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ANALYTICS

Erfolg kann jeder - wie Ihre Web Analytics garantiert scheitert

Conrad Bennett, 4. June 2010

Es geht Ihnen gut? Zu gut sogar? Sie haben genug vom ewigen Erfolg? Sie möchten auch endlich mal mitreden können, wenn es um die Wirtschaftskrise geht? Aber irgendwie wissen Sie auch nicht so genau, wo Sie anfangen sollen mit dem Fehler machen? Lassen Sie sich von mir gesagt sein: Es ist einfacher als Sie denken! Betreiben Sie einfach eine unprofessionelle Webanalyse. Dann können Sie in kurzer Zeit bereits über Ihre ersten großen Misserfolge sprechen.

Sie glauben mir nicht ganz – dann lassen Sie mich weiter ausholen: Eine fundierte Webanalyse ist absolut entscheidend, wenn es um Ihren betrieblichen ROI geht. Denn nur wenn Sie sich darüber im Klaren sind, was wann auf Ihrer Website geschieht, wie das Besucherverhalten aussieht und was sich Ihre Kunden wirklich wünschen, können Sie ihren Internetauftritt dementsprechend anpassen. Die professionelle Webanalyse wird Ihren Geschäftserfolg signifikant nach vorne treiben. Anders gesagt: Eine unprofessionelle Webanalyse birgt ein großes Potenzial für den garantierten Misserfolg! 

Deshalb möchte ich Ihnen heute die besten Tipps geben, wie Sie ihre Webanalyse und damit Ihre Online-Marketing-Kampagnen richtig in den Sand setzen und damit gewaltigen Schaden im Unternehmen anrichten können:

1. Machen Sie's auf eigene Faust

Dazu gehört unbedingt: keine Absprachen treffen, den Chef nicht fragen, andere Beteiligte außen vor lassen. Zu viel Einmischung seitens Ihrer Kollegen und Vorgesetzten könnten den Misserfolg des Projekts Webanalyse untergraben. Im schlimmsten Fall bedeutet sie die Übereinkunft über die verschiedenen Begrifflichkeiten oder die Einbindung von Profis, die tagtäglich mit der Webseite arbeiten, sie designen und möglicherweise gut genug mit der Thematik Webanalyse vertraut sind, um Ihnen einen Strich durch die Rechnung zu machen. Und wenn Sie unbedingt jemanden einbeziehen müssen, stellen Sie wenigstens sicher, dass es sich um den HIPPO handelt – die „Highest Paid Person's Opinion“ muss ja schließlich richtig sein, oder?

2. Setzen Sie Ziele, die Ihnen persönlich wichtig sind

Die Zielsetzung ist das A und O eines jeden Analyseprojekts. Ohne die richtigen Ziele keine sinnvolle Analyse und dementsprechend auch keine zielgerichtete Webseitenoptimierung. Am besten erreichen Sie also Ihr Ziel, wenn Sie die Key Performance Indicators (KPI) möglichst willkürlich und am besten vollkommen unzusammenhängend wählen. Bei einer erfolgreichen Webanalyse geht es nicht darum, „nackte Zahlen“ zu sammeln, sondern diese aussagekräftig miteinander in Beziehung zu setzen. Und gibt man dem Erfolg Recht, sollten sie sich zudem stets an den Unternehmenszielen orientieren – bei einem Retailer beispielsweise am Umsatz. Gehen Sie also den umgekehrten Weg: Ihr Unternehmen möchte die Onlineverkäufe steigern? Dann definieren Sie den Informationsgehalt als obersten KPI!

3. Versuchen Sie, so viele Daten wie möglich zu sammeln

Die Unternehmen mit einer wirklich erfolgreichen Webanalysestrategie betrachten gezielt einige wenige Kennzahlen, die ihnen wirklich wichtig sind. Denn nur so können Webseitenperformance und Konversionsraten wirklich gemessen werden. Deswegen heißt Ihr Ziel: Datenfluten! Webanalyse bedeutet immer auch eine Vielzahl an Daten, von denen die meisten jedoch wenig aussagekräftig sind – zwischen diesen können Sie die wichtigen Informationen perfekt untergehen lassen.

4. Ändern Sie Ihre KPIs täglich

Laut Onlinemarketern ist eine Betrachtung der einmal festgelegten KPIs im Zeitverlauf erfolgsentscheidend. Wer seine KPIs ständig ändert, wird keine sinnvollen Handlungsstrategien daraus ableiten können. Modifikationen der KPIs sollten nur dann vorgenommen werden, wenn sich auch die Geschäftsziele des Unternehmens geändert haben. Aber da Sie sich ja an diesen ohnehin nicht orientieren, nehmen Sie Änderungen vor, so oft Sie möchten!

5. Wählen Sie den Tool-Anbieter mit dem schönsten Namen

Sie kennen nun Ihre Ziele und wissen, wo der Schuh drückt. Und das möchten Sie auch für sich behalten. Anbieter von geeigneten Lösungen könnten an diesem Punkt alles kaputt machen. Möglicherweise fällt es aber auf, wenn Sie sich keine Experten ins Boot holen. Dann versuchen Sie wenigstens, den Schaden zu maximieren: Vertrauen Sie nicht auf erprobte Tools – wenden Sie sich an einen Anbieter, der möglichst keine umfassende Lösung anbietet. Und vor allen Dingen: Keine Beratung! Geben Sie dem Anbieter so wenige Informationen wie möglich, stellen Sie ihm Ihre Webseite nur oberflächlich vor, und lehnen Sie Branchen-Know-how, Trainings und Schulungen kategorisch ab. Behaupten Sie einfach arrogant, das wüssten Sie bereits. Ansonsten laufen Sie Gefahr, Ihre Kollegen zu Profis zu machen, die Ihnen auf die Schliche kommen. Ein weiterer Tipp: Legen Sie bei Reports immer mehr Wert auf das äußere Bild als auf die darin aufbereiteten Daten – ein möglichst schrilles und modernes Design ist für Ihre Zwecke ein absolutes Muss!

6. Achten Sie nicht auf Marketingtrends

Rich Media, Web 2.0, Social Media – alles Dinge, die dem Onlinebesucher zunehmend wichtiger werden. Blogs und Twitter sind als Informationsquelle gefragt wie nie. Versuchen Sie deshalb, solche Trends zu vermeiden – sonst wird Ihre Webseite womöglich noch beliebt! Wenn Ihr Unternehmen im Bereich Rich und Social Media bereits aktiv ist, lassen Sie diese Bereiche wenigstens bei der Webanalyse außen vor.

7. Ergreifen Sie keine Maßnahmen

Dies ist Ihr Ass im Ärmel! Wer mit messbaren KPIs arbeitet und die gesammelten Daten richtig auswertet, schafft die Basis für sinnvolle Maßnahmen – also die Optimierung der Webseite. Eine erhöhte Konversionsrate wird dann nicht lange auf sich warten lassen. Deshalb gilt für Sie: Sammeln Sie ruhig, aber lassen Sie die Daten versauern! Und sollte doch jemand danach fragen, kein Problem. Die Kaufrate Ihres Onlineshops ist erschreckend niedrig, und Sie haben herausgefunden, dass der Kaufvorgang meist aufgrund der unübersichtlichen Produktansicht abgebrochen wird? Dann gestalten Sie eben die Landingpage neu!

Sie denken, Sie schaffen es nie? Glauben Sie mir, den Weg zum Misserfolg sind schon viele andere vor Ihnen erfolgreich gegangen.

Über den Autor/die Autorin:

Conrad Bennett ist Senior Director, Technical Services – EMEA beim Web Analytics Anbieter Webtrends