBILE

Technologien für Push Messaging & Mobile Couponing

Von Jens von Rauchhaupt, 11. Oktober 2017
Foto: Presse Gonnado

Aufgrund der technischen Reichweite und einer denkbar einfachen Bedienung war die SMS neben dem Telefonieren lange Zeit die beliebteste Kommunikationsform der Mobilnutzer. Entsprechend wurde sie auch für den Kundendialog eingesetzt. Doch die App-Ökonomie und der Aufstieg der internetbasierten Messenger haben alles verändert. Die SMS verliert für das Marketing zunehmend an Bedeutung. „Gepusht“ wird im Marketing dennoch, jetzt über Apps und neuerdings auch im Web. Und mit Hilfe von Coupons kann auch die Brücke von Online zu Offline geschlagen werden.

Realisiert wird dies beispielsweise über Accengage. Das französische Tech-Unternehmen stellt namhaften Kunden eine Messaging-Plattform für Mobile Apps, Websites und Facebook Messenger zur Verfügung. Dazu muss der Nutzer weder die App oder die Website aktiv geöffnet, sondern nur einmalig einen Opt-in hierfür in der heruntergeladenen Unternehmens-App abgegeben haben. Bei Android-Apps liegt ein Opt-in bei nahezu 100%, da die Einwilligung bereits bei der Installation einer App eingeholt werden kann. Bei Apple ist es ein wenig komplizierter. Hier müssen die User systembedingt gesondert für ihren Opt-in aufgefordert werden. Aus diesem Grund liegt bei den Apple-Nutzern die Opt-in-Rate für die Einwilligung von Push-Nachrichten über die Unternehmens-App mit durchschnittlich 43% deutlich niedriger als bei Android Apps.

Liegt aber ein solcher Opt-in erst einmal vor, können die Unternehmen jederzeit über ihre App direkt und sehr persönlich mit dem Kunden in den Dialog treten. Deutsche User zeigen sich übrigens besonders reaktionsfreudig. Im Ländervergleich reagieren sie am ehesten auf die eingespielten Nachrichten der Unternehmen. Vor sieben Jahren gestartet, hat sich Accengage in dieser Nische völlig etabliert. In Frankreich erreicht das Unternehmen 99% der Mobile User. In Deutschland sei man laut Christiane Balu, Regional DACH Manager von Accengage noch nicht so weit. Viele deutsche Kunden wie Zalando oder OTTO kommen aus dem E-Commerce, aber zusehends entdecken auch andere Industrien wie die Tourismusbranche und die Versicherungen die Vorteile des Push-Messagings. Dazu gehören übrigens auch Verlage, die den Dienst dazu einsetzen, um spezielle Artikel gesondert anzuteasern. Die Art der Push-Nachrichten ist je nach Kunde und Zielsetzung also völlig unterschiedlich, von Videos bis kurzen Textbotschaften ist alles dabei. SMS oder MMS werden über die Plattform hingegen nicht bedient.

Die Kunden von Accengage können die Plattform direkt an ihr CRM-System anbinden und so ihre Bestandskunden, die beispielsweise einen Warenkorb im Online-Shop gefüllt haben, direkt ansprechen und zum Kaufabschluss überreden. Die Anbindung an das CRM-System des Kunden sei laut Balu nur eine Option. Einige Accengage Kunden würden nur die Informationen aus ihrer Mobile App nutzen und daraus ihre Push-Kampagnen entwickeln. Viele Handlungen, die der Nutzer in der App getätigt hat, werden dann zur Segmentierung der Push-Kampagnen eingesetzt. Besonders viel Musik steckt in Drive-to-Store-Kampagnen, bei denen Geofencing-Daten eingesetzt werden, um den Nutzer vor einem Ladengeschäft zum Hineingehen aufzufordern. Erste Accengage-Kunden nutzen dies in Zusammanhang mit Coupons, die direkt im Ladengeschäft eingelöst werden können. Allerdings steckt das ganze Thema Drive-to-Store noch in seinen Anfängen, mit „viel Luft nach oben“, wie Balu sagt.

Mit Mobile-Coupons den Kunden in den Laden bringen

Auch über Werbung lassen sich Drive-to-Store-Kampagnen realisieren. Das Berner Ad-Tech-Unternehmen Gonnado holt mittels Online-Retargeting-Anzeigen die Kunden in den Laden und kann durch Offline-Conversion-Tracking von Mobile-Coupons den gesamten Kaufprozess rückverfolgbar machen. Der Vorteil liegt auf der Hand: Einzelhändler können die Effektivität ihrer Werbemaßnahmen nachvollziehen und über ihre Online-Werbung direkt den Abverkauf im Shop steigern.

Im Mittelpunkt stehen Mobile-Coupons, die über Retargeting-Anzeigen an potentielle Kunden ausgeliefert werden. In der Retargeting-Kampagne ist die eigentliche Landingpage die Webseite des Ladengeschäftes. Wenn ein User auf die Display-Anzeige mit dem Coupon klickt, wird er zurück auf diese Website geführt. Dort erscheint dann eine Pop-up-Box. In der Box kann sich der User – je nachdem, was er auswählt – den Coupon per SMS oder E-Mail sichern. In der SMS sowie in der E-Mail befindet sich ein Link zum Mobile-Coupon.

Samuel Mäder

„Unsere Kunden mögen eigentlich beide Möglichkeiten, da es ein Tool ist, das zwei Dinge in einem erledigt. Die Leadgenerierung passiert durch die Bestellung des Coupons automatisch, so hat man nicht nur den Lead generiert, sondern auch einen interessierten Kunden gewonnen, der zusätzlich noch mit dem Coupon im Laden einkaufen geht“, sagt Samuel Mäder, CEO von Gonnado.

Auch mit den Telefonnummern können verschiedene Kommunikationsmaßnahmen durchgeführt werden, berichtet Mäder. „Interessant ist zum Beispiel, dass mit Messaging alle diejenigen wieder angesprochen werden können, die den Coupon noch nicht eingelöst haben.“ Eine Variante ist die Verlängerung der Gutscheingültigkeit oder umgekehrt, das Ansprechen aller Gutscheineinlöser. „Es ist wichtig die richtige Zielgruppe anzusprechen, mit ihr zu kommunizieren, diese zu informieren und eine Verbindung herzustellen, um eine langfristige Kundenbeziehung zu gewinnen.“ Gonnado nutzt zur Auslieferung der Retargeting-Ads Googles Displaynetzwerk und Facebooks Werbenetzwerk Facebook Audience.

Doch bevor es mit dem Retargeting losgeht, muss der Nutzer bereits die Website des Retailers besucht haben. Aus diesem Grund ist ein Zusammenspiel mit Suchmaschinenwerbung (SEA) bei solchen Retargeting-Kampagnen von großer Bedeutung. „SEA dient für unsere Kampagnen in erster Linie als Präsenztool, damit die Webseite des Ladengeschäftes überhaupt gefunden wird“, sagt Mäder. Der mögliche Rabatt sei in der SEA-Anzeige weniger wichtig als die richtige Einblendung der SEA-Anzeige nach richtigen Stichworten. „Nachdem der User die Seite besucht und keine Handlung vollzogen hat, ist es wichtig, ihn mit Retargeting-Anzeigen im Internet zu begleiten und mit dem Rabatt zusätzlich einen Anreiz zu geben, dass der User sich für dieses Ladengeschäft entscheidet und nicht für ein anderes.“

Bei Gonnado kann der Kunde zwischen CPC, CPM, CPA oder CPS wählen. „Wir setzen mit unseren Werbemaßnahmen auf die effizienten Online-Werbemittel, wie zum Beispiel Retargeting oder Location Based Targeting. Die Klickrate unserer Display-Anzeigen beträgt im Schnitt 0,5%. Von den Klicks, die entstehen, sind es ca. 30%, die ihre Angaben hinterlassen, und von den 30%, die sich den Gutschein sichern, haben wir eine durchschnittliche Einlösequote von ca. 25%“, sagt Mäder.