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SOCIAL MEDIA

Twitters entbehrungsvoller Weg zu schwarzen Zahlen

Von Frederik Timm, 2. November 2016
Bild: Adobe Stock rangizzz

In den zehn Jahren seines Bestehens konnte Twitter kein einziges Plus unter seine Jahresbilanz schreiben. Für 2017 unternimmt das Unternehmen nun einige Anstrengungen, um profitabel zu werden. Ein Schritt, der nicht zuletzt auch durch die Absage aller potenziellen Übernahmekandidaten motiviert sein dürfte. Um das Ziel zu erreichen, schnallt die Unternehmensführung den Gürtel enger und trennt sich von rund 300 Mitarbeitern und dem Kurzvideodienst Vine.

Scheinbar nicht attraktiv genug für eine Übernahme

Bereits seit einiger Zeit kämpft Twitter mit zu geringem Wachstum. Die zuletzt vorgestellten Quartalszahlen zeigten zwar eine Zunahme der Nutzerzahlen um drei Prozent im Jahresvergleich, jedoch gleicht dieser Zuwachs die roten Zahlen des Unternehmens nicht aus.

Erst in den letzten Monaten gab es gleich mehrere Interessenten an der Übernahme von Twitter, darunter unter anderem auch Disney, Google und Salesforce. Alle zogen ihr Interesse jedoch nach kurzer Zeit wieder zurück. Die Bestrebungen, rentabel zu werden, kann auch als Versuch gewertet werden, mögliche Käufer wieder an den Tisch zu bewegen.

Für Twitter heißt das im Klartext, jeder zehnte Mitarbeiter (9 Prozent) wird entlassen. Dies scheint für das Unternehmen zu einer traurigen Tradition zu werden. Schon im letzten Jahr hat sich das Unternehmen ungefähr zur selben Zeit von acht Prozent seiner Mitarbeiter getrennt. Damals stand der Umbau zu einer einheitlichen Strategie für Twitter, Vine und Periscope im Fokus von Unternehmenschef Jack Dorsey. Gebracht hat der Schritt wenig. Auch in diesem Jahr kämpft die soziale Plattform mit den roten Zahlen.

Mit Blick auf 2017 und einem weiteren Schritt in Richtung Rentabilität macht Twitter dieses Jahr stärkere Kürzungen. Schon September hatte das Unternehmen verlauten lassen, die Arbeit an seinen Entwicklungszentren im indischen Bangalore einzustellen und Arbeitsplätze abzubauen. Nun hat Rishi Jaitly, Vice President des „Asia Pacific/Middle East“-Geschäfts von Twitter, bekannt gegeben, das Unternehmen zu verlassen. Twitter trennt sich jedoch von mehr als nur Mitarbeitern. Die neue Unternehmensstrategie schließt bekanntlich das Ende des Kurzvideodienstes Vine mit ein.

Ohne Vine zu mehr Rentabilität?

Mit seinen maximal sechs Sekunden langen Videoclips stellt Vine das Bewegtbildäquivalent zu Twitter dar. Allein aus diesem Gesichtspunkt verwundert es nicht, dass die Übernahme von Vine im Jahr 2012 noch vor dessen eigentlichen Launch 2013 stattfand. Schnell wurde Vine zu einer gehypten Plattform. Allerdings dämpfte die Videofunktion von Instagram, die im selben Jahr Premiere feierte, das Wachstum des Dienstes und mit Snapchat kam ein weiterer Konkurrent hinzu.

Von Twitter selbst gab es zu der Einstellung von Vine noch keine offizielle Aussage. Nach Meinungen von Analysten konnte Vine jedoch nicht mit den Entwicklungen der Konkurrenz mithalten. Zudem habe Twitter es nicht geschafft, Vine durch Werbung entsprechend zu monetarisieren.

Zukünftig wird Twitter sich im Bereich Video voll und ganz auf den Aufbau und die Integration des Livestreaming-Dienstes Periscope konzentrieren. Vine hingegen soll als Plattform vorerst weiterhin bestehen bleiben, auf der zumindest die bisher veröffentlichten Videos angesehen werden können. Über die genaue Zukunft der Plattform gibt es hingegen noch keine genauen Auskünfte.

Trotz roter Zahlen, Werbeeinnahmen steigen

Schwarze Zahlen bleiben Twitter weiterhin verwehrt. Im dritten Quartal 2016 kämpfte das Unternehmen mit Nettoverlusten von 103 Mio. USD. Im Jahresvergleich schmälern sich die Verluste jedoch um knapp 22 Prozent von 132 Mio. USD.

Allerdings zeigt der dritte Quartalsbericht 2016 weiterhin wachsende Umsätze, die im Jahresvergleich um acht Prozent zulegen und nun bei 616 Millionen US-Dollar stehen. Davon stammen 545 Mio. USD aus der Werbung. Wie auch bei Facebook, stammt ein Großteil der Umsätze aus der Mobile-Werbung. Bei Twitter stammen mittlerweile 90 Prozent der Werbeumsätze aus diesem Bereich.

Durch Fokussierung auf die eigene Plattform sowie den Livestreaming-Dienst Periscope und das Abstoßen von Vine konzentriert sich Twitter auf seinen Kern, der zudem gute Möglichkeiten zur Monetarisierung bietet. Hierzu zählt nicht zuletzt auch die Erweiterung von Periscope um professionelle Aufnahmemöglichkeiten wie die Verwendung mehrerer Kameras und Schnitt. Diese Schritte mögen noch kein Garant für stärkeres Nutzerwachstum sein, dürften das Unternehmen jedoch rentabler und vor allem auch attraktiver für potenzielle Käufer machen.