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AUSGABE KW 16 – 20.04.2011

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THEMEN

 Pfeil Editorial: Wann kommt die mobile Trennung?
 Pfeil Mobile Marketing: Die Branche in der Abofalle?
 Pfeil Mobile Marketing: Rechtliche Aspekte der mobilen Werbung
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Editorial

Wann kommt die mobile Trennung?

Arne Schulze-Geißler, Chefredakteur

Wann kommt die mobile Trennung?
Arne Schulze-Geißler

Mobile-Werbung scheint langsam Realität zu werden, erst diese Woche sollen dies die Zahlen der der aktuellen Erhebung der Fachgruppe Mobile im Bundesverband Digitale Wirtschaft (BVDW) e. V. belegen. Im letzten Jahr schalteten die werbungtreibenden Unternehmen etwa 40 Prozent mehr und absolut 1.221 Kampagnen auf mobilen Endgeräten. Damit stieg die Anzahl der Werbungtreibenden auf 248 Unternehmen, was einem Anstieg um mehr als 27 Prozent entspricht. Obwohl die Anzahl der Kampagnen zunächst mal nichts über die Spendings aussagt, ist der Trend deutlich.

Am besten erkennt man die steigende Relevanz der mobilen Ansprache durch das eigene Nutzungsverhalten oder den Blick auf die Mitreisenden morgens in der U-Bahn. Mein rein subjektiver Eindruck ist, dass die Nutzer reichlich vorhanden sind, zumindest in der U3 in Hamburg.

Auf den etablierten Nachrichtenseiten, die ich primär mobil nutze, sind die Werbeeinblendungen unaufdringlich und haben aufgrund der niedrigen Dosierung für mich eher informativen Charakter. Ganz anders sieht es allerdings oft bei Werbung in kostenlosen Apps wie Spielen aus. Wenn sich während des Spielens einer Tetris-Kopie Werbung über den Bildschirm legt, die man dann auch gerne wieder loswerden möchte, um sich das Spiel nicht zu versauen, da hört der Spaß auf. Wenn man dann noch befürchten muss, dass man ohne wirkliche Zustimmung auch noch ein Spiele-Abo abgeschlossen hat, das dann über die Mobilfunkrechnung abgebucht wird, dann ist für mich das App Game endgültig over.

Das erinnert an die Dialer-Fallen in Zeiten des analogen Modems. Solange eine Verbindung zwischen Mobilfunk-ID und Internetanwendung hergestellt werden kann, haben die mobile Internetnutzung und auch der Werbekanal einen nicht zu unterschätzenden Makel, der so schnell wie möglich behoben werden muss. Das öffnet nicht nur unseriösen Anbietern von wertlosen Services Tor und Tür, sondern birgt auch überflüssige Brisanz in der Privacy-Diskussion.

Viel Spaß mit Adzine!

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'AD TRADER CONFERENCE' by ADZINE & ExchangeWire, am 28.06.2011 in Hamburg

Mobile Marketing

Die Branche in der Abofalle?

Michael Röhrs-Sperber, Autor

Die Branche in der Abofalle?
Michael Röhrs-Sperber

In den letzten Monaten häuften sich bei Verbraucherzentralen die Beschwerden von Handynutzern, die mit einem Klick auf ein Werbebanner auf mobilen Webseiten oder in mobilen Apps einen Vertrag abgeschlossen haben sollen. Die Verbraucherzentrale von NRW sah sich gar genötigt, zehn Markteilnehmer im Bereich Klingeltöne wegen sogenannter One-Click-Abofallen abzumahnen. Diese besorgniserregende Entwicklung könnte die mobile Werbebranche gefährden. Denn Display Ads aus den mobilen Ad Networks werden zumeist performancebasiert abgerechnet.

Ein Beispielfall unter vielen

Der Handynutzer konnte sich an keinen Vertragsabschluss erinnern, nur daran, dass er aus Versehen auf ein Werbebanner in einer kostenlosen App geklickt hatte. Kontoinformationen oder persönliche Daten hatte er nicht angegeben. Zahlen sollte er trotzdem: 72 Euro für einen völlig sinnlosen Dienst. Ein Anruf beim Netzbetreiber brachte zutage, dass der „Mehrwertdienst“ ihm eine inhaltlich zweideutige Bestätigungs-SMS mit dem Vertragsabschluss geschickt hätte, und der Provider auf die Anfrage des Dienstes, der die sogenannte MSISDN (Mobile Subscriber Integrated Services Digital Network Number oder auch Mobile Station Integrated Services Digital Network Number) kannte, das Konto des Kunden belastete. Der Nutzer ist erschrocken, wie einfach Dritte sein Mobilfunkkonto belasten konnten und auch darüber, wie schlecht der Netzbetreiber seinen Vertragskunden bei der Aufklärung des Falles unterstütze. Nach diesem Vorfall war dem Nutzer vor allem eins klar: Nie wieder wird er auf eine Handywerbung klicken.

Was bei der One-Click-Falle im Hintergrund abläuft

Diese zweifelhafte Art von Werbung setzt den eigentlich schon längst vergessenen und veralteten WAP-Standard ein. WAP stammt noch aus der Präinternetära und war der erste Versuch, mit den damals vorhandenen geringen Bandbreiten Internetfeeling auf die Handys zu holen. Dieser Versuch war erfolglos und der Standard geriet eher in Vergessenheit. Allerdings beherrschen noch fast alle verfügbaren Handys, also auch die sogenannten Feature-Phones, diesen mobilen Standard.

Und er hat etwas Einzigartiges: Mittels WAP kann man die Kennung eines Handys – die MSISDN – abfragen, die Auskunft über den Provider und den Kunden gibt. Dieses Feature wurde damals zum Abbuchen von Kleinbeträgen durch Drittanbieter unter dem Namen „WAP-Billing“ eingeführt. Die Übertragung der MSISDN geschieht ohne Wissen oder aktives Tun des Handynutzers. Öffnet ein Handynutzer eine WAP-Seite, weiß der Anbieter, wer da geklickt hat – und kann diese Information zum Abbuchen von Geldbeträgen über die Handyrechnung nutzen. Auch dies geschieht wieder ohne Zutun des Handynutzers. Selbst das Billing beim Provider ist automatisiert.

Differenzierung tut not

Harald Neidhardt
Harald Neidhardt
Ein Klick auf eine Werbung reicht also aus, um Millisekunden später eine Abbuchung von der Handyrechnung zu veranlassen. Mobile Werbung wird so von unseriösen Markteilnehmern zum Selbstbedienungsladen degradiert – mit möglicherweise fatalen Folgen für die ganze Branche.   „Im letzten Jahr mussten wir auch bei uns einen solchen Marktteilnehmer aus unserem Netzwerk nehmen“, berichtet Harald Neidhardt, CMO und Mitbegründer von Smaato Inc., einem der größten internationalen „Vermittler“  für mobile Werbung. „Allerdings trat dieses Phänomen der One-Click-Abos hauptsächlich im asiatischen und südeuropäischen Raum auf“, ergänzt Neidhardt.

Smaato bündelt mit seiner SOMA Plattform die mobile Werbung von gut 60 Ad Networks aus über 200 Ländern und bedient damit monatlich 40 Mrd. Ad Requests auf Publisherseite. Neidhardt legt Wert auf eine saubere Differenzierung: „One-Click-Abofallen sind ganz einfach Betrug,  genauso wie versteckte Abofallen auf  Landing Pages. Im Gegensatz dazu sind Abonnements, die eine zweite Bestätigung des Handynutzers erfordern, also einen Double Opt-In, von der Mobile Marketing Association zertifiziert worden.“ Bei dem Double Opt-In muss der Handynutzer zunächst das Abo auf der Landing Page und später erneut die SMS der Dienstleisters bestätigen.
Aus einigen im Internet geschilderten Fällen geht hervor, dass einige der One-Click- bzw. versteckten Anzeigen beispielsweise über das Ad Network AdMob geschaltet wurden bzw. Jamba als Dienstleister auswiesen. Wir fragten bei dem wohl größten Werbenetzwerk für mobile Bannerwerbung, bei Googles AdMob nach, wie sie dieses Problem sehen. John Gerosa, Industry Leader, Technology bei Google Deutschland, antwortete uns aus London mit bekannt britischem Understatement. Dieser „Subscription Service“ genannte Dienst sei „contentious“, also umstritten, weshalb er sehr stark reguliert sei. AdMob würde nur mit Providern zusammenarbeiten, die korrekt reguliert seien. Außerdem würden die eigenen Policies eine Praxis verbieten, die gegen diese Regulierung verstößt. Solche Verbote in den AGB haben aber eher selten kriminelle Elemente vom Geldverdienen abgehalten.

Ärger mit versteckten Abofallen auf den Landing Pages

Auch bei Jesta Digital kennt man die Thematik der „One-Click“-Banner, allerdings sei dem Jamba.de-Betreiber laut Julia Hornberg, Associate Director Corporate Communications, „noch kein konkreter Fall bekannt geworden, wo tatsächlich ein Klick auf ein Werbebanner zu einer Bestellung geführt haben soll.“ Hornberg weiter: „In uns bekannten Fällen hat sich immer herausgestellt, dass Nutzer nach dem Klick auf ein Banner auf eine weitere Bestellseite geleitet wurden und dort die Bestellung ausgelöst haben. Auf Nachfrage war dies den Kunden letztlich meist bewusst.“ Das Problem scheint aus Sicht von Jesta Digital nur ein Problem von nicht aufmerksam lesenden Nutzern zu sein. Genau diese Art von Bemerkungen treibt die Zornesröte in die Gesichter der Verbraucher. Und auch die den Verbraucherzentralen vorliegenden Fälle widersprechen dieser Darstellung vehement.

Laut Hornberg unternimmt Jesta Digital jedenfalls genug, um diese Missstände zu unterbinden: „Unsere Werbepartner werden von uns auf die Einhaltung der gesetzlichen Vorschriften und der zum Teil darüber hinausgehenden Branchenvorgaben vertraglich verpflichtet. Verstöße werden mit Vertragsstrafen geahndet.“ Jesta Digital verlässt sich also auf die AGB und reagiert nur, wenn Verstöße an sie herangetragen werden.
John Gerosa
John Gerosa

Bei AdMob verwies Gerosa auf die Guidelines. AdMob schaue sich jedoch alle Ads manuell an, um sicherzugehen, dass sie sich an die Guidelines halten. Leider verriet Gerosa nicht, wie viele Mitarbeiter für diese zeitaufwendige Arbeit beschäftigt werden und wie lange diese Zeit für eine Überprüfung haben. Als weitere Sicherheitsstufe will AdMob nur Ads zulassen, die auf Applikationen verweisen, die für den Vertragsschluss das Opt-in-Verfahren vorsehen. Der Nutzer soll also explizit erklären, dass er einen Vertrag schließen wolle. John Gerosa ist der Meinung, dass diese Art von Abonnements innerhalb der strengen Guidelines legal seien. Und wenn die Werbung sich an die Gesetze sowie die Guidelines halte, dann seien diese Services nicht gefährlich. Das würden sicherlich auch alle Handy-Nutzer so sehen, die vor Abschluss eines Vertrages um ihre Zustimmung gebeten werden. Allerdings lässt diese Antwort auch Interpretationsspielraum. So könnte man auf die Idee kommen, dass sich Werbung, die sich nicht an die Regeln hält – wie die hier geschilderten Fälle –, gefährlich ist.

Noch keine Gefahr für die ganze Branche

Birgt ein Klick auf ein Werbebanner eine konkrete Gefahr für den Geldbeutel, ist beim Verbraucher schnell Schluss mit lustig. Daher sollte man annehmen, dass sich die Branche auch selbst auf die Finger schaut. „Für die Branche wäre eine Verbreitung der One-Click Abofallen fatal und gegen unser eigenes Interesse - aber wir sehen das Risiko derzeit nicht“, sagt Neidhardt.

Oliver von Wersch, G+J Electronic Media Sales GmbH und Unitleiter Mobile Advertising (MAC) beim BVDW bestätigte uns, dass man beim MAC im permanenten Austausch mit seinen Mitgliedern sei. „Nach unserer Kenntnis lassen unsere Mitglieder in ihren Netzwerken diese Vorgehensweise nicht zu. Wenn Kampagnen über Ad Networks geschaltet werden, werden die Kampagnen immer überprüft, um im Zweifel gegensteuern zu können.“ Unter den MAC-Mitgliedern befinden sich drei der vier deutschen Netzbetreiber, also jene Unternehmen, die im Auftrag der „Mehrwertdienstleister“ schneller das Geld einziehen als der Verbraucher sich meist wehren kann.

Aus Sicht des BVDW haben One-Click-Abofallen aber kaum mehr größeres Gefährdungspotenzial für die Branche. Für von Wersch ist die schlimmste Gefahr vorbei: „Nein, das wäre der Stand von vor zwei Jahren gewesen, als der Mobile-Advertising-Markt noch wesentlich juveniler war. Ein Blick auf die Mobile-Advertising-Kampagnenzählung des MAC zeigt, dass das Geschäft mit mobiler Werbung weiter wächst.
Oliver von Wersch
Oliver von Wersch
Und tatsächlich: Die Zahlen, die der BVDW nun am 18. April veröffentlichte, scheint von Wersch erst einmal Recht zu geben: „Die CTR halten sich konstant zwischen 0,3 und 2 Prozent, in Ausnahmefällen wie bei interaktiven Sonderwerbeformen liegen die Werte auch darüber.“ Und wiederum ist die Anzahl der mobilen Kampagnen innerhalb der MAC-Mitglieder, also die Vermarkter vieler großer Medienmarken und der mobilen Netzbetreibern, um knapp 40 Prozent gestiegen. Allerdings bedarf es hier einer klaren Trennung zwischen den Angeboten der MAC, deren Mitglieder nach Angaben von Werschs „80 bis 85 Prozent der Premium-Reichweite abdecken“, und den nicht Premium-Inhalten, also dem mobilen Long Tail, der vorranging von Werbung aus den mobilen Ad Networks bedient wird und nicht in den Reichweitenzählungen der MAC einbezogen ist.

Die Heuschrecken fliegen weiter

Ist also doch alles heiter Sonnenschein? Wohl nicht, denn wenn man sich die rasante Verbreitung der kostenlosen Apps betrachtet, muss man weiterhin befürchten, dass Abzockerbanden die Vermarktung mobilen Contents gefährden. Auffällig war bei unserer Recherche, dass kaum ein Unternehmen uns gegenüber zu diesem Thema offiziell Stellung beziehen wollte. Hinter vorgehaltener Hand bestätigte man uns aber, dass das Klickverhalten der Handynutzer in vielen Bereichen sehr wohl stagnieren würde. Zudem sei die Nähe vieler „Mehrwertdienstleiser“ zu einigen großen Netzbetreibern schon frappierend.

Allerdings beruhigte uns eine Quelle, die noch vor einigen Monaten bei einem solchen „Mehrwertdienst“ tätig war. Nach ihrer Meinung seien Deutschland und Europa inzwischen weniger attraktiv für ihr Geschäftsmodell, stattdessen gerate Südafrika nun in den Fokus der Ein-Klick-Abzocker. Auch der BVDW bezieht klar Stellung gegen dieses zweifelhafte Geschäftsmodell. „Wir können ‚One-Klick-Abos‘ nicht gut heißen. Der Nutzer sollte immer darüber informiert sein, was passiert und muss selbstbestimmt steuern können, wann er welchen Vertrag abschließt. Dieses Transparenzgebot gilt im Mobile-Umfeld ganz besonders“, sagt von Wersch.

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'AD TRADER CONFERENCE' by ADZINE & ExchangeWire, am 28.06.2011 in Hamburg

Mobile Marketing

Rechtliche Aspekte der mobilen Werbung

Martin Schirmbacher, HÄRTING Rechtsanwälte

Rechtliche Aspekte der mobilen Werbung
Martin Schirmbacher

Die mobile Nutzung des Internets wird dank der inzwischen zahlreich am Markt angebotenen Smartphones und Tablet-PCs immer beliebter. Dies gilt natürlich auch für die mobil ausgelieferte Werbung. Es gibt eine Reihe von rechtlichen Aspekten, die dabei zu beachten sind.

Der folgende kurze Beitrag bildet eine Zusammenfassung des Teils zum M-Advertising eines von den Kanzleien HÄRTING und Bühlmann herausgegebenen Leitfadens zum Recht im M-Commerce. Neben der hier besprochenen mobilen Werbung geht es in dem Leitfaden auch um den Vertragsschluss über mobile Endgeräte. Beides wird dabei mit Blick auf die Rechtslage in Deutschland und der Schweiz betrachtet.

1. Informationspflichten bei der mobilen Werbung

Eine explizite Pflicht zu bestimmten Information besteht bei der bloßen Bewerbung eines Produktes weder in Deutschland noch in der Schweiz. Allerdings gelten die allgemeinen Regelungen des lauteren Wettbewerbs, die auch im Internet Geltung haben.

Wird mit bei der Einblendung mobiler Werbung mit Preisen geworben, hat der Werbende eine Vielzahl von Vorschriften zu beachten. Wichtig ist vor allem, dass die angegebenen Preise Endpreise sind. Eine Pflicht, überhaupt Preise anzugeben, besteht nur, wenn die Warenpräsentationen eine unmittelbare Bestellmöglichkeit enthält. Werden also innerhalb der iPhone App eines Online-Shops Sonderangebote besonders herausgestellt, bedingt dies regelmäßig die Nennung des (End-)Preises inklusiver aller Gebühren und Steuern. Wird dagegen lediglich mobil für das Angebot einer Internetplattform geworben, müssen Preise nicht zwingend genannt werden.

2. Spam – Wann ist M-Advertising Massenwerbung?

Im deutschen und im Schweizer Recht gilt die unaufgeforderte Zustellung von Werbung per E-Mail als „Spam“ und ist nach der einschlägigen Gesetzgebung nur unter strengen Voraussetzungen erlaubt. In der Schweiz gilt dies aber nur, wenn die Zustellung automatisiert und massenhaft erfolgt.

Darunter fallen alle Werbeformen, die auf elektronischem Wege in ein Postfach des Empfängers gesendet werden können. Auch SMS-Kurznachrichten fallen daher unter die Verbotsvorschrift. Nicht ganz so eindeutig ist dies für Push-Nachrichten, die direkt im Display des mobilen Endgeräts angezeigt werden, ohne dass die Nachrichten zwischengespeichert werden. Hier wird man nicht von elektronischer Post sprechen können. Das Gleiche gilt für per Bluetooth übermittelte Nachrichten, die nicht im Endgerät gespeichert werden. Auch Werbung, die in Abhängigkeit vom Standort in andere Apps oder mobile Websites eingebunden wird, ist nicht als elektronische Post anzusehen. Allerdings ist auch in diesen Fällen denkbar, dass die Werbung als unzumutbare Belästigung eingestuft wird.
Für werbende Bluetooth-Nachrichten fordert das Europäische Parlament wegen der unsicheren Rechtslage ein striktes Opt-in. Auch solche Nachrichten sollen nur gestattet sein, wenn der Empfänger zuvor ausdrücklich eingewilligt hat. Die Direktwerbung auf mobile Endgeräte ist sowohl nach Schweizer als auch nach EU-Recht zulässig bei Erfüllung folgender kumulativer Voraussetzungen:

- (ausdrückliche) Einwilligung des Nutzers (Opt-in)

- Angabe des korrekten Absenders

- Hinweis auf (kosten- und problemlose) Ablehnungsmöglichkeit

Das Europäische Parlament fordert nun die Einführung einer Regelung, wonach E-Mail-Werbenachrichten einen Link enthalten müssen, über den weitere Werbung automatisch abgestellt werden kann. Ob dies umgesetzt wird, ist offen. Derzeit genügt die Angabe einer Kontaktmöglichkeit zum Abbestellen.

3. Location based Advertising

Neben der unmittelbaren und direkten Ansprachemöglichkeit des Nutzers liegt der wesentliche Vorteil der mobilen Werbung gegenüber der herkömmlichen Internetwerbung in der Möglichkeit, den Standort des Nutzers bei der Auslieferung von Werbung zu berücksichtigen. Dabei kann dies einerseits durch direkte Nachrichten („Im Starbucks um die Ecke erhalten Sie 25 % Rabatt“), andererseits durch längerfristige Auswertung des Bewegungsverhaltens des Nutzers geschehen. Ohne Weiteres denkbar ist darüber hinaus die Verknüpfung der Standortinformation mit sonstigen Erkenntnissen über den Nutzer, etwa sein Telefonie- oder Surfverhalten und die Art der verwendeten Apps.

3.1 Anwendbare Datenschutzregeln

Entsprechend äußern Datenschützer Bedenken, dass aufgrund der dauerhaften Inanspruchnahme derartiger Dienste und der damit verbundenen Speicherung und Auswertung von Standortdaten, Bewegungs- und Persönlichkeitsprofile über einzelne Kunden erstellt werden können. Im deutschen Recht ergeben sich die entsprechenden Datenschutzregeln mehrheitlich aus dem Telemediengesetz, im Schweizer Recht aus dem Datenschutzgesetz. Die in den beiden Gesetzen enthaltenen Bestimmungen gelten für die Verarbeitung von personenbezogenen Daten. Dazu zählen alle Angaben, die sich auf eine bestimmte oder bestimmbare Person beziehen. Während sich dies nach deutschem Datenschutzrecht nur auf natürliche Personen bezieht, schützen die Schweizer Vorschriften auch Daten juristischer Personen.

3.2 Standortdaten

Standortdaten sind jedenfalls dann personenbezogene Daten, wenn der Diensteanbieter weiß oder wissen kann, mit wem er es zu tun hat. Bei kostenpflichtigen Diensten dürfte dies stets der Fall sein, weil der Diensteanbieter seine Leistungen abrechnen und damit den Kunden kennen muss. Doch auch bei Diensten, bei denen lediglich eine Registrierung erforderlich ist, kann ein Bezug zu einer natürlichen Person hergestellt werden. Hierbei liegen in der Regel bereits Personendaten vor, wenn der Kunde seine E-Mail-Adresse angeben muss, die häufig personenbezogen ist.

3.3 Einwilligungserfordernis

Grundsätzlich setzt die Nutzung von Standortdaten durch einen Content-Anbieter eine Einwilligung des Nutzers voraus, wenn der Content-Anbieter die Daten einer konkreten Person zuordnen kann. Eine Ausnahme bildet aber die Verwendung von Standortdaten, wenn dies für die Erbringung der Leistung des Anbieters unerlässlich und das für den Kunden auch erkennbar ist. Bietet eine App etwa die Ortung des Handynutzers und die Darstellung in einer Straßenkarte an, muss der aktuelle Standort für die Erbringung der Leistung genutzt werden. Auch bei einer App, die den nächsten Taxistand anzeigt, muss der aktuelle Ort bekannt sein.

Im zweiten Beispiel lässt sich jedoch theoretisch der aktuelle Standort auch manuell eingeben, der Dienst also auch ohne automatisierte Nutzung der Standortdaten erbringen. In einem solchen Fall ist eine Einwilligung durch den Nutzer erforderlich. Nur bei wenigen Diensten dürfte eine Nutzung ausschließlich über eine automatische Positionsbestimmung in Betracht kommen. Die Einholung einer Einwilligung des Nutzers erscheint daher in nahezu allen Fällen empfehlenswert, da meist auch personenbezogene Daten über den Nutzer bekannt sein werden.

Hierbei genügt grundsätzlich die Abfrage, ob ein Einverständnis des Nutzers mit der Erhebung und Verwendung der aktuellen Position besteht. Dies wird bei den Mobilfunkgeräten in der Regel auch so gehandhabt.

Dagegen ist eine Einwilligung grundsätzlich nicht erforderlich, wenn die Standortdaten keinen Rückschluss auf eine konkrete natürliche Person zulassen, wie dies bei der bloßen standortabhängigen Einblendung von Werbung in der Regel der Fall sein dürfte.

3.4 Datenschutzerklärung

Neben der Einwilligung wesentlich ist eine ausreichende und verständliche Information über die Art, den Zweck und den Umfang der Datenerhebung (§ 13 TMG bzw. Art. 4 Abs. 3 und 5 DSG). Dies läuft auf eine Datenschutzerklärung hinaus, die zu Beginn des Nutzungsvorgangs sowie bei jeder Erhebung von personenbezogenen Standortdaten abrufbar sein muss.

Der Diensteanbieter muss also dafür sorgen, dass innerhalb des Dienstes eine Datenschutzerklärung unmittelbar abrufbar ist und der Kunde an geeigneter Stelle darauf hingewiesen wird. Auch bei mobilen Websites, die die Einblendung von Werbung in Abhängigkeit von dem Standort des Nutzers ermöglichen, muss dies in der Datenschutzerklärung erwähnt werden.

3.5 Besonderheiten bei Nutzerprofilen

Sofern (Standort-)Daten gesammelt werden, um persönliche Nutzerprofile zu errichten, gelten besonders strenge Vorschriften. Ohne Einwilligung des Nutzers darf die Bildung von Profilen nur pseudonym erfolgen. Im Einzelnen ist die Erstellung von Nutzerprofilen zulässig, sofern die nachfolgenden Voraussetzungen eingehalten werden:

- es müssen Nutzer-Pseudonyme verwendet werden,

- es darf kein Bezug zum Träger dieses Pseudonyms bestehen und

- es muss ein Widerspruchsrecht (Opt-out-Möglichkeit) bestehen, auf die der Nutzer in der Datenschutzerklärung deutlich hingewiesen wird.

Bühlmann Rechtsanwälte (www.br-legal.ch) und HÄRTING Rechtsanwälte (www.haerting.de) beraten gemeinsam grenzüberschreitend tätige Online-Portale bei der Ausgestaltung ihrer Internetpräsentationen, prüfen Online-Geschäfts- und Werbekonzepte und zeigen Wege zu deren rechtssicherer Ausgestaltung auf. Hierzu gehört regelmäßig auch die Beratung in Bezug auf die Ausgestaltung internationaler Vertriebskonzepte und grenzüberschreitender Online-Marketingmaßnahmen.

schirmbacher@haerting.de   |    Artikel weiterempfehlen    Bei Twitter empfehlen  Bei Facebook empfehlen  Bei Delicious empfehlen 



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Teamleitung Mediaplanung Online gesucht (m/w)

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mediascale ist Teil der Serviceplan-Gruppe und Deutschlands führende Agentur für leistungsorientierte Onlinekampagnen und vertriebsorientierte Prozessberatung. Alle Leistungen der mediascale haben einen Fokus: den Verkaufsprozesses unserer Kunden zu optimieren und den Abverkauf nachhaltig zu steigern. Für unsere Arbeit haben wir 2007 und 2009 den renommierten New Media Award in der Kategorie Effizienz gewonnen. Zu unseren Kunden zählen unter anderem Thomas Cook, Sony Music, Sportscheck oder Gothaer Versicherungen. Mehr Infos finden Sie unter www.mediascale.de.


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Die Forschungs- und Beratungsagentur d.core GmbH bietet seit 2009 Medienunternehmen aller Gattungen strategische und redaktionelle Beratung sowie die Konzeption von Forschungsprojekten und deren institutsunabhängige Realisierung in den Bereichen: Werbewirkung, Online- und Crossmedia-Forschung und –vermarktung, Einführung und Relaunches von Medienangeboten, strategische Markenführung für Print- und Online-Medien und Erstellung von Vermarktungsargumentationen, Zeitschriften-Vertriebsbereich, Käufer- und Preisforschung.


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Specific Media, München

Specific Media gehört seit 11 Jahren zu den größten und wichtigsten Technologie- und Online-Mediengesellschaften weltweit. Das Know-how und die Kreativität unseres Teams haben uns zum Vorreiter unter den Ad-Networks gemacht. Als unabhängiger und visionärer Player bieten wir Werbetreibenden mittels hochentwickelter Targeting- Technologien Zugang zu den passenden Zielgruppen.


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Vom 03.05.2011 bis 18.05.2011

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