Online-Marketing Newsletter: AUSGABE KW 47 / 2010 | 26.11.2010 - ADZINE - Magzin für Online-Marketing
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   AUSGABE KW 47 / 2010 | 26.11.2010

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EDITORIAL
von Arne Schulze-Geißler, Editor | ADZINE 26.11.2010

Digitaler Schlenker

Arne Schulze-Geißler

Durch Zufall stieß ich gestern in dem Videoportal MyVideo auf den zweiten Teil von Ken Follets „ Die Säulen der Erde“, für den ich am Montag Abend, als er auf Sat.1 ausgestrahlt wurde, keine Zeit hatte. Ich war ziemlich überrascht, dass der Film in voller Länger auf dem Portal zur Verfügung steht, und für mich sollte es das erste Mal sein, dass ich einen abendfüllenden Film über eine Internetverbindung per Stream auf einem großen TV Bildschirm anschauen sollte.

Mal abgesehen von ein paar Anfängerfehlern, was die Bildschirmeinstellungen des Notebooks betraf, war ich doch erstaunt, wie gut TV und Computer zusammenarbeiten. Das Filmereignis begann mit Werbung, einer 30 sekündigen Pre-Roll Werbung, wie man das Werbeformat vor dem eigentlichen Inhalt im Internet nennt. Obwohl mich der Werbespot von o.b. nicht sonderlich interessiert hat, gab er mir doch Zeit noch ein paar Einstellungen an den Geräten zu optimieren. Grundsätzlich nehme ich aber bei einem 100 Minuten-Film diese vorgeschaltete Werbung gern zur Kenntnis. Ich musste dann aber feststellen, dass es bei dem Pre-Roll nicht bleiben sollte (wen wundert’s?), es folgten etwa im 10-Minutentakt Unterbrecherspots im Doppelpack von Otto und Vodafone, die den Entertainmentfaktor dann doch etwas beeinträchtigten. Alles in allem glaube ich aber nicht, dass es mehr Werbezeit gab, als in der TV-Ausstrahlung. Die Unterbrechungen waren in der Stream-Version lediglich etwas abrupter, kürzer und öfter. Einfach ungewohnt, weil man eben doch oft aus dem Geschehen gerissen wurde und die Pausen zu kurz waren, um sich weiter zu entfernen und andere Dinge zu erledigen.

Inhalte und damit auch Werbung machen anscheinend immer öfter den Umweg über das Internet, um wieder dort zu landen, wo wir sie sowieso schon gewohnt sind. Dennoch werden heute noch die meisten gestreamten Videoinhalte direkt am Computerbildschirm konsumiert und Video-Werbung spielt dabei natürlich auch eine wachsende Rolle.

Wir sprachen für die heutige Ausgabe mit Patrick Edlefsen, Country Manager von .FOX Networks über Entwicklungen im Video Advertising und im zweiten Beitrag schaut sich Jens von Rauchhaupt die Bewegung von Videowerbung in Richtung Mid- und Longtail Websites an.

Viel Spaß mit Adzine!

Adzine: Wachsende Umsätze im Video-Advertising gehören zu den Top-Themen der Branche. Wie groß ist die Bedeutung von Video bei .FOX Networks in Deutschland?

Patrick Edlefsen, .FOX Networks

Patrick Edlefsen: Video spielt bei .FOX Networks zusammen mit den Performance-Produkten eine tragende Rolle und wird auch in Zukunft eines der bewegenden Themen in unserem Unternehmen sein, da es sehr gute Wachstumsprognosen gibt. Wir haben aufgrund des starken Umsatzwachstums bei .FOX Networks in diesem Kalenderjahr, der deutlich über den Marktangaben lag, unsere Teams ausgebaut und die Mitarbeiterzahl verdoppelt. Die Zukunftsprognosen für den Videomarkt stehen gut, unsere Kunden erwarten von uns das beste Angebot im Markt. Unsere Aufgabe ist es, dieses zu liefern und die steigende Nachfrage entsprechend auch nachhaltig zu bedienen. Für uns steht Qualität vor Quantität, allein dafür steht schon die Brand „FOX“.

Adzine: Wer wirbt denn heute überhaupt mit Bewegtbild im Netz?

Patrick Edlefsen: Die Frage sollte andersherum gestellt werden: „Wer wirbt denn heute nicht mit Bewegtbild?“ Es ist eine in der Tat eine bewegende und die werbewirksamste Werbeform, die den Kunden erreicht.  Hatten wir Anfang 2008 noch einen kleinen Stamm an Werbekunden aus einer noch überschaubaren Branchenzahl, so gibt es heute kaum einen Industriezweig, der nicht mit Videowerbung online wirbt. Seitdem 2009 auch vermehrt die großen FMCG Kunden werben, hat der Markt noch einmal an Fahrt dazugewonnen. Auch für viele mittelständische Unternehmen ist Online-Video eine Möglichkeit, effizient für sich zu werben. Es gibt genügend Argumente und Studien pro Online-Video, die Zeit des Abtastens ist mittlerweile vorbei. Der Markt steckt in einer extrem spannenden und heißen Phase.

Adzine: Kann sich Online-Video-Advertising überhaupt zu einer eigenen Werbeform entwickeln oder ist es in erster Linie als experimentelle Ergänzung zur TV-Werbung zu betrachten?

Patrick Edlefsen: Lange, bevor TV-Werbekunden auf den Online-Markt als weiteren Kanal aufmerksam wurden, hatte sich Online-Video doch längst etabliert. Darüber hinaus kann man eine Werbeform, die nachhaltige Ergebnisse liefert und so zielgerichtet ausgesteuert werden kann, nicht als experimentelle Werbeform ansehen. Online ist längst „Above the Line“ und die Verknüpfung mit Bewegtbild-Content und Werbung ist eine attraktive und effiziente Maßnahme.
Genauer gesagt ist Video das wirkungsvollste Online-Produkt der letzten Jahre. Online hat mit der genauen Ansprache über Zielgruppenaussteuerung, Interaktionsmöglichkeiten und der Einbindung des Users seine Vorteile.

Trotz, ich betone, „noch“ vergleichbar geringer Reichweiten gegenüber TV ist das Zusammenspiel dieser Vorteile der entscheidende Erfolgsfaktor in der Zukunft. Insbesondere unter Berücksichtigung der wachsenden Online-Viewers wird Video-Advertising in den nächsten Jahren seine Stärken voll ausspielen können und auch in der Verknüpfung mit innovativen Technologien neue Möglichkeiten eröffnen.

Somit werden TV-Budgets, von denen der Online-Markt immer geträumt hat, greifbar. Voraussetzung für diese Entwicklung sind allerdings qualitativ hochwertige Umfelder, vergleichbar hohe Reichweiten, eine komparative Preisstruktur und einwandfreie technische Umsetzung. So kann online sowohl ergänzend als auch alternativ zu TV eingesetzt werden.

Adzine: Wäre das Wachstum der letzten Jahre ohne eine Bündelung der Angebote in der Vermarktung überhaupt denkbar gewesen?

Patrick Edlefsen: Sicherlich ist die Bündelung der Angebote einer der Treiber des Wachstums der letzten Jahre. So hat man es anfangs geschafft, das verstreute und kaum vermarktbare Video-Inventar zu bündeln und somit erst den Werbekunden ein werbetaugliches Produkt anzubieten. Der Erfolg der Videonetzwerke und Topvermarkter hat gezeigt, welches Potenzial vorhanden ist. Die Unternehmen, die in Entwicklung und Infrastruktur investiert haben, stehen heute sehr gut da.

Adzine: Verfügt Fox über eigenen Video-Content in Deutschland und Europa oder bündeln Sie ausschließlich externe Reichweite?

Patrick Edlefsen: Wir bündeln sowohl eigenen als auch externen Content. Allein durch die TV-Sender der FOX International Channel Deutschland (Sender u. a. National Geographic und FOX) haben wir Zugang zu qualitativ hochwertigem Content-Material, das wir zukünftig auch fokussiert monetarisieren werden. Und „The Walking Dead“, eine Zombie-Serie auf dem Pay-TV Sender FOX, zum Beispiel war nicht einmal 48 Stunden nach der Pilotsendung auf Sevenload zu sehen, LOST hatte seine Deutschlandpremiere der vierten Staffel auf FOX. Die von National Geographic produzierten Dokumentationen werden oft auch später von öffentlichen TV-Sendern gezeigt und erfreuen sich dort großer Beliebtheit.

Es wird also in Zukunft eine noch direktere Ausrichtung für das eigene Content-Management geben. Der Content ist eine unserer Stärken, auf die wir auch in Zukunft großen Fokus und großen Wert legen werden. Diese Karte werden wir zukünftig noch mehr ausspielen.

Adzine: Kann man schon sagen, welche Formate sich im Video-Advertising durchsetzen werden?

Patrick Edlefsen: Das Pre-Roll hat sich ja bereits durchgesetzt, weil es ein lineares Format darstellt. Mid-Roll und Post-Roll als ebenfalls lineare Formate haben im Vergleich zum Pre-Roll aber eine geringere Nachfrage. Darüber hinaus sind mittlerweile alle Display-Formate streamingfähig, wie zum Beispiel das klassische Content Ad oder das Video-Pop-under. Auch das Video-Interstitial wird weitverbreitet genutzt. Ich glaube aber, dass wir ganz klar die linearen Werbeformen aufgrund der Auslieferungsmechanik von all den anderen Formaten trennen sollten. Diese Werbeformen werden durch ihre „Vergangenheit“ (Pop-up, Pop-under, Klickraten bei Display) immer mit Vorurteilen zu kämpfen haben. Aber das Monetarisierungspotenzial ist hier sehr hoch und daher wird der Markt bestimmt auch einen Weg finden, diese Produkte entsprechend zu positionieren.

Adzine: Es wird immer wieder gesagt Pre-Rolls seien so gut, weil es dem TV-Konsum ähnelt und daher eine hohe Nutzerakzeptanz genieße. Dennoch ist es eben kein TV und 15 Sekunden Werbung erscheinen oft wie eine Ewigkeit. Kann es sein, dass man die optimale Platzierung noch nicht gefunden hat?

Patrick Edlefsen: Die gute Nutzerakzeptanz ist Fakt. All diese Vergleiche zu TV sollen aber natürlich auch helfen, das Produkt besser zu verstehen und es entsprechend auch für TV-Werbekunden attraktiver zu machen. Die Möglichkeiten, die derzeit in der Online-Video-Werbung existieren, haben einen hohen Standard. Dennoch ist man „noch“ am Anfang der Möglichkeiten, die technische Entwicklung im Markt wird Bewegtbild in der Zukunft auf eine andere Ebene bringen und mit Sicherheit noch elegantere Lösungen hervorbringen. Über die optimale Ausrichtung von Videolänge zu Content-Länge und -Qualität wurde ja bereits ausführlich referiert und geforscht. Es liegt an den Vermarktern, das Gelernte entsprechend userfreundlich umzusetzen.
 
Adzine: Was wird denn heute bei In-Stream-Formaten abgerechnet, jeder angefangene View oder geht es auch schon differenzierter?

Patrick Edlefsen: Es wird in der Regel nach TKP oder CPV (Cost per View) abgerechnet. Performance-Modelle haben sich bisher nicht durchsetzen können, da sie für diese Formate schwierig umzusetzen sind.

Adzine: Wie plant man denn heute Videowerbung?

Patrick Edlefsen: Es gibt bei der Videowerbung mittlerweile verschiedene Herangehensweisen. Anfangs erfolgte dies über die Zielgruppe und über das Umfeld. Die Buchung auf Content-Ebene ist für die breite Masse relativ neu, da mangelnde Formate und Reichweiten diese Möglichkeit nicht bereitgestellt haben. Das Angebot an Inhalten wächst jedoch stark und bietet für die Zukunft für Werbekunden spannende Umfelder. Es gibt heute damit nicht mehr den einen Planungsweg, sondern die Planung muss immer individuell auf die Bedürfnisse und Ziele des Kunden abgestimmt werden, um so ein stimmiges und werbewirksames Ergebnis liefern zu können.

Adzine: Die momentane Nachfrage nach Video-Advertising, insbesondere nach Pre-Rolls übersteigt ja bereits anscheinend das Angebot, führt das auch zu unerwünschten Entwicklungen?

Patrick Edlefsen: Es ist in der Tat so, dass die Nachfrage im Premium-Bereich extrem groß ist und das ist ja grundsätzlich auch gut so. Unternehmen sind allerdings auch dann im Zugzwang, mehr Reichweite gerade auf professionellen Inhalten zu erzeugen. Allerdings übersteigen nicht nur die Nachfrage, sondern oft auch Preisvorstellungen der Kunden die Möglichkeiten, die zur Verfügung stehen. Der Long Tail tut sich da natürlich gerade für volumenorientierte Unternehmen als wunderbare Ausweichmöglichkeit auf, um sowohl Bedarf als auch Preisvorstellungen auf Kundenseite zu decken. Grundsätzlich gibt es keine Einwände gegen die Maßnahme, Premium und Long Tail zu vermischen, ich denke aber, dass eine Klassifizierung des Contents und der Umfelder wünschenswert wäre, um so auch dem Preis-Leistungs-Verhältnis angemessen Rechnung zu tragen. Diese Maßnahme würde Kunden und Anbietern gleichermaßen zugutekommen.

Adzine: Die Anbieterseite des Marktes hat erkannt, dass Budgets für Video-Advertising verfügbar sind, es startet daher eine ganze Reihe von Unternehmen mit Plattformen, die Videoinhalte auf kleinere und mittlere Seiten bringen wollen, um somit vermarktbare Reichweite zu erschließen. Kann man dem Wachstum so auf die Sprünge helfen?

Patrick Edlefsen: Die Ausweitung in den Mid und Long Tail, dorthin wo Mediennutzung stattfindet, ist natürlich durchaus sinnvoll. TV-ähnliche Reichweiten und Preise kommen nur durch einen entsprechenden Mix zustande. Das größte Wachstum liegt im Mid und Long Tail. Das haben Unternehmen erkannt. Mit geeigneten plattformübergreifenden und universellen Targeting- und Capping-Maßnahmen wird Video-Werbung sowohl erfolgreich als auch kosteneffizient.
Voraussetzung für das Wachstum ist natürlich, dass den Publishern weiterhin Videocontent angeboten wird, der auch tatsächlich für die Nutzer attraktiv ist, ansonsten wird kaum ein dauerhafter Zuwachs an Videonutzung auf den Websites stattfinden und die Nutzerakzeptanz sinken.

Arne Schulze-Geißler
asg@adzine.de
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VIDEO ADVERTISING
von Jens von Rauchhaupt, Redaktion | ADZINE 26.11.2010

Roter Teppich für Mid- und Longtail-Publisher

Jens von Rauchhaupt

Content-Syndication und Publisher-Aggregation sind derzeit der letzte Schrei in der Bewegtbildvermarktung. Während die Top 50 AGOF Werbeträger sich in diesem Segment entweder selbst oder exklusiv über etablierte Video Ad Networks vermarkten, sieht es im berühmt, berüchtigten Mid- und Longtail ganz anders aus. Hier herrscht Goldgräberstimmung. Das Gold ist eine Vielzahl werberelevanter Webseiten, denen es selbst an Video-Content, der Videoplayertechnologie und dem Zugang zu den Werbegeldern fehlt.

So gefragt waren sie noch nie, die sogenannten Mid- und vor allem Longtail-Publisher. „Kommen lassen“, heißt für sie jetzt die Devise. Und wie sie kommen, die neuen Bewegtbildvermarkter. Sie heißen VoodooVideo, Clipsolution, Clipkit oder auch Castaclip, Videovalis, um nur einige Vertreter zu nennen. Ihr Geschäftsmodell sieht etwa so aus: Man nehme eine zuverlässige Videoplayertechnologie, besorgt eine ausreichende Menge an lizenzierten Video-Content, organisiert die Werbespots und bietet dies als Paket kleinen und mittelgroßen Publishern als zusätzliches Erlösmodell an.

Mathias Blüm, Clipkit

Rundum-sorglos-Paket

Auch für Werbungtreibende könnte diese derzeitige Content-Syndizierung und Publisher-Aggregation von Vorteil sein, um Bewegtbildkampagnen endlich in die Breite der Zielgruppen zu bringen. Hieß es noch vor Kurzem, dass es vor allem an buchbarem Content im Video Advertising fehle, könnten diese neuen Bewegtbildvermarktungsmodelle dieses Problem lösen. Mathias Blüm, Geschäftsführer beim Berliner Videovermarkter Clipkit, spricht von einem „riesigen Potenzial“ außerhalb der AGOF Top 50. „Selbst kleinere Seiten können durch eine nachhaltige und fokussierte Einbindung von Videoinhalten durchaus siebenstellige Videoabrufe pro Monat erzielen. Eine richtige Erschließung von Videoreichweite hat hier meines Erachtens noch gar nicht richtig stattgefunden. Wir wollen mit einem nachhaltigen Konzept den Publishern ein Sorgenfrei-Videopaket aus Streamingtechnologie, Vermarktung und gutem Content anbieten und diese Reichweiten aktivieren.“

Der Kampf um den hier grauen Bereich hat erst begonnen. Grafik: VoodooVideo.

Fast alles für den Publisher

Bei der Ausgestaltung der Partnerschaften mit den Publishern zeigen sich die Bewegtbildvermarkter zurzeit sehr flexibel. Man ist eben auf ihre Reichweite angewiesen. Zwei Beispiele: 50 Mio. Video-Views im Monat erzielt Clipkit, 70 Mio. Video-Views gar VoodooVideo. Das ist beachtlich, denn sowohl Clipkit als auch VoodooVideo sind erst dieses Jahr an den Start gegangen. Von Exklusivität mit langer bis Non-Exklusivität mit kürzerer Laufzeit ist bei den Publishervereinbarungen alles dabei. „Jeder Publisher hat seine eigenen individuellen Vorstellungen, für ein schnelles Wachstum muss man hier vertraglich flexibel bleiben“, meint Blüm von Clipkit. Bei VoodooVideo geht man gar ein Stück weiter. Dort verzichtet man ganz auf Laufzeitverträge mit den Webseitenbetreibern. Der Publisher kann dort das VoodooVideo-Publishernetzwerk jederzeit wieder verlassen. Wie hoch der Revenue Share für die Publisher ausfällt, wollte uns keiner der befragten Bewegtbildvermarkter konkret sagen. Von „attraktiven Größenordnungen“ ist die Rede. Offensichtlich hängt ein guter Revenue Share vor allem vom eigenen Verhandlungsgeschick des Publishers ab.

Sabine Jünger, VoodooVideo

Sabine Jünger, COO von VoodooVideo, hat aber neben dem schnöden Mammon ein weiteres Argument für die Publisher parat: „Wir bieten dem Publisher Zugang zu Premium-Bewegtbildinhalten, auf die er sonst keinen Zugriff hätte.“ Guter Content soll also mehr Besucher auf die Webseite bringen, was wiederum gut für den Vermarkter ist. Eine Win-win-Situation, wenn man so will. Den Premium-Content zu besorgen, das scheint aber neben einer ausgefeilten Videoplayertechnologie eine der größeren Herausforderungen für die Bewegtbildvermarkter zu sein. Dazu gehen sie Kooperationen mir den Produzenten bzw. Lizenzinhabern ein. Da kann es auch schon mal passieren, dass derselbe Content-Geber bei mehreren Vermarktern auftaucht. So hat VoodooVideo gut 60 Video-Content-Partner, darunter dpa, G+J und IDG Entertainment, gewinnen können. Aber auch Castaclip aus Berlin arbeitet mit IDG zusammen; E!Entertainment, Fashion.TV, SPORT1, wetter.com sind die weiteren Content-Partner von Castaclip. „Alles professionelle Content-Produzenten“, sagt Ekow Yankah, Mitgründer und Geschäftsführer von Castaclip.

Laut Blüm ist Clipkit mit etwa 100 weiteren Video-Content-Partnern in Verhandlung und stehe mit einigen kurz vor dem Abschluss. „Von den ganz großen der Branche bis zu sehr spezialisierten Clipinhalten für die Nische ist alles dabei“, sagt Blüm, der aber auch berichtet, dass bei einigen Content-Anbietern einige Überzeugungskraft für dieses zusätzliche Erlösmodell ihrer Inhalte nötig sei. Das mag dem Umstand geschuldet sein, dass es sich oftmals um Content-Anbieter handelt, die ihrerseits über einen Webauftritt verfügen und zuweilen dabei Bauchschmerzen haben, ihren eigenen Unique-Content zur Vermarktung auf anderen Seiten freizugeben. Meist geschieht dies dann einige Tage oder Wochen, nachdem der Content auf dem eigenen Portal zum Abruf angeboten wurde. Somit fehlt es beim Content zuweilen an der nötigen Frische.

Short-form-Content & Werbeformen

Nach eigenen Angaben lassen sich bereits 1.000 Publisher mit Videoplayer, Content und Werbung von VoodooVideo ausstatten, wobei die Content-Videos nie länger als 3 Minuten sind. Short-form-Content nennen das die Bewegtbildvermarkter. „Das ist wichtig. Die User besuchen ja diese Webseiten typischerweise nicht mit dem Vorsatz, um sich Videos anzusehen. Daher darf man sie hier nicht mit zu langem Content konfrontieren“, berichtet Jünger von VoodooVideo. Für die Werbeclips gilt deshalb auch eine ähnliche Regel: 10 bis 15 Sekunden Länge, höchstens 20, „länger dürfen die Werbeclips nicht sein“, so Jünger. Dabei starten bei VoodooVideo die ersten Werbespots immer automatisch vor dem Videocontent. Diese selbstständig startenden Pre-Rolls bezeichnet VoodooVideo auch als Auto-Rolls. „Wir machen kein Click-to-Play, d. h., unsere Auto-Rolls starten selbstständig im Rectangle oder in einem vom Publisher individuell vordefinierten Werbeplatz.“ VoodooVideo liefert die Werbespots zudem nur im sichtbaren Bereich aus.

Sind das InPage Ads?

Bekanntlich hat das Gros der User den Ton bei der Nutzung des Internets ausgeschaltet. Schon aus diesem Grund liegt die Werbewirksamkeit eines selbstständig startenden InPage-Video-Ads deutlich unter der von InStream Ads. Das bestätigte jüngst noch einmal eine neue Vergleichsstudie zur Werbewirkung dieser beiden Werbeformen, deren Ergebnisse Sandra Schmidt von IP Deutschland und Leska Böker von SevenOne Media diese Woche auf der Admonsters OPS Konferenz vorgestellt haben. VoodooVideo sieht aber im eigenen Werbeformat keinesfalls ein InPage Video Ad. Vielmehr handle es sich um eine Art „Zwischenformat“, das sich mit seiner Countdownfunktion, dem Teaserfenster des Contents und dem Aufruf zur Interaktion von einem einfachen InPage Ad deutlich unterscheide. Und tatsächlich: Während ein Standard-InPage-Video-Ad meist nur eine Landing-Page dahintergeschaltet hat, lädt VoodooVideo nach einem Mouseover oder Userklick einen vollständigen Videoplayer nach, auf dem die Werbespots nun in einem Format von 300 x 250 Pixel als InStream Video Ads erscheinen.

Hinsichtlich der angebotenen Werbeformen gibt es deutliche Unterschiede zwischen den Bewegtbildvermarktern. VoodooVideo setzt auf Pre- und Post-Rolls sowie einem Overlay, das im Contentstream auf Interaktion des Nutzers bildschirmfüllend expandiert. Mit einem TKP-Nettopreis unter 10,– Euro handelt es sich bei VoodooVideo eher um eine Low-Price-Strategie. Sabine Jünger erläutert dazu: „Wir wollen maximale Reichweite zum Niveau von TV-Preisen auf möglichst einfache Weise anbieten. Darum geht es in diesem fragmentierten Markt.“ Ein ähnliches Preismodell bietet Castaclip mit 15,– bis 20,– Netto-TKP. Doch anders als beim Wettbewerber arbeitet Castaclip ohne Autostartfunktion. Stattdessen erscheint im Rectangle ein Standbild des Contentvideos, versehen mit Zusatzinformationen zum Inhalt.

Bei Clipkit können Advertiser hingegen neben allen gängigen Bewegtbildwerbeformate – Pre-Roll, Mid-Roll, Post-Roll und Overlay Ads – auch Video Interstitials buchen. Auch ausgefallene Formate wie etwa 360-Grad-Ads oder Inskin Ads sind möglich. Die Preise liegen hier zwischen 30,– und 50,– Euro Brutto-TKP. Im Gegensatz dazu bietet Clipsolution, der neue Bewegtbildvermarkter von Adselect und mov.ad den Advertisern nur Pre- und Post-Rolls an. Bei der Buchung wird dem Werbepartnern zwar das Netzwerk offengelegt, „eine Direktplatzierung ist jedoch ausgeschlossen, das heißt Run-over-Network- oder Run-over-Channel-Buchungen sind bei uns an der Tagesordnung“, sagt Ralf Hammerath, Geschäftsführer von Clipsolution, die Content-Beiträge aus den Bereichen Entertainment, Technik, Kochen, Celebrity, Games und Automotive syndizieren.

Sichere Umfelder für Ihre Marke?

Während also die Publisher mit ihrem Traffic äußerst gefragt sind, muss sich ein Werbungtreibender auch sicher sein können, wie es auf solchen Seiten um die Sicherheit seiner Marke steht. Schließlich sind einige Vertreter wie etwa VoodooVideo reine Blind Networks, d. h., auch wenn die VoodooVideo-Publisher zu 80 Prozent AGOF-zertifiziert sind, bucht der Advertiser hier nach 12 Umfeldkategorien und erhält erst danach ein Reporting, das darüber Aufschluss gibt, wo und wie oft sein Werbespot gelaufen ist. „Brandsafety ist für uns ein zentrales Thema“, sagt Jünger von VoodooVideo. „Daher arbeiten wir diesbezüglich mit Nielsen zusammen, die eine Vorauswahl an brand-safe-zertifizierten Webseiten treffen. Zudem überprüfen wir selbst noch mal jede einzelne Webseite auf ihre Markensicherheit.

Ein wenig anders sieht dies bei Clipkit aus, hier sind auch Direktbuchungen und Rotationsbuchungen in einem Portfolio aus bekannten Seiten möglich. Aber auch bei Clipkit schaut man lieber doppelt hin, wie Blüm erläutert: „Die Publisher werden ausgewählt, geprüft, mit einem Vertrag versehen und mit einem Account im System angelegt. Hierüber findet eine klare Auswahl statt, die Publisher müssen zudem garantieren, dass ihre Sites keine fragwürdigen Inhalte oder Links zu anstößigen Angeboten enthalten. Somit ist eine ‚brand safeness‘ gegeben. Es gibt kein ‚wildes embedding‘ unseres Players, jeder Partner wird kontrolliert.“  

Ekow Yankah, Castaclip

Berlin füttert Münchener Marktplatz mit Content

Nun hat auch AdScale einen eigenen Marktplatz nur für Videowerbung aufgemacht. Dieses Marktplatzmodell könnte wiederum den Long-Tail-Bewegtbildvermarktern das Wasser abgraben. Umso verwunderlicher erscheint es, dass Castaclip und Clipkit den Münchener Videomarktplatz zum Start mit Videocontent versorgen und nunmehr als Partner von AdScale auftreten. Ekow Yankah von Castaclip erklärt: „In AdScale haben wir einen potenten und gut vernetzten Partner gefunden, der unseren Content-Providern den Zugang zu einer immensen Publisher-Reichweite ermöglicht. Umgekehrt profitiert der neue AdScale-Video-Marktplatz von unserem hochwertigen Video-Content-Pool und unserer effizienten Syndizierungs- und robusten Streamingplattform, die mithilfe von Schnittstellen nahtlos in das AdScale-System integriert wurde."

Schädigen die beiden Berliner Unternehmen damit nicht ihr eigenes Geschäftsmodell? Mathias Blüm von Clipkit sieht das nicht so. „Wir sind aktuell in einer starken Wachstumsphase. Starke Partnerschaften sind dann intelligent, wenn man schnell skalieren möchte. Da wir die via AdScale ausgespielten Video-Views selbst vermarkten können, passt die Kooperationen zu unserer Strategie aus eigenem Netzwerk und intelligentem Partnering. Wir werden auch weitere sinnvolle Vermarktungskooperationen abschließen.“ Auch bei VoodooVideo, die nicht mit AdScale zusammenarbeiten, wächst das Publisher-Netzwerk stetig weiter und Sabine Jünger berichtet von einem großen Zuspruch aufseiten der Publisher. Offensichtlich gibt es noch reichlich werberelevante Webseiten, denn bis Ende 2011 will VoodooVideo bei 2.000 Publishern lizenzierten Video-Content mitsamt der Werbung ausliefern können. „150 Mio. Video-Views pro Monat bis Ende 2011. Das ist unser selbstgestecktes Ziel“, sagt Jünger.

Jens von Rauchhaupt
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