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ONLINE MEDIA
Kryptowährungen – Auch was für das Mediageschäft?

Frederik Timm

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Der Bitcoin-Kurs konnte im Herbst 2017 auf über 6000 Euro klettern. Die Kryptowährung hat definitiv ihren Reiz für Anleger und entwickelt sich dementsprechend gut. Früher hauptsächlich als Zahlungsmittel im Darknet üblich, wird die Währung mittlerweile zunehmend auch im E-Commerce akzeptiert. Doch lässt sich bald auch Medialeistung per Bitcoin kaufen?

2017 haben Kryptowährungen eine rasante Entwicklung durchlebt. Bitcoins gibt es beispielsweise bereits seit Jahren. Sie wurden schon als Gelddruckmaschine gesehen, als sie das erste Mal im Wert über 200 Euro pro Coin lagen. In diesem Jahr knackte die Währung jedoch erstmals die 6000-Euro-Marke. In der Kryptowelt ist der Bitcoin vergleichbar mit dem US-Dollar. Er bildet die Grundlage für viele Transaktionen in weitere Kryptowährungen, sogenannte Altcoins – Alternative Coins. Darunter befindet sich auch die aufstrebende Währung Ethereum, die seit Anfang 2017 ihren Wert verdreihundertfachen konnte.

Im Ursprung waren sie als dezentrale Währungsalternative zum regulierten Geld der Banken gedacht. Mittlerweile programmieren Entwickler die Coins, um meist einen bestimmten Zweck zu erfüllen. So ist Ethereum Alps dafür gedacht, in Shops und Restaurants in der Alpenregion zu bezahlen. Die Veröffentlichung einer neuen Währung geht häufig mit Rabattaktionen einher, um sie möglichst vielen Anlegern schmackhaft zu machen und so die Nachfrage zu steigern

Schließlich bemisst sich der Wert einer Kryptowährung nur daran, wie viel die Anleger und Käufer ihr zuschreiben. Anders als bei Euro oder Dollar besitzt sie keinen Gegenwert wie Gold oder das BIP. Der Wert eines Coins ist daher eng mit den Erwartungen an das Potenzial einer neuen Währung verknüpft. Wie ausgereift ist die Technologie? Was kann tatsächlich mit den Coins erworben werden? Wie praxistauglich ist die Währung?...sind nur einige Fragen, die sich Anleger vor dem Kauf einer Kryptowährung stellen.

An den Erfolg von Bitcoin und Ethereum können jedoch nur sehr wenige Altcoins anschließen. Fast täglich erscheinen Ankündigungen für neue Währungen. Viele von ihnen werden anfangs hoch gehandelt und stürzen danach ab, überstehen nicht das erste Jahr. Mittlerweile gibt es hunderte, die unter anderem Pizzacoin und PinkDog heißen oder den zynischen Namen Bubble tragen.

Die Anwendungsgebiete für die einzelnen Coins unterscheiden sich dabei je nach Programmierung. So sind manche von ihnen weniger dezentral als andere und erfüllen bestimmte Verwendungszwecke besser oder schlechter. Bitcoin ist zum Beispiel für Finanztransaktionen weniger geeignet. Die Transaktionszeit kann sich hier je nach Transaktionsaufkommen 30–40 Minuten betragen. Andere Währungen, die zum Beispiel auf dem Ethereum-Code beruhen, sind da schneller.

Trotzdem genießt Bitcoin die größte Popularität und damit auch die größte Sicherheit für Anleger. Es ist keine Seltenheit, dass weniger bedeutende Währungen gehackt oder nicht weiter von den Entwicklern unterstützt werden und damit drastisch an Wert verlieren oder sich sogar komplett auflösen. Aus diesem Grund sind die meisten Altcoins Spekulationsgut und weniger richtige Währung. Allein Bitcoin ist mittlerweile bei kleineren Online-Shops oder auch der Buchungsplattform Expedia als Zahlungsmittel zugelassen. In der Anfangszeit wurde die Währung jedoch hauptsächlich dafür genutzt, um anonym im Darknet einzukaufen. Etwas Anrüchiges umgibt die Kryptowährung noch immer.

Das dürfte auch damit zu tun haben, dass selbst Bitcoin nicht vor extremen Kursschwankungen sicher ist. Erst kürzlich crashte der Kurs nach einem Rekordhoch von mehr als 7.800 US-Dollar 5.500 US-Dollar, nur um sich danach auf etwa 6.000 Dollar zu erholen.

Für Mediaeinkauf (noch) nicht geeignet?

Für Rasmus Giese, CEO der United Internet Media, ist dies nur ein Grund von vielen, die gegen den Einkauf von Media mit Bitcoins sprechen: „Aufgrund einiger Eigenschaften und Faktoren sind diese Bezahlvarianten derzeit für die Digitalvermarktung als B2B-Geschäft nicht geeignet. Dazu gehören Intransparenz, geringe Regulierung, hohe Kursschwankungen und ein damit verbundenes höheres Risiko sowie in Teilen negatives Image.“

Zudem müssten die technischen Abrechnungssysteme angepasst werden, wodurch zusätzliche Kosten verursacht würden. Giese geht daher davon aus, dass es noch einige Jahre dauern wird, bis man den standardmäßigen Einsatz von Kryptowährungen im digitalen Mediageschäft sieht.

Auch bei Appnexus lassen sich Dienste nicht mit Bitcoin oder ähnlichen Coins bezahlen, noch. Ulrich Hegge, VP Strategic & Regulatory Affairs, kommentiert: „Aktuell bieten wir keine Bezahlung in Kryptowährungen an. Allerdings arbeiten wir daran, solche Technologien einzusetzen, um Transparenz in die Wertschöpfungskette zu bringen. Transparenz stellt sicher, dass niemand einen unfairen Anteil der Werbeausgaben für sich behält. Zudem wird so die Unsicherheit bezüglich versteckter Gebühren eliminiert, Stichwort 'Ad Tech Tax'. Payment-Anbieter wie Amino Payments können alle Zahlungen entlang der Wertschöpfungskette mittels Technologien wie Blockchain erfassen.“

Es muss nicht Bitcoin sein

Es muss jedoch nicht immer Bitcoin sein, um Marketingleistungen zu bezahlen. Das hat sich auch das Influencer-Netzwerk IndaHash gedacht und eine eigene Kryptowährung erstellt. Sie soll bei Influencern und Marken für mehr Komfort bei Transaktionen sorgen. So kann es bei normalen Banktransfers mitunter zu einem Zahlungsverzug von bis zu 60 Tagen kommen. Mit den Coins soll der Zahlungsverkehr zwischen Marken und Influencern künftig schneller vonstattengehen. Zudem könne die Währung regionale Limitierungen aufheben, die sonst durch unterschiedliche Währungen entstehen.

Die Coins oder Tokens sollen nach der Bezahlung dann entweder über eine Exchange in die jeweilige Landeswährung, also Euro, Dollar oder Ähnliches, umgewandelt werden können. Alternativ dazu sieht IndaHash vor, dass Influencer durch die Tokens bei den Marken früheren oder rabattierten Zugriff auf Waren oder Services haben.

Wie erfolgreich die Währung sein wird, ist bisher noch nicht abzusehen. Sie befindet derzeit noch in der Finanzierungsphase und soll bis Mitte 2018 mit ihren Funktionen ausgerollt werden.

Abseits vom Influencer Marketing zeigt sich Torben Heimann, Managing Director DACH bei Improve Digital, begeistert von den Möglichkeiten, die Bitcoin und Co. besonders im Programmatic Advertising bieten. Hier kennt er eine neue Währung, die bereits in den Startlöchern steht. Wie Hegge und Giese stellt jedoch auch Heimann keine großen Erwartungen an die all zu nahe Zukunft: „Kryptowährungen sind auf jeden Fall für Programmatic Advertising geeignet, es gibt sogar schon Anwendungsbeispiele wie adChain/adToken, das auf Ethereum basiert. Die Blockchain-Technologie an sich ist ein tolles System, das die Werbebranche sicherlich stark verändern wird. Außer Frage steht jedoch, dass wir hier erst am Anfang stehen und dass noch einige Zeit vergehen wird, bis es zum Mainstream werden könnte.“ So ist auch der von Heimann erwähnte adToken noch in der Probephase und soll voraussichtlich erst im April 2018 voll einsatzfähig sein.

Es gibt also bereits Bemühungen, Kryptowährungen im Online Advertising zu etablieren, welche sich dabei durchsetzt und wann dies geschieht, ist überhaupt noch nicht abzusehen. Mit zunehmendem Interesse der Allgemeinheit und Professionalisierung des Marktes dürfte es jedoch tatsächlich nur noch eine Frage der Zeit sein.

Hinweis: In einer früheren Version des Textes hieß es irrtümlich, dass der Bitcoin-Kurs im Herbst 2017 auf über 7000 Euro kletterte. Hierbei handelte es sich jedoch um den Wechselkurs zum US-Dollar. Die Zahl wurde entsprechend angepasst.

ft@adzine.de




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MARTECH
So lief der erste New Marketing Tech Summit

Jens von Rauchhaupt

Am Mittwoch, den 8.11., fand mit dem New Marketing Tech Summit die erste Martech-Konferenz in Deutschland statt. Das neue Konferenzformat von ADZINE Events versteht sich als Orientierungshilfe für Unternehmen, die ihr Marketing in das digitale Zeitalter hieven wollen. Helfen sollen dabei spezielle Technologieanbieter, die das Marketing zentralisieren und zum Teil auch automatisieren. Die Implementierung solcher Systeme erfordert von den Unternehmen wichtige Grundsatzentscheidungen organisatorischer und struktureller Art und ist für die meisten Firmen keinesfalls ein Selbstläufer.

Neben Datenzentralisierung und neuen Möglichkeiten einer kanalübergreifenden Marketingkommunikation stand die Auswahl und die Zusammenarbeit der Martech-Plattformanbieter im Zentrum der Diskussionen im Hamburger Kehrwieder Theater, das mit über 200 Besuchern gut besucht war. Und schon in den ersten Vorträgen wurde klar: Es läuft nicht immer sofort rund, wenn Unternehmen neue Marketingplattformen integrieren.

Plädoyer für einen ehrlichen Umgang

Das Vertrauensverhältnis zwischen Technologieanbieter und dem Unternehmen sei oft schnell gestört. Erik Siekmann, Gründer und Geschäftsführer der Unternehmensberatung Digital Forward, plädoyierte für einen ehrlichen Umgang untereinander. In seiner Keynote sprach er von besteheden Zielkonflikten. Die Plattformanbieter würden überzogene Erwartungen bei den Unternehmen schüren.

Die eigentlichen Problemherde lägen aber bei den Unternehmen selbst, weil sie die Führung der notwendigen Prozesse nicht übernehmen können. Helfen könnte ein „Martech-Technologie-Experte“, der die Prozesse intern zentral steuert. Doch derzeit stünden sich viele Unternehmen aufgrund mangelnden Know-hows und der vorherrschenden Organisationsstruktur selbst im Weg. Insbesondere der Dreiklang Tech/Marketing/Sales funktioniere laut Siekmann nicht. Am Ende versprechen die Plattformanbieter einfach das, was einzelne Units der Unternehmensseite hören wollen. Siekmann forderte daher von vornherein mehr Ehrlichkeit zwischen Tech-Anbieter und Unternehmen. Es sei zwar ein steiniger Weg, der sich aber für die Unternehmen zu gehen lohnt.

Matthias Postel, Gründer und CEO von ICompetence, hat ähnliche Erfahrungen bei seiner Beratungstätigkeit machen müssen. Es fehle den meisten Unternehmen schon an dem Wissen, welche Tech-Plattform bereits implementiert sei und welche Basisinformationen über die Kunden schon in einer Firma vorliegen. Selbst bei der Nomenklatur erfasster Datenpools ginge vieles durcheinander und auch wenn es wehtut, müssten die Unternehmen erst einmal für sich Standards definieren, bevor sie neue Systeme implementieren können.

Wird echt Zeit für Echtzeitkommunikation

Nach diesen einleitenden Worten ging es auf dem Summit immer mehr in Richtung Praxisbezug. Den Anfang machte Alexander Handcock, Director Global Brand Strategy von Selligent, ein Anbieter für Marketingautomatisierung zur Verbesserung des Customer Engagements. Handcock sprach über den Bedeutungsgewinn der Echtzeitkommunikation, dem Real-Time-Marketing, und brachte ein Beispiel aus der Hotelbranche mit. In einem Case der IHG Hotel Group zeigte Handcock wie sich Hotelgäste in Echtzeit im Hotel einchecken können, nachdem sie die Buchung über E-Mail abgeschlossen hatten. Handcock stellte fest, dass die Konsumenten immer anspruchsvoller werden. Der „Entitled Customer“ fordert im Kundenbeziehungsmanagement möglichst schnelle Reaktionszeiten, am besten in echter Real-Time. Das hat auch Folgen für die Marketingkommunikation. Gerade im Owned-Media-Bereich, also auf eigenen Umfeldern einer Marke, wird daher die Echtzeitkommunikation immer wichtiger. Handcock stellte zudem einen Shift weg vom Outbound- hin zum Inbound-Marketing fest. Hinzu komme, dass das neue Kommunikationsverhalten der Konsumenten die Aufgaben der Marketingverantwortlichen erschwere. „Der Kunde interessiert sich nun einmal nicht für seine eigene Customer Journey. Er verhält sich auch nicht mehr linear.“ Und genau das müssten die Marketingverantwortlichen mit Hilfe von Martech-Technologien besser berücksichtigen.

Mut zur Neujustierung des Marketings

Sehr offen berichtete Carina Reinisch, Head of Performance Marketing von Tuifly.com, über die intern gemachten Erfahrungen mit der Datenzentralisierung im eigenen Unternehmen und der späteren Implementierung eines Marketing- und Adtech-Stacks. Reinisch sprach von „internen Lernprozessen, die ihre Zeit benötigen“. Im Vortrag stellte sich heraus, dass der Transformationsprozess von der Performance-Marketing-Abteilung bei Tuifly.com angeschoben wurde und wie die Digitalisierung über alle Abteilungen hinweg bis zum Controlling sowie der Angebots- bzw. Preisgestaltung Einzug gehalten hat. Dazwischen lag ein Prozess, der über mehrere Jahre hinweg das Marketingteam um Carina Reinisch beschäftigte. „Verstehen, Lernen, Aufarbeiten mit dem nötigen Mut und Ausdauer“, beschrieb Reinisch diesen Vorgang, der am Ende zu einer erfolgreichen Neujustierung des gesamten Marketings geführt habe. Scherwin Kazemi, Leiter Cross Channel Management Online Sales von ERGO, beschrieb in seinem Vortrag, wieso die Direktversicherung sich für die Inhouse-Implementierung eines vollständigen Adtech-Stacks aus Adserver-, DMP- und DSP-Lösung entschieden hatte und welche Gründe am Ende für den Adtech-Anbieter Adform sprachen. Hierzu hatte ADZINE bereits im Vorfeld der Veranstaltung berichtet.

It's all about Data

Einen weiteren Schwerpunkt auf dem New Marketing Tech Summit bildete das Thema Datenhebung und Datennutzung. In einem Q&A berichtetet Endru Tedjasukmana, Senior Director Data Driven Marketing von Cheil, wie Samsungs eigene Agentur Daten für die Audience-Segmentierung und zur Personalisierung der Samsung-Umfelder sammelt und einsetzt. In dem darauffolgenden Panel mit Carina Reinisch von Tuifly.com und Jonas Freyer, dem Leiter Data Analytics bei der Agentur Pilot, wurden noch einmal die verschiedenen Ansätze zwischen Samsung und Tuifly.com deutlich. Diskussionswürdig waren nicht nur die unterschiedlichen Herangehensweisen, sondern vor allem auch die Rolle der Mediaagenturen, die sich mit der digitalen Transformation auch neue Aufgabenfelder im Marketing der Unternehmen suchen. Während Samsung den Bereich Data Usage seiner eigenen Agentur Cheil anvertraut, kommt Tuifly.com nahezu ohne Agenturleistung aus. Jonas Freyer von Pilot konnte hingegen sehr plausibel erläutern wie auch Mediaagenturen Unternehmen dabei untersützen, um Werbedaten und Marketingdaten aus den verschiedensten Quellen nutzbar zu machen.

Adtech meets Martech

Eine Personalisierung in der Kundenansprache entlang der gesamten Customer Journey erfordert auch eine Verschmelzung der Adtech- und des Marketing-Stacks. Diese Zusammenführung war auch Gegenstand des zweiten Panels, bei dem Prof. Dr. Jürgen Seitz als Moderator alles aus den Panelteilnehmern Dr. Jochen Schlosser, Chief Strategy Officer Adform, Alexander Handcock (Selligent), Katrin Breckner, Head of Marketing Tech Zalando, und Matthias D. Koch, Global Mobile Marketing Senior Manager Meliá Hotels, herauskitzelte.

Offenkundig wurde in der Diskussion, dass bei den Unternehmen diese Zusammenführung unterschiedlich weit fortgeschritten ist. Breckner von Zalando stellte den Effizienz- und Transparenzgewinn im eigenem Unternehmen heraus, die aus einer Zusammenlegung der Aufgabenbereiche resultieren. Vor allem bei der Personalisierung auf Grundlage der einheitlichen Datenbasis sieht man bei Zalando neue Möglichkeiten. Meliá Hotels hatte vor dem Panel in einem Praxis-Case mit der Mobile-DSP Tabmo gezeigt, wie die Hotelkette mit programmatische Kampagnen hohe Engagementraten in der Zielgruppe erzeugte. Laut Matthias Koch, Global Marketing Senior Manager von Meliá, testet man nun für einzelne Hotels solche personalisierten Kommunikationstaktiken. Technologisch wollen sich viele Firmen übrigens nicht von einem Anbieter abhängig machen. „Nur die wenigsten Unternehmen wollen einen Tech-Stack eines einzelnen Anbieters verwenden“, berichtete Schlosser von Adform. Alexander Handcock erinnerte dabei an die Schnittstellenproblematik, wenn zu viele Tech-Anbieter in einem Unternehmen involviert sind. Seitz selbst resümierte etwas süffisant zum Schluss des Panels: „Martech macht die Arbeit nicht immer einfacher, weil es sehr viele Stellen im Marketing berührt. Darüber werden sich vor allem die Berater freuen.“

Wie ein Website-Besuch Briefmailings auslöst

Ein besonderes Schmankerl war der Vortrag „Wir wissen, wo Dein Cookie wohnt!“ von Christian Heuser, Consentric Deutsche Post. Die Post hat etwas still und leise eine neue Technologie für ein stark verbessertes Targeting von Werbe-Mailings auf postalischen Weg entwickelt, das nach einer Betaphase nun ab November in den Regelbetrieb gegangen ist. Dabei ist der Website-Besuch der Auslöser für den Versand eines Werbemailings per Post an den Adressaten, der die Website des Post-Consentric-Kunden ausgelöst hat. Freilich bekommt nicht nur der Webseitenbesucher diese Mailings, sondern auch die nächsten Haushalte in der Nachbarschaft. Das Ganze entspricht dem aktuellen Datenschutzstandard und läuft über mehrere Postfirmen und Anonymisierungsinstanzen. Am Beispiel vom Kunden Sky Deutschland zeigte Heuser dem verblüfften Publikum die Technologien und Prozesse, die hinter diesem neuen Post-Targeting stecken.

ePrivacy Verordnung: Düsteres Bild

Ob allerdings das Consentric-Targeting der Deutschen Post auch noch nach Inkrafttreten der neuen ePrivacy Verordnung (ePV) möglich sein wird, ist zumindest fraglich. An den Vortrag von Michael Neuber, Justiziar des BVDW, zur neuen ePV wurden besonders hohe Erwartungen gestellt, die er voll erfüllen konnte ohne allerdings damit Begeisterung bei den Zuhörern zu entfachen. Denn der Rechtsanwalt zeichnete ein düsteres Bild für die europäische Werbewirtschaft, wenn die ePV genauso in Kraft tritt wie sie vom europäischen LIBE-Ausschuss finalisiert wurde. Nur das Europäische Parlament kann noch die derzeitige Version über die Einschaltung des Vermittlungsausschusses kippen. Geschieht dies nicht, und das wurde in Neubers Vortrag ziemlich deutlich, ist die Existenz vieler Geschäftsmodelle gefährdet.

Neuber zeigte anhand aller neuralgischen Regelungen in der ePV die ganze Problematik dieser Verordnung. Neben der Einwilligungspflicht durch den User für jegliches Senden digitaler Informationen an Dritte, erscheint besonders das Kopplungsverbot (Art.8 Abs.1a ePV) und die neue Stellung der Browsers als Zugangswächter (Art.10 ePV) wenig nachvollziehbar. Tritt die ePV in ihrer jetzigen Fassung in Kraft, dürfen Publisher nicht mehr vom Nutzer verlangen, im Austausch für die Bereitstellung der Inhalte Werbeeinblendungen zu akzeptieren. Das heißt im Grunde genommen, dass fast alle Publisher schon sehr bald Bezahlschranken hochziehen müssen, um ihre Inhalte überhaupt noch monetarisieren zu können. Einziger Ausweg wäre vielleicht noch eine Teilnahme an den Single-Sign-On-Allianzen. Das Kopplungsverbot steht übrigens im diamentralen Widerspruch zur aktuellen Rechtslage.

Browser als Zugangswächter

Besonders heikel ist die zukünftige Aufgabe der Browser als technologische Zugangswächter (Gatekeeper) für das bald rechtsverbindliche „Do Not Track“ Signal. Einwilligungen für das Setzen von Werbe-Cookies, die beim Besuch einer Webseite vom Nutzer erteilt wird, laufen dann ins Leere. Technisch betrachtet, kann und muss ein Cookie nur vom Browser „freigeschaltet“ werden. Diese neue „Macht“ der Browser-Anbieter birgt viel Zündstoff, weil es laut Neuber gleichzeitig keine Verpflichtung für die Browser-Anbieter gibt, dass die Auswahlentscheidung des Nutzers auch unmittelbar vom Browser vollzogen wird. Mit anderen Worten: Nutzer und Websitenbetreiber müssen darauf vertrauen, dass die Bowsereinstellung wirklich dem Nutzerinteresse entsprechen. Da neben Mozilla Firefox und dem Internet Explorer vor allem Google Chrome markterhebliche Reichweite hat, kann sich jeder ausmalen, welche Diskussionen diese Regelung entfachen wird.

Fazit

Dies waren nur einige Höhepunkte der ersten echten Martech-Konferenz auf deutschem Boden, die von allen Besuchern sehr viel Zuspruch erhalten hat. Der New Marketing Tech Summit wird definitiv in die zweite Runde gehen und dann mit neuen praxisnahen Cases und hochwertigen Speakern Unternehmen weitere Orientierungshilfen im Martech-Jungle geben. Inzwischen gibt es am Markt deutlich über 6.000 Systemanbieter, die dem Martech-Umfeld zugeordnet werden können, und nicht immer ist ein großer Name auch der passende Wegbegleiter in eine schöne, neue Marketingwelt.

jvr@adzine.de




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MARKETING ENTSCHEIDER
Carolin Scholz, Abteilungsleiterin Digital Sales Campaigns bei Galeria Kaufhof im Portrait

Sandra Goetz

Carolin Scholz, Galeria Kaufhof, Foto: Carolin Scholz / Galeria Kaufhof Presse

Die Kaufhauskette Galeria Kaufhof, 2015 von der kanadischen Hudson’s Bay Company übernommen, gehört zum Stadtbild vieler deutscher Innenstädte. Seit 1879 verbindet das Unternehmen Tradition und Innovation. Gerade jetzt investiert Galeria Kaufhof in einem sehr herausfordernden Marktumfeld in die Zukunft, in dem es sich vom klassischen Warenhaus zu einem Omnichannel-Retailer weiterentwickelt. Die Rechnung scheint aufzugehen: Bevor der Beauty-Riese Sephora im September eigene Stores in ausgewählten Galeria-Kaufhof-Filialen eröffnete, sorgte die Kaufhauskette zunächst digital für den nötigen Hype. Am Ende „kam es zu Ausnahmezuständen, wie man es sonst nur von Abercrombie & Fitch-Zeiten kannte“, berichtet Carolin Scholz, Abteilungsleiterin Digital Sales Campaigns, Galeria Kaufhof, die Marketingentscheiderin, die wir Ihnen heute vorstellen.

Werdegang

Carolin Scholz hat BWL mit den Schwerpunkten Marketing und Internationale Wirtschaft an der Universität Duisburg-Essen in Duisburg studiert. Danach absolvierte die Rheinländerin ein 15-monatiges Traineeprogramm des Arcandor Konzerns, das Scholz nicht nur in unterschiedliche Unternehmen, sondern ebenso in unterschiedliche Regionen führte. In Hamburg arbeitete sie 2008 im Bereich E-Commerce bei der Weinhandels-Start-up meevio GmbH & Co.KG, danach ging es nach Frankfurt/Main zu Hess-Natur und von dort aus nach Nürnberg, um Einblicke in die französische Kindermarke Vertbaudet zu bekommen. Von Nürnberg war es nicht mehr weit bis nach München: Dort wartete Homeshopping Europe auf die agile Düsseldorferin. Als Online-Marketing-Managerin ging Scholz nach Beendigung des Turboprogramms zurück nach Hamburg, wo sie ein Jahr lang für das Wein- und Spirituosenhaus Rindchen´s Weinkontor arbeitete. Obgleich die 33-Jährige den Norden samt Nordsee liebt, zog es sie 2010 zurück ins Rheinland. Als Online-Marketing-Managerin baute Carolin Scholz als Abteilungsleiterin das Shop-Management von Galeria Kaufhof auf. Seit 2016 ist Scholz Abteilungsleiterin im Bereich Digital Sales Campaigns und Teamleiterin von 18 Mitarbeitern. „Wir kümmern uns um alle Content-Themen rund um den Online-Shop sowie um die Performance-Kanäle E-Mail-Marketing, Affiliate und Online-Kooperation“, sagt Scholz.

Was ist das Spannende am digitalen Marketing?

„Mich reizt, dass der Bereich niemals stillsteht und man sich immer wieder neu erfindet, ebenso immer wieder neue Funktionalitäten hinzukommen“, sagt die Digitalexpertin. Digital sei ein fester Bestandteil geworden, nicht allein im Job, sondern auch im Freundeskreis: „Wir kommunizieren via WhatsApp, sharen unsere Kalender, machen unsere Freizeitplanung digital. Die gesamte Alltagsorganisation ist davon erfasst“, bemerkt Carolin Scholz. Es sei ein „unfassbar spannendes Feld, an dem es Spaß macht teilzuhaben“, so Scholz weiter. Bezogen auf den Beruf heißt das: „Wir analysieren alles. Es ist schön, den digitalen Response des Kunden zu sehen.“

Traditioneller versus Online-Handel?

„Ich merke vor allem die Vorteile, die wir als Unternehmen Galeria Kaufhof haben“, stellt die 33-Jährige fest. Als Warenhausunternehmen mit bundesweit 96 Filialen und mit einer hohen Beratungsleistung gelte es, mit Kunden in Kontakt zu kommen und Bedürfnisse durch das Verschmelzen unterschiedlicher Kanäle zu erfüllen. „Wir sind schon gut aufgestellt, wollen aber noch besser werden“, weiß die Fachfrau. Schließlich gäbe es auch Wettbewerber, die kein Filialgeschäft hätten. Hier könne Galeria Kaufhof einen klaren Wettbewerbsvorteil für sich herausholen. Die Produkte können im Online-Shop gekauft oder reserviert und in der Wunschfiliale abgeholt werden. Oder auch in der Filiale selbst per Tablet bestellt werden, sollte das Produkt ausverkauft oder nicht vor Ort sein.

Die Abteilungen Einkauf, Sales und Marketing arbeiten sehr verzahnt im Unternehmen. „Wir schauen genau hin, welche Marken oder Produkte spannend sein können. Und probieren aus. Es gibt Produkte, die wir zuerst im Online-Shop testen. Wenn diese dort prima laufen, werden sie auch stationär ausgerollt.“

Ein Erfolgsbeispiel der jüngeren Vertriebsgeschichte heißt „Sephora“. Bevor die hippe, französische Kosmetikkette in ausgewählte Galeria-Kaufhof-Filialen kam, war der Hype bereits im Netz riesengroß. „Wir haben damit sehr erfolgreich eine junge, weibliche Zielgruppe erreichen können, die uns vielleicht vom Namen her kannte, aber nicht unbedingt in einen unserer Stores ging, um dort einzukaufen. Das hat sich geändert“, freut sich die Spezialistin.

Omnichannel – wie sieht die nahe Zukunft aus?

Galeria Kaufhof verfolgt stringent einen Omnichannel-Ansatz. „Das ist die Entwicklung. Beim Omnichannel geht es genau darum, die Kanäle so miteinander zu verschmelzen, dass Leute Lust haben, sich mit dem Unternehmen zu identifizieren, und zwar jeder so, wie es einem am ehesten liegt“, so Carolin Scholz. Wichtig sei, dass die richtigen Funktionalitäten angeboten werden. Die personalisierte Kundenansprache ist hierbei das Feld, welches die E-Commerce-Expertin am meisten interessiert. „Die Zeit der Gießkanne ist passé, was zählt, ist eine zielgerichtete und kundenzentrierte Kommunikation“, sagt Carolin Scholz überzeugt.

Sandra Goetz

Autor/in:

Sandra Goetz ist seit 2006 als freie Autorin für Adzine an Bord. Ihr Fokus liegt auf Interviews, Content-Marketing-Strategie sowie Programmatic. Außerdem schaut sie sich bei ihren Auslandsreisen immer wieder nach spannenden Geschichten aus der globalen Online-Marketing-Welt um, Interviews inklusive. Seit 2016 verantwortet Sandra die Adzine Entscheider-Serie.

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