Online-Marketing Newsletter: AUSGABE 11 / 2010 | 26.03.2010 - ADZINE - Magzin für Online-Marketing
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   AUSGABE 11 / 2010 | 26.03.2010

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EDITORIAL
von Arne Schulze-Geißler, Editor | ADZINE 26.03.2010

Immer neue Baustellen

Arne Schulze-Geißler

Am Dienstag und Mittwoch dieser Woche trafen sich rund 850 Online-Marketer und Branchenexperten zur Search Marketing Expo (SMX) und Webanalyse-Konferenz eMetrics in München. Dabei ging es im Kern um Antworten auf zwei Fragen. Wie lenkt man möglichst viel Aufmerksamkeit und Traffic aus den Suchmaschinen auf die eigene Seite und zweitens wie bringt man den Besucher auf der Seite auch noch dazu, das zu tun, was man von Kunden erwartet.

Online-Marketer stehen heute mehr denn je vor der Herausforderung, ihre Ressourcen dort einzusetzen, wo es auch Sinn macht. Search-Marketing macht ja grundsätzlich viel Sinn, das steht außer Frage, allerdings wächst das Betätigungsfeld Suchmaschine unaufhörlich, sodass es nicht immer ganz klar ist, welcher Aufwand früher oder später auch Erlöse verspricht. Beispielsweise wird bei der Suchmaschinenoptimierung meist an mehreren Fronten gleichzeitig gearbeitet: Linkbuilding, Content, Seitenstruktur, Crawlability etc. Welche Veränderungen nun für wie viele zusätzliche Besucher gesorgt hat, das bleibt oft ein Rätselraten. Selbst langjährige Profis können nur zu sehr wenigen Fragen eindeutige Antworten liefern und verweisen wohl zu Recht immer wieder auf die entscheidenden Basics der Seitenarchitektur, des Contents und des Linkaufbaus.

Besonders evident ist die Weiterentwicklung der Suche bei der Betrachtung von Googles organischen Ergebnissen, die sich mittlerweile aus einer Vielzahl von Segmentergebnissen speisen: News, Maps, Blogs, Produkte, neueste Ergebnisse, Videos und Bilder.

Quelle: Google, Universal Search: Suchergebnisse für "i phone"


So finden sich möglicherweise einmal gut gerankte Unternehmen heute auf der zweiten und dritten Seite der organischen Ergebnislisten. Aus Sicht der Suchmaschinenbetreiber hat das natürlich den schönen Nebeneffekt, dass trafficverwöhnte Unternehmen auf Paid Search setzen müssten, wenn sie denn auch weiterhin die erste Seite für die von ihnen angestrebten Schlüsselbegriffe belegen wollen. Die Alternative ist natürlich, sich auch mit den einzelnen Segmenten der organischen Suche eingehend zu befassen. Ich habe mir bei der SMX die Doppelsession zum Thema SEO für Universal und Blended Search am Mittwoch in München angeschaut, die mir einen Überblick über die einzelnen Segmente vermittelte, allerdings wird es für die meisten Marketer nicht möglich sein, sich mit allen Themen in aller Tiefe und Breite auseinanderzusetzen. Visuelle Anreize wie Bilder und ein Videovorschaufenster sollten dabei eine hohe Prorität haben, da sie nachweislich in hohem Maße zum Durchklicken animieren.

Auch zum Themenfeld Paid Search gab es natürlich einigen Input und ein paar Hinweise, auf die man seine SEM-Agentur mal ansprechen könnte. Auch hier gibt es nicht immer nur eine Meinung. Während man beispielsweise aus der einen Ecke von der Kraft des Longtails hört, meinen andere Eingeweihte, dass der Longtail, wenn er denn zu „long“ wird, einfach nur noch Aufwand bedeutet, der nur schwer zu rechtfertigen sei. Ich habe das Gefühl, dass die Anbieter von Bidmanagement-Software den Longtail gern als Argument für ihre Systeme nutzen, dagegen sind SEM-Agenturen eher geneigt, den Keywordschwanz rechtzeitig abzuschneiden und sich auf die Optimierung der wesentlichen Keywords mit den dazugehörigen Landing Pages zu konzentrieren. Denn „entscheidend is aufm Platz“, wenn man mal diese alte Fußballweisheit von Adi Preißler bemühen möchte, sie gilt auch für Websites. Man kann auf der Website seine gesamten Anstrengungen aus SEO und SEM wieder zunichte machen, wenn man es dort vermasselt. Daher sollte man durch Analyse und Testing den Kunden in die Optimierung der Seite einfach mit einbinden. Ich gebe zu, das Ganze sieht in Vorträgen immer so simpel aus, da man schon vorgefertigte Zahlenreihen und Charts präsentiert bekommt, die meist nur einen Schluss zulassen. Die Herausforderung scheint wirklich zu sein, sich eine permanente Analyse- und Testumgebung für seine eigenen Seiten zu schaffen, bei der man nicht jedesmal ein aufwendiges Set-up für Einzeltests hat, sondern der Testfall zum Normalfall wird.

Ich bin mir ziemlich sicher, dass kaum jemand mit der großen Erleuchtung von der SMX nach Hause gefahren ist, aber sicher mit vielen Anregungen, neuen Kontakten und einer Vielzahl neuer potenzieller Baustellen. Und damit hat die Veranstaltung genau das geleistet, was eine große Konferenz leisten kann, sie hat die Themenvielfalt des Search-Marketings abgebildet. Die Einzelteile zusammensetzen muss allerdings schon noch jeder selbst. Werbungtreibende Unternehmen müssen daher zunehmend eigenes Search-Marketing-Know-how aufbauen, damit sie überhaupt in der Lage sind, Potenziale zu erkennen und die Bedürfnisse zu definieren, sowie natürlich die externen SEO- wie auch SEM-Dienstleister zu steuern und deren Job zu hinterfragen.  

Von der eMetrics berichtet Jens von Rauchhaupt, aber vorab noch eine schnelle Einschätzung von Dr. Martin Schirmbacher zum EuGH-Urteil zum Bieten auf Marken-Keywords im SEM. Das Urteil wurde zeitgleich zur SMX am Dienstagabend veröffentlicht.

Viel Spaß mit Adzine!

Arne Schulze-Geißler
asg@adzine.de
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Oridian - Open The World
SEM
von Dr. Martin Schirmbacher, HÄRTING Rechtsanwälte | ADZINE 26.03.2010

EuGH: Google darf fremde Marken in AdWords zulassen – Markenrechtsverletzung sind aber dennoch denkbar

Dr. Martin Schirmbacher

Selten ist in der SEM-Szene ein Gerichtsurteil mit so viel Spannung erwartet worden, wie das am Dienstag veröffentlichte Urteil des Europäischen Gerichtshofs (EuGH). Letztlich ist aber herausgekommen, was von Experten erwartet worden war. Der EuGH hat entschieden, dass Google keine Markenrechtsverletzung begeht, wenn es die Nutzung fremder Marken in seinem AdWords-System zulässt (Az. C-236/08 bis 238/08).

Allerdings lassen die Richter den Markeninhabern ein Hintertürchen offen: Im Einzelfall könne nämlich dennoch eine Beeinträchtigung der „herkunftsweisenden Funktion der Marke“ vorliegen. Darüber, wie weit das Türchen offen steht, scheint es schon wieder mehrere Meinungen zu geben.

Doch der Reihe nach: In dem zugrunde liegenden Fall gingen mehrere Markeninhaber gegen Google vor, weil Google zuließ, dass gezielt AdWords-Werbeanzeigen eingeblendet wurden, wenn Nutzer in das Google-Suchfeld einen Markennamen eingaben. Einer der Kläger war der Inhaber der Marke Louis Vuitton, der sich dagegen wandte, dass bei Eingabe des Markennamens in die Google-Suche eine Anzeige für eine Website erschien, unter der Plagiate von Louis-Vuitton-Produkten angeboten wurden. Verklagt wurde also nicht der Betreiber der Website, sondern Google als der Anbieter des AdWords-Dienstes. Der Ausgangsstreit spielt vor französischen Gerichten. Das vorlegende Gericht war der Cour de Cassation in Paris.

Die Klage gegen Google blieb ohne Erfolg. Der EuGH hat geurteilt, dass Google die Marke selbst nicht im geschäftlichen Verkehr nutze, sondern allenfalls Dritten (nämlich den Google-Kunden) die Verwendung des Markenbegriffs gestatte. Dies reiche nicht für eine Rechtsverletzung durch Google selbst. Ob Google für mögliche Rechtsverletzungen seiner Kunden hafte, sollten die Gerichte der Mitgliedstaaten, in dem Fall also Frankreich, klären. Die Chancen hierfür stehen aus Sicht der Markeninhaber aber nicht besonders gut, weil zugunsten von Google auch die Hostprovider-Privilegierung der E-Commerce-Richtlinie stünde. Dies gelte jedenfalls dann, wenn – wiederum beurteilt nach nationalem Recht – der Dienst rein technischer, automatischer und passiver Art ist und der Anbieter weder Kenntnis noch Kontrolle über die weitergeleitete oder gespeicherte Information besitzt.

Nicht aus der Schusslinie sind damit aber die Werbetreibenden, die auf die fremden Marken buchen. Hier stellt der EuGH zunächst fest, dass in der Verwendung der Marke als Keyword durch den Werbetreibenden eine Benutzung der Marke für Waren oder Dienstleistungen im Sinne der Europäischen Markenrechtsrichtlinie liege. Daran ändere auch die Tatsache nichts, dass die Verwendung der Marke für den Internetnutzer nicht unmittelbar sichtbar sei.

Eine Rechtsverletzung durch die Werbetreibenden komme jedoch nur in Betracht, wenn durch die Nutzung der Marke eine wesentliche Funktion derselben beeinträchtigt werde. Dies sei jedoch nur der Fall, wenn „aus der Anzeige für einen normal informierten und angemessen aufmerksamen Internetnutzer nicht oder nur schwer zu erkennen ist, ob die in der Anzeige beworbenen Waren oder Dienstleistungen von dem Inhaber der Marke … oder vielmehr von einem Dritten stammen.“ Dies zu entscheiden, sei Sache der nationalen Gerichte.

Bemerkenswert ist dabei das Argument des EuGH, der Markeninhaber habe es ja in der Hand, in der organischen Suche ganz nach oben zu gelangen, um einen Kontrapunkt zu den Anzeigen zu setzen. In bemerkenswert naiver Weise führt der EuGH ins Feld, dass sich „die Reihenfolge der natürlichen Suchergebnisse nach der Relevanz der jeweiligen Websites in Bezug auf das vom Internetnutzer eingegebene Suchwort bestimmt“. Außerdem erscheine „die Homepage und Werbe-Website des Inhabers dieser Marke in der Liste der natürlichen Ergebnisse … normalerweise an einer der vordersten Stellen dieser Liste“. Offenbar ist dem EuGH nicht mitgeteilt worden, dass dies bei Weitem nicht selbstverständlich ist und sich ganze Konferenzen mit der Optimierung von Websites für die Google-Suche beschäftigen.  

Wer mit fremden Marken werben will, muss also durch die Gestaltung der Anzeige oder auf andere Weise deutlich machen, dass die von ihm angebotenen Waren oder Dienstleistungen nicht im Zusammenhang mit dem eingegebenen Keyword stehen, sondern gegebenenfalls ein Konkurrenzprodukt sind. Ob darauf tatsächlich in der Anzeige hingewiesen werden muss oder sich das auch aus den Umständen ergeben kann, lässt der EuGH offen. Vieles spricht für Letzteres. Erscheint die als Keyword gebuchte fremde Marke nicht im Anzeigentext und ist auch eine anderweitige Verbindung nicht herstellbar, spricht alles dafür, dass in die Herkunftsfunktion der Marke nicht eingegriffen wird. Der EuGH erwähnt die deutliche Trennung zwischen organischer Suche und Werbeanzeigen nur am Rande. Hier dürfte jedoch ein entscheidender Punkt liegen. Ist die Trennung für jedermann sichtbar, liegt eine gedankliche Verbindung zwischen dem Markeninhaber und den von dem Wettbewerber beworbenen Produkten fern.

Zulässig ist daher nach dem EuGH Urteil die Buchung fremder Marken als Keyword, wenn jeder Eindruck einer Verbindung zum Markeninhaber vermieden wird. Taucht die Marke in der Anzeige nicht auf und muss der User auch sonst nicht annehmen, dass die beworbenen Waren oder Dienstleistungen von dem Markeninhaber stammen, ist die Werbung markenrechtlich zulässig.

Unzulässig ist demgegenüber eine Werbung, wenn bei dem unbefangenen Publikum den Eindruck entsteht, es werde für Produkte geworben, die von dem Markeninhaber stammen. Danach hat Louis Vuitton natürlich gute Chancen, gegen den Plagiator und seine Website vorzugehen. Auch Shops, die die Marke nicht selbst führen, aber im Anzeigentext damit werben, handeln markenrechtswidrig, weil der Nutzer annehmen wird, dass eine Verbindung zwischen Marke und Werbenden dahingehend besteht, dass der Shop eben jene Marke im Angebot hat.

Neben den markenrechtlichen Ansprüchen bestehen in einigen Konstellationen auch wettbewerbsrechtliche Möglichkeiten, gegen den Werbenden vorzugehen. Wird etwa gezielt eine Domain als Keyword gebucht, liegt es nahe, eine wettbewerbswidrige Behinderung anzunehmen.

Noch sind vier weitere Verfahren beim EuGH zur Entscheidung anhängig. Große Überraschungen sind dabei nicht zu erwarten. Das Hintertürchen für die Markeninhaber scheint insgesamt nur einen Spalt breit offen zu sein, weil nur klare Verstöße sicher zu verfolgen sind. Konkurrenten, die auf die fremde Marke buchen und dabei jeden Eindruck einer Zusammengehörigkeit mit dem Markeninhaber vermeiden, sind in Zukunft auf der sicheren Seite.

Dr. Martin Schirmbacher
schirmbacher@haerting.de
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WEB ANALYTICS
von Jens von Rauchhaupt, Redaktion | ADZINE 26.03.2010

eMetrics 2010: viel Social Media

Jens von Rauchhaupt

850 Fachleute für Search-Marketing und Web Analytics (Web Controlling) fanden sich bei schönstem Frühlingswetter auf den gemeinsam veranstalteten Fachkongressen SMX und eMetrics in München ein. Das sind 250 Teilnehmer mehr als im Jahr zuvor. In den Kongressräumen der eMetrics war spürbar mehr los als noch 2009. Dabei nahm Social Media einen Schwerpunkt auf der eMetrics ein.

Vielleicht erinnern Sie sich: „The Internet sucks“, sagte Jim Sterne, weltweite Gallionsfigur für Web Analytics, Buchautor und WAA (Web Analytics Association) Präsident noch 2007 auf der eMetrics in Düsseldorf und äußerte damit seinen Unmut darüber, dass es dem User zu schwer gemacht werde, auf den Webseiten das zu finden, was er wirklich sucht. Inzwischen sei das Netz weit weniger „sucky“, wie Sterne meint. „In den letzten drei Jahren haben die Unternehmen sehr viel Geld investiert. Immer mehr Firmen haben den Wert und die Vorteile des Internets für sich entdeckt und verbessern auch mithilfe der Web Analytics ihre Websites.“ Sterne macht aber eine weitere Entwicklung für den Fortschritts der Websites und damit des Internets verantwortlich: Social Media.

Jim Sterne, WAA Präsident

Social Media als Trafficquelle

„Fehlerhafte Websites machen inzwischen so schnell die Runde. Das zwingt die Unternehmen dazu, ihren Internetauftritt zu verbessern“, sagt Sterne. Für ihn ist Social Media eine weitere Evolutionsstufe der menschlichen Kommunikation. „Social Media ist ein Game Changer, auch für Unternehmen. Eine Marke ist für mich nicht mehr das, was sie über sich selbst sagt, sondern das, was meine Freunde darüber berichten“, und verweist auf das jüngste PR-Desaster von Nestlé auf Facebook. Für Sterne müssen die Unternehmen das Thema Social Media in mehrfacher Hinsicht adressieren.

„Social Networks und Social Media sind für die Unternehmen neue Trafficquellen. Über die eigene Web-Analyse kann ich als Unternehmen genau erkennen, ob die Besucher zum Beispiel von der Facebook Fan Page oder von Twitter kommen und lernen, wie man noch mehr Traffic von diesen Quellen erhält.“ Besonders vorteilhaft ist es natürlich für Unternehmen, die bereits ein Web-Analysetool nutzen, das auch mit Facebook zusammenarbeitet. „Wenn ich also als Unternehmen bereits ein Web-Analysetool nutze, dass auch mit Facebook zusammenarbeitet, dann erhält das Unternehmen wertvolle Zusatzinformationen. Mithilfe der Social Networks kann ich also meinen Content im Netz verbreiten und zudem meine Web-Analytics-Fähigkeiten außerhalb des eigenen Webauftritts auf die Social Networks ausweiten.“

Richtig zuhören

Der zweite Punkt, den Sterne für den Unternehmenseinsatz auf den Social Media Sites anführt, ist, dass die Unternehmen oder Marken dort den Usern zuhören sollten, was über sie gesagt wird. „Wenn dann ein einzelner Angestellter, wie im Fall von Nestlé, sich dazu entscheidet, das Brand Book auf Facebook übertragen zu wollen und negative Äußerungen über das Unternehmen sowie die Nutzung eines veränderten Nestlé-Markenlogos untersagt, dann ist das ‚bizarrely stupid‘. Nun rufen zigtausend Fans dazu auf, Nestlé-Produkte zu boykottieren. Noch mal: Social Media und Social Networks haben die Welt verändert, bleibt zu hoffen, dass Nestlé die Lektion gelernt hat.“ Wäre es also für einige Unternehmen dann nicht besser, überhaupt nicht in Facebook und anderen Social Networks einzusteigen? „Nein“, sagt Sterne. „Erstens sind Social Networks als Trafficquelle zu wichtig. Außerdem muss man als Unternehmen lernen, richtig zuzuhören, was vielleicht auch für Toyota hilfreich gewesen wäre, bevor das ganze Beschleunigungsproblem von der Presse ausgeschlachtet wurde. Ich kenne ein Gegenbeispiel, wo ein Textanalysefirma Ford vor einem ähnlichen Fiasko bewahren konnte.“

E-Commerce sollte bei Social Media nicht übertreiben

Beim Anwendervortrag „Voice of the customer“ von Gernot Knofs vom Erlebnisgeschenkplattform mydays.de ging es ebenfalls ums Zuhören. Freilich außerhalb eines Social Networks oder Social Media. Trotzdem war es interessant zu verfolgen, wie das Unternehmen seinen Seitenrelaunch gemeinsam mit seinen Usern im Wege einer Zufriedenheitsanalyse bewerkstelligte. Auch das ist ein typisches Einsatzgebiet der Web Analytics. Zum Thema Social Media Controlling befragte der eMetrics-Moderator Ossi Urchs den erfahrenen E-Commerce-Experten Patrick Palombo, Geschäftsführer Handels- & eCommerce Consulting.

Hintergrund war sicherlich die neue Web-2.0-Plattform der Otto-Tochter Smatch.com, die Stefan Wolk, Leiter Marketing und Produktentwicklung smatch.com, am ersten Kongresstag vorgestellt hatte. „Neukundengewinnung über Social Networks ist ein Muss und als Kundenbindungsinstrument ebenso wirkungsvoll.“ Auf der anderen Seite ist Palombo der Auffassung, dass viele E-Commerce-Unternehmen im Hinblick auf Social Media den Bogen überspannen. „Tendenzen der User müssen natürlich ernst genommen werden, man darf aber nicht alles dem User überlassen. Der Versandhandel sollte auch im Internet die unternehmerische Kontrolle behalten.“

Datenschützer Peter Schaar

Datenschutzdiskussion durfte nicht fehlen

Wenig überraschend verlief der Auftritt von Peter Schaar, Bundesbeauftragter für den Datenschutz und die Informationsfreiheit, der noch einmal die Auffassung des Düsseldorfer Kreises über den Personenbezug von IP-Adressen und Cookies erläuterte. Zuvor hatten sich einige Web-Analyse-Anbieter schon Sorgen über Schaars Auftritt gemacht. Schaar ist der Auffassung, dass gespeicherte Cookies durch Zusammenführung mit anderen Daten einen Personenbezug herstellen können und daher das automatische Setzen von Cookies gegen die informelle Selbstbestimmung der Internetnutzer verstoßen würde. Daher sei er der Auffassung, dass der nationale Gesetzgeber die neue EU-Richtlinie so umsetzen muss, dass das Setzen eines persistenten Cookies die generelle Einwilligung des Users erfordert. Hier scheint allerdings fraglich, wie die EU-Richtlinie diesbezüglich überhaupt zu verstehen ist, die eine technische Einwilligung durch die Voreinstellung im Browser eigentlich erlaubt. Mit der Frage, ob ein voreingestelltes Browser-Opt-in für Tracking Cookies also datenschutzkonform ist, werden sich wohl noch viele Juristen herumschlagen.

Auch für Jim Sterne ist Datenschutz ist ein sehr wichtiges Thema. „In vergangener Zeit ging man in den USA viel zu lax mit diesem Thema um. Die beste Lösung für das Marketing ist auch nach meiner Ansicht ein Opt-in. Allerdings nicht generell für Cookies in der Form, dass ich bei jeder Webseite, die ich gern nutze, immer wieder einen Opt-in für den Cookie vollziehen muss. Das ist zu umständlich. Wenn ein Unternehmen einen User auf der Webseite tracke, weiß es nicht, wer der User ist. Dafür benötige ich also keinen Opt-in. Erst, wenn der User etwa einen Newsletter bestellt oder ein Buch kauft und seine Kreditkartennummer hinterlässt, ändert sich das.“ Für Jim Sterne sind Cookies noch immer das beste Mittel der Web Analytics: „Web Analytics funktioniert ohne Cookies nicht besonders gut. Es muss immer eine Technologie geben, die das Klickverhalten auf der Webseite verfolgen (tracken) kann. Ich muss als Unternehmen nicht wissen, wer der User ist, ich muss nur wissen, welche Sites und welche Inhalte er schon gesehen hat. Cookies sind dafür die einfachste und beste Wahl.“

Christian Bennefeld, Geschäftsführer von eTracker, sieht das nicht so drastisch: „Wir brauchen nicht zwangsläufig Cookies zum Tracken der Besucherströme auf den Websites. Cookieless Tracking ist möglich. Wir können die User über 60 verschiedene technische Merkmale tracken.“. Vielleicht wird zum Thema Cookies bald Matthias Bettag, der neue Vorsitzende der WAA Deutschland, etwas einbringen können. Gegenüber Adzine machte der Content-Management und E-Mail-Marketingexperte von Bayer Schering Pharma einen äußerst engagierten und dynamischen Eindruck.

Entwicklung der Web Analytics

Die Entwicklung und die steigende Bedeutung von Web Analytics für die Unternehmen lässt sich beispielhaft an dem deutschen Unternehmen eTracker ablesen. Vor 10 Jahren „im Wohnzimmer“ von Christian Bennefeld gegründet, beschäftigt eTracker inzwischen 44 Mitarbeiter und betreut 80.000 Websites. „Web Analytics ist im breiten Massenmarkt angekommen. Die Zeiten, als wir noch missionarisch über die Chancen und Möglichkeiten aufklären mussten, sind glücklicherweise längst vorbei“, sagt Bennefeld.

Vistor Motion kann jede Mausbewegung des User tracken


eTracker hatte eine eigene Neuentwicklung auf der eMetrics zu verkünden, die sie selbst „Visitor Motion“ nennen. Diese Nutzererlebnisanalyse kann wie eine Kamera auf der Schulter des Users jede Mausbewegung nachverfolgen und erstellt eine Art Heatmap. Zusammen mit dem Zufriedenheitsanalysetool Visitor Voice soll dieses Produkt neue und detaillierte Erkenntnisse zum Nutzerverhalten der User auf einer Webseite liefern können. Gerechterweise sollte aber hier angemerkt werden, dass auch andere Unternehmen wie etwa m-pathy aus Leipzig eine ähnliche Lösung entwickelt haben.

Neue Zertifizierung der WAA zum Web-Analysten

Doch was sollen die Unternehmen mit all den gesammelten Datensätzen anfangen? „Das ist wie ein Pixelbild“, sagt Jim Sterne. „Je mehr Pixel ein Bild hat, umso besser die Auflösung. Genauso verhält es sich auch bei der Web-Analyse.“. Doch die Unternehmen erhalten so viele unterschiedliche Arten von Daten, dass sie bisher nicht vollständig genutzt werden können. „Das Problem ist, dass derjenige, der die Daten auswerten soll, auch zuvor die richtigen Fragen stellen muss. Im Mai wird die WAA daher damit beginnen, eine Zertifizierung zum Web-Analysten anzubieten. Hier geht es nicht darum, die Nutzung der einzelnen Web Analytics Tools zu erlernen. Es geht viel mehr darum, welche Daten man für welche Aufgabenstellung benötigt. Was der Web Analytics zudem noch fehlt, ist die Anerkennung im Senior Management. Diese Managementebene muss besser verstehen können, wie wertvoll Web Analytics für das eigene Unternehmen sein kann“, erläutert Sterne.

Laut Frank Reese von Ideal Observer gibt es in Deutschland noch viel zu wenige Fachleute, die sich professionell dem Thema Web Analytics widmen. Auffällig war in diesem Zusammenhang, dass noch immer zu wenig Vertreter aus den mittelständischen Unternehmen den Weg zur eMetrics finden. Dabei ist dieser Kongress genau die richtige Veranstaltung für all jene „Hidden Champions“, die global ihre Zielgruppen ansprechen. Daher wird ein hohes Know-how in der Web Analyse immer mehr zu einem echten Wettbewerbsvorteil.



Jens von Rauchhaupt
jvr@adzine.de
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