Online-Marketing Newsletter: AUSGABE 5 / 2010 | 11.02.2010 - ADZINE - Magzin für Online-Marketing
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   AUSGABE 5 / 2010 | 11.02.2010

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EDITORIAL
von Arne Schulze-Geißler, Editor | ADZINE 11.02.2010

Trau keinem Freund!

Arne Schulze-Geißler

Schon gar nicht den Facebook-Freunden, wie Sie nachher sehen werden. Dabei wird ja allerorts die wachsende Bedeutung des digitalen Empfehlungsmarketings betont. Ich kann das für Social Networks oder Communitys nachvollziehen, in denen es in erster Linie um Konsum, Produkte und deren Bewertung geht. Nicht nachvollziehen kann ich das für Plattformen wie Facebook. Schon in Kürze werden wir trotzdem auf Facebook mit Werbemitteln von Unternehmen versorgt werden, die uns mitteilen, welcher unserer „Freunde“ ein Fan ihres Unternehmens ist.

Was kann dieses vollautomatisierte Empfehlungsmarketing und -targeting wert sein? Nicht nur weil wir ja wissen, wie viele echte Freunde wir bei Facebook haben, sondern weil es nach 2-3 Kampagnen auch langweilig wird. Danach hakt man es als Standard-Gimmick im Facebook-Kosmos ab. Bei den Statusmeldungen geht das ja mittlerweile auch unter, wer Fan von was ist, wen interessiert das? Je mehr wir mit inhaltslosen Meldungen zugemüllt werden, desto weniger Bedeutung bekommt die Einzelmeldung, erst recht wenn sie kommerziellen Charakter hat.

Was für ein Gewicht hat da doch immer noch eine persönliche E-Mail mit einer individuellen Empfehlung oder sogar Einladung. Aber auch in diesem Segment kennt sich Facebook bestens aus. Ich wunderte mich nicht schlecht, als ich Anfang dieses Jahres eine E-Mail von einem guten Freund und ehemaligen Studienkollegen mit einer Einladung zu Facebook bekam. Ich wunderte mich daher so sehr, weil ich mal lange mit dem besagten Freund über Sinn und Zweck von Xing diskutiert hatte und er definitiv zu den absoluten Community-Skeptikern gehörte, er also definitiv niemand ist, der sein Familienalbum in einem Social Network veröffentlicht. Zudem wunderte ich mich natürlich auch, warum er mich nicht einfach über Facebook als Freund hinzugefügt hat, weil ich ja schon längst einen Facebook-Account hatte.

Nun, dafür gibt es im Wesentlichen eine Erklärung, mein Freund wusste gar nicht, dass er mir diese E-Mail geschrieben hatte, das hatte freundlicherweise Facebook ganz allein veranlasst, weil das Unternehmen sich nun mal berufen fühlt, alte Freunde wieder zusammenzubringen.

Facebook Einladungsmail im Namen eines ahnungslosen Absenders


Ich hätte an den Formulierungen eigentlich erkennen müssen, dass das nicht die Nachricht eines Freunds ist, aber vermutlich ging ich von einem vorgefertigten Text aus, der dann aber wenigstens individuell und aktiv verschickt wurde.

Es gibt mehrere Möglichkeiten, wie Facebook E-Mailadressen generiert und diese dann gezielt für eigene Akquisezwecke einsetzt. Aber mal ganz abgesehen von der Adressgenerierung schockiert mich in erster Linie die Unverfrorenheit, wie Facebook im Namen seiner Mitglieder oder vielleicht auch Nicht-Mitglieder Einladungs- und Empfehlungs-E-Mails verschickt. Man stelle sich nur mal vor, wenn eine Bank solche Methoden anwenden würde, weil man das Kleingedruckte nicht gelesen hat.

Facebook ist sich offensichtlich der Verantwortung im Umgang mit Daten nicht bewusst. Das hat vor Jahren schon das naive Vorgehen beim Beacon-Programm gezeigt. Ich traue Facebook auch in Zukunft nicht zu, verantwortungsvoll und auch regelkonform hinsichtlich der entsprechenden Landesgesetzgebung mit persönlichen Daten umzugehen. Auch globale digitale Unternehmen sind lokale Unternehmen und müssen sich an Spielregeln halten. Facebook ist natürlich eine super Plattform, um sich zu vernetzen, aber für die Betreiber ist es in erster Linie ein Unternehmen, das nach Gewinn strebt. Dabei werden die Mitglieder zu instrumentalisierten Marionetten, die als Köder für neue Mitglieder dienen.

Unternehmen sollten sich gut überlegen, wie weit sie im Bereich der Social Networks gehen wollen, wenn sie nicht irgendwann mit unschönen Akquisepraktiken à la Facebook in Verbindung gebracht werden möchten. Vielleicht verschickt Facebook schon bald Mails mit Ihrem Absender.

Viel Spaß mit Adzine!

Arne Schulze-Geißler
asg@adzine.de
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AD EXCHANGES
von Rupert Turner, Redaktion | ADZINE 11.02.2010

Neuer Teilnehmer, gleiches Spiel?

Angebot und Nachfrage zusammenzuführen ist eine digitale Paradedisziplin. Digitale Plattformen, auf denen man Topf und Deckel matchen kann, dürften mittlerweile in allen Lebensbereichen eine Relevanz haben. Findige Jungunternehmer sorgen dafür, dass es nicht langweilig wird, denn in jeder Nische wird programmiert und vor allem aggregiert, um möglichst viel Angebot und Nachfrage zu bündeln. Über Erfolg oder eben Nichtbeachtung entscheidet dann irgendwann die kritische Nutzerzahl auf Angebots- und Nachfrageseite und damit auch über den Fortbestand eines Online-Marktplatzes.

Andreas Kirchner

Auch der Handel mit Medialeistung wird zunehmend dynamisch und geht sogar in Richtung Echtzeit. In Deutschland gibt es bereits einige Modelle, die Online-Inventar und die Nachfrage nach Medialeistung auf digitalen Plattformen abbilden. Dabei wäre es ja schön, wenn sich mit neuen Modellen auch zusätzliche Werbegelder für das Netz erschließen ließen und nicht nur weitere Händler hinzukämen. Ein noch recht junges Exemplar eines digitalen Marktplatzes für Online-Medialeistung ist schaltplatz.de, eine Marke der Ceramex Media GmbH. Wir sprachen mit Gründer und Geschäftsführer Andreas Kirchner über seinen digitalen „Media Markt“.

ADZINE: Welche Publisher und Werbekunden sprechen Sie mit schaltplatz.de an?

Kirchner: Unser Schaltplatz spricht aktuell in erster Linie Publisher mit D-A-CH-Traffic auf den klassischen Standardformaten an, die keinen exklusiven Vermarktungspartner haben bzw. wollen. In naher Zukunft werden wir uns auch an Publisher mit Video-Inventar richten, im Hintergrund laufen bereits Vorbereitungen dazu. Bebucht wird der Schaltplatz aktuell vornehmlich für Performance- und Reichweitenkampagnen, unsere Werbekunden sind entsprechend hauptsächlich Performance-Agenturen und Traffic-Broker, wir sehen aber auch ein zunehmendes Interesse kleinerer Unternehmen (z.B. Internetportale, Webshops etc.).

ADZINE: Schaltplatz.de ist ein reiner Self-Service-Marktplatz sowohl für Anbieter als auch die Kunden von OnlineWerbefläche. Wie kommen Angebot und Nachfrage konkret zusammen?

Kirchner: Für die Site-Betreiber mag das sicher zutreffen, wobei wir hier auch persönliche Kontakte pflegen und mit Rat und Tat Support leisten. Werbekunden können den Schaltplatz als Self-Service nutzen, müssen dies aber nicht. Wir erwarten nicht von den Mediaeinkäufern, dass sie sich in ihrer ohnehin meist knappen Zeit in unser System einarbeiten. Die Zusammenarbeit funktioniert wie bei anderen Vermarktern auch. Wir erfassen mögliche Verfügbarkeiten unserer Seiten und kommunizieren diese an potenzielle Kunden.

ADZINE: Unterscheidet sich schaltplatz.de dabei von Adjug, Adscale & Co.?

Kirchner: Wen sollte es überraschen? JA! Es gibt schon einige Unterschiede, lassen sie mich ein paar Beispiele nennen:

Wir kategorisieren anders, bei Adscale findet man z.B. in jedem Channel Communitys - diese lassen wir nur in einem für Communitys vorgesehenen Channel zu, es sei denn, es handelt sich tatsächlich um eine Special Interest Community. Des Weiteren müssen bei uns sämtliche Seiten separat aufgesetzt werden, unsere Kunden sollen zu 100 % nachvollziehen können, welche Seite welche Werbeleistung erbringt. Adscale lässt auch komplette Netzwerke zu, in denen läuft der Traffic blind. Transparenz ist das Stichwort. Und das gilt für beide Seiten. Auch der Publisher kann genau nachvollziehen, welche Kampagnen wann bei ihm gelaufen sind und wie viel Sie ihm gebracht haben. Zudem bietet der Schaltplatz ein Mehr an Targeting-Möglichkeiten (Regio/IP/Tageszeiten/Wochentage/Re-Targeting) und für die Publisher auch optional die Nutzung eines von uns angebotenen Defaults für einen fixen low TKP.

ADZINE: Wie viele Publisher haben Sie im Portfolio und können Sie Angaben zu PI, Volumen und Reichweite machen?

Kirchner: In gerade mal 3 Monaten nach dem Start haben ca. 500 Publisher bereits über 1.000 Web-Seiten bei uns aufgesetzt, im täglichen Volumen beliefern wir knapp über 10 Mio. Ad Views aktuell. Die potenziellen Volumina sind noch um einiges höher, jedoch hängen die Reichweiten bei Marktplätzen im Einzelfall immer vom Preis ab, den die Werbekunden zu zahlen bereit sind.

ADZINE: Als Mediaeinkäufer einer Agentur oder aber auch als Direktkunde fragt man sich irgendwann, wie man mit der zunehmenden Vielfalt an automatisierten Einkaufsmöglichkeiten umgehen soll, da man auch oft auf identisches Inventar trifft. Was glauben Sie, wie sich das Nachfrageverhalten in Bezug auf Marktplätze entwickeln wird?

Kirchner: Publisher versuchen verständlicherweise, ihr Inventar über verschiedene Kanäle zu monetarisieren. Insofern sind Inventarüberschneidungen nichts Neues und kein Phänomen der Marktplätze, hier ist diese Erscheinung nur offensichtlicher. Erst die Transparenz macht es tatsächlich möglich, solche Doppelbebuchungen überhaupt einzuschränken. An sich empfinden wir die Phobie vor möglichen Doppelbebuchungen ohnehin übertrieben. Spätestens bei CPC-Buchungen wird von jedem Admanager so optimiert, dass ein angepeilter CPM erreicht wird. Wenn demnach eine Kampagne auf einer Platzierung wegen einer Doppelbelegung nicht funktioniert, wird sie ohnehin seltener gezeigt. Zum Nachfrageverhalten: Den Mediaeinkäufer interessiert in erster Linie, ob er sein bzw. seines Kunden Budget sinnvoll investiert. Er möchte für möglichst wenig Geld bestimmte Kommunikationsziele erreichen. Diesem Wettbewerb müssen sich Marktplätze ebenso wie andere Vermarkter stellen. Da die Marktplätze aber auch gerade für kleine und mittelständische Unternehmen künftig zunehmend interessant werden dürften, sehen wir das Nachfrageverhalten hier insgesamt durchaus optimistisch.

ADZINE: Während Publisher an einer TKP-Buchung interessiert sind, möchten Kunden immer häufiger auf CPX-Basis einkaufen. Wie verarbeitet schaltplatz.de die unterschiedlichen Preismodelle?

Kirchner: „Marktplätze“ im erweiterten Sinne für CPX gibt es doch schon lange, denken wir an die großen Affiliate-Anbieter. Die Reichweiten sind allerdings begrenzt. Auf dem Schaltplatz stehen CPM und CPC zur Auswahl. Wir können unseren Kunden selbstverständlich anbieten nach Conversion zu optimieren und in dem Zuge bei längerfristigen Buchungen auch über Hybridmodelle sprechen. Zudem geben wir ihnen auch die Möglichkeit, über Retargeting gezielt User anzusprechen, die sich schon einmal für ein bestimmtes Produkt oder für eine Dienstleistung interessiert haben, sich aber nicht zum Kauf durchringen konnten. Darüber sind hervorragende CPL bzw. CPO realisierbar.

ADZINE: Wie sieht das technisch aus, wie kann ein Publisher schaltplatz.de neben der Eigenvermarktung als zusätzlichen Vertriebskanal nutzen. Wie sehen die Steuerungsmöglichkeiten beim Seitenbetreiber aus?

Kirchner: Der Publisher stellt auf Schaltplatz Mindest -und Listenpreise ein, Letztere sind öffentlich einsehbar. Er kann im System auswählen, ob er sich Kampagnen ab Listenpreis oder ab Mindestpreis automatisch zuweisen lässt oder ob er alle Kampagnen manuell freigeben will. Zudem ist es möglich, bestimmte Kampagnen-Kategorien (Gewinnspiele/Flirt-Dating, Triple-PV-Ads) von vornherein zu blocken. Werden keine passenden Kampagnen zugewiesen, weil Angebot und Nachfrage an der Stelle nicht zueinander passen, greift der Default. Dabei kann der Publisher einen Alternativ-Tag seines Adservers oder eines anderen Vermarkters nutzen oder den von uns angebotenen Default mit garantiertem fixem low TKP. Eine Adserving-Lösung an sich stellt der Schaltplatz dabei nicht dar, aber im Fall der Fälle können wir unabhängig vom Schaltplatz einen Adserver anbieten.

ADZINE:
Welche Möglichkeiten neben Einzelplatzierungen hat der Werbetreibende, seine Zielgruppe zu erreichen (Umfelder + Targeting etc.)?

Kirchner: Wir bieten unseren Kunden die Belegung von Themen-Kategorien (Channel), Geo-Targeting nach Ländern und Bundesländern, Tageszeiten, Wochentagen sowie Retargeting an.

ADZINE: In welchen Themen sind Sie stark?

Kirchner: Wir sind mit 17 Kategorien recht breit aufgestellt und recht stark in diesen Themen. Die Reichweiten hängen aber überall von den Preisen ab. Entsprechend muss man für Themen, wo gute Klickpreise für Adwords erzielt werden, auch tiefer in die Tasche greifen, will man den Publisher motivieren, Banner stattdessen laufen zu lassen.

ADZINE: Wie funktioniert das Retargeting?

Kirchner: Wir platzieren auf der Internetseite des Kunden 2 Pixel. Pixel 1 markiert einen User als Besucher/Interessenten – unser Adserver erkennt ihn dann später anhand des gesetzten Cookies wieder und wir können ihm gezielt Werbung des Kunden einblenden, wissend, er interessiert sich für ein bestimmtes Produkt, eine Dienstleistung oder eine Marke. Mit dem 2. Pixel können wir ihn dann wieder demarkieren, es macht z.B. keinen Sinn, einem Kunden, der gerade ein Zeitschriften-Abo abgeschlossen hat, weiterhin mit Werbung für dieselbe Zeitschrift zu beglücken.

ADZINE: Welche Konditionen gelten für Publisher und Advertiser?

Kirchner: Advertiser haben beim Schaltplatz selbst die Möglichkeit zu entscheiden, welche TKPs bzw. CPCs sie bereit sind zu zahlen. Minimum-TKP und -CPC sind auf 10 Cent festgelegt. Je höher die Vergütung, desto mehr Webseitenbetreiber werden die Kampagnen zulassen. Die Reichweiten zu bestimmten Konditionen können wir für unsere Kunden recht gut abschätzen. Mindestbudgets gibt es keine, Stopp & Go, Storno ist jederzeit möglich. An die Publisher zahlen wir 70 % der Einnahmen aus, die Mindestauszahlungsgrenze liegt bei 30 €.

ADZINE: Glauben Sie, dass Online-Marktplätze unterm Strich den Preisverfall für Online-Werbung vorantreiben, da die Nachfrageseite stark aktionsorientiert ist?

Kirchner: Nein. Der Markt hat sich auch vorher schon nach Angebot und Nachfrage geregelt.Das werden die Marktplätze nicht ändern. Nun dürfte sich das Media-Angebot in den nächsten Jahren mit einer weiterhin steigenden Nutzung des Mediums Internet vergrößern, was auf einen weiteren Verfall der Preise hinwirken würde. Als Gegenkraft steht hier die steigende Nachfrage, da Online-Marktplätze auch Möglichkeiten für kleine und mittelständische Unternehmen bieten und somit neue Zielgruppen für Display-Werbung erschließen werden, tragen Sie eher zu einer Stabilisierung der Preise bei.

ADZINE: Ist eigentlich die IASH-Zertifizierung oder ein ähnlicher Nachweis, dass ihre Angebote brandsave sind, ein Thema für Sie?

Kirchner: IASH ist ein hübsches Label für Blind Networks. Wir legen unsere Web-Seiten offen. Dass wir die Kriterien des Code of Conduct der IASH erfüllen, ist somit für jeden nachvollziehbar. Jeder Publisher muss seine Seiten einzeln bei Schaltplatz aufsetzen und wird von uns unter die Lupe genommen und klassifiziert, bevor wir ihn freischalten und er Banner für den Schaltplatz ausliefern kann. 

ADZINE: Es ist also sichergestellt, dass die Werbung auch nur auf der ausgewählten Seite erscheint, wie wird das in der Praxis überprüft?

Kirchner: Zunächst ist über die Logfiles sehr gut nachvollziehbar, über welche Seite (referer) welche Kampagne ausgeliefert wird. Damit ist schon einiges gewonnen. Dennoch gibt es weder Zertifikate noch Prüfverfahren, welche man als 100 % save bezeichnen kann. Es gibt für gute Programmierer immer Wege, diese zu umgehen. Wir machen Traffic-Betrügern das Leben so schwer, wie es eben nur irgendwie geht. Für uns ist neben der Überprüfung der Logs auch immer wichtig, die Statistiken unserer Seiten kritisch anzusehen und auf Plausibilität zu prüfen. Auch danach selektieren wir, wenn sich Seiten z.B. durch zu häufiges Auftauchen gleicher IPs oder unverhältnismäßig hohen Crossboarder-Traffic auszeichnen, trennen wir uns von ihnen. Insgesamt stehen wir hier recht weit vorn, denn wir bieten alles andere als den Weg des geringsten Widerstandes.

Rupert Turner
redaktion@adzine.de
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HYBRID TV
von Jens von Rauchhaupt, Redaktion | ADZINE 11.02.2010

NewTV: Das Medium ist die Botschaft

Jens von Rauchhaupt

Bei allem Hype um Facebook und Co. Wir Deutschen lieben bisher das entspannte Fernsehen. Im Jahr 2009 sah ein durchschnittlicher deutscher Zuschauer am Tag 212 Minuten fern, mehr als jemals zuvor. Nun ist hybrides Fernsehen im Anmarsch. Steht uns damit eine neue Medienära bevor? Wie wird das Fernsehen der Zukunft aussehen und wie schnell wird sich die neue Technik durchsetzen? Antworten darauf soll der zweite newTV-Kongress in der Medienstadt Hamburg finden. Wir haben uns jetzt schon mal zu diesem Thema umgehört.

Die Meinung von David Morgan, CEO von Simulmedia und zuvor Gründer der Targeting und Adserver-Unternehmen TACODA und Real Media, steht exemplarisch für die vieler Fachleute: „Online-Video-Advertising wird hinsichtlich der Werbegelder dem Fernsehen niemals den Rang ablaufen können. Die Nutzungserfahrung ist auf einem heimischen Großfernseher mit Surround Sound nun mal eine andere als auf einem Laptop oder 17-Zoll-Monitor.“ Fernsehzuschauer hätten eine höhere „Werbe-Toleranz“, die aus einer passiven (Lean-back) und sensitiven Nutzung herrührt. Schon vor 40 Jahren hatte der Kommunikationsexperte Marshall McLuhan die These aufgestellt, dass das Medium die Botschaft sei. „Das war vor 40 Jahren richtig und es stimmt noch heute“, sagt Morgan. „In den USA sind die TV-Werbespendings 66 Mal höher als die für Online-Videos. Da die Online-Nutzung – anders als bei Print – kaum zulasten der TV-Nutzung geht, wird das Fernsehen noch über Jahrzehnte das beherrschende Medium sein.“ 

Kai Flatau, Pro Digital TV

Stimmt! Nur über welches Fernsehen sprechen wir eigentlich? Vielleicht kommt es nämlich bald gar nicht auf eine Unterscheidung zwischen TV- und Online-Nutzung an. Mit dem hybriden Fernsehen, also einem Gerät, das webbasiertes Fernsehen (IP TV) und klassisches Satelliten- bzw. Kabel-Fernsehen in sich vereint, könnte nämlich tatsächlich ein neues Medium entstehen. „Mit der neuen Entwicklung des hybriden Fernsehens haben wir völlig neue Möglichkeiten. Hier vereinigt sich das Beste aus beiden Welten: die günstige Technologie und Verbreitungsmöglichkeiten des Internets und gleichzeitig das Unterhaltungsmoment des klassischen Fernsehens“, sagt Kai Flatau, Berater für T-Entertainment (T-Online) und Geschäftsführer von Pro Digital TV, der zudem Leiter der newTV-Arbeitsgruppe Hamburg ist. „Der Pfiff des hybriden Fernsehens ist doch, dass der Zuschauer per Knopfdruck ganz einfach auf ein internetgestütztes Angebot wechselt, aber dabei seine Lean-back-Nutzungssituation beibehält.“

Einzelne TV-Geräte-Hersteller wie Panasonic (Viera Cast) und Philips (Net TV) sind bereits im Sommer 2009 nach vorne geprescht und haben ihre Geräte mit einem Internetanschluss ausgestattet. Doch dies wurde bisher eher als eine Art Versuchsstadium betrachtet. Nunmehr scheint sich aber im Hinblick Standardisierung einiges getan zu haben, wie Flatau berichtet: „Das Institut für Rundfunktechnik hat den neuen Standard HbbTV (Hybrid Broadcast Broadband TV) zur europäischen Normierung angemeldet. Dieser Standard beschreibt die technischen Möglichkeiten, webbasierte Angebote für das Fernsehen sichtbar zu machen.“ Treibende Kräfte hinter dieser Anmeldung seien laut Flatau die öffentlich-rechtlichen Rundfunkanstalten.

Zudem steht hinter HbbTV ein Konsortium führender Unternehmen der europäischen Fernsehindustrie. Dabei werden dem Zuschauer zwei Nutzungsszenarien offenstehen, wie Flatau erklärt: „Einmal wird dem Zuschauer wie bei Net-TV von Philips eine eigene Online-Angebotswelt offeriert, zweitens werden die Sender sogenannte „Red-Button-Applikationen“ innerhalb des Programms anbieten, die der Nutzer dann während der Sendung anklicken kann. Beide Szenarien schließen sich dabei nicht aus.“ Flatau geht davon aus, dass zukünftig Zusatzapplikationen innerhalb des Programms eher von den großen Sendern genutzt werden, während das Net-TV-Nutzungsszenario sich eher an neue Marktteilnehmer richtet, Bewegtbildinhalte im Fernsehen zu platzieren. 

Torsten Hoffmann, Global Media Consult

Hat ein solches hybrides Fernsehen also tatsächlich das Zeug für eine Medienrevolution? Torsten Hoffmann von Global Media Consult sieht es eher als einen lang anhaltenden Prozess: „Es wird eher einen langsamen Shift geben. Wir sehen ja gerade die Probleme der kleinen Free-TV-Sender, auch der traditionelle Pay-TV-Markt wächst in Deutschland kaum mehr. Gleichzeitig sehen wir eine starke Entwicklung der neuen Online-Plattformen. Es ist keine Revolution, sondern eine Evolution in Richtung Interaktivität und webbasiertem Fernsehen. Das geht aber nicht von heute auf morgen. In Prinzip nutzt ja schon heute jeder webbasiertes Fernsehen auf YouTube, Sevenload usw. und gleichzeitig schauen die Menschen auch traditionelles Fernsehen wie etwa zur Winterolympiade. Die Anteile werden sich aber verlagern, wenn immer mehr Fernseher in den Haushalten internetfähig sind. Hierfür gibt es kein festes Datum. Jede ernst zu nehmende TV-Gesellschaft der Welt beschäftigt sich zurzeit mit dem Thema webbasiertes Fernsehen und Interaktivität“, erläutert Hoffmann, dessen Unternehmen Global Media Consult weltweit 35 Fernsehsender vertritt und berät.

Für Hoffmann sind die Marktführer in den jeweiligen Ländern derzeit die Treiber für gemeinsame Standards. Doch von einer Massentauglichkeit will Hoffmann noch nicht sprechen. Vielmehr sieht er zunächst eine andere Entwicklung auf die Branche zukommen, die sich ja schon bereits jetzt abzeichnet: „Ich glaube eher daran, dass bestehende Plattformen einfach parallel genutzt werden. D.h., dem Zuschauer wird auf den Fernsehbildschirm die Sendung ausgestrahlt, die Interaktion findet aber bspw. über das iPhone oder Facebook, Twitter oder eine E-Mail am Laptop statt. Die respondierende E-Mail muss ja nicht über den Fernseher abgesendet werden. Dies war auch ein Ergebnis aus einer Umfrage unter 300 internationalen TV-Profis, die wir vor Kurzem durchgeführt haben.“

Hoffmann wird auf den newTV-Kongress am 23. Februar unter anderem wildearth.TV vorstellen. Ein interessantes Projekt, das auch einen Vorgeschmack auf die nahe Zukunft gibt. Die Online-TV-Plattform wildearth.TV produziert Live-Wildlife-Content für das Internet. „Jeden Tag finden dort Realtime-Safaris aus dem Krueger Nationalpark statt, der User weiß nie, was plötzlich um die Ecke kommt. Dadurch, dass sich immer die gleichen Tiere dort aufhalten, hat jedes Tier einen eigenen Charakter, eine eigene Story und Sie werden es erahnen, einen eigenen Facebook Account. So ist Lily, the Black Bear, unser Star, der Knut wohlmöglich bald den Rang ablaufen wird. Der Bär hat schon jetzt 80.000 Fans auf Facebook, das sind mehr als Paris Hilton oder The David Letterman Show. Später werden wir daraus Inhalte konfektionieren und Fernsehsendern als Content anbieten. Gleichzeitig entwickeln wir gerade aus dem Online-Konzept einen internationalen Fernsehsender. Und das ist genau der Weg für die Zukunft. Man muss alle Plattformen und alle Möglichkeiten ausschöpfen. Die klassischen Trennlinien zwischen TV-Sender, Produzent, Online-Plattform, Community usw. verschwinden.“

Lily schläft mal wieder und wann hängen Sie ihrem Haustier eine Webcam um?, Screenshot Wildearth.TV


Für Hoffmann steht zurzeit die Kostenfrage der kleine TV-Sender im Vordergrund: wildearth.TV hat 2 Kameras und macht damit 9 Stunden Live-Content täglich, National Geographic brauchen vielleicht neun Tage für 2 Minuten Footage. Natürlich ist letzterer Content hochwertiger, aber die Kosten der Produktion sind bei wildearth.TV im Vergleich 95 Prozent geringer. Um zukunftsfähig zu sein, muss man die Produktionskosten deutlich reduzieren, da große Distributionsdeals immer seltener werden. In einem anderen Projekt launchen wir beispielsweise gerade einen ganzen digitalen Pay-TV-Channel für unter 10.000 Dollar operative Kosten pro Monat: Content, Technik, und ‚Transport‘ nach Asien. Und das ist die Entwicklung am Markt: immer kleinere Sender mit äußerst niedriger Kostenstruktur.“

Jens von Rauchhaupt
jvr@adzine.de
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