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ONLINE MEDIA

Gamification in Amsterdam

Von Sin (Xuan-Yen) To, 7. Mai 2012

Die „The Next Web“ (TNW) Amsterdam ist eine Konferenz der angenehm sympathisch lockeren, interessanten und spannenden Art. Dieses Jahr hatten die Veranstalter versucht, viele unterschiedliche Themenbereiche rund um die digitale Welt anzusprechen: von Startups über „Hack-Battles“ bis hin zu Interviews mit internationalen Gästen wie Chad Hurley, Gründer von YouTube und Miteigner der Social Bookmarking-Plattform delicous.

Bühne frei auf der TNW

Hurley betreibt mit seinem ehemaligen YouTube-Spezi Steve Chen, das Internetunternehmen Avos Systems, das neben New Enterprise Associates (NEA), Madron Capital und Google Ventures auch vom chinesischen Inkubator Innovation Works finanziell unterstützt wird. Hurley berichtete auf der TNW über einige der Avos-Projekte wie zum Beispiel dem Launch von Delicious in China. Zudem plant Avos ein neues Online Magazin mit dem Namen „zeen“,  das auch als App bald an den Start gehen soll.

Ferner standen Ilya Segalovitch, Co-Founder und CTO von Yandex und Marco Giberti, Business-Angel und Geschäftsführer von Reed Exhibitions Lateinamerika, in einem Panel Rede und Antwort zum Thema Doing-Business in den Emerging Markets Russland und Lateinamerika. Marco Giberti betonte, dass viele Unternehmen aus dem Westen den Fehler begehen, die einheimische Konkurrenz zu unterschätzen und sich zudem zu wenig Mühe geben würden,die Marktbegebenheiten und die Strukturen vor Ort zu verstehen.

Um die Atmosphäre „spielerisch wieder aufzulockern“,  sprach Gabe Zichermann über die Gamification in unserer Gesellschaft. Er zeigte auf, dass es häufig der spielerische Trieb bzw. der Wettbewerb  sei, der einen Menschen antreibe, etwas erreichen bzw. gewinnen zu wollen „Gamification is: the process of using game thinking and mechanics to engage users“, sagte Zichermann.

Genau diesen Ansatz versucht  das US amerikanische Startup kiip umzusetzen. ADZINE hatte auf der TNW die Gelegenheit kurz mit dem kiip-Gründer und CEO Brian Wong zu sprechen. Der gerade einmal  21-jährige Wong gründete kiip bereits im zarten Alter von 19 Jahren und hat für dieses Mobile-Reward-Netzwerk für In-Game-Werbung von seinen Investoren inzwischen 4,3 Mio. US-Dollar einsammeln können.

Adzine: Hallo Brian, kannst du uns bitte kurz erklären was kiip genau macht?

Brian Wong

*Brian Wong*: Ja, sicher. Kiip zielt genau auf die Erfolgsmomente während des Spielens eines Games ab. Es gibt Millionen von Menschen auf der Welt, die jetzt in diesem Moment ein Spiel spielen. Anstatt ihnen dabei ein Werbebanner zu zeigen und sie damit zu stören, haben wir uns gesagt: Hey, warum nicht etwas anbieten, das die Nutzer in ihrem Glücksmoment im Spiel belohnt, also wenn sie gerade etwas erreicht haben, was für sie von Bedeutung ist. Mit kiip bieten wir Brands einen neuen Weg der Userinteraktion an und zwar auf eine weit sympathischere Art und Weise als den Nutzer einfach aus seinem Spiel herauszureißen.

Adzine: Wie unterscheidet sich das kiip In-Game-Advertisings vom Einblenden eines Standard In-Game-Werbebanner?

Brian: Das was bisher gemacht wurde ist grundsätzlich nichts anderes als das einfache Einblenden von  Grafiken. Am Ende des Tages ist kein wirkliches Engagement mit der Marke vorhanden. Niemand will von Werbung gestört bzw. unterbrochen werden. Es passiert einfach und man ist dann wirklich angenervt. Wir sind weniger in dem Game selbst als vielmehr in „dem Spielmoment“ unterwegs, da wir durch das mobile Device wissen, dass sich der User gerade mit etwas beschäftigt.
** So stellt kiip beispielsweise den Spielern mit Erreichen des nächsten Spiellevels Gutscheine als Belohnung zur Verfügung. Was bringt das den Advertisern – und was den Publisher?

Brian: Die Advertiser erzielen damit eine durchschnittliche CTR von 8-10 Prozent. Viele Leute können es nicht fassen, wenn diese Zahlen hören, weil diese CTRs für den Mobilebereich ungewöhnlich hoch sind. Die Developer erzielen eCPMs von circa 5 US Dollar, ein ebenfalls hoher Wert im Vergleich zu den durchschnittlichen 2,10 US Dollar bei Apples iAd. Die User kommen in den Genuss, dass Brands ihnen etwas geben wollen. Und am Ende twittern sie wohlmöglich über diese „Belohnung“.

Adzine: Jeder spricht zurzeit über Realtime-Bidding. Ist RTB auch ein denkbarer Monetarisieungsansatz für Euch?

Brian: RTB ist ein Trend und er wird zunehmen. Aufgrund der unglaublichen Menge des zur Verfügung stehenden mobilen Inventars, muss man einfach Realtime-Bidding einsetzen, um als Advertiser bzw. Brand Zugang zu den wichtigeren und exklusiveren Impressions zu bekommen.

Für uns kiip, denke ich, dass wir RTB in die „Spielmomente“ einbinden könnten, wenn z.B. eine Brand jeden dieser Momente haben möchte. Wir könnten sagen, dass aus der Vielzahl der Games, die wir haben, die Brands die Möglichkeit hätten, den User zu „belohnen -  beispielsweise wenn dieser die höchste Punktzahl innerhalb eines Levels erreicht hat. Dann könnten andere Advertiser sich daran beteiligen. Das wäre dann der Zeitpunkt, in dem ein „Bidding“ Sinn macht. Aber so weit sind wir jetzt noch nicht. Es ist aber zukünftig durchaus denkbar.

Adzine: Brian, angenommen du wärst auf einer einsamen Insel, welche drei Spiele würdest du mitnehmen?

Brian: Ich würde keine Spiele mitnehmen sondern eher etwas Sinnvolles. Aber gut, wenn es Spiele sein sollen: Dann würde ich „Words of friends, GT racing und Cut the rope” mitnehmen.

Adzine: Vielen Dank für das Interview.

Über den Autor/die Autorin:

Sin Xuan-Yen To berichtet für Adzine von zahlreichen Online-Marketing Events im In- und Ausland. Ihre fachlichen Schwerpunkte sind Online- und Mobile Publishing, Online-Vermarktung sowie Themen aus der Mediaplanung.