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Die dritte Kraft - Was wird aus Yahoo und AOL?

Jens von Rauchhaupt

Nach der Übernahme von Yahoo durch Verizon im Sommer dieses Jahres stellt sich die Frage, wie das Telekommunikationsunternehmen nun seine beiden Töchter AOL und Yahoo zusammenbringen wird. Während sich Yahoo dazu auf der dmexco in Schweigen hüllte, zeigte sich Markus Frank, Managing Director, AOL DACH, auf der Kölner Branchenmesse zu diesem Thema etwas auskunftsfreudiger.

Die Übernahme von Yahoo durch Verizon ist noch nicht von den US-amerikanischen Wettbewerbshütern genehmigt, allerdings gibt es keinen Anlass zu glauben, dass Verizon nicht ab 2017 die Geschicke des Internet-Kerngeschäfts von Yahoo lenken wird. Doch wird es wirklich Verizon selbst sein? Es scheint eher, dass AOL bei der Verschmelzung mit Yahoo den aktiven Part übernimmt. Denn das Medientechnologieunternehmen – als solches muss man sowohl AOL als auch Yahoo bezeichnen – hat bereits seine eigene Strategie auf den Tisch gelegt, wie uns Markus Frank, Managing Director DACH von AOL, auf der dmexco schilderte: „Unser CEO Tim Armstrong hat AOL einen ambitionierten Wachstumsplan auferlegt. AOL steht bei monatlich Hunderten von Millionen von Nutzern weltweit. Vorausgesetzt die Wettbewerbshüter stimmen der Übernahme von Yahoo zu, kommen wir auf etwa 1 Mrd. Nutzer. Auch in Deutschland würden wir unsere Nutzeranzahl signifikant steigern. Tim Armstrong sagt, dass wir bis 2020 auf 2 Mrd. Nutzer kommen wollen. Das werden wir sicherlich nicht mit organischen Wachstum hinbekommen.“

Mit anderen Worten: Auch mit Yahoo wird Verizon weiter für AOL die Einkaufstour fortsetzen. AOL hatte in den letzten sieben Jahren 25 Akquisitionen getätigt. Neben Publishern wie der Huffington Post waren darunter vor allem zahlreiche Adtech-Unternehmen, viele davon bieten Lösungen für den automatisierten Mediahandel, dem Programmatic Advertising. AOL will Traffic und Data für die Werbevermarktung zusammenbringen und ist dafür offenbar in den Bereichen Mobile, Video, Desktop und Data aufgestellt.

Frank verweist auf das breite Adtech-Portfolio, das AOL über die letzten Jahre sowohl für die Publisher-Seite, aber auch für die Mediaeinkäufer beziehungsweise Advertiser zusammengekauft hat. Adtech-Lösungen wie Adserver, Videoplayer, DMP und SSPs bilden bei AOL inzwischen die gesamte Wertschöpfungskette auf der Angebotsseite ab. Für die Advertiser und Agenturen verfügt AOL ebenfalls über eine DSP, Video-DSP, Mobile-DSP, eine Attributionsplattform und auch über eine DMP. Doch was geschieht nun mit allen diesen Plattformen, wenn nun auch noch Yahoo mit seinen eigenen Lösungen dazukommt? Yahoo hatte ja seinerseits das eigene Adtech-Portfolio unlängst unter der Marke Brightroll zusammengelegt, darunter befindet sich eine DSP und eine Marktplatzlösung. Hier gibt es also einige Überschneidungen zu AOL.

„Wir stehen jetzt schon innerhalb von AOL vor der Situation, dass wir mit Adtech, Nexage und AdapTV über drei Adserverangebote verfügen. Das macht langfristig keinen Sinn. Daher sind wir ohnehin dabei zu überprüfen, welche Plattform weitergeführt und weiterentwickelt wird und welche nicht. Durch die Akquisitionen müssen die Teams genauso zusammengeführt werden, wie die Technologien. Das wird bei einer Zusammenlegung mit Yahoo nicht anders sein. Verizon sieht AOL als strategische Investionsmarke. Die Marke Yahoo wird in Zukunft Teil des Markenportfolios von Verizon sein“, sagt Frank. Mit anderen Worten: AOL wird das technologische Rückgrat für die Werbevermarktung bilden und mit aller Wahrscheinlichkeit die Brightroll-Teams von Yahoo in sich aufnehmen und die Technologien zusammenlegen. Dabei wird sicherlich sowohl bei Yahoo als auch bei AOL, die eine oder andere Adtech-Marke eingestampft. Für den Nutzer wird sich also kaum etwas ändern. Yahoo wird als Internetmarke und Publisher, E-Mail-Provider und Suchmaschine mit starken Fokus auf Mobile bestehen bleiben.

Auf Publishing-Seite wird AOL Medienmarken, die bisher eher in den USA bekannt sind, nun auch nach Europa holen. Frank nennt das „Internationalisieren“ und bezieht sich explizit auf das Woman-Leadership-Portal Makers, den Kartendienstleister Mapquest und auch Techchrunch. „Wir investieren sehr stark in Content und sehr stark im Bereich Technologie. Diese beiden Investionsfelder verknüpfen wir mit Daten. Das ist der entscheidende Layer. Wir wollen First-Party-Daten, Log-In-Daten in unseren Customer Journey Angeboten abbilden und diese sinnvoll mit 3rd-Party-Daten ergänzen.“ Einen General Log-In für ein Multi-Device-Tracking wird es aber laut Frank nicht geben: „Wir werden in absehbarer Zeit keinen General Nutzer-Log-In für die Publikationen anbieten oder die ID einer AOL-Mail mit anderen IDs fusionieren, sondern die Nutzerprofile innerhalb der Adserver mappen und dann in unserer DMP zusammenführen.“

AOL und Yahoo wollen keine Mauer bauen

Von der Größe und dem Angebot der technologischen Lösungen hat Verizon mit AOL und Yahoo eigentlich das Zeug langfristig als „Dritte Kraft“ Facebook und Google Paroli bieten zu können. Markus Frank sieht sich und AOLs Konzernmutter allerdings in einer anderen Rolle und will sich trotz des eigenen Technologie-Full-Stacks von diesen Wettbewerbern deutlich abgrenzen.

Markus Frank

Anders als andere Anbieter verstehen wir uns nicht als Walled Garden. Wir respektieren die Lösungen und Technologien der Kunden.

(Markus Frank, AOL)

Irgendeinen Teil der AOL Plattformen müssen die Werbekunden allerdings dann doch einsetzen, um an Media von AOL und später Yahoo zu kommen wie Frank noch einmal klarstellt. „Wir sind kein Walled Garden, aber gleichzeitig auch kein Data-Broker. Ein Publisher muss irgendeinen Teil unserer Technologien schon nutzen, um an unsere Daten zu kommen. Anders sieht es beim Mediaeinkauf aus. Wir akzeptieren jede DSP, die verfügbar ist, sobald sie bei uns Medialeistung einkauft. Da gibt es keine Beschränkungen.“

In Deutschland wird AOL übrigens gar nicht mehr als Exklusivvermarkter sondern als Zweitvermarkter mit klarem Fokus auf Programmatic auftreten. Im automatisierten Mediahandel sieht Frank die Zukunft der Werbevermarktung, allerdings mit einer Ausnahme: „Ich glaube, dass der Bereich Branded Content mit besonderes großflächigen Sonderformaten für Brand-Inszenierungen weiterhin nicht programmatisch realisiert werden. 20% des Mediahandels wird in diesem Bereich laufen, der Rest des Mediahandels wird schon sehr bald nur noch über Programmatic Advertising abgewickelt.“

jvr@adzine.de




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AFFILIATE MARKETING
Affiliate Marketing geht neue Wege

Frederik Timm

E-Commerce entwickelt sich in Richtung M-Commerce und auch im performancegetriebenen Affiliate Marketing gewinnt Mobile an Bedeutung. Laut dem aktuellen Zanox Mobile Performance Barometer kommen 30 Prozent der im Affiliate Netzwerk gemachten Einkäufe von mobilen Geräten. Neben Instagram und Snapchat sollen auch Blogs und Affiliate-Shops dabei helfen, besonders die junge, Mobile-affine Käuferschicht zum Einkauf über Affiliate-Links anzuregen.

Millenials ansprechen

Das Unternehmen Popsugar hat sich im Interessenbereich der weiblichen Digital Natives mit seinen Angeboten aufgestellt und kombiniert einen Mix aus Content, Affiliate Marketing und Native Advertising.

Bild: POPSUGAR Presse Brian Sugar

Für Brian Sugar, dem Geschäftsführer und Mitgründer von Popsugar, ist eines klar: „Mit dem Wechsel von Desktop zu Mobile werden Banner quasi irrelevant. Besonders für Millenials sind solche Werbeformate nicht mehr interessant. Brands müssen sich authentisch vermarkten und dafür müssen sie in den sozialen Netzwerken vertreten sein und interessanten Content bieten.“ Für ihn sind Influencer die neuen Affiliates.

Sugar hat mit Popsugar.com und Shopstyle.com eine Affiliate- und Content-Marketing-Maschinerie entwickelt, die voll auf die Generation der Digital Natives ausgerichtet ist. Ersteres bietet eine Content-Plattform, ähnlich wie Buzzfeed, die seine Besucher auf der einen Seite mit aktuellen Themen aus Bereichen wie Lifestyle, Fitness oder Mode unterhält. Auf der anderen Seite werden in den Texten Affiliate-Links eingebettet und Brands die Möglichkeit für Native Advertising geboten.

Shopstyle bietet eine Art Affiliate-Shop. Hier können Interessierte durche eine Auswahl an Produkten von den Partnerseiten von Shopstyle stöbern und werden nach dem Klick auf die jeweilige Seite weitergeleitet. Zudem bietet die Seite einen Service an, der eine kuratierte Auswahl an Produkten als E-Mail versendet. Brian Sugar erklärt dazu: „Wir haben durch Shopstyle die Möglichkeit, uns am Ende des Conversion-Funnels zu positionieren und den Unternehmen direkte Verkäufe weiterzuleiten.“

Durch seine Angebote schafft es das Unternehmen so sich an verschiedenen Punkten der Customer Journey zu platzieren und erschließt sich dadurch verschiedenste Arten der Monetarisierung.

Instagram und Snapchat nutzbar machen

Mobile gehört mehr zur Gegenwart als in die Zukunft des Online Marketings, aber trotzdem stehen Unternehmen immer noch vor Hindernissen, die einer umfassenden Mobile-Strategie im Weg stehen. Im Affiliate Marketing sind Apps wie Instagram und Snapchat immer noch schwer zugängliche Plattformen auf denen sich jedoch viele potenzielle Käufer befinden. Gerade im Bereich Mode arbeiten häufig Influencer über Instagram am Branding von Marken und präsentieren die neuesten Produkte. Zu direkten Abverkäufen führt dies jedoch nicht, da Instagram keine anklickbaren Links in den Bildbeschreibungen zulässt.

Doch es gibt bereits mehrere Möglichkeiten, um diese Hürde zu überwinden. Über den Service LikeToKnow.it können sich Nutzer anmelden und mit Instagram verbinden. Wenn Influencer nun ihre Fotos mit einem LikeToKnow.it-Tag versehen, können Interessierte das Foto liken und bekommen von dem Service eine E-Mail mit den dargestellten Produkten.

Auch Popsugar will einen Schlüssel für Instagram und Snapchat gefunden haben, um sich die beiden sozialen Netzwerke als Affiliate-Kanäle zu erschließen. Ihre Lösung ist eine App mit dem Namen „Emoticode“. Hierbei ist keine Registrierung nötig. Es handelt sich bei der App, um ein Bildanalysetool, dass Bilder auf bestimmte Codes hin, bestehend aus Emojis, Buchstaben und Zahlen, untersucht. Nutzer können also Screenshots von Snapchat oder Instagram mit dem Tool analysieren und gelangen auf die jeweils mit dem Emoticode verlinkte Seite.

Länderspezifische Unterschiede

Zu einem vollständigen Affiliate-Mix gehört neben Desktop und Mobile auch E-Mail. Das Beispiel von LikeToKnow.it zeigt, dass sich diese Kanäle durchaus auch vermischen können. Anders als in beispielsweise Frankreich bietet der deutsche Markt für Affiliates, die E-Mail-Marketing betreiben, jedoch weniger Erfolgsaussichten. Grund dafür ist die Gesetzeslage bezüglich Spam-Mails. In Frankreich erhalten Nutzer wesentlich weniger der unerwünschten elektronischen Post, wodurch die einzelne Mail an mehr Relevanz gewinnt und stärker wahrgenommen wird. Dies schlägt sich auch in den Konversionen nach Affiliate-Links nieder. Die geringe Beachtung von E-Mails hat in Deutschland zur Folge, dass Werbetreibende E-Mail-Affiliates häufig gar nicht in ihre Marketingstrategie aufnehmen.

Bild: BVDW Presse Mike Weiler

Ein Fehler, wie Mike Weiler, Vorstand des BVDW-Fachkreises für Affiliate Marketing, meint: „Wir beobachten, dass es vielen Kunden an KPIs (Key Performance Indicator) fehlt und sie deswegen teils auf E-Mail Affiliates verzichten. Dadurch kann im Zweifel ein kompletter Affiliate-Strang wegfallen.“

Bei Popsugar merkt man von länderspezifischen Unterschieden jedoch eher wenig: „Da wir in den sozialen Netzwerken agieren, sind für uns die weltweiten Märkte sehr ähnlich. In den USA haben sich Plattformen wie Snapchat zwar früher entwickelt, mittlerweile wachsen sie jedoch auch in Märkten wie Deutschland explosionsartig. Für uns ändern sich je nach Land nur die Influencer, mit denen wir zusammenarbeiten, und die Themen, die relevant sind.“

ft@adzine.de




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ADTECH
Die nächste Stufe im Header Bidding ist serverseitig

Mario Gebers

Header Bidding hat sich innerhalb kürzester Zeit als Schwergewicht im programmatischem Handel etabliert. Prägnante Punkte sind: Yield Optimization für Publisher, Erhöhung der Transparenz oder Zugang zum kompletten Inventar für die Nachfrageseite. Neueste Weiterentwicklungen im Header Bidding gehen Knackpunkte an, die in Bezug auf diese Marketingtechnologielösung bis dato oft kritisiert worden sind. Darunter fallen insbesondere die Reduzierung von Komplexität, eine gesteigerte Verlässlichkeit, optimierte Seitenladezeiten und höhere Anzeigenqualität.

Jede neue Technologie stößt irgendwann an Grenzen, die eine Weiterentwicklung notwendig machen. Man stelle sich beispielsweise vor, wie das Internet wäre, wenn wir heute noch Mosaic, den Vorläufer der heute gängigen Internetbrowser, nutzen würden. Knapp ein Vierteljahrhundert ist es her, da galt diese Technologie als Revolution: Mit Mosaic wurden erstmals Darstellungen von Grafiken und anderer Multimediainhalte im bis dahin rein textbasierten Internet möglich. Die Inhalte heutiger Webseiten könnte dieser aber gar nicht mehr darstellen, geschweige denn die heute geschätzten nahezu 5 Milliarden Webseiten verarbeiten. Dies zeigt, dass selbst die innovativsten Technologien ihrer Zeit immer wieder Weiterentwicklungen erfahren müssen, damit diese praktikabel sind. Das recht neue Header Bidding ist keine Ausnahme.

Der Grundsatz hinter Header Bidding ist, dass Publisher mit dieser Lösung ihr Inventar parallel mehreren Nachfragern zur Verfügung stellen können, bevor eine Anfrage an den Adserver gesendet wird. Der gesteigerte Wettbewerb führt zu bestmöglichem Ertrag für jede einzelne Impression. Neben der Yield Optimization sind die dynamische Preisgestaltung und das Ausschließen von Pass Backs durch den Adserver weitere gewichtige Vorteile. Die Komplexität dieser Technologielösung steigt mit der Anzahl der Teilnehmer und Mitspieler auf diesem Feld. Header-Bidding-Container haben sich hier als ideales Mittel der Weiterentwicklung angeboten, um gleichzeitig mehr als nur einen Partner der Nachfrageseite effizient managen zu können. Diese Container fallen in zwei unterschiedliche Kategorien: browser- oder clientseitige Lösungen auf der einen und serverseitige Lösungen auf der anderen Seite.

Da hier die Fragestellung tatsächlich ein Entweder-oder ist, macht es Sinn, sich genau anzusehen, welche Aspekte in die Entscheidungsfindung einfließen sollten. Insgesamt sechs wichtige Kriterien sollten bei diesen Überlegungen eine Rolle spielen:

  1. An erster Stelle und auch in der Wichtigkeit ganz oben ist es empfehlenswert, an die User Experience zu denken. Jede Technologielösung, die die Latenz erhöht, wirkt negativ auf die User Experience und sollte nur vorsichtig genutzt werden. Jedoch sei darauf hingewiesen, dass Werbung die Ladezeiten weniger beeinflusst als die Inhalte einer Webseite selbst.

  2. Komplexität spielt eine wesentliche Rolle: sowohl auf der operativen als auch auf der technischen Ebene. Das Ziel eines Header-Bidding-Containers ist, den Prozess des Hinzufügens von Header-Bidding-Partnern so einfach wie möglich zu gestalten und sicherzustellen, so dass der Code problemlos mit dem auf der Webseite interagiert.

  3. Zuverlässigkeit ist ein weiteres Schlüsselkriterium. Da Header Bidding im Vergleich doch noch eine relativ neue Technologielösung ist und alle Integrationen individuell variieren können, ist es mehr als sinnvoll, dass Publisher einen zuverlässigen Technologiepartner wählen, der nachweislich mehrere Nachfrageseiten gleichberechtigt managen kann.

  4. Transparenz ist im Online-Marketing auf allen Ebenen immens wichtig und Header Bidding ist hier keine Ausnahme. Für Publisher ist es wichtig, eine Lösung zu wählen, die ohne Ausnahme alle Gebote gleichzeitig zum Adserver weiterleitet und nicht nur das erfolgreiche Gebot. Dies könnte im Extremfall die Tür für Manipulationen öffnen.

  5. Reporting wird sehr viel komplexer, wenn die Anzahl der Partner im Header Bidding steigt. Es ist definitiv von Vorteil, wenn die Header-Bidding-Lösung ein einziges Reporting über alle Partner hinweg liefern kann.

  6. Zu guter Letzt besteht die Möglichkeit, dass eine Vielzahl an Demand-Partnern das Risiko erhöhen, die Qualität der Anzeigen zu senken. Ein Anbieter für Header-Bidding-Container-Lösungen sollte in der Lage sein, dieses Thema sowohl pro- als auch reaktiv anzugehen und Lösungswege aufzuzeigen.

Browser- oder clientseitige Header-Bidding-Container

Die clientseitige Lösung wird in den Browser des Users integriert. Anfragen und Partner der Demand-Seite werden aus dieser Position heraus verwaltet. Diese Container bieten die Option, Timeouts zu definieren. Das bietet zwar Kontrolle über die Latenz, hat jedoch keinerlei Auswirkungen auf die Zeit des eigentlichen Seitenaufbaus. Hintergrund ist, dass browserseitige Container die Internetverbindung zwischen User und den Demand-Partnern nutzen und dabei verlassen sie sich auf offene Browser-Calls, um mit dem Web zu kommunizieren. Browser haben jedoch eine limitierte Anzahl an Slots – Google Chrome hat beispielsweise nur 10 – dies kann den Zeitraum für den Seitenaufbau drastisch beeinflussen und sich negativ auf die User Experience auswirken.

Natürlich reduzieren diese Container auch die Komplexität auf der operativen Ebene ohne Einfluss auf den Webseitencode. Vom technischen Standpunkt aus besteht jedoch tatsächlich die Möglichkeit, dass Container- und Partnercodes so interagieren, dass die Seite zusammenbricht. Noch gibt es hier nur wenige Beispiele mehrfacher Implementierungen, so dass die Frage, wie sich die Container langfristig in diesem Fall verhalten, schlussendlich noch nicht beantwortet werden kann.

Der Einfachheit halber sollte auch ein Reporting über alle Partner hinweg möglich sein, so dass alle Anfragen einsehbar sind. Die Transparenz wird so erhöht. Leider zeigen viele Umsetzungen grundsätzlich nur das erfolgreiche Gebot, so dass Publisher alle Werte einzeln anfordern müssen, wenn sie mit clientseitigen Containerlösungen arbeiten. Gleichzeitig bekommen die angeschlossenen SSP häufig keine Informationen über verlorene Gebote, was eine Optimierung auf SSP-Seite massiv erschwert. Und letztendlich können diese browserbasierten Container auch keine weitere Instanz zur Prüfung der Anzeigenqualität bieten. Denn wenn die Schlüsselwerte an den Server weitergegeben werden, ist der browserseitige Container nicht in der Lage, Information über die Anzeige selbst zu verarbeiten. Qualitätskontrollen im Hinblick auf die Anzeigen sind so nicht mehr möglich.

Gleichberechtigung in der Anfrage der SSPs ist ein weiterer Aspekt. Jede SSP benötigt eine bestimmte Zeitspanne, um den Request der Website zu verarbeiten und die Ad Impression erfolgreich zu versteigern. Ist dieser Slot zu kurz, kommt kein Gebot zustande bzw. fällt niedriger aus. Da die Browser-Calls vom Client nacheinander abgearbeitet werden, hat der ein oder andere SSP-Partner nur wenig oder gar keine Zeit die Impression zu versteigern, was den eTKP des erfolgreichen Gebots reduzieren kann. Es ist also wichtig, darauf zu achten, dass die Zahl der Partner überschaubar bleibt und ggf. auch einmal die Reihenfolge der Anfragen an SSP-Partner zu variieren, um die leistungsfähigsten Partner zuerst anzufragen. Hier entsteht für den Publisher und Vermarkter leider wieder zusätzlicher Aufwand.

Serverseitige Header-Bidding-Container

Im Gegensatz zu den browserbasierten Lösungen werden die serverseitigen Container im jeweiligen Server des Technologiedienstleisters implementiert. Durch einen Code auf der Webseite, die der User aufruft, erhält der Server automatisch alle notwendigen Informationen. Dadurch ist der Prozess nicht von der Internetverbindung zwischen User und den jeweiligen Partnern abhängig, der Browser wird also weniger beansprucht. Alle Demand-Partner werden mit einer unglaublichen Geschwindigkeit vom Server angefragt, was dem Publisher die Option gibt, Ladezeiten zu verkürzen und so die User Experience zu verbessern oder das Time-out so zu belassen und den Auktionen noch mehr Zeit zu verschaffen.

Genau wie die browserbasierte Containerlösung reduziert auch die serverbasierte Lösung die operative Komplexität um ein Vielfaches, gerade in Bezug auf die operative Einbindung der Partner durch den Publisher. Zusätzlich vereinfachen sich die technischen Anforderungen, indem auf OpenRTB-Standards zurückgegriffen wird. Diese sind allgemein bekannt und genießen Vertrauen innerhalb der Industrie.

Reportings können in beiden Fällen die gleiche Leistung in Bezug auf Datenanalyse erbringen, allerdings kann sich das Setup maßgeblich unterscheiden und browserbasierte Lösungen sind in dieser Hinsicht arbeitsintensiv.

Der größte Unterschied zwischen den beiden Containerlösungen liegt beim Thema Qualität. Der OpenRTB-Ansatz der serverseitigen Lösung erlaubt Demand-Partnern, nicht nur ein Preisgebot abzugeben, sondern auch gleich die Anzeigeninformationen zu übermitteln. Dies ermöglicht es, eine proaktive Anwendung von Qualitätsregeln für Werbemittel zu realisieren und unerwünschte Anzeigen auszuschließen. White- und Blacklistings können effektiv und zentral verwalten werden – eine Möglichkeit, die gerade in Deutschland besonders geschätzt wird.

Header Bidding an sich hat das Potential, die digitale Werbelandschaft zu transformieren, und die Containerlösungen sind elementarer Bestandteil im dem Bestreben, das Inventar bestmöglich und erfolgreich zu monetarisieren. Indem der Container vom Browser des Users auf den Server des Technologiedienstleisters „umgezogen“ wird, können Publisher sich auf bewährte Standards, wie OpenRTB, verlassen. Header Bidding wird so für alle Beteiligten einfacher in der Umsetzung, Qualitätsstandards lassen sich erhöhen und die User Experience optimieren.

Mario Gebers

Autor/in:

Mario Gebers ist Director Business Development bei OpenX, wo er für den strategischen Ausbau und die Pflege der Publisherbeziehungen in der DACH-Region verantwortlich zeichnet. Gebers verfügt über umfangreiche Erfahrungen im Bereich digitales Advertising sowie in der Positionierung, im Aufbau und in der Leitung von Vermarktungseinheiten. Zuvor war er für Business Development & Data Solutions und als Prokurist bei der ad pepper media GmbH tätig. Als zwischenzeitlicher Geschäftsleiter verantwortete er den erfolgreichen Verkauf der Geschäftseinheit mediasquares an die Ströer Digital Group.

insider@adzine.de


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