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 Pfeil AGOF baut Angebot für Umfeldplanung aus  Pfeil Raphael Stange, Global Head of Marketing von car2go im Portrait  Pfeil Facebook Reichweite trotz Newsfeed-Anpassungen
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ONLINE MEDIA
AGOF baut Angebot für Umfeldplanung aus

Von Karsten Zunke

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Es sind stürmische Zeiten, durch welche die AGOF die Online-Werbebranche begleitet. Nicht nur dass die Folgen von DSGVO und einer – irgendwann kommenden – möglicherweise sehr restriktiven E-Privacy-Verordnung noch gar nicht absehbar sind. Zu vieles ist in der Schwebe, zu vieles juristisch interpretierbar und verlässliche Gerichtsentscheide dürften noch lange auf sich warten lassen. Hinzukommt der Hang der Online-Branche zur Automatisierung. Angebots- und Vermarkterreichweiten – wie sie die AGOF anbietet – sind in Zeiten des zunehmenden Programmatic Advertising immer weniger gefragt. Nun startet die AGOF eine Qualitätsoffensive. Wer Online herkömmlich plant, wird mit besseren Daten belohnt.

Es sei eine ganz pragmatische Entscheidung, heißt es aus der AGOF-Zentrale in Frankfurt, als innerhalb weniger Wochen zwei große Kooperationen verkündet wurden. Den Auftakt bildete die Kooperation zwischen AGOF und GIK. Künftig stellt die AGOF ihre Reichweitendaten quartalsweise der Gesellschaft für integrierte Kommunikationsforschung (GIK) in einem aggregierten Datensatz zur Verfügung. Die daily digital facts werden im Gegenzug durch ausgeweitete Marktdaten und sehr differenzierte Zielgruppendefinitionen verfeinert, insbesondere aus dem Segment FMCG. Für Werbungtreibende und Agenturen soll die Kooperation eine qualitativ tiefergehende Mediaplanung ermöglichen – effizienter und aktueller.

Ende vergangener Woche wurde dann die zweite Datenkooperation verkündet: zwischen der AGOF und der Verbrauchs- und Medienanalyse (VuMA). Die VuMA Touchpoints erhält digitale Reichweiten aus der AGOF daily digital facts, die im Gegenzug um detailliertere Verwendermerkmale aus der VuMA Touchpoints ergänzt wird. Die Datenbasis für digitale Budgetentscheidungen soll damit noch verlässlicher werden. Es wird auch nicht lang gezögert: Bereits ab sofort reichert die AGOF ihre digital facts täglich um VuMA-Merkmale an, beispielsweise im Bereich Produktinteressen, Haushaltsausstattung oder Psychografie. Alle Kooperationspartner profitieren letztlich von einer größeren Datentiefe ihrer Angebote.

Mediaplanung profitiert

Mediaplaner sehen solche Kooperationen grundsätzlich positiv. Die Datenkooperationen der AGOF seien „ein großer Schritt, um insbesondere Cross-Media-Kampagnen strategisch planen und bewerten zu können“, so Dominik Terruhn, Geschäftsführer von Plan.Net Media.

Bleibt die Frage, welche Rolle Angebots- und Reichweitenerhebungen in Zukunft generell noch spielen werden, wenn online immer mehr Media programmatisch gehandelt wird. Zwar kann auch in Umfelder automatisiert eingebucht werden, aber der Hauptfokus liegt naturgemäß in der profilbasierten Buchung. Und dafür spielt das Umfeld nur eine untergeordnete Rolle. Bezogen auf die Nettowerbeumsätze liegt laut BVDW der Anteil von Programmatic am deutschen Display-Markt bei etwa 45%, Tendenz weiter zunehmend.

Die Datenquellen ändern sich

„Die Online-Mediaplanung ändert sich und damit auch die Datengrundlagen“, sagt Stefan Hansen, Head of Planning and Implementation bei Dentsu Aegis Network. Statt Kampagnen einfach in Umfelder zu spielen, würden heute eher KPI-basierte Ziele gesetzt, laut Hansen zunehmend auch im Bereich Branding und Awareness. So seien Reichweite in der Zielgruppe und Kontaktdosis als KPIs geeignet, um auf softe Faktoren wie Branding und Awareness schließen zu können. Ziele und KPIs definieren, Potenziale abschätzen und nach Wegen suchen, die KPIs zu erfüllen – das gilt im Zeitalter der Automatisierung als eine typische Herangehensweise, um Online-Werbung zu planen. „Für die Umsetzung einer programmatischen Kampagne sind Daten aus ganz anderen Quellen interessant, zum Beispiel von den DSPs, von Drittanbietern oder es werden eigene Datenmodelle für die Kampagnenplanung herangezogen“, erläutert Hansen. Auch 2nd Party Data sind für die Planung wichtig. So bleiben die AGOF-Zahlen bei programmatischen Planungen in der Regel außen vor, fungieren dem Experten zufolge aber oft als „Whitelist“, um die Brand Safety sicherzustellen.

AGOF für klassische Digital-Planungen

In einem sind sich die meisten Akteure einig: Nielsen- und comScore-Zahlen sind für den deutschen Markt für die Digital-Mediaplanung keine gute Alternative, da sie nicht die Realität widerspiegeln. In anderen Ländern hingegen liefern Nielsen und comScore die einzigen Zahlen, die für eine digitale Mediaplanung herangezogen werden können.

Dominik Terruhn

„In Deutschland haben wir mit den digital facts eine Luxussituation. Weltweit gibt es keine vergleichbare Datengrundlage für die Planung digitaler Media“, bricht Terruhn eine Lanze für die AGOF und ihre Datenerhebungen. Dank dieser Planungsgrundlage sei man in der Lage, digitale Medien auf Augenhöhe mit anderen Medien zu planen. Nach Auskunft der AGOF nutzen alle großen Agenturen in Deutschland das webbasierte Planungstool Top Planning, in das die Datenerhebungen der AGOF einfließen. Absolute Nutzerzahlen gibt sie jedoch nicht bekannt.

Für Terruhn können die Daten der AGOF und die Datenkooperationen sogar dazu beitragen, qualitativ bessere programmatische Auslieferungen zu planen. „Programmatic ist vorrangig eine Mediasteuerungsmechanik. Sie kann aber mit einer klassischen Mediaplanungsfrage einhergehen“, sagt der Experte. So funktioniere eine reine Online-Planung auch sehr gut ohne Umfeld- und Reichweitendaten. Aber jenseits von Retargeting- und E-Commerce-Kampagnen sind daily digital facts sowie eine Kombination mit best for planning und VuMA-Daten wichtig, insbesondere wenn es darum geht, auf mehreren Kanälen zu werben.

„Um auch crossmedial eine bestimmte Kontaktdosis zu erreichen, benötigt man crossmediale Markt- und Mediastudien“, betont Terruhn. Somit kommen die aktuellen Datenkooperationen der AGOF aus seiner Sicht auch der strategischen Planung von Programmatic Branding zugute. Wer beispielsweise einen Festplatz zur Tagesreichweite einkauft, erreicht seine Zielgruppe – allerdings vergleichsweise undifferenziert. Programmatisch hingegen könnte man mehrere Typen innerhalb einer Zielgruppe definieren und diese mit unterschiedlichen Kreationen ansprechen. „Detaillierte, verlässliche Reichweitenmessungen sind für uns als Digital-Media-Agentur auch mit Programmatic Advertising unverzichtbar“, so Terruhn.

Die von der AGOF geschaffenen Planungsgrundlagen dürften also weiter wichtig bleiben. Hinzu kommt, dass es nach wie vor viele Werbetreibende gibt, die nicht programmatisch buchen. Andere bevorzugen eine Mischform. Insbesondere bei Sonderinszenierungen sind der Automatisierung Grenzen gesetzt. Auch sind mögliche Verschiebungen im Werbemarkt noch nicht absehbar, die die drohende E-Privacy-Verordnung zur Folge haben könnte. Laut einer aktuellen Studie des Verbandes Deutscher Zeitschriftenverleger (VDZ) wird der stärkste negative Effekt bei den programmatischen Werbeerlösen erwartet. Mehr als die Hälfte der befragten Manager rechnet hier mit jährlichen Umsatzverlusten oberhalb von 30%. Ob dies womöglich wieder zu einer stärkeren Umfeldplanung führt, bleibt abzuwarten.

Karsten Zunke

Autor/in:

redaktion@adzine.de




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MARKETING ENTSCHEIDER
Raphael Stange, Global Head of Marketing von car2go im Portrait

Von Sandra Goetz

Im letzten Jahr konnte car2go seine weltweite Marktführerschaft im flexiblen Carsharing weiter ausbauen. Im Vergleich zum Vorjahr nahm die Kundenzahl um 30 Prozent zu. Ebenso konnten die Schwaben die Nutzung der Autos um 38 Prozent im Vergleich zum Vorjahreswert steigern. Spitzenreiter unter den kundenreichsten car2go-Städten sind Chongqing in China (237.000 Kunden), Berlin (222.000 Kunden) und Madrid (192.000 Kunden). Für das globale Marketing ist bei der Daimler-Tochter kein ehemaliger BWL-Student oder MBA-Absolvent verantwortlich, sondern ein Diplom-Politologe: Raphael Stange. Der erste Berufswunsch des gebürtigen Nürnbergers war es, Journalist zu werden. Doch dann kam ihm das Marketing dazwischen. Ein Portrait.

Werdegang:

Seit dem 1.1.2016 ist Raphael Stange CMO global für car2go. Obgleich Stange ursprünglich Journalist werden wollte, sich bis heute für Politik und Zeitgeschichte interessiert, hat er das Zeug zum Marketer buchstäblich mit der Muttermilch aufgesogen. „Mein Vater war Anzeigenleiter des Kicker Sportmagazins, meine Mutter Marktfrau, die auf dem Nürnberger Hauptmarkt bis heute ihre Suppen verkauft. Auch wenn mein Vater ein guter Werbefachmann war, mich schon früh auf Veranstaltungen z. B. des Bayrischen Werbefachverbands mitgenommen hat, so ist meine Mutter die krasseste Verkäuferin, die ich jemals kennengelernt habe. Und irgendwie habe ich das inhaliert. Studieren lässt sich das nicht“, sagt Raphael Stange. Dennoch: Sprache und Politik war erst mal sein „Ding“, und so studierte der heute 41-Jährige Politische Wissenschaften in Erlangen. Nebenbei zog er mit Informatikfreunden eine GbR auf, die erfolgreich Webseiten und E-Commerce-Anwendungen erstellte. „Hier habe ich vieles gelernt, was mir später im Beruf geholfen hat, denn außer Coden, was ich nicht konnte, war ich für alles verantwortlich: Graphik, Texte, Verkauf und Steuern“, erinnert sich Stange an seine prägenden Studentenjahre.

Foto: car2go - Raphael Stange Raphael Stange

Nach erfolgreichem Abschluss ging es 2004 zum Weka-Verlag, einem Fachverlag, der Informationsblätter zu den Themen Datenschutz und Datensicherheit herausgab. „Hier habe ich klassisches Direktmarketing für Print gelernt, gleichzeitig begann ich, die digitale Sparte aufzubauen. Klett Lernen und Wissen, G+J Entertainment Media, Sixt Autovermietung und Gamify now! waren die weiteren Karrierestationen, bis Raphael Stange mit seinem bunten Lebenslauf zur car2go Group kam. „Es ist sehr hilfreich, unterschiedliche Geschäfts- und Erlösmodelle in seinem Berufsweg kennengelernt zu haben. Genauso hilfreich ist es, unterschiedliche Herangehensweisen von Marketing und Vertrieb zu kennen, wie auch in einem inhabergeführten Unternehmen gearbeitet zu haben“, sagt der Marketingexperte.

Was ist das Spannende am digitalen Marketing?

„Weil sich die Technologie ständig weiterentwickelt, verändert sich auch das digitale Marketing fortlaufend“, so Raphael Stange. „Das ist genau das, was mich interessiert, die Kombination aus Werbung und technischen Möglichkeiten im Zusammenhang mit Kommunikation – das macht es spannend. Wenn es darum geht, Ergebnisse zu bewerten, brauche ich mich nicht aufs ‚Bauchgefühl’ zu verlassen oder mich mit irgendwelchen Interpretationen zu befassen, sondern kann auf meine Zahlen schauen und sehen, ob ich den Pott geholt habe oder nicht“, erklärt Stange.

Welche Herausforderungen gibt es für car2go?

Im vergangenen Jahr hatte car2go 24 Millionen Anmietungen von car2go-Fahrzeugen weltweit. Im Q4/2017 wurden neue Stundenpakete eingeführt, was die durchschnittliche Mietdauer um 30 Prozent gesteigert hat. Dieser Erfolg hat seinen Preis: „Die Vielzahl von Städten, Ländern, Sprachen und Kulturen auf unterschiedlichen Kontinenten sind eine große Herausforderung. In jeder Sprache ist eine Kultur verankert, die unterschiedlich auf Bildsprache, Texte und Prozesse reagiert“, sagt Raphael Stange. Dabei gäbe es bereits erhebliche Unterschiede, ob Kunden in Toronto, Kanada oder Austin, USA, angesprochen werden, obgleich beide Städte in Nordamerika liegen und englischsprachig sind. Ein weiteres großes Thema ist „Diversity“ bzw. „Multinationalität“. Vor allem in den USA müssen die unterschiedlichen Ethnien abgebildet werden.

Anders sieht es wiederum im E-Mail-Marketing aus. Während die US-Amerikaner, gleich welcher Herkunft, eine hohe Frequenz gewohnt sind, muss man in Deutschland vorsichtiger sein: Hier wird ein starkes Direktmarketing schnell mit „Spam“ gleichgesetzt. In Search und Display seien die Unterschiede im Ländervergleich wiederum nicht so immens, anders sähe es bei der Marketing-Automation, der softwaregestützten Methode zur Neukundengewinnung und Kundenbindung aus. „Hier haben wir große Unterschiede“, so Stange. Deswegen gibt es für alle Länder unterschiedliche Gewichtungen bezogen auf die Kommunikationskanäle und Mechanismen.

Eine weitere Herausforderung ist der Datenschutz. Auch ohne DSGVO hat Daimler eine rigide Auslegung der europäischen Rechtslage, und nach Daimler-Regularien ist car2go in allen Ländern gerade so aktiv, wie es die europäische Rechtsprechung fordert. Aktuell wird vom Compliance-Management erarbeitet, welchen Einfluss die DSGVO auf die Prozesse haben wird. Denn auch hier gibt es einen „Unterschied, ob ich in einem inhabergeführten Unternehmen arbeite oder in einer DAX-AG“, weiß Stange. Auch wenn das eine das andere nicht ausschließt.

Zukunftsmusik

2017 lag ein Fokus auf Branding, auf die Einführung einer neuen CI, die Bild-, Video- und Textsprache beinhaltete, die – mit Ausnahme Italiens – beendet ist. „2018 konzentrieren wir uns auf Kundengewinnung und -loyalisierung“.

Der Carsharingmarkt bleibt spannend. Jüngst hat Turo, der weltweite Marktführer für privates Carsharing, angekündigt, auch in Deutschland Autobesitzer dazu zu bringen, ihr Fahrzeug an Privatleute zu vermieten. Natürlich gibt es auch in diesem Sektor bestehende Konkurrenz vor Ort, z. B. SnappCar. Dennoch konnten die Carsharingdienste für private Autos bislang nicht aus dem Schatten der kommerziellen Carsharinganbieter à la car2go und DriveNow heraustreten. Aber das müssen sie vielleicht auch nicht. Ist Daimler doch bereits im vergangenen Jahr bei dem US-Unternehmen Turo eingestiegen. Was wird hier den Unterschied ausmachen? Und läuft Daimler hier nicht Gefahr, sein Geschäftsmodell zu kannibalisieren? Hierzu Raphael Stange: „Turo ist Marktführer im Peer-to-Peer-Carsharing und car2go im stationsunabhängigen Carsharing – beide Mobilitätsformen ergänzen sich perfekt. Da sich die Geschäftsmodelle unterscheiden, sehen wir Turo als sinnvolle Alternative und nicht als Konkurrenz. Je mehr Optionen es für alternative Mobilitätsangebote gibt, desto besser.“

Eine weitere Alternative in puncto Wettbewerb und Geschäftsmodell steht bereits in den Startlöchern: Die beiden Carsharinganbieter car2go und DriveNow sollen im ersten Halbjahr 2018 heiraten. Am Montag, so schreibt das Handelsblatt, hat Sixt seine Anteile für 209 Millionen Euro an BMW verkauft. – Und macht damit den Weg für eine Fusion frei.

Sandra Goetz

Autor/in:

Sandra Goetz ist seit 2006 als freie Autorin für Adzine an Bord. Ihr Fokus liegt auf Interviews, Content-Marketing-Strategie sowie Programmatic. Außerdem schaut sie sich bei ihren Auslandsreisen immer wieder nach spannenden Geschichten aus der globalen Online-Marketing-Welt um, Interviews inklusive. Seit 2016 verantwortet Sandra die Adzine Entscheider-Serie.

redaktion@adzine.de




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SOCIAL MEDIA
Facebook Reichweite trotz Newsfeed-Anpassungen

Von Vanessa Runge

Facebook kündigte kürzlich die Änderung des Newsfeeds an und alle Werbetreibenden verfallen in Panik. Wir sagen: Füße stillhalten, tief durchatmen, diesen Artikel lesen und die Sache strategisch angehen. Reichweiteneinbrüche durch Änderungen im Newsfeed sind nichts Neues: Der Facebook Algorithmus wird stetig adaptiert, so müssen auch wir unsere Content-Strategien steig anpassen, um weiterhin „durchzukommen“ und gehört zu werden. In diesem Artikel geben wir Ihnen Tipps, wie Sie dem Reichweiteneinbruch entgegenwirken und somit Ihre Fans trotzdem weiterhin erreichen können.

Erst im Frühjahr 2017 kam die Diskussion auf, bei Facebook seien Abnahmen von Engagement und Reichweitenzahlen beobachten. Verglichen mit Postings und Werbekampagnen aus 2016 waren Kommentare, Likes und Shares trotz optimierter Content-Strategien häufig gering – und nun wird dasselbe Phänomen erneut auftreten so angekündigt.

Studie 2017 - Daten bestätigen Vermutung

Tatsächlich zeigt eine bereits im August 2017 durchgeführte Analyse von BuzzSumo, dass die Engagement Rate bei Facebook von bereits Januar bis Mitte des 2017 um durchschnittlich 20% gesunken ist. Bei der Untersuchung wurden über 880 Millionen Facebook Posts im Zeitraum Juli 2016 bis 2017 mit einbezogen. Abnehmendes Engagement heißt weniger Interaktionen. Die folglich geringere Anzahl von Kommentaren, Likes und Shares bedingt den beobachteten Reichweiteneinbruch.

Quelle: BuzzSumo Grafik: Facebook Reichweiteneinbruch

Reminder: mehr Content als Hirn

Eine plausible aber nicht ganz neue Begründung für den Reichweiteneinbruch ist die kontinuierliche Zunahme der Content Produktion: Die Entwicklungen von Social Media und Smartphones haben es ermöglicht, dass quasi jeder User zu jedem Zeitpunkt in der Lage ist, eigene Inhalte zu produzieren und zu verbreiten. Diese Möglichkeit nehmen immer mehr Menschen, aber auch immer mehr Unternehmen und Marken für sich wahr. Dadurch steigt die Content-Produktion kontinuierlich über alle Kanäle hinweg und das Durchkommen in der Content-Flut wird zu einer immer größeren Herausforderung.

Facebook reagiert auf diesen Content-Shock beispielsweise dadurch, dass sie den Algorithmus ständig an die Bedürfnisse und Verhaltensweisen der Nutzer anpassen. So bekommen Nutzer nur noch solche Inhalte angezeigt, die Facebook für sie relevant hält. Doch das macht es für uns als Publisher nur noch schwerer unsere Zielgruppe zu erreichen.

Verdrängt Paid organisch?

Einige Menschen fragen sich außerdem, ob die organische Reichweite bei Facebook zugunsten von bezahlter Reichweite eingegrenzt wird. Zwar ist in der Tat ein Zuwachs von Werbeanzeigen zu erkennen, doch wächst die verfügbare Werbefläche auf Facebook derzeit nicht entsprechend mit. Folglich konkurrieren die Werbeanzeigen untereinander auf eine gleichbleibende Verfügbarkeit von Werbeplätzen. Eine Folge: Anzeigen werden teurer und verlieren ebenfalls an Engagement. Auch in der o.g. Studie wurden sowohl bezahlte als auch nicht bezahlte Beiträge mit einbezogen.

Was also tun? Formate überdenken!

Rufen wir uns einmal die gängigsten Posting-Formate in Erinnerung:

  • Text-Postings: reine Text-Postings werden i.d.R. selten bis gar nicht mehr genutzt, aber Text wird in allen anderen Posting-Formaten verwendet
  • Bild-Postings: Bilder transformieren Informationen schneller als Text, es gibt verschiedene Funktionen für Bildpostings (einzelnes Bild, Album, Slideshow etc.)
  • Video-Postings: dank Smartphones, App-basierten Bearbeitungsprogrammen und Funktionen wie Facebook Live sind Videos schnell und einfach erstellt
  • Link-Postings: Links werden genutzt um auf eigene oder fremde Quellen zu verweisen, es wird automatisch ein Vorschaubild der Zielseite gezogen

Auffällig ist, dass in 2017 besonders Link- und Bild-Postings an Engagement einbüßen mussten. Zwar haben auch Video-Postings an Engagement und Reichweite verloren, doch ist dieses Format im Vergleich mit dem Durchschnitt der geringste Verlierer bei Reichweiteneinbruch.

Quelle: BuzzSumo Facebook Reichweiteneinbruch je Format

Eine Option ist also: Mehr Video-Content!

Basierend auf der BuzzSumo-Studie und unseren eigenen Erfahrungen, empfehlen wir, mehr Ressourcen in Video-Content zu stecken. Diesem Format gibt Facebook derzeit mehr Reichweite als allen anderen Formaten, vermutlich da Videos Facebook eine extrem große Fläche zum Schalten weiterer Werbeanzeigen und somit eine große Einnahmequelle bieten. Zu Videos zählen zudem nicht nur normale Videos, sondern auch Formate wie gifs und Slideshows aus mehreren Bildern.

Aber wie erstellt man eigentlich guten Video-Content? Was sollte man beachten? Worauf kommt es an? Im Folgenden haben wir ein paar Tipps für euch zusammengestellt.

7 Tipps für guten Facecebook Video-Content

#1 Video-Formen – Welche Möglichkeiten gibt es? Zu einem gutem Video gehört immer ein Rahmen bzw. eine Form, wie das Video in Szene gesetzt wird. Einige Beispiele sind in der folgenden Grafik dargestellt:

Quelle: crowdmedia GmbH nach TASG Force Video-Content Formate

#2 Formate – hochkant oder quer? Je nachdem wofür das Video verwendet werden soll, eignen sich unterschiedliche Formate bzw. Seitenverhältnisse. In der Regel gilt bei Videos immer noch: Querformat – denn so ist das gängigste Ausgabeformat (Beispiel YouTube). Bei anderen Plattformen, wie Snapchat und Instagram eignen sich eher Videos im Hochformat und auch bei Facebook wandelt sich das ganze Thema Format derzeit. Der Fokus liegt immer mehr bei der Ausspielung auf mobilen Geräten, die von den meisten Menschen im Hochformat bedient werden. Somit können vertikale Videos größere Bereiche der Bildschirmfläche abdecken und folglich die größte Wirkung erzielen.

Quelle: Facebook Business Video-Content Facebook Formate

#3 Videolänge – kurz und knackig! Wie für alles auf Facebook gilt auch bei Video-Content: kurz und knackig. Facebook selbst empfiehlt Videos von durchschnittlich 15 Sekunden Länge zur Vermittlung einer Message im Newsfeed und mobil. Dies sollte beachtet werden, wann man möglichst viele User dazu bringen will, das Video bis zum Ende zu schauen. Laut Buzzumo hingegen sei eine Länge von 60-90 Sekunden optimal, um das Enagement zu erhöhen. Dieses sei bei Videos unter 30 Sekunden tendenziell am geringsten. Bei Live-Videos sieht es anders aus: hier sollte man bestenfalls mindestens 15, besser noch 20 Minuten auf Sendung sein, um möglichst viel Engagement rauszuholen.

#4 Untertitel & Ton – Geht’s auch ohne? Circa 80% aller Nutzer schauen Facebook Videos ohne Ton (mal ehrlich, irgendwie ist es uns doch allen peinlich, wenn in der Bahn plötzlich der Sound anspringt, wenn wir durch den Facebook Feed scrollen…). Daher sollte Video-Content so produziert werden, dass die Message auch ohne Ton vermittelt wird. Außerdem sollten zur Erklärung oder bei gesprochenem Wort Untertitel eingefügt werden. Dies kann einerseits über das Hochladen von SRT-Dateien oder manuell über Tools erfolgen.

#5 Software & Apps – Kleine Helfer für Video-Content. Programme und Apps können bei der Bearbeitung von Videos helfen. Wir haben gute Erfahrungen mit dem movavi Video Editor gemacht. Dieser hilft u.a. beim Schnitt und beim Einpflegen von Übergängen, Filtern und Effekten. Movavi bietet auch die Möglichkeit zur Audiobearbeitung und Erstellung von Titeln und Untertiteln. Für die schnelle Bearbeitung auf dem Smartphone eignet sich alternativ auch die WeVideo App.

#6 Posting-Text – Worum geht’s hier eigentlich? Text gehört zum Posting jedes Videos dazu (Ausnahme: InStream-Videos) und sollte die Leute dazu bringen, das Video anschauen zu wollen. Beispielsweise eignet sich ein kurzer Hinweis, worum es in dem Video geht. Auch hier gilt: weniger ist mehr. 60 bis 80 Zeichen performen hier laut Studien am besten.

#7 Rechtliches – Worauf kommt es an? Aus rechtlicher Sicht gibt es bzgl. Video-Content ein paar Dinge zu beachten. Zum einen sollte bei der Verwendung von Musik darauf geachtet werden, dass man die Nutzungsrechte innehat und diese Musik GEMA frei ist.

Ein weiterer Punkt, der beachtet werden sollte, betrifft die Personen vor der Kamera. Bei Einzelaufnahmen benötigt man wie bei Fotoaufnahmen das Einverständnis der Person vor der Kamera – bei Statements und Interviews erfolgt dies i.d.R. stillschweigend durch das Statement an sich. Bei Gruppen bzw. Menschen in der Masse ist das Thema nicht so kritisch.

Und das war’s auch schon. Bleibt nur noch eins zu sagen: happy recording!

Vanessa Runge

Autor/in:

Ihre Leidenschaft für die Onlinewelt entdeckte Vanessa Runge bereits 2011 während der Praxisphase ihres Bachelorstudiums der Wirtschaftspsychologie. Sie entschloss sich, tiefer in das Marketing einzutauchen und machte ihren Master of Arts an der Leuphana Universität Lüneburg im Studienfach „Management und Entrepreneurship“ mit der Vertiefung Marketing. Bei crowdmedia berät sie seit 2016 Kunden im Bereich Content-Marketing. Ihre Schwerpunkte sind insbesondere das Erstellen von Inhalten für Social Media und Influencer Marketing.

insider@adzine.de


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