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AUSGABE 2 KW 37 – 16.09.2011

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THEMEN

 Pfeil Editorial: Globaler Anspruch mit Tücken
 Pfeil Ecommerce: Mobile Commerce – Zwischen Chancen und Wirklichkeit
 Pfeil E-Mail-Marketing: Datenschutz und Rechtssicherheit im Online-Marketing
JOBS
TERMINE


Editorial

Globaler Anspruch mit Tücken

Jens von Rauchhaupt, Redaktion

Globaler Anspruch mit Tücken
Jens von Rauchhaupt

„Leading the global digital business“, so kommuniziert die dmexco ihre eigene Rolle im digitalen Werbegeschehen. Dabei geht man in Köln gerade mal ins dritte Jahr. Sicherlich: die dmexco ist keine Hotel-Lobby Veranstaltung und gilt zu Recht als der hiesige Branchenhöhepunkt des Jahres. Gerade deshalb sollten sich die dmexco-Macher beim Konferenzprogramm primär am Entwicklungsstand des heimischen Marktes orientieren.


Die dmexco-Macher Frank Schneider, Christian Muche und ihr Team waren auch in diesem Jahr wieder mit ihrer Roadshow in London, Paris, Wien und Zürich unterwegs, um erfolgreich für die dmexco außerhalb Deutschlands zu werben. Internationale Medienpartnerschaften sollen zusätzlich für Gehör in den ausländischen Märkten sorgen, dafür hat es viel Aufklärungsarbeit in den letzten zwei Jahren gegenüber den US-Medien bedurft. „Die Amerikaner dachten ja lange, es handelt sich um eine weitere Hotel-Lobby-Veranstaltung. Inzwischen wissen sie aber um die Bedeutung der dmexco“, so ein Verantwortlicher aus dem dmexco Kommunikationsteam.

Aktuelle und relevante Themen haben die Branche und damit auch das dmexco-Konferenzprogramm zur Genüge zu bieten. Neben der auf breiter Front geforderten digitalen Kreativität bildet etwa das dynamische Media-Trading einen interessanten Schwerpunkt, da hier bedeutende Veränderungen in der Vermarktung und im Mediaeinkauf in den nächsten Jahren anstehen.

Völlig konsequent erscheint es daher, die Diskussion um die Verteilung der Werbemarktplätze bereits am ersten Kongresstag auf der Agenda zu haben. Die Auswahl der Panelteilnehmer lässt hiesige Marktteilnehmer allerdings größtenteils vermissen. Erst am zweiten Tag kommen auch zwei Vertreter aus Deutschland zu diesem Thema in der Congress Hall zu Wort.

Das ist ein wenig bedauerlich. Denn die Märkte in den USA, Großbritannien und Deutschland und dem restlichen Europa weisen völlig unterschiedliche Strukturen und Entwicklungsstadien auf. Während die Realtime-Bidding-Umsätze in den USA bereits signifikant sind und UK gerade das Momentum für Wachstum hat, steht Deutschland noch ganz am Anfang des Weges. Daher wären viele lokale Einschätzungen zu diesem Thema mindestens so wertvoll wie die der vier CEOs aus den USA, die uns in erster Linie für ihre Produkte sensibilisieren wollen.

Die nationalen Märkte funktionieren immer noch recht unterschiedlich und beherbergen auch verschiedene Mentalitäten. Zuweilen stellen die Markteilnehmer in den einzelnen Ländern somit auch unterschiedliche Ansprüche an Online-Maßnahmen. Das gilt nicht nur für den Fall des Ad Trading, sondern auch für viele andere Bereiche. Etwa beim Targeting ticken wir Europäer anders als die Amis.

Trotz der aktuellen Brisanz findet Datenschutz und ein drohendes Cookie-Opt-in für Europa  im Konferenzprogramm leider kaum Beachtung. Diese Themen sind vielleicht auch nicht unbedingt dienlich für die „Strahlkraft“ der Veranstaltung und der Branche. Mit internationaler Strahlkraft müssen wir uns bei Adzine weniger beschäftigen. Daher beleuchten wir in dieser Ausgabe die Rolle des Datenschutzes und das Bedürfnis nach Rechtssicherheit im Online-Dialogmarketing. Zudem gibt uns Daniel Rieber vom Marktforschungsunternehmen Interrogare einen interessanten Überblick zum derzeitigen Stand im Mobile Commerce.

Viel Spaß mit Adzine!


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Ecommerce

Mobile Commerce – Zwischen Chancen und Wirklichkeit

Daniel Rieber, Gastautor

Mobile Commerce – Zwischen Chancen und Wirklichkeit
Daniel Rieber

Ende der Neunzigerjahre hielt das Internet Einzug in die Wohnzimmer und wurde binnen weniger Jahre zu einem Massenmedium, das die Wirtschaft grundlegend veränderte und große Teile des Handels auf den heimischen Computer verlagerte. Durch die Einführung von Smartphones befinden wir uns inmitten einer weiteren Veränderung des Marktes. Der Handel wird mobil und ermöglicht es den Konsumenten, erstmals von überall zu jeder Zeit auf Informationen zuzugreifen und Geschäfte zu tätigen.


Als das Time Magazine das iPhone zur Erfindung des Jahres 2007 kürte, war selbst für Experten noch schwer abzusehen, welche Auswirkungen dieses neue Gerät auf Mediennutzung und Konsumverhalten haben würde. Vier Jahre und genau vier iPhone-Versionen später wurden weltweit über 120 Millionen Exemplare verkauft und über 400.000 Apps veröffentlicht. Und auch bei Google wurde längst von oberster Stelle die Strategie „Mobile First“ ausgerufen und mit Android ein zeitgemäßes Betriebssystems für Smartphones und Tablets auf den Markt gebracht.

Am Markt herrscht Goldgräberstimmung. Risikokapitalgeber investieren horrende Summen in Start-ups und in den Medien liest man von Mobile Couponing, Augmented Reality und Location-Based Services. Zwischen all den Erfolgsmeldungen fällt es schwer, zwischen Hype und echten Chancen sowie zwischen Marketing und Wirklichkeit zu unterscheiden.

Der Handel wird mobil

Mobile Commerce steht für den Einsatz von mobilen Geräten wie Smartphones für den Handel und umfasst sowohl den direkten Kaufprozess als auch vorbereitende Prozesse wie Werbung, Marketing oder Produktinformation. Wie wichtig die Rolle des mobilen Internets heute schon für Anbieter von E-Commerce sein kann, verdeutlichen die von eBay veröffentlichten Zahlen für das Jahr 2010. So wurde die eBay App im vergangenen Jahr weltweit über 30 Millionen Mal heruntergeladen und für ein Handelsvolumen in Höhe von 2 Milliarden US-Dollar eingesetzt. Der Einsatz der Mobile App verschafft dem Nutzer einen eindeutigen Vorteil gegenüber anderen Bietern, da er Gebote von überall her zu jeder Zeit abgeben kann und benachrichtigt wird, sobald eine Auktion abläuft.

Neben der Möglichkeit, von überall zu jeder Zeit auf mobile Angebote zugreifen zu können, bietet der Einsatz des Smartphones noch vielseitige weitere Vorteile. Dank der Ortung der Position über GPS können ortsbezogene Dienste (sogenannte Location-Based Services) dem Nutzer Angebote in Abhängigkeit seines aktuellen Aufenthaltsortes liefern. Mobile Commerce kann hier den Konsumenten beim lokalen Kauf beraten und bei der Suche nach Anbietern und Produkten unterstützen. Über mobile Coupons kann dem Konsumenten sogar ein konkreter Anreiz geboten werden, bestimmte Lokalitäten aufzusuchen und Angebote wahrzunehmen.

Die Konkurrenz im eigenen Laden

Foto: barcoo
Foto: barcoo
Ein weiterer Mehrwert von Mobile zeigt sich im Kaufprozess selbst vor Ort. So können Konsumenten vor dem Kauf eines Produktes im Geschäft über ihr Smartphone Zusatzinformationen recherchieren, Preisvergleiche anstellen oder das Produkt noch im Geschäft bei der Konkurrenz bestellen. Besonders attraktiv wird dies für Konsumenten durch die Möglichkeit, über die Kamera des Smartphones den Barcode einzuscannen und so direkten Zugriff auf alle Informationen zu dem Produkt zu erhalten.

Die über eine Million aktiven Nutzer des deutschen Anbieters barcoo setzen diese Technik bereits ein, um Zugriff auf erweiterte Informationen wie z. B. eine Lebensmittelampel zu erhalten oder um sich mit der Community über die Produkte auszutauschen. Da Kaufprozesse stark an Vertrauen und Empfehlungen gekoppelt sind, bietet gerade die Verbindung von mobilen Endgeräten mit sozialen Netzwerken ein mächtiges Instrument. Den Mehrwert der Scan-Technologie für Mobile Commerce haben auch die etablierten Unternehmen erkannt. So kaufte eBay im vergangenen Jahr das Start-up RedLaser und integrierte die Technologie in die eigene App.

Das Schweizer Messer der Informationsgesellschaft

Mobile Commerce etabliert sich in allen Bereichen des Alltags. Das Ticket für die Bahn kann auf dem Weg zum Bahnhof heute schon bequem über das mobile Gerät bezogen werden und macht das Smartphone zur Eintrittskarte. In der Kaufsituation kann der Konsument ohne Bonuskarte Punkte sammeln oder digitale Coupons einlösen. Überweisungen können von überall getätigt und Transaktionen eingesehen werden. So können PayPal-Kunden zum Beispiel mit der hauseigenen App durch das Aneinanderstoßen („bumpen“) von zwei Smartphones Geld übertragen. Darüber hinaus können kommende Smartphone-Generationen dank Techniken wie NFC (Near-Field-Communication) sogar zur Bezahlung im Geschäft eingesetzt werden. Nachdem das Smartphone bereits für viele zum Ersatz für den Terminplaner, die Spielekonsole und die Digitalkamera geworden ist, wird es in den nächsten Jahren nun auch noch die Frage nach der Existenzberechtigung des Portemonnaies stellen.

Und wo die Grenzen des Smartphones erreicht scheinen, setzen Tablets wie das iPad an und ermöglichen die digitale Publikation von Printmedien wie Katalogen, Büchern und Zeitschriften. Durch die Anreicherung des Contents mit Multimediainhalten und durch die Einbindung von Livemeldungen können dem Leser entscheidende Mehrwerte geboten werden. Und anstatt die Tageszeitung am Kiosk zu kaufen, kann die aktuellste Ausgabe einfach heruntergeladen oder sogar abonniert werden. Dank des App Store scheint so nun erstmals eine Realisierung von Paid-Content für digitale Inhalte möglich.

Und auch für die Werbung und das Marketing sind die neuen Möglichkeiten vielfältig. Der Nutzer trägt sein mobiles Gerät immer bei sich und ermöglicht es so Marken, zu einem Teil seines persönlichen Raums zu werden und den Konsumenten im Alltag zu begleiten.

Erfolgsrezept: Dem Nutzer Mehrwerte bieten

Während es in den vergangenen Jahren für viele Unternehmen in erster Linie darum ging, Erfahrungen mit dem neuen Medium zu gewinnen und „einfach dabei zu sein“, steht nun eine Konsolidierung des Marktes bevor. Denn hinter den Erfolgsgeschichten, mit denen man täglich in den Medien konfrontiert wird, stehen viele Negativbeispiele. So werden laut einer Studie von Deloitte 80 % der Unternehmens-Apps weniger als 1.000 Mal heruntergeladen.

Die Grundvoraussetzung für die Entwicklung erfolgreicher Mobile-Strategien ist das Verständnis für die veränderte Mediennutzung und dessen Auswirkungen auf das Informations- und Kaufverhalten der Konsumenten. So investierte das Medienhaus Axel Springer Anfang des Jahres in ein eigenes Marktforschungspanel für iPad Nutzer, das für die Erforschung der veränderten Mediennutzung und der Wirkung neuer Werbeformen eingesetzt wird und das Verlagshaus in der Weiterentwicklung seiner digitalen Geschäftsmodelle unterstützt.

Modelle, die in der Online-Welt funktionieren, können im mobilen Nutzungskontext an den Bedürfnissen des Nutzers vorbeigehen. Daher ist eine klare Fokussierung auf die Ziele und eine Reduktion auf die wesentlichen Bestandteile gerade bei mobilen Angeboten unabdinglich. Eine einfache Portierung klassischer Modelle ist nur in den seltensten Fällen möglich. Bei der Konzeption sollten vor allem die neu gewonnenen Möglichkeiten im Vordergrund stehen. So können Funktionalitäten wie die Bestimmung der Position, das Scannen von Barcodes oder der Einsatz der Kamera entscheidende Mehrwerte liefern. Hierbei sollte es aber weniger um das gehen, was technisch möglich ist, sondern vielmehr um das, was die Bedürfnisse der Konsumenten erfüllt.

Eine Erfolgsgeschichte

Auch wenn der Handel gerade in Deutschland noch zurückhaltend ist und immer wieder auf die im Vergleich zu anderen Medien geringe Reichweite hinweist, ist die Richtung klar vorgegeben. Innerhalb der nächsten Jahre wird das Smartphone zum Massenmedium avancieren und für Privatnutzer wird es die Nutzung des Internets über den klassischen Computer in vielen Bereichen ablösen. Das mittlerweile jede dritte Statusmeldung bei Facebook mobil gepostet wird, ist ein eindeutiges Indiz für diesen Wandel. Mobile Commerce steht in den Startlöchern und hat bereits erste erkennbare Spuren im Markt hinterlassen. Die Frage ist nicht, ob es eine Erfolgsgeschichte wird, sondern welche neuen Formen des Handels es ermöglicht und welche klassischen Formen es vielleicht sogar ganz ersetzen wird. Zwar kann der Handel aus den Erfahrungen profitieren, die er bereits mit der Einführung von E-Commerce machen konnte, allerdings wird die Mobilisierung des Marktes wesentlich schneller voranschreiten.

Über den Autor

Daniel Rieber ist Leiter des Bereichs für Mobile Research beim Marktforschungsinstitut Interrogare. An der Fachhochschule des Mittelstands vermittelt er als Dozent seit 2011 Wissen über alle Formen von Mobile Commerce.


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Specific Media bringt Bewegung ins digitale Marketing. Mit Video! Ab sofort bieten wir nicht nur ein Netzwerk für Display und Video, wir produzieren auch Content für Sie. Wir sehen uns auf der dmexco in Köln: Halle 8, Stand C41

E-Mail-Marketing

Datenschutz und Rechtssicherheit im Online-Marketing

Svenja Florien Böhm, Redaktion

Datenschutz und Rechtssicherheit im Online-Marketing
Svenja Florien Böhm

Ob für das E-Mail-Marketing, dem Customer-Relationship-Management oder im E-Commerce: Die Unternehmen sammeln Daten zur Verbesserung der Kundenansprache. Vielen Marketingverantwortlichen fehlt es an ausreichend Know-how beim Datenschutz. Besonders wenn Targeting-Maßnahmen zum Einsatz kommen. Wir sprachen dazu mit Fabian Niemann von der internationalen Anwaltssozietät Bird & Bird LLP und Stefan von Lieven, CEO von artegic, die auf der dmexco durch Bird & Bird LLP eine kostenlose Rechtsberatung zu diesem Thema anbieten.


Adzine: Herr von Lieven, warum ist es gerade jetzt zur dmexco das Thema Rechtsicherheit für sie so aktuell?

Stefan von Lieven: Das Thema Rechtssicherheit hat durch die insgesamt steigende Bedeutung des Online Dialogmarketings sowie insbesondere durch die sozialen Medien einen ganz neuen Fokus. Daher werden diese Aspekte zu einer strategischen Aufgabe - um nicht zwischen Unsicherheit zu den Fakten eigene Chancen zu verpassen oder hohe Risiken einzugehen. Die dmexco ist als Leitmesse für digitales Marketing genau der Ort, an dem sich die Branche auch außerhalb der Verbände und vor allem auch die Anwender zu solch wesentlichen Trends austauschen können. Die Nachfrage auf unser mittlerweile nahezu ausgebuchtes Angebot eines Rechts-Checks auf der dmexco zeigt, wie sehr in diesem Bereich auch von Seiten der Unternehmen ganz akut Aufklärungsbedarf besteht.

Fabian Niemann
Fabian Niemann
Adzine: Herr Niemann, in den Medien ist Datenschutz längst angekommen. Doch wie sieht das in der Praxis bei Ihren Mandanten aus?

Fabian Niemann: Datenschutz war für uns als Kanzlei mit Schwerpunkt im Technologieumfeld schon immer ein zentrales Thema. Die Bedeutung in unserer Beratungspraxis hat in den letzten Jahren aber noch einmal extrem zugenommen und nimmt weiter zu. In vielen Unternehmen, insbesondere in den Bereichen Informationstechnologie, Telekommunikation und Internet sowie Marketing und Werbung ist es inzwischen ein Thema auf Geschäftsführer- bzw. Vorstandsebene. Der Grund hierfür liegt im technologischen Wandel und der zunehmenden Bedeutung von Daten. Hier wirft Datenschutz zunehmend nicht nur rechtliche Fragen auf, sondern er rückt auch in den Fokus des öffentlichen Bewusstseins. Online- und E-Mail-Marketing, soziale Netzwerke, Geodatendienste und Cloud Computing sind hier nur einige Beispiele. Datenschutzfragen sind immer öfter entscheidend dafür, ob ein bestimmtes Businessmodell überhaupt funktioniert. Dementsprechend steigt der Bedarf für High-End-Beratung im Datenschutz.

Adzine: Aktuelle Studien belegen: Datenschutz ist noch nicht in allen Unternehmen auf der Topagenda. Wird das Thema unterschätzt oder besteht schlichtweg Unkenntnis?

Fabian Niemann: Das kommt auf die Branche an. In den von mir eben erwähnten Branchen ist das Thema bekannt und wird – jedenfalls in Deutschland – auch nicht unterschätzt. Aufgrund des nach wie vor begrenzten Enforcements von Datenschutz durch die Aufsichtsbehörden gehen hier einige Unternehmen, insbesondere Start-ups bewusst Risiken ein. Anders ist die Situation in den meisten traditionellen Unternehmen, die Datenschutz "nur" ganz allgemein insbesondere im Bereich des Arbeitnehmerdatenschutzes und des Kundendatenschutzes trifft.

Während früher Datenschutz hier in fast keinem Unternehmen ein wichtiges Thema war, gibt es mittlerweile eindeutig zwei Gruppen. Die eine Gruppe – insbesondere börsengelistete Unternehmen und große Unternehmen im B2C-Bereich – nehmen Datenschutz als Teil der allgemeinen Compliance und von Public und Customer Relations sehr ernst. Die andere, wahrscheinlich nach wie vor deutlich größere Gruppe vernachlässigt das Thema immer noch mehr oder weniger. Entweder weil die allgemeine Compliance etwas vernachlässigt wird und daher die Bedeutung des Datenschutz für jedes Unternehmen und damit auch für das eigene Unternehmen verkannt wird. Oder weil das Thema in Zeiten der Krise in Unternehmen, die noch keinen Ärger mit Datenschutz hatten, schlicht hinten ansteht.

Adzine: Bei der Nutzung von Social Media im Marketing herrscht aktuell einiges an rechtlicher Unklarheit? Worauf muss ich achten?

Fabian Niemann: Auf diese Frage kann man auf hundert Seiten antworten. Sehr vereinfacht aber hilft es schon, wenn man vier Spielregeln beachtet: Erstens: Transparenz, d. h., die Kunden und sonstigen Betroffenen konkret, klar verständlich und nicht versteckt ausreichend vor der Datennutzung informieren. Zweitens: im Zweifel "Opt-in", d. h. bewusste und aktive Zustimmung des Betroffenen im Bereich des Social Media Marketings. Abweichungen davon besser nur mit rechtlicher Beratung. Drittens: keine Kooperationen, bei denen man nicht weiß, was der Partner mit Daten macht. Viertens: technisch verstehen, was genau passiert, und bei bedeutenden Thema fachlichen Rechtsrat einholen. Datenschutz ist wahrscheinlich das größte rechtliche Thema im Bereich Social Media, jedenfalls das, mit dem man am leichtesten einen PR-Gau erzeugen kann.

Adzine: Was sind aus Ihrer Praxis die typischen rechtlichen Missverständnisse und Fehler im Online-Dialogmarketing?

Fabian Niemann: Vorweg geschickt möchten ich sagen, dass die meisten spezialisierten Player in der Regel ein sehr gutes Verständnis vom Datenschutz haben. Diese haben Beratungsbedarf weniger aufgrund rechtlicher Missverständnisse, sondern aufgrund unklarer rechtlicher Regelungen, internationaler Aspekte sowie dem Versuch, die Grenzen auszuloten. Dagegen sind rechtliche Missverständnisse in normalen Unternehmen, die sich des Online-Dialogmarketings bedienen, sehr häufig und führen in der Praxis oft zu erheblichen Problemen mit Kunden im Nachinein. Die typischen Probleme sind hier oft schon die Basics: das Ob und Wie des Opt-ins sowie der Zweckbindungsgedanke, also der Grundsatz, dass einmal rechtmäßig gewonnene Daten nicht beliebig, sondern nur im Rahmen eines durch Gesetz oder Einwilligung gerechtfertigten Zweckes genutzt werden können. Daneben der allgemeine Irrglaube, das innerhalb eines Konzerns Daten frei geteilt werden können.   

Adzine: Das Thema rechtssichere Einwilligung ist für viele Marketingmanager immer noch eine Blackbox. Welche Punkte sind für eine rechtssichere Einwilligung essenziell?

Fabian Niemann: Eigentlich "nur" die Grundsätze des Datenschutzes, über die wir bereits oben gesprochenen haben. Namentlich Transparenz, also ausreichende und konkrete Information, beweissicherer (Double-)Opt-in sowie Zweckbindung.

Adzine: Die Systeme wachsen in den Unternehmen zusammen – gleichzeitig steigt die Menge der verfügbaren und verwalteten Daten. Was gibt es bei der Datenerhebung, -zusammenführung und -nutzung zu beachten?

Fabian Niemann: Neben den bereits erwähnten Punkten der Transparenz, Zweckbindung und des nicht bestehenden Konzernprivilegs insbesondere die Grundsätze der Datensparsamkeit (also personenbezogene Daten so wenig nutzen wie möglich), der Datenkontrolle und -löschung (d. h. die Fähigkeit, personenbezogene Daten jederzeit lokalisieren, ändern und bei Bedarf oder Löschungspflicht "löschen" zu können (Letzteres so gut dies eben bei digitalen Daten geht)) sowie der IT-Sicherheit. Daneben muss Datenschutz in der internen Compliance eingebunden und ernst genommen werden. Der Datenschutzbeauftragte muss entsprechend geschult sein und bei internationalen Sachverhalten die Möglichkeit haben, auf interne oder externe internationale Spezialisten zugreifen zu können. Es muss ein klares Zugriffsmanagement betrieben werden, Mandantenfähigkeit ist wichtig und datenschutzkonforme Verträge mit allen externen Dienstleistern, inklusive Konzernunternehmen, die Zugriff auf personenbezogene Daten haben, müssen bestehen. Das sind nur die wichtigsten Punkte. Im Zweifel kann ein Datenschutzaudit durch interne oder externe fachkundige Ressourcen helfen, Compliance herzustellen.

Adzine: Exakte und tiefe Kundenprofile sind wichtig für eine präzise und relevante Kommunikation. Was ist bei der Erhebung von personenbezogenen Verhaltensdaten und der Anreicherung von Daten zu beachten?

Fabian Niemann: Ein schwieriges Thema. Profiling ist ein rotes Tuch für die meisten Datenschützer. Hier hilft eigentlich nur eine wirksame Einwilligung oder eine Technik, die eine wirklich vollständige Anonymität erlaubt.

Stefan von Lieven
Stefan von Lieven
Adzine: Herr von Lieven, welche Risiken gehen Unternehmen ein, wenn Sie das Thema Datenschutz und Zustimmungen im Online-Dialogmarketing nicht ernst nehmen?

Stefan von Lieven: Früher ging es in Marketing und CRM bei Unternehmen im Schwerpunkt um das Sammeln von Daten. Die zweckgebundene Verarbeitung und die korrekte Einholung und Verwaltung von Zustimmungen und Datennutzungserklärungen im Marketing war vielfach mangelhaft. Das reicht aber schon lange nicht mehr aus. Heute sind die rechtssichere Verwaltung und die gezielte Einholung von umfangreichen Zustimmungen für ausgefeilteres Targeting eine wichtige strategische Aufgabe im Marketing. Unternehmen, die dies nicht rechtzeitig erkennen und sich darauf einstellen, haben künftig klare Wettbewerbsnachteile. Denn dieser Paradigmenwechsel kann nicht ad hoc und oft auch nicht rückwirkend erfolgen. Unternehmen riskieren also, wesentliche Teile ihrer Kundendaten für das Marketing zu verlieren, weil sie diese nicht rechtlich einwandfrei erhoben haben. Und hier liegt das eigentliche wirtschaftliche Risiko – nicht in der Beschwerde Einzelner, wie vielfach fälschlicherweise angenommen.

Adzine:
Wie können Unternehmen vorgehen, um das Thema Kundendaten und Zustimmungen im Dialogmarketing richtig umzusetzen?

Stefan von Lieven:
Der erste Schritt ist eine Analyse der bestehenden Kundendaten und der Erhebungs- und -verarbeitungsprozesse. Eine zentrale Rolle spielen dabei Altdaten, für die oft wenig Wissen hierzu besteht. In einem zweiten Schritt ist eine zentralisierte Verwaltung von Zustimmungen im Marketing – sog. Datennutzungserklärungen (DNE) – einzurichten, auf die alle Erhebungs- und Verarbeitungsprozesse zurückgreifen. Dabei ist insbesondere auch die differenzierte operative Verarbeitung je nach konkreten Zustimmungen wichtig. Dies ist meistens der komplizierteste Aspekt. Für das Thema E-Mail-Marketing und Online-Dialog haben wir dazu übrigens kürzlich mit dem Privacy Admission Control eine sehr charmante und weltweit einmalige Lösung entwickelt. Diese hilft auch für den dritten Schritt, die Migration von Bestandsdaten. Denn hier geht es um die Aktualisierung und die Ausweitung der Zustimmungen.

Adzine:
Herr von Lieven, Herr Niemann, vielen Dank für das Gespräch.


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Kommunikationsprofi (m/w)

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Wir starten durch – und suchen dafür Unterstützung. Adcloud ist ein junger, unabhängiger Technologie- und Dienstleistungsanbieter im stark wachsenden Segment des performancebasierten Online-Marketings. Wir betreiben einen der führenden Internetmarktplätze für die optimierte Aussteuerung von digitaler Werbung. Als neutraler Dienstleister unterstützen wir so alle Marktteilnehmer im Online-Werbemarkt bei der Erreichung ihrer Ziele.


Account Manager (m/w) Online-Marketing

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Adcloud GmbH, Köln

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TERMINE

Am 29.09.2011

scoopcamp 2011 zum Thema digitales Storytelling


Am 29.09.2011

Erste Google Analytics Konferenz am 29.9.2011 in Wien


Vom 09.11.2011 bis 29.11.2011

Conversion Rate Forum in Hamburg, München und Düsseldorf


Vom 10.11.2011 bis 22.11.2011

The Search Conference in Hamburg, München und Frankfurt



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