Online-Marketing Newsletter: AUSGABE 3 / 2010 | 28.01.2010 - ADZINE - Magzin für Online-Marketing
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   AUSGABE 3 / 2010 | 28.01.2010

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EDITORIAL
von Arne Schulze-Geißler, Editor | ADZINE 28.01.2010

Der Prophet hat zu uns gesprochen

Arne Schulze-Geißler

Teilweise zweifele ich ja am Verstand einiger Menschen, die ich sonst durchaus schätze. Aber seit einigen Tagen mutierten nicht wenige dieser Zeitgenossen zu einer nicht mehr ernst zu nehmenden Meute applehöriger Buzz-Maschinen, die den Eindruck vermittelten, als stünde die Erlösung der unwissenden Menschheit durch die Erscheinung des Propheten bevor.

Der eine oder andere mag Steve Jobs für den Propheten halten, der gestern Abend leibhaftig erschien und ein aufgeblasenes iPhone namens iPad vorstellte. Ein neues Gerät von Apple ist bei Weitem Grund genug, auf die Knie zu fallen und Steve Jobs zu danken, dass er der Menschheit den Weg in die digitale Zukunft weist, der natürlich durch einen Applestore führt.

So kann das iPad eigentlich alles, was man heute von einem Computer erwartet, und das sogar in Farbe, diesbezüglich also keine Überraschungen. Zudem steht einem natürlich sämtlicher Content der Applewelt einschließlich der Apps von seinem iPhone zur Verfügung. Das hört sich noch nicht wirklich nach dem „Game Changer“ an, den die Medien weltweit angekündigt haben.

Das Produkt wurde bei dem ganzen Hype auch irgendwie zur Nebensache, es war einfach unglaublich, was gestern ab 19.00 Uhr auf diversen Tickern, Livestreams, bei Facebook und Twitter passierte. Hunderttausende von Statusmeldungen vor und während der Präsentation in San Francisco wurden weltweit abgesetzt. Apple ist eine absolute Ausnahmeerscheinung in der Markenwelt und hat es geschafft, der Marke ideologische Züge zu verleihen. Die treue Apple Gefolgschaft produzierte so viel Buzz und Aufmerksamkeit, wie es bisher kein Produkt vor seiner Markteinführung erfahren hat, nicht einmal das iPhone.

Jetzt muss Apple den Nachweis in der Praxis antreten, dass die Welt tatsächlich Tablet-PCs braucht. Nur gutes Aussehen und ein tolles Surferlebnis machen das Tablet noch nicht zum Erfolg. Ich bin skeptisch, ob sich das Gerät in relevanter Stückzahl in unserem Alltag unterbringen lässt, um Apple für Bücher und Zeitungen zu einem lohnenden Vertriebskanal zu machen. Ich persönlich kann das Gerät momentan noch nicht in meinem Tagesablauf unterbringen, da es weder mein Notebook noch mein Mobiltelefon ersetzen kann und ich mit absoluter Sicherheit kein drittes Gerät mit mir herumschleppen werde, und zu Hause, na ja? Vielleicht werde ich ja doch noch bekehrt.

Ich möchte gerade noch auf eine Sudie hinweisen, bei der Ihre Teilnahme gefragt ist:

Im Rahmen einer Studie der Universitäten Bern und St.Gallen wird eine Befragung bei Betreibern und Managern von Online Communities durchgeführt. Ziel der Erhebung ist es Erfolgsfaktoren beim Management von Online Communities zu eruieren.
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Alle Teilnehmer erhalten kostenlos den Ergebnisbericht. Zudem werden attraktive Preise verlost. Es gibt auch zwei Adzine Print Abos zu gewinnen.

Viel Spaß mit Adzine!

Arne Schulze-Geißler
asg@adzine.de
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VERMARKTUNG
von Sandra Goetz, Redaktion | ADZINE 28.01.2010

HIP mit InteractiveMedia

Sandra Goetz

Mit G+J Electronic Media Sales (EMS), IP Deutschland, SevenOne Media und Tomorrow Focus gaben diese Woche 4 große deutsche Vermarkter die Gründung des gemeinsamen Zielgruppenvermarkters AdAudience bekannt. Axel Springer Media Impact fehlt genauso wie der reichweitenstärkste Vermarkter InteractiveMedia (T-Online). Grund genug, um bei Frank Bachér nachzufragen, der vor einem Jahr die Geschäftsführung Marketing & Sales von InteractiveMedia übernommen hat und zudem stellvertretender Sprecher im Online-Vermarkterkreis (OVK) des BVDW ist.

Adzine: Herr Bachér, Sie sind seit April 2009 Geschäftsführer Marketing & Sales bei InteractiveMedia. Vor einem Jahr kam die News, dass sie von der eBay Advertising Group mit Sitz im Europark Dreilingen bei Berlin nach Darmstadt wechseln. Wie ist Ihnen der Wechsel bekommen?

Frank Bachér, InteractiveMedia

Bachér: Der Wechsel zum Marktführer im Bereich Display Advertising war für mich der richtige Schritt. InteractiveMedia hat aufgrund der Qualität der Angebote und der Reichweite eine führende Stellung am Markt. Im vergangenen Jahr konnten wir durch unsere optimierte vertriebliche Aufstellung, den Ausbau der Targeting-Technologie, der Fokussierung auf neue Themen wie Mobile sowie der Gewinnung markenstarker Websites wie kicker.de, bunte.de und den Frauen-Titeln der MVG klare Akzente im Markt setzen und Marktanteile gewinnen. Ergo: InteractiveMedia bietet mir alle Möglichkeiten, den Online-Werbemarkt innovativ und erfolgreich zu entwickeln.

Adzine: Sie sind in München geboren und aufgewachsen. Haben als erste Studentengeneration Angewandte Kulturwissenschaften an der Uni Lüneburg und Kulturmanagement an der Hochschule für Musik und Theater in Hamburg studiert. Seitdem heißen ihre Karrierestationen Axel Springer Verlag, Verlagsgruppe Milchstraße, Tomorrow Focus AG, eBay und seit 2009 InteractiveMedia. Sie sind, um es kurz zu machen, ein alter Hase. Können Sie damit leben?

Bachér: Die Onlinewelt hat in den vergangenen zehn Jahren so viele spannende Entwicklungen geboten, von daher empfinde ich die Bezeichnung „alter Hase“ als Kompliment. Zudem ist es eine große Hilfe, wenn man bei der Entwicklung neuer Themen wie Mobile, Bewegtbild und Targeting auf die Erfahrungen der letzten Jahre zurückgreifen kann. Somit lassen sich neue Trends hinsichtlich ihrer Potenziale besser beurteilen.

Adzine: Sie können auf ein langes Jahrzehnt in der Onlinebranche zurückblicken. Was hat sich Ihrer Meinung nach in der Portalvermarktung besonders geändert?

Bachér: Die Riesenveränderung ist, dass der Gesamtmarktanteil von Onlinewerbung bei über 16 Prozent liegt und damit einen Podiumsplatz hinter TV und Zeitung erreicht. Angefangen haben wir bei null. Die Zahlen lassen sich auch alle im OVK-Report nachlesen, den wir zweimal jährlich im OVK herausgeben. Das ist eine eindrucksvolle Entwicklung, die zeigt, wie massiv in den letzten Jahren Budgets zugunsten von Onlinewerbung umgeshiftet wurden. Nicht nur im Bereich der klassischen Display-Ad-Vermarktung, sondern ebenso im Bereich Performance-Marketing.

Adzine: Wie viel wurde 2009 für Onlinewerbung ausgegeben?

Bachér: Wir gehen davon aus, die Grenze von vier Milliarden Euro in den Bereichen Onlinewerbung – mit mehr als zwei Milliarden Euro – sowie Suchwortvermarktung und Affiliate-Netzwerke in 2009 überschritten zu haben. Die wesentlichen Schritte hierfür sind sowohl die Entwicklung der Werbeformen, Bewegbildinhalte, Homepageplatzierungen als auch die Reichweitenentwicklung der Medien. Auch die Portale haben sich in ihrer Reichweite stark entwickelt.

Adzine: Für Print sieht es, von einigen Ausnahmen abgesehen, nicht ganz so rosig. Auf der hauseigenen Burda-Konferenz DLD, Digital Life Design, die am 26.1. zu Ende gegangen ist, sagte Hubert Burda, dass Online-Werbung noch immer ein „lausiges Geschäft“ sei.

Bachér: Während klassische Mediengattungen eine Stagnation oder rückläufige Zahlen verzeichnen, gewinnt Onlinewerbung weiter Marktanteile. Diese Entwicklung offenbart – auch im Hinblick auf die Wirtschaftskrise und der damit verbundenen Diskussion über die Verteilung der Werbegelder – dass Potenzial der Onlinewerbung und belegt das Vertrauen der Werbetreibenden in diese Mediengattung. Unabhängig davon haben wir seit 1. Januar die Vermarktung des Auftritts Bunte.de der Burda Style Group übernommen und erfolgreich gestartet.

Adzine: Gibt es nicht dennoch Konflikte, mit denen man lernen muss umzugehen? Auch innerhalb der Häuser?

Bachér: Das Thema der Verlage ist die Kostenstruktur. Die Redaktionen und Verlagsbereiche sind aufgrund von alten Strukturen aufgebaut worden. Heute brauchen wir den Aufwand in der Onlinewelt nicht mehr. Wer heute ein reines Onlineangebot betreiben will, hat meiner Ansicht nach gute Marktchancen. Dirk Manthey, der das Ernährungsportal eatsmarter.de gelauncht hat, ist ein gutes Beispiel. Eine Redaktion mit wenigen Leuten, die hochwertige und vermarktungsrelevante Inhalte erstellt, Webserver, Vermarkter – das ist alles, was man hier braucht. Die Erwartungshaltung eines klassischen Verlagshauses bezüglich Umsatz und Rendite ob ihres Kerngeschäfts ist eine ganz andere. Und dass diese Erwartungen im seltensten Fall heute noch erfüllt werden, ist das Schmerzhafte für die Verlagsseite. Printmedien werden weiterhin ihre Berechtigung haben. Die Frage ist, welche Titel sich zukünftig wirtschaftlich erfolgreich aufstellen können. „Die Zeit“ hatte 2009 ihr bestes Auflagenergebnis seit Jahren und konnte im letzten Quartal noch zulegen. Es geht also …

Adzine: Was halten Sie vom Social-Media-Hype und dessen Bedeutung für das Portalgeschäft?

Bachér: Aus Vermarkterseite gesprochen: Social Media sucht noch immer seine Vermarktbarkeit. Das heißt, „wo und wie“ integriere ich Partner in einem Social-Media-Umfeld. Die Lernkurve ist hier noch immer sehr hoch. Inhalt, also Qualität, ist ein großes Thema für die Werbetreibenden. Und es ist die Frage, die wir uns auch als Vermarkter stellen. Wird die Werbung geschaut, erreicht die Werbung die Ziele des Werbetreibenden wie Branding, Leadgenerierung oder Abverkauf? Kurz: Wird die Werbung genutzt? Da machen wir uns nichts vor: Wir haben festgestellt, dass die Werbung zwar gesehen wird, aber nicht immer die Ziele der Werbetreibenden erreicht. Viele Nutzer sind in der spezifischen Nutzungssituation nicht bereit, sich für die Werbung zu öffnen. Vor dem Hintergrund sind die Erfahrungen der Werbetreibenden nicht immer positiv.

Adzine: Macht das nicht die Preise kaputt? Es geht schließlich um Conversion Rates, Leads etc.

Bachér: Ganz so schlimm ist es nicht. Aber Social Media bedeutet in der Vermarktung günstigere Preise, die man anbieten muss aufgrund der fokussierten Nutzersituation und der hohen Menge an verfügbarem Inventar.

Adzine: Wie schaut es aus mit den Trendthemen Video Ads und Videocontent?

Bachér: Da machen wir eine ähnliche Erfahrung wie bei Social Media. Die großen Werbetreibenden, mit denen wir hauptsächlich zu tun haben, achten darauf, dass sie mit ihren hochwertigen Marken in hochwertigen Umfeldern erscheinen und weniger in Umfeldern, wo User ihre eigenen Videos hochladen.

Adzine: Die Meldung, die uns in der Form alle überrascht hat, war das Aus von AOL in Deutschland. Wie ging es Ihnen?

Bachér: Es gab zwar im letzten Jahr einige Hinweise, dass es Veränderungen geben werde; wir haben jedoch nicht erwartet, dass AOL seine Aktivitäten in Europa mit Ausnahme England weitreichend herunterfährt. AOL ist ein Urgestein, einer der Gründer der Online-Vermarktung. Aus der Marktperspektive ist es extrem schade. AOL war einer der Leuchttürme, die Onlinevermarktung getrieben, betrieben und ausgebaut haben. Wir dürfen nicht vergessen, dass AOL vor einigen Jahren in der Lage war, Time Warner zu kaufen. Vom Umsatz her gibt es Perspektiven für uns, da AOL an Bedeutung verlieren wird. Sowohl InteractiveMedia als auch der Wettbewerb werden davon profitieren. Ich hätte vermutet, dass das Aus eher Vermarkter trifft, die nicht über eine ausreichende Reichweite und klare Positionierung verfügen. Das steht immer noch aus. Vermarkter sind dann erfolgreich, wenn sie über eine relevante Reichweite und einen hohen Anteil an vermarktungsrelevanten Umfeldern wie z.B. Computer, Wirtschaft und Sport verfügen. Das kombiniert mit Marken, die für Qualität, eine Positionierung und Inhalte stehen. Bei InteractiveMedia haben wir im letzten Jahr mit dieser Positionierung eine sehr gute zweistellige prozentuale Wachstumsentwicklung deutlich über dem Markt geschafft und sind damit sehr zufrieden.

Adzine: Adtech ist der Adserver von InteractiveMedia und eine Tochter von AOL. Wird es Veränderungen geben?

Bachér: Nein, Adtech ist nicht vom AOL-Aus betroffen und für uns gibt es keinen Grund, über einen Adserving-Wechsel nachzudenken.

Adzine: Am Montag, den 25.1., haben G+J EMS, IP Deutschland, SevenOne Media und Tomorrow Focus AG das Vermarktungs-Joint-Venture AdAudience auf einer Pressekonferenz in München bekannt gegeben. Voraussichtlich wird Wunderloop als technischer Dienstleister angeheuert. Was ist das besondere an Wunderloop?

Bachér: Wunderloop ist als Anbieter von Targeting-Technologie sehr gut im Markt positioniert, da die führenden Online-Vermarkter Wunderloop einsetzen. Auch wir nutzen seit einigen Jahren Wunderloop für unsere Targeting-Lösung und erzielen hohe Uplifts bei Targeting-Kampagnen gegenüber normalen Rotationsbuchungen. Die Basistechnologie ist Wunderloop Connect. Wunderloop Target Discovery ist eine neue Entwicklung, bei der Werbetreibende Consumer Insides zur Kampagnenoptimierung gewinnen. Die Tatsache, dass AdAudience das Wunderloop-System als technische Plattform nutzen möchte, wird der Technologie, die auch international eingesetzt wird, einen weiteren Push geben. Die weiteren Targeting-Anbieter sind Nugg.ad aus Berlin und TGP, die Targeting-Lösung von United Internet Media.

Adzine: Ist die Targeting-Allianz AdAudience eine Konkurrenz?

Bachér: Prinzipiell sind wir mit unserer eigenen Targeting-Lösung High Impact Planing (HIP) sehr gut aufgestellt und am Markt positioniert. Das merken wir auch an den verstärkten Buchungsanfragen der Media-Agenturen zum Thema Targeting. Wir haben heute eine Marktreichweite von über 50 Prozent der Internetnutzer und verfügen über eine ausreichende Reichweite für viele Kunden. Wir stellen uns deswegen die Frage, ob und in welcher Konstellation für uns die Teilnahme an einem Targeting-Netzwerk mit anderen Vermarktern sinnvoll ist.

Adzine: Targeting-Netzwerke sind also ein wichtiges Thema in der Zukunft?

Bachér: Absolut. Die Märkte werden sich dahin bewegen, dass die Websites und Vermarkter sich in Targeting-Netzwerken zusammentun. Wir haben uns noch nicht final über unsere nächsten Schritte entschieden, möchten aber gerne an dem boomenden Markt partizipieren und halten uns alle Optionen offen.

Adzine: Kann das auch ein Thema für den New Media Award werden?

Bachér: Spannende Frage. Wir haben beim New Media Award die verschiedenen Kategorien Online, Trends, Mobile, Efficiency sowie Young Lions und werden im Bereich Effizienz die Frage stellen, inwieweit wir Targeting-Themen bei der Bewertung betrachten.

Adzine: Die Einreichungsfrist für den Award ist vor wenigen Tagen abgelaufen. Wir können also auf die Preisverleihung am 29. April in Düsseldorf gespannt sein. Herr Bachér, wir danken für das Gespräch – bis zur nächsten Talkrunde.

Sandra Goetz
redaktion@adzine.de
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MOBILE ADVERTISING
von Jens von Rauchhaupt, Redaktion | ADZINE 28.01.2010

Mehr Transparenz bitte!

Jens von Rauchhaupt

Der Jahresbeginn steht wieder ganz im Zeichen des Mobile Marketings. Neben den heute beginnenden M-Days in München wirft der Mobile World Congress in Barcelona bereits seine Schatten voraus. Doch noch immer kann die Mediaplanung nicht auf verlässliches Zahlenmaterial für das Mobile Web zurückzugreifen. Wir sprachen mit Harald Neidhardt, CMO und Mitbegründer von Smaato, kurz vor seiner Abreise nach München über Reichweite, den deutschen Markt und natürlich auch Smaato.

Adzine: Herr Neidhardt, Smaato ist mit SOMA eine unabhängige Ad-Exchange-Plattform für Mobile-Display-Kampagnen, ist das eine richtige Beschreibung?

Harald Neidhardt, Smaato

Neidhardt: Ja, Smaato ist ein Aggregator von Werbenetzwerken. Wir verbinden weltweit Publisher von mobilen Websites und Entwickler von Mobile Apps mit derzeit 34 Werbenetzwerken. Dabei liefern wir Werbung in 215 Ländern aus. Wir können beispielsweise für einen App-Publisher bzw. -Entwickler den weltweiten Traffic so optimieren, dass dieser einen maximalen Revenue aus seinem Inventar erzielen kann.

Adzine: Mobile-Display-Werbung und Werbung in Applications (Apps), ist das denn dasselbe?

Neidhardt: Mobile Werbung beinhaltet für uns auch mobile Applications. Das ist das Gleiche, weil letztendlich auch die Werbeformate in den Applikationen auf dem weltweiten MMA-Standard beruhen.

Adzine: Google kauft AdMob und Apple Quattro Wireless, was passiert da gerade am Markt?

Neidhardt: Das ist natürlich das sichere Zeichen, dass der mobile Markt ernst genommen wird und sich die großen Konzerne jetzt in die Startlöcher bewegen. Eric Schmidt von Google hat ja bereits 2008 prognostiziert, dass das mobile Internet in der Zukunft größer sein wird als das stationäre Internet. Jetzt folgt auch das Geld dieser Vision. Da ist es für Konzerne wie Google, Apple, Microsoft und Blackberry natürlich eine wichtige strategische Maßnahme, dass sie ihren Entwicklern mehrere Zugänge zur Monetarisierung geben. Dazu gehört neben Einkommen aus Abonnements und Downloads eben auch der mobile Werbemarkt.

Adzine: Was die Performance mobiler Werbenetzwerke angeht, so zeigen die letzten Smaato Metrics auf, dass die Fillrate weltweit nur bei durchschnittlich 35 % liegt. Wer sind hier die Top Performer in Deutschland, welche mobilen Sites sind bereits gut ausgelastet?

Neidhardt: Deutschland ist ein vergleichbar kleiner Markt, dessen Wachstumsraten aber Anlass zur Hoffnung geben. Weltweit zählen wir bei Smaato mobil ungefähr 3 Milliarden Ad-Requests im Monat. Das größte Network hier in Deutschland, damit meine ich G+J EMS, hat nach eigenen Angaben ungefähr 400 Mio. PIs. Die Auslastung der Publisher in Deutschland liegt deutlich über dem weltweiten Durchschnitt und sogar über den USA.

Die Fillrates beziehen sich auf das Smaato "Netzwerk".


Adzine: Sie haben Gruner + Jahr EMS gerade genannt, das ist also der reichweitenstärkste Vermarkter von mobilem Content in Deutschland?

Neidhardt: Ja, wir sehen G+J EMS als den mit Abstand größten Vermarkter von mobilen Content, zumal sie sich neben ihren eigenen Inhalten auch die Vermarktungsrechte von Vodafone Live und O2 gesichert haben. Smaato arbeitet zurzeit in Deutschland mit YOC und Madvertise zusammen. Das sind eher die Spezialisten, die sich neben den Onlinevermarktern gerade prima etablieren. Es ist noch immer ein junger Markt und bietet noch große Chancen für neue Spezialisten, wir sind da offen für neue Partnerschaften.

Adzine: Wie funktioniert die Partnerschaft zum Beispiel mit Madvertise genau?

Neidhardt: Madvertise ist ein Zulieferant von Werbung für unser Inventar, d.h., wenn wir deutschen Werbe-Inventar in Form eines Ad-Request haben, stellen wir das dem Ad-Network zur Verfügung, damit Madvertise oder ein anderer Partner diesen Ad-Request mit Werbung beliefert. Es gibt aber auch internationale Anbieter, die Kampagnen für Deutschland haben und mit denen wir dann bei der Werbeauslieferung zusammenarbeiten.

Adzine: Wie soll ein Mediaplaner eine mobile Display-Kampagne planen können, wenn er auf kein verlässliches und verifiziertes Zahlenwerk über Reichweiten zurückgreifen kann?

Neidhardt: Zurzeit gibt es sicherlich nur die einzelnen Daten der Vermarkter, von denen viele im BVDW engagiert sind. Dort versucht insbesondere der MAC (Anm. d. Red.: Mobile Advertising Circle) und die AGOF Mobile natürlich derzeit neben den Werbeformaten auch die Marktforschungsergebnisse voranzutreiben. Im Moment wird an den Mobile Facts gearbeitet. Da wird im Laufe des Jahres 2010 einiges passieren, damit mehr Transparenz am Markt besteht.
 
Adzine: Warum wird eigentlich derzeit die Reichweite immer nur in PIs und nicht in UU ausgewiesen?

Neidhardt: Das ist der Stand der Technik, weil im mobilen Web kaum Cookies gesetzt werden können. Da ist eine Ausweisung in PIs einfacher und gerechter. Aber von der AGOF Mobile und dem MAC im BVDW wird 2010 dazu mehr zu hören sein.

Adzine: Thema Preise: Wo stehen hierzulande überhaupt die mobilen TKPs im Vergleich zum stationären Internet? – Die sind doch im Durchschnitt höher als im stationären Web, oder?

Neidhardt: Ja, ich würde sagen, sie schwanken zwischen 1,- und 15,- EURO. Es gibt durchaus Kampagnen, die zwischen 30,- und 40,- EURO liegen, aber das Gros der Kampagnen liegt unter 10,- EURO, im Durchschnitt noch deutlich über dem TKP im stationären Internet.

Adzine: Was wissen wir über Klickraten bei der mobilen Display-Werbung? Sind diese höher oder niedriger als im stationären Netz? – Was soll eigentlich der CTR-Index in den Smaato Metrics aussagen?

Smaato Index – Operating System CTR (Click Through Rates) weltweit, Dezember 2009


Neidhardt: Wir haben die effektiven Klickraten nicht veröffentlicht, sie sind aber vergleichbar mit denen des stationären Internets. Mit dem Index nehmen wir die CTRs als Bezugspunkt, um die Operating-Systeme hinsichtlich ihrer Werbefreundlichkeit zu vergleichen. Dabei haben wir festgestellt, dass die Symbian-Geräte weltweit deutlich bessere CTRs aufweisen als etwa die alten Standard-Phones. Symbian-Geräte mögen nicht die „coolsten“ Geräte sein, sie sind aber weitverbreitet und die CTRs sind auf diesen Geräten höher als auf allen anderen mobilen Endgeräten. Interessant war aber auch, dass Apple- und Windows-Mobile-Systeme ebenfalls im Durchschnitt höhere Klickraten aufwiesen als etwa Android-Geräte. Die werbefreundlichste Umgebung ist damit zurzeit Symbian, gefolgt von Apple.

Adzine: Was denken Sie. Welchen Einfluss wird das Apple iPad auf den Mobile Advertising Markt haben? Schließlich wird es ja eine 3g und eine Wifi Variation vom Apple iPad geben.

Neidhardt: Smaato folgt Steve Jobs in der Einschätzung, dass das iPad eine mögliche neue Goldgrube für Apple Entwickler darstellen wird. Es bedeutet für sie eine Ausweitung der Reichweite über das iPhone und den iPod hinaus. Und die Smaato Metrics haben gezeigt, dass die Klickraten beim iPhone überdurchschnittlich gut sind. Somit wird das iPad den Entwicklern eine weitere Möglichkeit bieten, Geld mit ihren Apps zu verdienen. Wie immer werden natürlich erst die nächsten Generationen des iPad alle Möglichkeiten ausnutzen, die sich die Branche erhofft hat - aber es zeigt eine tolle neue Welt zwischen Notebooks und dem Smartphone.

Adzine: Zurück zur Gegenwart. Warum sollte ein Advertiser eine Mobile-Display-Kampagne schalten, wenn er dieselbe Zielgruppe günstiger im stationären Internet erreichen kann? Was sind aus Ihrer Sicht die „Pros“ für Mobile Advertising?

Neidhardt: Wir wissen ja alle, dass das Handy das persönlichste Gerät ist und daher deutlich höhere Nutzungsraten aufweist. Das Handy hat der User 24 Stunden mit dabei. Die Prioritäten der Mediennutzung verschieben sich doch: Morgens schaltet der User zum E-Mail-lesen nicht als erstes sein Notebook ein, sondern er schaut in sein iPhone – abends dasselbe. Hinzu kommt, dass in manchen Schwellenländern, zum Beispiel einigen Ländern in Afrika, das mobile Endgerät den Menschen als einziges für den Internetzugang zur Verfügung steht. Aber auch wenn man nur in Deutschland werben möchte, kann sich ein Werbungtreibender sicher sein, dass seine Werbung eine höhere Aufmerksamkeit beim Rezipienten erzielt, weil meist nur ein Werbebanner auf dem Display erscheint.

Adzine: Rich-Media-Werbeformate sind aber noch Zukunftsmusik, oder?

Neidhardt: Ja, sie werden wie viele neue Bannerformate erst noch kommen. Die MMA Standardformate sind nur der erste Schritt, wir müssen aber noch Formate finden, die spezifischer auf die Ortsbezogenheit des Users eingehen. Das Handy bietet da viele intelligente Lösungen, die interaktive Werbeformate und Local Based Services verknüpfen können.

Adzine: Was erwarten Sie von den M-Days in München?

Neidhardt: Als zulaufstärkste Messe im Bereich Mobile im deutschsprachigen Raum sind wir sehr zuversichtlich, dass die M-Days eine erfolgreiche Messe wird. Das Konferenzprogramm sieht sehr spannend aus und wir freuen uns schon drauf.

Vielen Dank für das Gespräch!

Jens von Rauchhaupt
jvr@adzine.de
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