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 Pfeil ZAW zur Adblocker-Debatte  Pfeil Facebook: Zehn Features, die reinhauen

ONLINE MEDIA - Adblocker-Debatte
ZAW zur Adblocker-Debatte

Jens von Rauchhaupt

Nutzer von Adblockern erhalten seit einigen Wochen gezielte Gegenwehr großer Medien. Wird nach Aufforderung der Blocker nicht deaktiviert, bleibt die Seite leer, soweit jedenfalls die Theorie. Es gibt technische Lösungen, diese Contentsperren zu umgehen. Wer Anleitungen zu dieser Umgehung im Web veröffentlicht, riskiert allerdings Abmahnungen, so erfolgt im Fall Bild.de. Welche Position nimmt der Zentralverband der deutschen Werbewirtschaft (ZAW) in der der Adblocker-Thematik ein? Zu den Mitgliedern des ZAW zählen ja sowohl Medien wie auch Werbeindustrie, daher höchste Zeit für eine Einschätzung zum Adblocking-Dilemma von Dr. Bernd Nauen, dem Geschäftsführer des ZAW.

Adzine: Herr Dr. Nauen, nachdem den Adblockern juristisch kaum mehr beizukommen ist, haben einige Verlage eine Adblocker Sperre installiert und scheuern auch nicht davor zurück, Nutzer, die diese Sperre umgehen wollen, abzumahnen. Welche Position nimmt der ZAW hier ein? Befürwortet der ZAW das Vorgehen Springers und anderer Verlage kompromisslos?

Bernd Nauen: Ob das geltende Recht keine Handhabe bietet, bleibt abzuwarten. Lassen Sie uns schauen, was der Instanzenzug zu Tage fördert. Das aktuelle Vorgehen von Axel Springer und anderen Verlagen ist aber gut nachvollziehbar. Kein User ist gezwungen, werbefinanzierten Content zu nutzen. Kündigen User den Deal, Inhalte entgeltlos, weil werbefinanziert, zu nutzen, ist es verständlich, dass die Seite, die die journalistische Leistung und die hierfür erforderliche Infrastruktur refinanzieren muss, Ihren Teil der Vereinbarung gleichfalls zurückzieht. Dies erfolgt in transparenter Weise und mit Wahlmöglichkeiten für die User.

Adzine: Das heißt, Sie sehen die Medien nicht in der Pflicht, Qualität und Quantität der Werbung auf den Webseiten besser auszusteuern?

Bernd Nauen: Sicherlich, die digitale Werbewirtschaft muss sich auch selbstkritisch fragen, ob Menge und Formate digitaler Werbung jeweils passen. Dies geschieht aber auch. Die entscheidenden Fragen dürfen darüber aber nicht in Vergessenheit geraten: Darf die mit klar kommerziellen Interessen vertriebene Adblocker-Technologie legitime Geschäftsmodelle des freien Internets aushöhlen und die damit verbundenen gesamtgesellschaftlich positiven Effekte spürbar gefährden? Welchen Stellenwert messen Gesellschaft und auch die Politik der Refinanzierungsfreiheit der Medien noch zu, wenn es – egal auf welcher Ebene – akzeptiert würde, die dafür zentralen Geschäftsmodelle durch Dritte diktieren zu lassen? Dabei muss berücksichtigt werden, dass diese Dritten geschäftliche Interessen verfolgen, aber keinen inhaltlich-redaktionellen Beitrag leisten und auch keine unternehmerische Verantwortung hierfür übernehmen.

Adzine: Wie steht der ZAW zu den Abmahnungen gegen Nutzer, die Filtereinstellungen einsetzen? Fördert ein solches Vorgehen nicht die Eskalation zwischen Nutzer und Verlage? Mit welchen Folge für die Werbewirtschaft?

Bernd Nauen: Die juristischen Schritte, sich gegen die Umgehung ihrer Angebotspolitik zur Wehr zu setzen, sind Entscheidungen der einzelnen Unternehmen; der ZAW kann diese weder verallgemeinern noch bewerten. Aber es ist festzuhalten, dass die Ausgangsentscheidung, User transparent und offen entscheiden zu lassen, welche Form der Content-Distribution sie wünschen, nachvollziehbar und ausgewogen ist.

Adzine: Offenbar sollen die Adblocker-Sperren auch den Vertrieb von Paid Content vorantreiben, um die Einbußen der Werbeeinnahmen zu kompensieren. Auf der anderen Seite sollen Advertorials und Native Advertising Formate dennoch den Weg zum Verbraucher finden. Paid Content mit Werbung - aus Sicht des ZAW eine gute Idee?

Bernd Nauen: Ohne Zweifel spielt Paid Content für viele Anbieter redaktioneller Inhalte eine wichtige Rolle. Aber jedes Medienunternehmen entscheidet selbst aufgrund seiner konkreten Marktsituation, auf welche Einnahmequellen es operativ und strategisch setzt. Werbung ist dabei sicherlich weiterhin eine zentrale Refinanzierungsquelle für redaktionelle Inhalte. Neuere, nicht standardisierte Werbeformen wie Native Advertising, werden im Markt zunehmend Bedeutung erlangen. Zentral bei all dem ist aber, dass die Refinanzierungsfreiheit – darin eingeschlossen der Mix der jeweiligen Mittel – nicht durch Dritte diktiert werden darf.

Adzine: Aber es geht bei den Reaktionen der Verlage offenbar nicht nur um das Adblocking, sondern auch um die Etablierung von Paid Content oder?

Bernd Nauen: Paid Content ist doch das klassische Erlösmodell der Verlage und älter als die Adblocking Debatte. Im Übrigen: Wer in Bezug auf Adblocking ehrlich argumentiert, wird erkennen, dass es – branchenweit betrachtet – um ein Bündel von Maßnahmen geht. Dazu gehören u.a. gute und zielgruppenrelevante Werbung, Information und Kommunikation mit den Usern über werbefinanzierte Angebote, deren Nutzen und Bedeutung, über Paid Content und schließlich auch technische Maßnahmen und entsprechende "Nudges" in die eine oder andere Richtung.

Und es sind auch regulatorische Maßnahmen notwendig, um die kommunikative Leistungen in ihrer Gesamtheit gegen Herausfiltern und Überblendungen schützen. Hier ist die Politik gefordert. Jeder Parlamentarier würde doch auch die Sitzungsleitung des Bundestags anrufen, wenn das Mikrofon am Redepult ungefragt abgestellt und erst wieder freigegeben würde, wenn die Botschaft aus der Sicht desjenigen, der den Finger am Knopf hat, stimmt. Oder?

jvr@adzine.de




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SOCIAL MEDIA
Facebook: Zehn Features, die reinhauen

Leo Wehmeier

Facebook will nicht einfach nur eine Website sein, die man auf den täglichen Streifzügen durchs Web besucht. Facebook will viel mehr – Facebook will das Internet sein. Ob das klappt, liegt natürlich in erster Linie am Nutzer: Der muss die neuen Features und Angebote annehmen und nutzen. Deshalb wird in Palo Alto hart an potenziellen Killer-Features gearbeitet. Um möglichst viele Funktionen selbst anbieten zu können, die die Menschen sonst auf anderen Seiten suchen würden, legt sich Facebook also mächtig ins Zeug und bringt ein Feature nach dem anderen raus. Viele erst in den USA oder anderen Märkten. Die neuen Killer-Features aber, die schon in Deutschland verfügbar sind und den ein oder anderen Ausblick, stellen wir hier vor:

1 – Suggested Videos

Während auf YouTube ja doch eher gezielt nach Videos gesucht wird, geht Facebook bei seinen Bewegtbild-Ambitionen etwas anders vor – und vor allem mobile first: Spielt man in der App nämlich ein Video ab, schlägt Facebook direkt ähnliche Videos vor. So organisch eingebunden in das bekannte User Interface, dass man das kaum merkt und denkt, man scrolle grad einen dunkleren News Feed durch. Spannend!

2 – Instant Articles (mobil)

Wie wär’s, wenn Links nicht mehr auf Websites führen würden? – Das sind Instant Articles. Über dieses Feature wurde viel geschrieben und gestritten. Facebook läd Artikel vor, um Ladezeiten zu verringern und stellt sie dann innerhalb der mobilen Apps speziell aufbereitet dar. Kein In-App-Browser, keine Website-Navigation – nur der Artikel. Dafür aber auch kein Ad Revenue für die Website. Bisher nutzen vor allem US-Verlage Instant Articles, allen voran Buzzfeed.

3 – Doodle (mobil)

Eine genau so unbekannte wie spaßige Funktion ist das sehr an Snapchat angelehnte Doodle. Hiermit lassen sich Bilder super einfach mit Stickern, Emojis, Texten oder eben Doodles “verschönern”. Und wenn nicht wirklich ästhetischer dann wenigstens lustig! Doodle ist bereiits überall verfügbar.

4 – Notes

Na, Facebook Notes noch ein Begriff? Vermutlich nicht und das ist gar nicht weiter schlimm. Die waren nämlich langweilig, hässlich und kompliziert zu nutzen. Das hat Facebook jetzt klammheimlich geändert und sich dabei, wie bei Doodle, einem Konkurrenten bedient: Medium. Die Blogging-Plattform fokussiert sich auf Text und ein großes Headerbild, bleibt ansonsten aber komplett minimal. Wie die neuen Notes. Natürlich ein spannendes Feature für längere Texte. Einen Blog werden die Notizen aber wohl nicht ersetzen – jedenfalls nicht für Brands. Notes ist sehr bald verfügbar, der Rollout läuft.

5 – Kleinanzeigen

In Facebook Gruppen wurde schon lange gehandelt was das Zeug hält. Das weiß auch Facebook (natürlich) und führte das “Kleinanzeigen”-Feature ein. Preisangabe, Laufzeit, Erinnerung, den Status (verkauft oder noch verfügbar) zu aktualisieren – alles drin, alles dran.

6 – Buy-Button

Dazu passt auch der Buy-Button, den Facebook zur Zeit testet. Der geht sogar noch einen Schritt weiter, denn der führt nicht, wie zuvor, auf die Website eines Anbieters sondern in einen sogenannten “Canvas Shop”, also ein Shop-Modul innerhalb Facebooks. Kein Grund mehr, das Netzwerk zu verlassen – und Sales direkt aus dem News Feed. Der Buy-Button befindet sich noch in der Testphase, der Launch ist noch unklar.

7 – Videoanrufe

Wieder inspiriert, dieses mal von Apples FaceTime (und Skype) – Videotelefonie über die Messenger-App. Denn wenn man sich eh schon darüber schreibt und anruft, warum nicht auch gleich per Video. Das ist von Facebooks Seite übrigens kostenlos. Etwaige Mobilfunkvertragskosten natürlich nicht eingerechnet. Die Videoanruf-Funktion ist bereits verfügbar.

8 – GIF-Suche im Messenger

Schon in der Vergangenheit steckte Facebook viel Energie in seinen Messenger. Seit einiger Zeit gibt es ja sogar eigene Messenger-Apps, die zum Beispiel ein GIF-Keyboard für die mobilen Clients sein konnten. Neu ist jetzt die GIF-Suche. Wie die Sticker kann hier nach Schlagworten gesucht werden und Nachrichten so mit passenden GIFs aufgepeppt werden. Übrigens in Kooperation mit Giphy, die auch schon die Messenger-App angeboten hatten. Die Funktion ist überall verfügbar.

9 – Facebook M

Siri? Google Now? Cortana? Facebook hat “M”, eine Mischung aus künstlicher und echter Intelligenz. Und wenn man den ersten Testern des derzeit nur in der Gegend um San Francisco und für ausgewählte Nutzer vefügbaren Dienstes, ist das so ziemlich der Sh*t. Für einen Kollegen von Buzzfeed hat M sogar einen besseren Kabel-TV-Deal ausgehandelt. Natürlich bleibt abzuwarten, ob M bei einem internationalen Rollout noch immer so spezielle Wünsche erfüllen kann. Facebook M befindet sind in einer sehr eingeschränkten Testphase, der Launch ist noch unklar.

10 – Pay By Messenger

Ebenfalls in Deutschland noch Zukunftsmusik aber in den USA schon verfügbar: Micro-Payments direkt im Messenger. Der Anwendungsbereich ist klar – grad kein Bargeld für’s Mittagessen dabei? Gar kein Problem, über den Messenger lässt sich die Schuld beim Kollegen sofort begleichen. In Deutschland wird sowas aber natürlich (zurecht) ein wenig skeptischer betrachtet, deshalb ist ein Rollout hierzulande vorerst eher unwahrscheinlich.

Leo Wehmeier

Autor/in:

Leo Wehmeier ist Head of Content bei der Social Media Agentur Buddybrand und dort für das Redaktions- und Moderationsteam verantwortlich. Außerdem versorgt er seine Kollegen stets mit den heißesten Trends und Neuerungen der Digitalwelt.buddybrand betreut unter anderem Kunden wie Microsoft, merci, Toffifee oder Miele.

insider@adzine.de




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