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AUSGABE KW 13 – 25.03.2014

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THEMEN

 Pfeil Display Advertising: Evolution der Performance-Displaywerbung  Pfeil Data & Targeting: Neukunden via RTB  Pfeil Display Advertising Brand Safety & Ad Verification: Viele Advertiser bezahlen für Schrott TERMINE


Display Advertising

Evolution der Performance-Displaywerbung

Jens von Rauchhaupt, Redaktion

Evolution der Performance-Displaywerbung
Jens von Rauchhaupt
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Vor knapp zwei Wochen machte das Gerücht die Runde, dass das Data-Unternehmen dunnhumby, ein Tochterunternehmen der Tesco-Supermarkt Gruppe, starkes Interesse an Sociomantic zeigt. Circa 200 Mio. US-Dollar wollen die Briten für die aus Berlin stammende Demand-Side-Plattform hinblättern. Selbst wenn es nur ein Gerücht bliebe, zeigt die Meldung den hohen Stellenwert, den zielgerichtete Performance-Displaywerbung, die in Echtzeit eingekauft und ausgespielt werden kann, für die gesamte Branche hat. Real-Time Advertising und der auktionsbasierte Mediaeinkauf über Real-Time Bidding macht Displaywerbung noch performanter.

Als es in den 90er-Jahren mit der Displaywerbung losging, machten sich die ersten Werbetreibenden noch keine großen Gedanken, was eigentlich das Ziel ihrer Kampagne war; Internetwerbung war noch etwas Besonderes, die Aufmerksamkeit der Nutzer war den Advertisern mehr oder minder sicher, hohe TKPs selbstverständlich und eine einfache „Klick mich“-Aufforderung, die zur Homepage des Advertisers führte, stand im Zentrum der meisten Werbemittel.

Dann kam Google und „erfand“ quasi im Vorbeigehen das klickbasierte CPC-Abrechnungsmodell für Displaywerbung. Es dauerte nicht lange und es entwickelten sich zwei Strömungen in der Bannerwerbung, die zwei unterschiedliche Zielrichtungen verfolgten: Performance- oder Brandingziele. Branding soll für Aufmerksamkeit sorgen und die Marken- bzw. Produkterinnerung in der Zielgruppe verbessern, während Performancewerbung zum Ziel hat, den Nutzer tatsächlich zum Kunden zu machen. Leadgenerierung oder der Abverkauf stehen hier im Fokus.

Advertiser planen und kaufen selbst Media ein

Ralph Frühwald
Nun steht mit Progammatic Buying und Real-Time Advertising die nächste Zeitenwende für die digitale Werbung an. Schon jetzt sieht man die Veränderungen, vor allem in der Performance-Displaywerbung. Die Advertiser nehmen die Mediaplanung selbst in die Hand. „Programmatic Buying verändert das Performance-Display-Geschäft“, sagt zum Beispiel Ralph Frühwald, Managing Director Germany myThings. myThings ist historisch im Retargeting als Partner der Performance-Branche sowie der Affiliate-Netzwerke und -Agenturen groß geworden. „Mittlerweile laufen aber mehr als 60 Prozent der Kampagnen bei uns direkt über Werbungtreibende, Tendenz steigend.“ Laut Frühwald hätten viele große E-Commerce-Anbieter wie Zalando & Co. schon seit Längerem Inhouse-Teams für die Disziplinen Retargeting und Performance-Display aufgebaut. Von ähnlichen Größenordnungen berichtet auch der Retargetinganbieter Criteo, hier seien es deutlich über 50 Prozent der Advertiser-Direktkunden, die auch zunehmend programmatisch einkaufen.

Mediaagenturen machen sich fit für RTB

Thomas Koch
Thomas Koch
Aber auch bei den Mediaagenturen hat man sich nun besser auf das Programmatic Advertising eingestellt. „Früher war Reichweite auf Low-TKP-Niveau wichtig, Motto: ‚Viel hilft viel‘. Es gab keine Technologien, die die Mediaaussteuerung wirklich wertschöpfend veredeln konnten, und man konzentrierte sich auf die planerische Belegung einer Handvoll gelernter Vermarkter, die funktionieren“, erinnert sich Thomas Koch, Geschäftsleiter Performance Marketing bei pilot Hamburg. „Heute kann man durch den programmatischen Einkauf in Echtzeit auf eine Vielzahl von Vermarktern zugreifen, auch international. Relevante Anbieter wie Facebook sind hinzugekommen und bieten ganz neue Targeting-Möglichkeiten“, so Koch weiter. Damit seien die Mediapläne im planerischen Display viel granularer geworden und Retargeting sei mittlerweile Bestandteil eines jeden Mediaplans. „Wir steuern Retargeting im Rahmen unseres Smart-Retargeting-Produkts heute viel intelligenter aus als Marktteilnehmer früher“, sagt Koch.

Ad Networks mit Bedeutungsverlust

Eine große Veränderung betrifft die Ad Networks, die lange Zeit gut von einem Arbitrage-Geschäftsmodell leben konnten. Sie verschwinden zunehmend von der Bildfläche. Mit dem Aufstieg von Real-Time Advertising und der Real-Time-Bidding-Einkaufs- und Auslieferungslogik mussten sie sich diese Werbenetzwerke in den meisten Fällen als Themen-Verticals neu erfinden. Kochs Kollege Matthias Oschatz, Leiter Data Driven Advertising & Technology bei pilot Hamburg, zu den genauen Gründen: „Ad Networks haben in der Performance-Displayplanung an Bedeutung verloren, Ursachen sind u. a. der Bedarf an erhöhter Transparenz bei Kosten und Auslieferung, aber auch der Umstand, dass Agenturen/Werbetreibende mittlerweile in der Lage sind, ähnlich wie die Ad Networks bislang, Inventar übergreifend zu optimieren.“

Technologie und Daten - die Schlüssel zum Erfolg

Und diese übergreifende Optimierung gelingt nun über die Einkaufsplattformen, den DSPs, über die sich auch Kundendaten, die First-Party-Kundendaten integrieren lassen. Heute sind ein weitaus zielgerichteter Einkauf, Optimierung und Aussteuerung möglich, Technologien für bessere, effizientere Kampagnen sind verfügbar. „Die Technologie versetzt uns in die Lage, auch Qualität in der Aussteuerung auf Restplatzinventar sicherzustellen“, sagt Koch. Qualifizierte Daten werden damit zum „Key Success Factor“, da Technologie Commodity werden wird. Doch diese 3rd Party Data sind bisher leider weder in der Menge noch Qualität verfügbar. Umso wichtiger wird es also werden, alternative Methoden und Wege zu finden, um auch Neukunden über Programmatic Buying und RTB ansprechen zu können. Inzwischen wissen die Advertisier aber auch, dass Branding und Performance nur zwei Seiten derselben Medaille sind, nämlich besonders effizient einen höheren ROI zu erzielen. Daher werden bei Performance-Displaykampagnen auch zunehmend Mischkampagnen mit abverkaufsstarken Formaten eingesetzt, die idealerweise großformatiger sind und trotzdem gut konvertieren. Aus diesem Grund wird auch das Thema Brand Safety für Performance-Displaykampagnen relevanter. Bei Pilot arbeitet man zum Beispiel mit einem eigenen „Display Optimizer“ und einer selbst entwickelten Agenturen-DSP. „Damit steuern wir alle RTA-Kampagnen nach hohen Qualitätsstandards aus, mit Click/View-Fraud-Filtern, Brand-Safety-Mechanismen. Wir fokussieren darauf, dass auch Performance-Werbemittel nur im sichtbaren Bereich ausgeliefert werden und somit auch Brandingwirkung entfalten können“, berichtet Koch.


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Data & Targeting

Neukunden via RTB

Karsten Zunke, Redaktion

Neukunden via RTB
Karsten Zunke

Bisher ist Retargeting das am meisten genutzte Targeting im Real-Time Bidding. Es basiert auf den 1st Party Data der Publisher. Doch lediglich Produktangucker und Warenkorbabbrecher erneut ansprechen – damit wird das programmatische Display-Advertising seinen Möglichkeiten bei Weitem nicht gerecht. Einige Anbieter gehen daher einen Schritt weiter und nehmen stattdessen potenzielle Neukunden ins Visier. 3rd Party Data spielen dafür ebenso eine Rolle wie CRM-Daten und die bisher völlig unterschätzen 2nd Party Data.

Die einen nennen es New Audience Targeting, die anderen Prospecting. Gemeint ist das Gleiche: nämlich die gezielte Ansprache von potenziellen Neukunden mit Display-Ads, die in vielen Fällen über Real-Time-Bidding-Systeme ausgespielt werden. Eine gute Möglichkeit dafür ist das Contextual Targeting. Hier geht es darum, dass Umfeld und Werbung zusammenpassen. Die Selektion passender Umfelder erfolgt entweder über die gezielte Auswahl von Domains oder anhand des Inhalts einer Seite. In letzterem Fall werden die Seiteninhalte semantisch analysiert und ausgewertet. Auch das altbekannte Behavioral Targeting eignet sich für die Ansprache neuer Kunden. Im Aufwind ist zudem eine Neukundenansprache mithilfe von 3rd Party Data. Allerdings hapert es hier oft – sowohl bei den Taxonomien, die je nach Datenanbieter unterschiedlich sind, als auch bei der für den deutschen Markt zur Verfügung stehenden Datenmenge. Via Facebook Exchange lassen sich ebenfalls in Echtzeit Neukundenkampagnen umsetzen.

Zwillinge im Trend

Als besonders effizientes Mittel gilt im Rahmen des Prospecting das sogenannte „Look-alike Targeting“. Mithilfe statistischer Zwillinge werden dabei Nutzer angesprochen, die bisher die Website des Anbieters noch nicht angesurft haben, aber deren Profil dem der Käufer ähnelt. Dazu wird das Nutzerverhalten aktueller Käufer ausgewertet und mit dem Verhalten anderer User verglichen. Über RTB-Plattformen können die passenden Profile dann in Echtzeit mit Display-Ads angesprochen werden.
Jens Jokschat
Jens Jokschat
„Das Targeting auf statistische Zwillinge funktioniert besonders in spitzen Zielgruppen sehr gut“, sagt Jens Jokschat, Mitgründer und CEO von d3media. Der Hamburger RTB- und Targeting-Dienstleister ist auf Audience Targeting spezialisiert und bietet es als Managed Service an. In spitzen Zielgruppen lässt sich der Streuverlust Jokschat zufolge sehr gut abschneiden, während hingegen es bei massentauglichen Produkten schwieriger sei, eindeutige Merkmale herauszuarbeiten, die für eine hohe Kaufwahrscheinlichkeit sprechen. „Vor jeder Kampagne ist die Entscheidung zu treffen, ob eine große Reichweite oder eine möglichst exakte Zielgruppenansprache gewünscht ist“, erläutert der Experte. Sehr exakte „Look-alikes“ erzielen in der Regel höhere Conversions bei vergleichsweise geringerer Reichweite. Nimmt man hingegen Profilunschärfen in Kauf, winkt eine höhere Reichweite. Jedoch ist die Conversion-Wahrscheinlichkeit der einzelnen Impression dann niedriger. 

Um Zielgruppen zu identifizieren, greift d3media auf Dienstleister zurück; die RTB-Kampagnen werden über die eigene Infrastruktur geschaltet. Parallel sammelt der Targeting-Spezialist zahlreiche Daten, um Kampagnen zu optimieren, beispielsweise Kampagnendaten, die Aufschluss über Verhaltensweisen, Umfelder, technische Rahmenbedingungen oder Anzahl und Dauer des Werbekonsums liefern.

Echtzeit ist entscheidend

Auch bei Quantcast sieht man im Neukunden-Targeting großes Potenzial. Das Unternehmen aus San Francisco ist in Deutschland mit einer Niederlassung in München aktiv und hat sich auf digitale Audience-Messung und die Auslieferung von digitalen Werbemitteln in Echtzeit spezialisiert. Dazu kooperiert der Dienstleister mit zahlreichen Publishern. Diese erhalten kostenfrei ein Analysetool für ihre Websites. Über diese Kooperationen kann Quantcast nach Verlassen der Website das Surfverhalten der anonymen User mithilfe der gesetzten Cookies analysieren. Auf diese Weise kann der Big-Data-Spezialist auf einen großen Datenpool zurückgreifen. Seine anonyme, profilbasierte Medialeistung verkauft der Vermarkter über RTB-Plattformen.
Paco Panconcelli
Paco Panconcelli
Für das Prospecting setzt Quantcast auf statistische Zwillinge und sucht jene Nutzer, die die Website des Werbekunden noch nicht besucht haben. „Gefragt sind eine hohe Übereinstimmung in Mediennutzungsverhalten, Soziodemografie und Kaufverhalten“, erläutert Paco Panconcelli, Managing Director von Quantcast Deutschland. Der Real-Time-Aspekt ist für ihn dabei ein wesentlicher Erfolgsfaktor. „Wichtig ist ein möglichst identisches Nutzungsverhalten zu einem bestimmten Zeitpunkt. Wer nicht in Echtzeit agiert, verpasst den entscheidenden Moment für eine wirksame Nutzeransprache“, so Panconcelli.

Die Ansprache potenzieller Neukunden ist mittlerweile nahezu beliebig granular möglich, wenn zusätzlich CRM-Daten des Publishers oder Daten von Werbepartnern in die Kampagnen einfließen. So lassen sich beispielsweise Neukunden ansprechen, die eine hohe Kaufwahrscheinlichkeit für Waschmaschinen haben. Aber auch auf den „Return of Advertising“ lassen sich Kampagnen optimieren. In diesem Fall würde man die Warenkorbhöhe als Kriterium für die Profilauswahl zugrunde legen. „Egal, auf welche Kennzahl man eine Neukundenkampagne optimiert, bei einer vierwöchigen Kampagnenlaufzeit sollten im Idealfall durchschnittlich 1000 Aktionen oder Conversions erfolgen“, rät Panconcelli.

2nd Party – die unterschätzte Datenbasis

Dass beim Neukunden-Targeting viele Wege zur Zielgruppe führen, zeigt Semasio. Das Unternehmen versteht sich als private DMP, welche 2nd Party Data in Nutzerprofile und Zielgruppensegmente umwandelt. Der Fokus liegt dabei auf dem Behavioral Targeting. Dieses Targeting erfolgt aber nicht kategorie- oder taxonomiebasiert, sondern auf Basis semantischer Analysen. Die Besonderheit: Die Daten für die Zielgruppenansprache werden über den Kampagnenkontakt generiert. Hat ein Nutzer Kontakt zu einer Werbekampagne, sammelt die DMP Daten, indem der Website-Content semantisch analysiert wird. Ziel ist es herauszufinden, für welches Thema sich der Nutzer im Moment des Werbemittelkontaktes interessiert.
Kasper Skou
Kasper Skou
Wichtige Keywords werden von der DMP im User-Profil gespeichert. Surft der User anschließend weiter, wird das Profil auf jeder Website mit Kampagnenkontakt weiterentwickelt und mit weiteren Informationen angereichert. „Die 2nd Party Data wurden bisher vernachlässigt. Wir wandeln die in Data Assets um“, sagt Semasio-Geschäftsführer und Mitgründer Kasper Skou. Aus den Profilen tatsächlicher Kunden und Käufer werden auch hier statistische Zwillinge abgeleitet. Diese Profilzwillinge bilden dann die Zielgruppe für die folgende Targeting-Kampagne.

Vor allem in großen Agenturen laufen aufgrund des hohen Kampagnenoutputs viele Daten zusammen. So könnte in den Agenturen ein großer Pool semantisch gewonnener Profildaten entstehen. In Dänemark hat Semasio damit bereits gute Erfahrungen gesammelt. Doch in Deutschland tun sich Agenturen mit 2nd Party Data noch schwer. Darum hat der Profiling- und Targeting-Spezialist angekündigt, in Kürze eine eigene Profildatenbank aufzubauen. „Diese Profildatenbank besteht aus Rohdaten, unkategorisiert und untaxonomiert“, betont Skou. So würden keine Informationen zerstört und es könne jede beliebige Zielgruppe modelliert werden. Nach Aussagen von Skou verfügt Semasio somit in Kürze über eine Profildatenbank von 45 Millionen Internetnutzern.

Herausforderung Messsystem

Doch bei aller Euphorie gibt es auch Hürden. Während sich Retargeter am Erfolg ihrer Werbemaßnahmen direkt messen lassen können, haben es die Neukunden-Targeter schwerer. Sie sorgen zwar für Nachschub im Verkaufstrichter, aber nur selten für sofortige Abverkäufe. Die Früchte ernten andere Kanäle oder das Retargeting. „Die größte Herausforderung für Prospecting ist es, eine passende Erfolgsbewertung zu finden“, sagt Jokschat. Das Problem: Traditionelle Messsysteme wie Adserver oder Webanalyse messen nur allzu oft auf Basis des letzten Cookies – mitunter sogar klickbasiert. Die einfachste Lösung aus Sicht des Experten ist es, die Customer Journey umfassend zu analysieren. „Alternativ können Engagementprozesse gemessen werden“, sagt Jokschat. So könne auch eine Verfügbarkeitsabfrage, ein gefüllter Warenkorb oder eine heruntergeladene Broschüre ein Indiz dafür sein, dass die richtige Zielgruppe angesprochen wurde. Entsprechende Bewertungsmethoden sollten laut Jokschat zusammen mit dem Werbekunden entwickelt werden. „Es sind noch dicke Bretter zu bohren, aber der Bedarf für Prospecting via RTB ist riesig.“


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Display Advertising (Brand Safety & Ad Verification)

Viele Advertiser bezahlen für Schrott

Fritz Stürmer, Gastautor

Viele Advertiser bezahlen für Schrott
Fritz Stürmer

Die Sorge vor Unterlieferung, also das Nichterreichen von versprochenen Klickraten, aber auch einfach schlampig platzierte Werbeinhalte und Scheinplatzierungen stellen das Kunden-Agentur-Vertrauen auf eine immer härtere Probe. Die Branche verpasst sich selbst einen betrügerischen Ruf. Mehr noch: Sie rückt seriöse Marken in ein imageschädigendes Licht, obwohl es Maßnahmen und Technologien gibt, die den Missbrauch verhindern können. Leute, wacht auf!

Zwischen Hochglanz und reellem Webmüll:

Agenturen zeigen ihren Kunden gerne Screenshots der Placements auf hochseriösen Premiumseiten. Doch die Wirklichkeit der Auslieferungen sieht am Ende eher nach Resterampe und Web-Trash aus. In internen Untersuchungen recherchierten wir von Project Sunblock mehr oder weniger kuriose Fälle: etwa Anzeigen von Großbanken auf Seiten mit rechtsradikalen Inhalten, Wahlwerbung demokratischer Parteien, die vom Verfassungsschutz beobachtete Hassseiten finanzierte, oder deutsche Automarken, die auf einem Blog werben, der offen zum Genozid aufruft. Im Blickfeld unserer Untersuchungen kristallisierten sich aber nicht nur offensichtlich fragwürdige Webseiten als Problem heraus. Denn gerade „User-Generated Content“ findet sich vermehrt in einer problematischen Nachbarschaft wieder. Der Grund ist naheliegend, denn auch Premiumkanäle generieren verstärkt Userinput durch Foren und Blogs. Ein Status quo mit immensem Schadenspotenzial. Man stelle sich die Schadenfreude, die Lust am Skandal in den Medien vor, wenn Markenwerbung auf einer Seite mit fragwürdigen Inhalten in den Fokus einer breiten Öffentlichkeit rückt. So geriet iShareGossip 2011 ins Auge des Orkans. Ein wütender Elternmob lief Sturm gegen dort veröffentlichte anonyme „Happy-Slapping-Clips“. Nichtregistrierte jugendliche User hatten das Portal genutzt, um ihre Mitschüler zu mobben. Die Frage, die sich damals viele zu Recht stellten, war: Wer finanziert so etwas durch Werbung und inwieweit sind die Finanziers dann auch mitverantwortlich? Kein Einzelfall, wie das Beispiel der juristischen Aufarbeitung der illegalen Downloadplattform kino.to und deren systematische Urheberrechtsverletzungen belegt. Denn mittlerweile ist nun auch die Mitverantwortung der Werbetreibenden Gegenstand von Ermittlungen. Geduldeter Werbemissbrauch zieht sich wie ein Krake durch alle Länder. In Großbritannien rückte die Problematik im vergangenen Herbst im Zusammenhang mit Teenager-Selbstmorden ins Licht der Öffentlichkeit. Damals war es die Seite ask.fm, die zum Mobben einlud und einen berechtigten Sturm der Entrüstung auslöste. Die Konsequenzen waren unüberhörbare Forderungen nach schärferen Gesetzen. Das genügte, um Werbetreibende im ersten Schritt aufzurütteln, sie zu sensibilisieren und Mediaagenturen Millionen zu kosten.

Brand-Safety Next Generation:

Was tun? Wie reagiert die Gesellschaft? Warten wir auf gesetzliche Regelungen oder schaffen wir es, das Problem selbstständig zu lösen? Beispielsweise indem wir endlich bereits existierende, hoch entwickelte Brand-Safety-Systeme auf breiter Front einsetzen und das Blättern in Blacklists als rudimentäres Instrument ins Technikmuseum verfrachten? Jeder Insider weiß, dass Premiumlieferanten keine Garantie für einwandfreies Inventar sind. Das Risiko von Fehlplatzierungen durch den zunehmend automatisierten Einkauf steigt. "Real-Time Bidding", „Programmatic Buying“, „Retargeting“ und nicht zuletzt „User-Generated Content“ boomen und mit ihnen die Gefahren des Missbrauchs bzw. der Fehlplatzierung.

Warum steigt eigentlich der Anteil an Fehlplatzierungen regelmäßig zum Ende eines Monats? Ein offenes Geheimnis, sind das doch die Tage, an denen sich die Sorge vor Unterlieferung wie ein nicht abschüttelbarer Albtraum manifestiert. Gerne finden sich dann auch dreimal dieselben Anzeigen übereinander im Sichtbarkeitsnirwana.

Vertraglich haben sich Mediaagenturen und Werbetreibende in der Regel gegen schlechtes Inventar abgesichert und doch muss man nicht lange suchen, um die haarsträubendsten Platzierungen online zu finden. Warum verhalten sich die Player wie die sprichwörtlichen drei Affen, obwohl hoch entwickelte Kontrollsysteme zur Verfügung stehen?

Die Last der Qualitätssicherung:

Sieht man Qualitätssicherung nur als Kostenfaktor, wird schnell klar, warum sie sträflich vernachlässigt wird. Im Spagat zwischen Kostendruck und Qualitätsanspruch entscheiden sich die Verantwortlichen noch zu oft für die Drei-Affen-Billigvariante. „Brand-Safety-System“ hingegen ist ein Synonym für Qualitätssicherung und bedeutet nicht nur Markenschutz, sondern auch Schutz vor „non-human traffic“, seien es „gute“ Suchmaschinen oder „böse“ Botnetzwerke. Genau vor einem Jahr etwa gelang es der Justiz in den USA, ein Botnetzwerk zu enttarnen, das monatlich neun Milliarden unerwünschte Page Impressions generierte. Qualitätssicherung bedeutet aber auch, die Sichtbarkeit einer Anzeige zu garantieren, denn schließlich heißt unsere Währung „Tausender-Kontakt-Preis“.

Deswegen glauben wir bei Project Sunblock, dass die immer noch weitverbreitete Blacklist-Lösung veraltet ist und keinen Schutz vor Imageschäden bietet. Die manuelle Pflege von „bösen“ Seiten kann auf Dauer keine technisch angemessene Antwort auf die heutigen Herausforderungen sein. Einzig Lösungen mit semantischen Textanalysen, Bilderkennung und Evaluierung der inhaltlichen Umgebung des Inventars im Moment des Adcalls sorgen für adäquaten Markenschutz im Online-Advertising.

Brand-Safety-Checkliste:

  • Wie häufig werden die Blacklist-Daten oder die Datenbank aktualisiert?
  • Prüft das System die Unterseite oder nur Domains?
  • Wie differenziert sind Kategorien der Blockinglisten?
  • Wie schnell reagiert das System auf Seitenveränderungen?
  • Werden Verschleierungen, wie „nested iframes“, erkannt und optional gebannt?
  • Sind Pre-bid- und Post-bid-Analysen möglich?
  • Wie einfach lässt sich die Lösung in bestehende Systeme integrieren?
  • Werden die Geotargeting-Vorgaben ausgewertet?
  • Wird die Sichtbarkeit der Anzeigen ausgewertet?
  • Ist eine Bot- und Fraud-Detection vorhanden?

Pitchvorteil Brand Safety

Qualitätssicherung im Bereich Online-Marketing ist für Mediaagenturen, Vermarkter und Advertiser von essenzieller Bedeutung. Nur Qualitätssicherung hilft, das Vertrauen der Kunden zu sichern sowie die eigene Marke und sich selbst vor schlichtem Betrug zu schützen. Wenn die bestehenden Systeme optimal genutzt würden, könnten alle seriösen Player im Markt davon profitieren. Der Advertiser kauft nur erwünschte Platzierungen und bezahlt keinen Webschrott mehr. Mediaagenturen, die mit ehrlichen Brand-Safety-Systemen arbeiten, gewinnen einen nicht zu unterschätzenden Pitchvorteil und sichern sich einen weiteren USP im Bereich Ad Spending und Brand-Safety. Wir brauchen deshalb ein innovatives Change-Management. Die Anbieter seriösen Inventars sollten sich nicht mehr im ruinösen Wettbewerb mit dubiosen Anbietern befinden. Mit den neuen Brand-Safety-Systemen haben wir es in der Hand, Marken zu schützen und Betreibern von Schmutz- und Hassseiten sowie illegalen Downloadplattformen ihre wirtschaftliche Grundlage zu entziehen und letztere beiden damit vom Markt zu verdrängen. Strike!

Über den Autor:
Fritz Stürmer verantwortet neben dem Neugeschäft das DACH-Management von Project Sunblock. Das Berliner Startup bietet Advertisern und Agenturen die Sicherheit, ausschließlich Werbung auf geeigneten Webseiten zu platzieren. Im Spezialgebiet Brand Protection kann Fritz Stürmer sowohl auf ein profundes Wissen in Sachen Advertiser-Wünsche als auch agenturinterne Verfahrensweisen zurückgreife. Er unterstützt bereits seit 2001 verschiedenste Agenturen im Bereich Online-Marketing.




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