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Warum Ad-Blocker der Werbebranche nützen

Von Gregory R. Raifman, 18. November 2015
eugenesergeev - Dollarphotoclub

Seit Jahrhunderten verfolgen Werbungtreibende im Grundsatz dieselbe Strategie: Botschaften, die für viele Empfänger interessant sein können, an ein möglichst breites Publikum zu verteilen, und dies so oft wie möglich. Die Anzahl der Kanäle und Technologien zur Zielgruppenansprache ist im Laufe der Zeit zwar exponentiell gewachsen, aber im Großen und Ganzen hat sich die Werbebranche vom Thema Innovation ferngehalten.

Mittlerweile sind die Kunden entnervt von der Art, wie online geworben wird. Millionen laden sich Ad-Blocker herunter, daher ist es Zeit zu handeln! Diese Herausforderung hat eine enorme Tragweite – mit die größte für die Werbebranche und die Publisher. Und sie ist lange überfällig. Zweifellos hat die Branche jetzt die Möglichkeit, gemeinsam zu agieren. Wenn so viel auf dem Spiel steht, kann man leicht verstehen, warum manche Unternehmen Wege finden möchten, um Ad-Blocker zu umgehen. Dabei wird allerdings das grundlegende Problem ignoriert, das überhaupt zum Aufstieg der Ad-Blocker geführt hat. Ein klügerer Ansatz ist es, neu darüber nachzudenken, wie Marken in Zukunft mit Kunden in Kontakt treten, Aufmerksamkeit gewinnen und sie von sich überzeugen. Wer Content erschafft, muss dabei das Werbeerlebnis und den Kunden ohne Hürden zueinander führen.

Es geht also nicht darum, das Werbeerlebnis der letzten Jahrhunderte auf ein Gerät zu übertragen, das in die Hosentasche passt. Marken und Publisher müssen ihre Strategie dahingehend verändern, einen attraktiven Mehrwert zu schaffen, der die individuellen Kundenbedürfnisse versteht und darauf eingeht. Zugleich müssen sie sich darauf einstellen, dass sich das Content-Erlebnis grundlegend verändert – und zwar in Echtzeit. Die große Mehrheit der Kunden – 73 Prozent – geben an, dass sie sich eher mit Onlinewerbung beschäftigen, wenn die Anzeigen für sie persönlich relevant sind. Dies ergab eine Umfrage von Rubicon Project im August 2015. Sie möchten griffbereite Informationen zu Marken, die ihr Leben einfacher machen und ihre Bedürfnisse beachten. Dabei soll Umfeld auf dem sich User befinden so berücksichtigt werden, dass Werbebotschaften das Content-Erlebnis insgesamt noch verbessern. Zusammengefasst heißt dies: Nutzer möchten ein besseres Werbeerlebnis, das weniger aufdringlich ist und mehr Relevanz für ihr tägliches Leben hat.

Für die Werbebranche, für Publisher und Application-Entwickler auf der ganzen Welt ist dies eine Chance. Sie können Werbeformen für das 21. Jahrhundert entwickeln, die dem Nutzer eine größere Kontrolle über das Markenerlebnis geben, während die Werbung ein nahtloses und einladendes Kundenerlebnis schafft. Ad-Blocker hingegen entziehen dem wirklich freien Internet seinen Lebenssaft und halten die Hand bei den größten Publishern dafür auf, dass ohne Zustimmung oder Kontrolle des Nutzers weiterhin Werbung ausgeliefert wird. Das kann nicht die Lösung sein.

Kunden sind entnervt von digitaler Werbung, doch dieses Problem lässt sich nicht mit einem Ad-Blocker lösen. Die daraus entstehende Chance ist, dem Nutzer einen echten Mehrwert zu bieten. Im nächsten Schritt sind Werbungtreibende, Publisher und Technologieunternehmen im Werbemarkt am Zug. Sie müssen gemeinsam eine bessere Werbeerfahrung für die Kunden entwickeln. Die Alternative? Einfach so weitermachen wie in den letzten Jahren? Wohl kaum. Werbeeinnahmen haben ein ganzes Universum großartiger Inhalte und Meinungsfreiheit ermöglicht. In Zukunft müssen Werbungtreibende, Publisher und Technologieunternehmen zusammenarbeiten, um neue Wege zu finden, diese Errungenschaften zu bewahren.

Foto: Gregory R. Raifman, Rubicon Project Über den Autor/die Autorin:

Gregory R. Raifman ist Gründungsmitglied und Vorstand der Trustworthy Accountability Group und Präsident von Rubicon Project, einer führenden Werbetechnologiefirma. Greg Raifman auf Twitter: @gregraifman.