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DISPLAY ADVERTISING - Arbeitsmarkt

Arbeiten im Werbe-Web 2.0

Karsten Zunke, 16. February 2006

Internet-Werbung ist im vergangenen Jahr um satte 60 Prozent gewachsen und übertraf damit sogar kühnste Prognosen. Laut der am Montag dieser Woche (13. 02.) veröffentlichten Werbemarktstatistik des Online-Vermarkter-Kreises (OVK) gaben die Unternehmen im vergangenen Jahr 885 Millionen Euro für Online-Werbung aus. Gingen die Experten für dieses Jahr zunächst hoffnungsvoll davon aus, dass erstmals die Milliarden-Euro-Grenze überschritten wird, wurde diese Prognose nun nach oben korrigiert. Für 2006 rechnet der OVK nun mit einem Online-Werbevolumen von 1,3 Milliarden Euro.

Wer sich für einen Job in der Online-Branche interessiert und Stellenausschreibungen in Internet und Tageszeitungen verfolgt, hat immer öfter immer mehr zu lesen. Das belegen auch die Zahlen des Bundesverbandes der digitalen Wirtschaft (BVDW). Laut dem aktuellen BVDW-Gehaltsspiegel suchen die befragten Multimedia- und Online-Unternehmen im Durchschnitt 2,2 Mitarbeiter. Das sind mehr als doppelt so viele wie in der vorhergegangenen Studie 2003/2004. Insgesamt suchen fast drei Viertel (72 Prozent) dieser Firmen neue Mitarbeiter. Ein Wert, der schon fast an das legendäre Jahr 2000 heranreicht. Damals hatten 80 Prozent der Multimedia- und Online-Unternehmen freie Stellen ausgeschrieben.

Für das Internet-Marketing lässt sich der Arbeitsmarkt analog zur Gesamtbranche segmentieren: Die 18 führenden Vermarkter klassischer Online-Werbeflächen haben sich als Online-Vermarkterkreis (OVK) im BVDW organisiert. "Grob geschätzt beschäftigen sie im Deutschland-Geschäft im Schnitt je 20-25 Mitarbeiter im Bereich Vermarktung", erklärt Christian Muche, Vorsitzender des OVK sowie Director Sales and Marketing FIFA Relationship bei Yahoo! Deutschland. Andere Tätigkeitsfelder wie Internet Service Providing oder Free-E-Mail sind bei dieser Schätzung nicht berücksichtigt. Die drei großen Affiliate-Netzwerke Affili.net, Tradedoubler und Zanox haben laut Muche europaweit rund 400 Mitarbeiter. Die drei großen Suchwort-Vermarkter Google, Miva und Overture bringen es weltweit auf etwa 6.200 Mitarbeiter - einschließlich des Betriebs von Suchmaschinen. Und es werden mehr: Allein bei Google-Deutschland sind momentan 37 offene Stellen auf der Internetseite zu finden.

Der Arbeitsmarkt auf Seiten der Media-Agenturen und der Werbekunden ist hingegen unübersichtlicher. "Hier sind Schätzungen äußerst schwierig, da die dort Beschäftigten oft nicht ausschließlich für die Online-Aspekte der Kommunikation zuständig sind und daher der Arbeitsmarkt im Online-Marketing fast nicht bezifferbar ist", erläutert Muche. Etwa 5.500 Mitarbeiter beschäftigen laut New Media Service Ranking allein die Top-200 der deutschen Agenturen und Dienstleister im Internet- und Multimedia-Bereich.

Berufsausbildung oder Uni-Abschluss nicht zwingend nötig

Aber während früher vor allem Programmierer gesucht worden, hat sich die Lage heute gewandelt: Marketing und Vertrieb sind die neuen Jobmotoren der Online-Branche. So wundert es nicht, dass auch in der Online-Branche für Führungspositionen immer öfter eine langjährige Berufserfahrung vorausgesetzt wird. Erst kürzlich suchte Google Führungskräfte für diverse Unternehmensbereiche und forderte dafür mindestens acht Jahre Berufserfahrung - es mussten sich also auch Bewerber aus der Old Economy angesprochen fühlen, die schon vor dem dot.com Boom im Geschäft waren. Solch hohe Anforderungen an die Berufserfahrung sind jedoch eher selten.

Meist müssen lediglich zwei Jahre Praxiserfahrung nachgewiesen werden. Nichtsdestotrotz ist laut BVDW-Gehaltsspiegel die Berufserfahrung für die Hälfte der Unternehmen das wichtigste Einstellungskriterium. Für ausgeschriebene Marketing-Stellen achten sogar 55 Prozent der Unternehmen zuerst auf die Berufserfahrung des Bewerbers. Eine Hochschulausbildung wird nur von etwa jedem vierten Unternehmen gefordert. Im Marketingbereich können Bewerber sogar ohne Berufsausbildung Fuß fassen: Nur vier Prozent der Firmen in der Online- und Multimediabranche legen darauf Wert. Sogar unbelasteten Köpfen wird eine Chance gegeben: 15 Prozent der potenziellen Arbeitgeber ist die Qualifikation der Bewerber egal, wenn sie eine Stelle im Marketing-Bereich ausschreiben.

Kontakte, Kontakte, Kontakte

"Aus dem BVDW-Gehaltsspiegel 2005/2006 wissen wir, dass persönliche Kontakte die mit Abstand wichtigste Rekrutierungsquelle der Digitalen Wirtschaft sind - dies dürfte auch für den Teilbereich Online-Marketing gelten. Schon auf dem zweiten und dritten Platz folgen Internet-Jobörsen und Ausschreibungen auf der eigenen Webseite", erläutert Muche die bevorzugten Rekrutierungskanäle. Die beste Möglichkeit, einen Arbeitgeber im Online-Marketing-Bereich zu finden, sind Empfehlungen, Gespräche auf Fachmessen oder der Einstieg über Praktika. Insgesamt sei in der digitalen Wirtschaft dabei ein Trend zur Professionalisierung zu beobachten. "Dies manifestiert sich beispielsweise in einer Annäherung zwischen tatsächlichen und vertraglich vereinbarten Arbeitszeiten", erläutert Muche. New-Economy-Workaholics seien eher ein Klischee der Vergangenheit - dennoch bleibe Online eine vergleichsweise junge Branche mit relativ hohen Ansprüchen an die Flexibilität ihrer Mitarbeiter. So gehören Überstunden in vielen Unternehmen zur Regel, meist können sie aber als Freizeit abgegolten werden. Die durchschnittliche reale Wochenarbeitszeit beträgt im Marketing- und Vertriebsbereich laut BVDW-Gehaltsspiegel rund 43 Stunden.

Das durchschnittliche Jahresgehalt reicht von etwa 45.000 Euro für einen einfachen Marketing-Mitarbeiter bis zu 63.000 Euro für einen Abteilungsleiter. Als Faustregel gilt dabei: Je größer das Unternehmen, desto höher das Gehalt. Sowohl für die Unternehmen als auch für die Gehälter gibt es momentan gute Voraussetzungen für ein solides Wachstum. OVK-Chef Muche rechnet mit weiterhin "hoch signifikanten Umsätzen" in der Online-Werbung. Die Vermutung liegt also nahe, dass vor allem die Unternehmen, die ihre Media-Investitionen im Online-Bereich erhöhen, auch entsprechend Personal aufstocken werden. "Vermarkterseitig werden dann Mitarbeiterzuwächse folgen, vermutlich vor allem dort, wo wenig automatisiert werden kann und persönliche Betreuung nötig ist - also vor allem in der klassischen Online-Werbung", prognostiziert Muche.

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