Online-Marketing Newsletter: AUSGABE 15 / 2010 | 22.04.2010 - ADZINE - Magzin für Online-Marketing
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   AUSGABE 15 / 2010 | 22.04.2010

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EDITORIAL
von Arne Schulze-Geißler, Editor | ADZINE 22.04.2010

Dynamischer Handeln

Arne Schulze-Geißler

Wir befinden uns noch ziemlich am Anfang der Transformation vom statischen zum dynamischen Mediageschäft. Dabei wäre zunächst mal zu klären, was gemeint ist, wenn wir von der Dynamisierung von Media sprechen. Grob betrachtet, gibt es wohl zwei Dinge, die potenziell dynamischer werden können, nämlich zum einen der Prozess des Zustandekommens eines Mediadeals und zum anderen das Konfigurieren der Medialeistung selbst.

Wenn man als Einkäufer heute beim Vermarkter anruft und zum Listenpreis ein fest eingebautes Wallpaper auf der Homepage von Tageszeitung.de für eine Woche bucht, dann könnte man in jeder Hinsicht von statischer Online-Werbung sprechen. Das einzig dynamische wäre das Wallpaper selbst, das vielleicht blinkt, sich ausklappt oder Ähnliches. Rein budgetmäßig wird heute noch der weit größte Teil der Online-Werbung manuell abgewickelt und auf statische Platzierungen gebucht, wenn auch nicht fest eingebaut und natürlich mit dem ein oder anderen Targetingkriterium versehen. Budgets finden somit ihre Zielgruppen in erster Linie noch über Umfelder.

Ich schätze mal, dass im Durchschnitt auf den AGOF-100-Seiten 70 % der Werbeerlöse mit 30 % des Inventars erzielt wird. In diesem sogenannten Premiumsegment, in dem oft die Nutzer einer Medienmarke als Zielgruppe im Vordergrund stehen, ist weitere Dynamik in Form von Automation unerwünscht und in der Praxis auch oft nicht möglich. Es handelt sich aber auch gleichzeitig um den Teil der Werbung, der zunehmend unter Druck gerät und in absoluten Zahlen auch nicht so recht wachsen möchte.

Die Dynamik im digitalen Mediageschäft zielt also in erster Linie auf die verbleibenden 70 % des Online-Inventars, das viele Bezeichnungen, aber in jedem Fall einen klaren Auftrag hat, nämlich direkte Response zu generieren, weil es sonst unverkäuflich ist. Die Herausforderung liegt nun auf Einkaufsseite darin, möglichst viele Inventarquellen parallel anzuzapfen, um für Kampagnen performante Platzierungen zu finden, die einen fairen Cost per Action bieten. Andererseits ist der Publisher daran interessiert, ebenfalls möglichst viele Nachfrager für seinen Traffic einzubinden, um Wettbewerb und damit maximale Werbeerlöse zu generieren.

Nun können beide Seiten ihre Vorhaben manuell angehen oder aber Plattformen nutzen, die diese Aufgabe für sie übernehmen. Dynamisierung erfordert Automation und da stehen wir wohl noch ziemlich am Anfang, dennoch wird sich schon bald ein wesentlicher Anteil des Wachstums im Display-Advertising im Non-Premium-Segment abspielen. Das soll nicht heißen, dass reine Umfeldplatzierungen nicht auch ihren Anteil zum Wachstum beitragen können, aber auch hier wird die Nachfrage zunehmend anspruchsvoller. Das Nutzerprofil wird immer öfter bestimmen, wo eine Kampagne ausgeliefert wird. Die Medialeistung von Medienmarken bleibt zwar Rohstoff für Brandingkampagnen, wird aber auch nur mit den ensprechenden Daten zum echten Werbeprodukt.

Viel Spaß mit ADZINE!

Arne Schulze-Geißler
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PERFORMANCE MARKETING
von Jens von Rauchhaupt, Redaktion@adzine | ADZINE 22.04.2010

Dynamik im Performancemarketing

Jens von Rauchhaupt

Das Bieten auf jede einzelne AdImpression, kurz RTB (Realtime Bidding), wird das performancebasierte Display Advertising grundlegend verändern. Da sind sich die Fachleute einig. Doch warum scheint der Realtime-Aspekt eine so wichtige Rolle zu spielen und profitieren alle Marktteilnehmer in gleichem Maß von einem dynamischeren Werbegeschäft?

Ob bei Suchmaschinen, beim Adserving, der Webanalyse oder der Yield-Optimierung für Publisher: Mit Echtzeit beschäftigen sich derzeit viele Marktteilnehmer. Auch oder besser vor allem Agenturen, die mit Performancemarketing ihr Geld verdienen und im Auftrag der Advertiser performante Werbeplätze für deren Kampagnen einkaufen. Dabei wird die Arbeit der Agenturen immer technologiegetriebener. „Wir organisieren derzeit unsere ganzen Arbeitsplätze wieder um. Jetzt bekommt jeder Mediaplaner einen Kampagnenmanager sowie einen Softwareentwickler zur Seite gestellt“, erläutert Rüdiger Hartung, sichtlich zufrieden während unseres Besuches bei Performance Media an der ABC Straße in Hamburg.

Rüdiger Hartung, Performance Media

Der Diplomkaufmann Hartung leitet zusammen mit Christoph Schäfer die Geschäfte von Performance Media. Die Agentur zählt wie andere Agenturen für Performancemarketing sicherlich zu den Gewinnern des Krisenjahres 2009. 40 Mitarbeiter beschäftigen die Hamburger und es werden immer mehr. Natürlich gäbe es einen „riesigen Boost“ im Performancemarketing. „Wir stellen weiter ein, aber vor allem Softwareentwickler sind schwer zu bekommen“, berichtet Hartung.

Hier vom 7. Stock eröffnet sich dem Besucher ein faszinierender Blick über die Hamburger City. Den Google-Leuten im Nachbargebäude kann man quasi auf den Schreibtisch gucken. Das entbehrt nicht einer gewissen Komik. Gilt doch Google mit AdWords und AdSense als der Begründer des Auktionsmodells im Performancemarketing. Nun treiben Unternehmen wie Performance Media, Mexad, Quisma oder auch Mediascale bald den Einkauf von Medialeistung auf eine neue Stufe: das Bieten auf einzelne AdImpressions mithilfe von dynamischen Einkaufsystemen, den sogenannten Demand Side Plattformen, kurz DSP. Hier sorgen Algorithmen dafür, welche AdImpressions zu welchen Konditionen eingekauft werden. Im Wesentlichen entscheidet dabei die Performance eines Werbemittels auf einer bestimmten Platzierung über den Preis.

„Neben weiteren technischen Entwicklungen werden diese dynamischen Einkaufssysteme dazu führen, dass Online-Mediaagenturen mittelfristig mehr Softwareentwickler beschäftigen als Mediaplaner. Bei uns wird es schon Ende des Jahres so sein“, meint Christoph Schäfer, der in den letzten zwei Jahren große Veränderungen in der Branche festgestellt hat. Gründe dafür sind neben dem gestiegenen Kundenwunsch nach Performancemarketing auch der Aufstieg von Marktplätzen und Exchanges wie Right Media, Adjug, Adscale und Schaltplatz.de.

Sacha Berlik, Mexad

Sacha Berlik, Geschäftsführer von Mexad, dem ersten serviced DSP in Deutschland bindet relevante Trafficquellen wie Media-Exchanges über die eigene Plattform ein. Berlik definiert die Unterschiede zwischen Demand-Side-Plattform (DSP) und AdExchanges wie folgt: „Eine DSP aggregiert verschiedene AdExchange-Technologien & YieldManager (Pubmatic, etc.) in einer Plattform, ermöglicht somit den synchronisierten Zugriff auf verschiedene Technologien. Ist zusätzlich eine RTB (Real-Time-Bidding)-Technologie integriert, so ist auch ein direkter Anschluss von Publishern möglich. Aber unüblich. Eine AdExchange ist eine Auktionsplattform, welche das Inventar verschiedener Publisher aggregiert und dem Werbekunden auktionsbasiert Zugriff auf dieses ermöglicht, diese ist mehr und mehr auch RTB-fähig. Eine AdExchange ist aber kein DSP. Vielmehr aggregiert eine DSP verschiedene AdExchanges und Data-Provider. Zurzeit gibt es lediglich eine US-amerikanische Hybridtechnologie, welche sowohl Ad Exchange als auch DSP ist.“

Wer manuell bucht, zahlt mehr

Nun wollen die Performance-Agenturen dynamisch Media einkaufen, bald auch in einem echten Realtime-Bidding- (RTB) Verfahren. Das hat Zukunft. Laut Analysten von JP Morgan and Think Equity werden sich in Europa Mediakäufe auf dynamischen Exchange-Plattformen in den nächsten zwei Jahren vervierfachen. Man rechnet 2012 in Europa mit Spendings von ca. 800 Mio. Dollar.

Warum Realtime Bidding und DSP zunehmend Performancemarketing-Themen sind, erläutert Schäfer wie folgt: „Realtime-Bidding ist meines Erachtens ausschließlich ein Thema für Performancemarketing. Branding-Formate sind zumeist technisch zu aufwendig und werden vor allem im persönlichen Vertrieb verkauft, da oft die ‚gefühlte Leistung‘ relevant ist. Im Performancemarketing werden innerhalb der nächsten zwei Jahre über 50 Prozent der Medialeistung über technische Einkaufssysteme (Demand-Side Platforms) erfolgen. Die Realtime-Komponente ist eher ein Spezialthema, wichtiger sind die Systembasis sowie die Bidding-Systematik“, sagt Schäfer, der die Vorteile für die Angebots- und Nachfrageseite wie folgt beschreibt:

„Der Publisher wird in Zukunft unterschiedliche Demand-Side Platforms einbinden und gegeneinander laufen lassen, die TKP-Niveaus der einzelnen DSPs sind nicht stetig, sondern schwanken sehr stark, daher ist eine Realtime-Betrachtung für die Optimierung wichtig. Grundsätzlich wird mittelfristig ein guter Mediaeinkauf ohne DSPs kaum möglich sein, da ein Großteil der Medialeistung manuell zu den relevanten Grenzkosten schlicht nicht zugänglich sein wird. Sprich: Wer manuell bucht, zahlt mehr.“ Automatisierungen im Einkauf und in der Optimierung bieten aber auch den Publishern einen großen Vorteil: Sie benötigen weniger Personal bei der Vermarktung ihres Inventars.

Kein vollautomatischer Einkauf

Berlik betont aber, dass der Mediaeinkauf ohne manuelle Eingriffe und Optimierung auch in Zukunft nicht funktionieren wird. „Einen perfekten rein maschinellen Einkauf wird es nicht geben, da die Technik lediglich der prozessoptimierende Faktor ist.  Alle relevanten multinationalen AdExchanges und Yieldmanager arbeiten nach unterschiedlichen Einkaufskriterien und haben Stärken und Schwächen entweder in der Transparenz, dem Auktionsalgorhythmus, der Datenintegration oder der Publisherqualität.“

Welche AdExchange oder welche Kombination der AdExchanges die Richtige ist, hängt laut Berlik einzig und allein vom Kampagnenziel ab. „Der Glaube, dass eine DSP eine Agentur oder einen Werbetreibenden in die Lage versetzt, sinnvoll auf verschiedene Ad Exchanges zuzugreifen ist eine Illusion. Für den Einsatz einer DSP wird das Wissen über die Publisherqualität und technischen Möglichkeiten aller an die DSP angeschlossenen Ad Exchanges benötigt. Die Bedienung einer DSP ist vergleichbar mit der Bedienung von Tools welche von SEM-Agenturen intern genutzt werden. Sie vereinfachen die Prozesse, erübrigen aber nicht den Diensteleister diese Tools zu bedienen.“ 

Christoph Schäfer, Performance Media

TKP Abrechnungsbasis

Das nicht nur für Außenstehende Verwirrende: Beim Realtime-Bidding im Performancemarketing geht es zwischen Angebotsseite und Nachfrageseite um zwei verschiedene Zielgrößen beziehungsweise Währungen. Der Einkäufer möchte einen möglichst niedrigen CPX zahlen, der Publisher den höchsten effektiven TKP erlangen. Worauf wird also in einem solchen dynamischen System geboten? „Für den Einkauf ist der TKP relevant, da dieser die Auslieferung determiniert.“ So kann also ein zu niedrig eingestelltes TKP-Niveau aufseiten der Agentur dazu führen, dass ein Werbemittel nicht mehr ausgeliefert wird. „Daher wird häufig der TKP im auslieferungsrelevanten Bereich gehalten, damit der CPX – die entscheidende Zielgröße des Kunden – ebenfalls im relevanten Bereich bleibt. Bei CPX-Vergütung bedarf es zum Teil recht umfangreicher Tests, um ein statistisch signifikantes TKP-Niveau messen zu können“, erläutert Schäfer. Es müssen also Vorhersagen über die Performance des Inventars gemacht werden, ansonsten ist die Preisbestimmung auf TKP Basis von Einkäuferseite nicht möglich.

AdImpressions ein knappes Gut?

AdImpressions sind – anders als bspw. der erste Platz im Google-Ranking einer Suchanzeige – nun nicht gerade ein knappes Gut. Wie kann also ein Auktionsmodell im Display Advertising überhaupt funktionieren? Hier widerspricht Schäfer: „Traffic mit guten Conversions über unterschiedliche Produkte ist durchaus knapp. So gesehen funktionieren schon heute TKP-basierte Auktionsmodelle sehr gut. Im Prinzip handelt es sich ja bei jeder technischen TKP-Optimierung inhaltlich um ein Auktionsmodell. Dies ist im Markt auf Adserver-Basis bereits im breiten Einsatz.“

Jens von Rauchhaupt
jvr@adzine.de
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SEARCH ENGINE ADVERTISING
von Rupert Turner, Redaktion | ADZINE 22.04.2010

Kein Erbarmen

Search Engine Advertising hat viele Stärken, je nach Kommunikationsziel aber auch natürliche Grenzen. Zu den großen Nachteilen der bezahlten Suchanzeigen zählt begrenztes Suchvolumen. Gerade für Unternehmen, die ihre Marken in großen Märkten positionieren müssen, sind die Möglichkeiten des Search-Marketings zum Markenaufbau limitiert. Dennoch bieten sich immer wieder Chancen, die eigenen Produkte bei einer unerwartet großen Audience in Stellung zu bringen, wenn auch nicht immer von langer Hand planbar.

Martin Hubert, eProfessional

Aktuelle Ereignisse können das Volumen von Suchanfragen für geeignete Themenfelder kurzfristig stark in die Höhe treiben. „In dem Moment, wo eine bestimmte Eigenschaft oder Thematik in der Aufmerksamkeit der Öffentlichkeit steht, sollte diese neue Sensibilität und vielleicht auch das gesteigerte Suchvolumen genutzt werden, denn das Feature meines Produkts ist plötzlich ein echter Mehrwert“, erklärt Martin Hubert, Geschäftsführer eprofessional GmbH. Denn es gilt eine offensichtliche Regel: Gesucht wird das, was in den Medien thematisiert wird.


Besonders attraktiv können dabei natürlich auch Negativereignisse bei der Konkurrenz sein, die gerade in den Medien Schlagzeilen machen. Ein gutes Beispiel sind die andauernden Meldungen über technische Probleme bei Toyota, die Auslöser für mehrere Rückrufaktionen waren. Aufgrund der weltweiten Medienpräsenz der Vorkommnisse bei Toyota, erfolgen entsprechend auch Suchanfragen zum Thema.

„Wenn der Wettbewerber einen Fehler macht, kann man dieses Aufmerksamkeitsfenster nutzen und den eigenen Vorteil gesondert betonen. Wenn zum Beispiel die Konsumenten aufgrund der Rückrufaktion von Toyota verstärkt auf sichere Bremsen achten, sollte dies auch in meine Adtexte einfließen. Wichtig ist aber, dass man selbst in diesem Fall 100 % ‚sauber‘ ist. Sonst wird daraus schnell ein Bumerang“, erläutert Hubert.

Branchenkollege Thomas Vogt, Geschäftsführer der Performance-Marketing-Agentur Adtraffic, hat auch kein Erbarmen mit der Konkurrenz, wenn es dem eigenen Kunden Pluspunkte einbringt, so setzte er unmittelbar während des Bekanntwerdens eines längeren Netzausfalls bei T-Mobile eine SEM-Kampagne für den Kunden E-Plus um.

„Wenn sich ein Konkurrent unseres Kunden so einen Fauxpas leistet, lassen wir uns die Chance auch in Zukunft nicht entgehen, die Situation für uns auszunutzen“, sagt Vogt und hat zugleich auch eine unausgesprochene Erklärung für seinen eigenen T-Mobile Vertrag, schließlich muss man ja auf dem Laufenden sein, wenn bei der Konkurrenz die Lichter ausgehen.

Welche Keywords?

Nun geht es ja im Wesentlichen darum, in den schwachen Momenten des Wettbewerbers selbst zur Stelle zu sein und die eigenen Stärken im thematischen Umfeld zu unterstreichen. Allerdings ist nach wie vor nicht alles erlaubt, was evtl. gefallen würde. Zudem gibt es möglicherweise auch moralische und geschmackliche Grenzen hinsichtlich der Ausbeutung der Ereignisse bei der Konkurrenz. Ein Flugzeugabsturz ist sicher nicht der beste Anlass, sich als konkurrierende Airline zu positionieren und mit den eigenen Sicherheitsstandards zu werben. Dennoch gibt es natürlich weniger klare Abgrenzungsfragen beispielsweise bei der Wahl der zu buchenden Keywords. Wie sieht es denn, um das Toyota-Beispiel nochmals aufzugreifen, mit einer Keywordkombination wie „Prius Bremsen“ oder „Toyota Rückruf“ aus?


„Solange die Rechtslage bei der Buchung von Markenbegriffen des Wettbewerbers unklar bleibt, sollte man sich von der Buchung fremder Marken als Keyword fernhalten, um Abmahnungen zu vermeiden. Wenn ich Toyota wäre, würde ich in solchen Situationen rasch eine Markenbeschwerde bei Google anstreben, um die Verwendung des markenrechtlich geschützten Begriffs nur mir als Markeninhaber (und ggf. ausgewählten Vertriebspartnern) zu gestatten und vorzubeugen, dass Wettbewerber die Situation ausnutzen“, beantwortet Hubert die Frage.

Tobias Kiessling, intelliAd

Auch Tobias Kiessling, CTO intelliAd Media GmbH, mahnt bei der Keyword-Auswahl zur Vorsicht, bzw. man solle sich der Risiken bewusst sein: „Noch ist es zumindest in Deutschland nicht erlaubt, im Anzeigentext fremde Marken zu nutzen oder diese als Keyword direkt einzubuchen. Die Grundsatzentscheidung des EuGH zu Letzterem steht noch aus.“

 Daher gibt Kiessling den Tipp: „Bucht man allerdings generische Keywords wie ‚Bremsen’ bei Google im Broadmatch ein, ist die Wahrscheinlichkeit hoch, dass man damit auch im entsprechenden Themenumfeld erscheint. Hier lohnt sich eine zeitnahe Auswertung der tatsächlichen Suchanfragen zu den Keywords, um schlechte Keywords ggf. auszuschließen. Auch hier ist jedoch gewisse Vorsicht geboten. Um aktuellste Ereignisse gewinnbringend auszunutzen, reicht es oft schon aus, wenige Stunden geschaltet zu werden. Die Entscheidung, einen Markenrechtsverstoß mit Unterlassungserklärung zu riskieren und damit zu leben, muss also jeder für sich selbst entscheiden.“

Thomas Vogt hat daher bei seiner Anti-Netzausfall-Guerilla-Kampagne aus eben diesen rechtlichen Gründen auf die Markennennung von T-Mobile verzichtet. „Jeder wusste, wer gemeint ist“, kommentiert Vogt. So buchte Adtraffic für E-Plus Keywords wie Netzausfall, Netzstörung, Handynetz Ausfall, Handy Ausfall und andere aus diesem Umfeld. „Insgesamt haben wir knapp 100 Begriffe in den Matching-Optionen ‚Exact’, ‚Broad’ und ‚Phrase’ eingebucht, sowohl im Suchnetzwerk von Google als auch im Content-Netzwerk.“

Gebucht, aber nichts zu sehen

Bei der E-Plus-Kampagne scheint es funktioniert zu haben, so soll sie 7.500 Mal angezeigt worden sein mit einer Klickrate von etwa sechs Prozent. Was ist aber los, wenn man eine Kampagne mit günstigen Keywords gelauncht hat, die sonst eigentlich keiner bucht, und in den Suchmaschinenergebnissen ist nichts zu sehen. In der Theorie dürfte eine solche Kampagne ja nicht viel kosten, wenn die Nachfrage den Preis regelt, wie es bei Auktionen der Fall sein sollte.

Offensichtlich haben wir etwas übersehen. Tobias Kiessling weiß Rat, er erklärt, dass hier etwas Geschick erforderlich sei. „Grundsätzlich können Wettbewerber das üblicherweise hohe Suchvolumen, z.B. bei einer Rückrufaktion, zu sehr günstigen Klickpreisen einkaufen. Denn es gibt kaum Wettbewerb, außer vielleicht noch ein paar andere Konkurrenten. Mit den niedrigen Klickpreisen kompensiert man die üblicherweise schlechtere Conversionrate dieser Guerilla-Kampagnen. Doch Google steuert über den Mindest-CPC (auch Mindestgebot oder First Page CPC), ob eine Anzeige auch wirklich ausgeliefert wird. Dieser Wert richtet sich in der Praxis neben der Relevanz (Anzeige, Landingpage, Keyword) insbesondere nach CTR- und Konkurrenzsituation.

Grundsätzlich sollten die geschalteten Anzeigen also eine möglichst hohe CTR anstreben. Dies führt zu einem geringeren First Page CPC. Jedoch sieht man für Keywords mit wenig Konkurrenz in der Praxis häufig Fälle, wo bei konstanter CTR das Mindestgebot schlagartig von 15 Cent auf 80 Cent steigt. Google stellt den Werbungtreibenden somit mehr oder weniger willkürlich vor die Wahl, entweder die teuren 80 Cent pro Klick zu zahlen oder nicht mehr angezeigt zu werden. Daher sollten Unternehmen auf jeden Fall darauf achten, dass die Anzeigentexte gut passen und so die CTR möglichst hoch ist.“

Schnell sein

Vor allem gilt aber eines bei jeder Nutzung aktueller Ereignisse für die eignen Search–Marketing-Aktivitäten, man muss schnell sein. Erstens sollte man geeignete Ereignisse möglichst sofort erkennen und des Weiteren auch schnell Maßnahmen umsetzen können.

Hubert rät daher dazu, das Ungeplante zum Normalfall zu erklären, und gibt das Motto aus: „Flexibel sein und sofort reagieren, um den Peak an Suchanfragen mitzunehmen. Daher sollten tagesaktuelle Promotions eingeplant werden. Das machen einige Newsportale sehr erfolgreich: Als das Baby von Boris Becker auf der Welt war, sind sofort entsprechende Adwords der Celebrity-Magazine live gegangen und boten dem User die gesuchten Infos brandaktuell.“ Der Krisenfall im Search-Marketing lässt sich nicht nur bei der Klatschpresse institutionalisieren, sondern ist natürlich auch in jeder anderen Branche trainierbar.

Denn „Unternehmen müssen schnell sein. Das Suchvolumen nach einem Event steigt meist innerhalb von Stunden oder Minuten an, ebbt dann sehr schnell wieder ab“, unterstreicht Kiessling die Notwendigkeit zum schnellen und entschlossenen Handeln. Ohne eine gewisse Vorbereitung sowohl auf der Seite des Kunden als auch der der Agentur ist das wohl kaum zu machen.

Wenn die eigene Hütte brennt

Das Aufsetzen eines Standardprozederes für kurzfristige Ereignisse kommt auch der Unternehmenskommunikation sehr zugute, denn es kann ja auch einmal das eigene Unternehmen unter Beschuss geraten und in die Negativschlagzeilen kommen. Je nach Unternehmen sollte man entsprechend für solche Eventualitäten gerüstet sein, meint Kiessling: „Krisenanfällige Unternehmen wie z.B. Fluglinien sollten entsprechende Kampagnen und Landingpages vorbereitet haben. Sofort nach einem ‚Event’ explodiert das Suchvolumen bei Google. Und Informationen direkt vom Hersteller oder Betreiber sind genau das, was die User dann suchen. Unternehmen sollten sich die Informationshoheit in diesem Kanal nicht von Konkurrenten oder Medien wegnehmen lassen.

SEM ist hierbei wesentlich flexibler als SEO.“ Hubert fügt hinzu: „Wie in der PR sollte Krisenkommunikation auch für Search aktiv vorausplant werden. Vor allem gehört ein Verantwortlicher aus dem Bereich Search in das Krisenkommunikationsteam! Denn die ‚akute’ Recherche der Kunden zu Krisenthemen findet bei Google & Co. statt. Es muss möglich sein, innerhalb kürzester Zeit Landingpages mit Informationen für Betroffene online zu haben, die man dann u.a. über Suchwortanzeigen bekannt macht bzw. die infosuchenden Verbraucher direkt dorthin lenkt. Tipp: Um Klicks und damit Kosten zu sparen, könnte man die Telefonnummer der Sonderhotline direkt in den Anzeigentext aufnehmen. So ist das Unternehmen in der Suche direkt mit seiner Hotline-Nummer sichtbar – quasi kostenlos.“

Fazit

Nicht planbaren Ereignissen kann man durchaus vorbereitet begegnen. Denn im Rahmen der eigenen Search-Marketing-Maßnahmen lässt sich zumindest für die Suchanfragen in den Suchmaschinen zu aktuellen Geschehnissen schnell eine adäquate Antwort finden. Alle kommunizierenden Unternehmensteile können davon profitieren, wenn für den Fall der Fälle ein eingespielter Prozess existiert.

Rupert Turner
redaktion@adzine
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27.10.2010  -  28.10.2010

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