Online-Marketing Newsletter: AUSGABE 3 / 2009 | 23.01.2009 - ADZINE - Magzin für Online-Marketing
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   AUSGABE 3 / 2009 | 23.01.2009

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EDITORIAL
von Arne Schulze-Geißler, Editor | ADZINE 22.01.2009

Gemeinsam effizient

Arne Schulze-Geißler

Momentan grübeln wohl so einige Marketingmanager darüber, wie sie dieses Jahr möglichst wenig falsch machen. Da generelle Vorsicht in den seltensten Fällen fatale Konsequenzen nach sich zieht, verhalten sich viele daher zunächst mal danach und beobachten das Geschehen. Gefragt sind Ergebnisse, die einerseits messbar sind und die auch nicht lange auf sich warten lassen. Damit kann man auch in wirtschaftlich schwierigen Zeiten punkten. Da die digitalen Medien schnelle Response, Interaktion, Leads und Verkäufe versprechen, sind sie bei vielen Unternehmen mittlerweile gesetzt.

Wir dürfen aber auch nicht vergessen, dass aktionsorientierte Online-Kampagnen dann besonders gut funktionieren, wenn der Nutzer schon ein gewisses Bild der Marke oder des Produktes vor Augen hat. Es kann daher kein Patentrezept sein, jetzt ausschließlich auf Direct Response zu setzen. Längerfristige Maßnahmen zur Markenbildung dürfen nicht einfach unter den Tisch fallen. Vielmehr besteht die Herausforderung darin, Maßnahmen des Marketings und des Vertriebs so eng wie möglich miteinander zu verzahnen. Alleingänge von Marketing oder Vertrieb sind nach meiner Einschätzung die größten Fehler, die man in Zeiten knapper Kommunikationsbudgets begehen kann.

In einigen Branchen, gerade im B2B-Bereich, sind Firmen auch in Hochzeiten nicht mit üppigen Branding-Budgets ausgestattet. Traditionell arbeitet dort das Marketing sehr vertriebsorientiert. Wie die Baubranche und insbesondere die Bauzulieferer das Internet nutzen, fand Jens von Rauchhaupt heraus.

In einem zweiten Beitrag geht es von der Baustelle direkt ins Herzen des Internets, in die Netzcommunitys, wo sich Marken durch nützliche digitale Helferlein einen Weg zum Nutzer bahnen sollen: Widgets – Sandra Goetz sprach mit Alexander Hachmann von der widjet GmbH.

Viel Spaß mit Adzine!

Arne Schulze-Geißler
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B2B
von Jens von Rauchhaupt, Redaktion | ADZINE 22.01.2009

B2B Branchencheck: Bau im Netz

Jens von Rauchhaupt

Die deutsche Bauwirtschaft erwartet neue Aufträge durch das Konjunkturpaket der Politik. Die gesamten Werbespendings der Baubranche gingen allerdings zwischen 2007 und 2008 um bald 10 Prozent zurück. Insgesamt sind es dennoch ansehnliche 286 Mio. Euro geworden. Man staunt: Nur die Publikumszeitschriften und das Plakatgeschäft hatten am Bau Zuwachs. Beim Rest ging es bergab, für die Spendings im Internet gar um 27 Prozent. So die Zahlen von Nielsen Media Research, die nicht die Ausgaben der vertriebsorientierten Disziplinen im Online-Marketing wie zum Beispiel Textanzeigen in Suchmaschinen und E-Mail-Marketing ausweisen. Adzine hat sich mal die Online-Marketing-Möglichkeiten dieser B2B-Branche angesehen, die laut dem Bundesministerium für Wirtschaft und Technologie im Jahr 2007 gut 2,2 Mio. Menschen beschäftigte.

Die Old Economy sortiert sich

Wie vor einem Jahr an gleicher Stelle prognostiziert, haben Homepageoptimierung in Bezug auf Usability und SEO längst auf den Internetauftritten der großen Bauzulieferer Einzug gehalten. Dazu genügt ein Blick in die einschlägigen Suchmaschinen. „Eine suchmaschinenoptimierte Firmenpage ist natürlich der Grundstein für ein erfolgreiches B2B-Online-Marketing. Oftmals handelt es sich im B2B-Geschäft um sehr enge Märkte, in denen die Zielgruppen vorab für eine ganz spezielle Information online recherchieren müssen. Dann ist es natürlich wichtig, dass man prominent im Suchergebnis der Suchmaschine gelistet ist und mit richtigem Wording in der Textanzeige auch der Firmenname zum gesuchten Produkt oder Dienstleistung bekannt wird. Daher liefert die Buchung von Keywords (SEA) ebenfalls wertvolle Ergebnisse“, erklärt Jens Stolze von creative360, Agentur für B2B-Online-Marketing, auf Nachfrage von Adzine.

Wer liefert eigentlich was?

Zu den Möglichkeiten bei den Suchmaschinen kommen im Internet zahlreiche Anbieter von Bauverzeichnissen wie etwa baulinks.de oder baudienst.de und die auf das B2B-Geschäft spezialisierten Lieferantensuchmaschinen hinzu. Hier ist besonders wlw.de (Wer liefert was) mit seinen B2B-Einträgen von 380.000 Anbietern hervorzuheben, das nach seinem Relaunch im Januar nun mit neuen Funktionen für Hersteller, Händler und Dienstleister aufwartet.
Durch Kataloge und Videos können sich geschäftlich Suchende einfach und effizient über das Angebot informieren und den passenden Lieferanten auswählen. Bei einer regionalen Suche wird der Standort der einzelnen Anbieter jetzt zusätzlich auf einer Landkarte angezeigt. Eine neue Anfragefunktion ermöglicht es den Einkaufsentscheidern mit Unternehmen direkt Kontakt aufzunehmen. Liefert die Suchmaschine mehrere Ergebnisse, werden Kunden mit bezahlten Einträgen bevorzugt, haben Unternehmen das gleiche Paket gebucht, entscheidet das Alphabet.

Architekten maßgeblich an Entscheidungsprozessen im Bau beteiligt

Bevor aber für den Bau von Haus, Hof, Straßen und Industrieparks die neuesten Produkte und Subunternehmer bestellt werden und das Projekt in die Bauphase übergeht, haben Architekten und ihre Planer (meist Bauingenieure) längst ihre konzeptionelle und planerische Tätigkeit aufgenommen. Das macht diese Berufsgruppe vor allem für die Bauzulieferindustrie zur entscheidenden Zielgruppe; immer mehr auch im Netz, wie Jörg Kreuder, Gesamtvertriebsleiter von den Online-Diensten BauNetz.de, dem Architekteninformationssystem AIS und dem HeinzeBauOffice, bestätigt: „Architekten sind Meinungsbildner und maßgeblich am Entscheidungsprozess über die verwendeten Produkte, Materialien und Bauweisen beteiligt. Sie geben die Rahmenbedingungen vor und stehen für ihre Entscheidungen in der Gewährleistung. Entscheidungsgrundlage bilden in der Regel renommierte Internet–Informationssysteme, wie wir sie bei BauNetz. AIS und HeinzeBauOffice anbieten“, erklärt Kreuder.

baunetz.de

Während HeinzeBauOffice, welches rund 300.000 Produktdaten und Ausschreibungstexte von rund 7.000 Herstellern führt und mit Themen wie barrierefreies Bauen und Bauen im Bestand auch den Bauherrn anspricht, wollen der AIS-Dienst und vor allem BauNetz.de ganz klar die Bedürfnisse der Architekten und Bauingenieure abdecken. „BauNetz ist der Online-Dienst Nummer eins für Architekten und Planer: 160.000 angemeldete Nutzer aus Deutschland, Österreich und der Schweiz sowie deutschsprachige Architekten aus allen Teilen der Welt besuchen BauNetz regelmäßig“, sagt Kreuder. Monatlich verzeichnet BauNetz rund vier Millionen Seitenabrufe (IVW-geprüft). Herzstück von BauNetz sind die aktuellen Branchenmeldungen, die täglich um halb vier als Newsletter verschickt werden. Die Architekten selbst stehen mit Interviews, Profilen, Büroranking, einem Stellenmarkt oder dem Campus für Studierende im Mittelpunkt des „Magazins“, wie es Kreuder nennt.

Hierzu sei gesagt, dass alle drei der bisher genannten Dienste zur Docugroup gehören, laut Kreuder die größte Bau-Verlagsgruppe Europas, zu der zum Beispiel der Gütersloher Bauverlag mit seinen zahlreichen bauspezifischen und sehr bekannten Fachzeitschriften DBZ und Bauwelt zählt. Auch andere große Fachverlage haben inzwischen ihr Angebot aufgrund der veränderten Nutzungsgewohnheiten der Zielgruppe völlig neu ausgerichtet. Besonders erwähnenswert sei hier das Architekturportal detail.de der gleichnamigen renommierten Fachzeitschrift Detail sowie arcguide.de von der Konradin Mediengruppe, die auch die branchenrelevanten Printtitel wie db, glas und bba verlegt.

Wolfgang Meier, MEDIAPLAN

Informationshunger der Zielgruppe nutzen

Dass diese Neuausrichtung der Verlage erforderlich war, bestätigt Wolfgang Meier von Mediaplan, Gesellschaft für Strategische Mediaplanung in Hamburg: „Die Suche nach neuen Produkten und Systemlösungen ist typisch für die Onlinenutzung der für die Baubranche so relevanten Zielgruppen Architekten und Bauingenieure. Nach der noch aktuellen Reichweitenanalyse der ‚Arbeitsgemeinschaft Leseranalyse Architekten und planende Bauingenieure’ (agla a+b) nutzen Architekten und Bauingenieure die Onlineangebote voranging zur Produktrecherche (87,8 Prozent) und zur Herstellerrecherche (80,9 Prozent). Das Internet ist nach den Fachzeitschriften die wichtigste Informationsquelle der professionellen Entscheider. 94 Prozent der Architekten nutzten im Jahr 2006 beruflich das Internet. Leider lässt die neue agla a+b wegen Verlagsquerelen auf sich warten, sodass wir auf der Studie von 2006 angewiesen sind“, sagt Meier, der schon über viele Jahre auch Werbungtreibende aus der Baubranche betreut.

„Ich kann nur jedem Unternehmen empfehlen, die Markenbekanntheit auch online auszubauen. Das Unternehmen muss in die Köpfe der Zielgruppe gelangen. Die meisten Sales-Zyklen sind im B2B-Geschäft länger; umso wichtiger ist damit der langfristige Ausbau der Marken- und Produktbekanntheit. In der Baubranche haben die Fachverlage ihr Online-Angebot im Internet deutlich ausgebaut“, bestätigt Stolze von creative360, der diese hoch qualitativen und reichweitenstarken Portale der Fachverlage als Drehscheiben zum Ausbau von Markenbekanntheit und Cross-Media-Kampagnen versteht.

Kreuder zur Markenbildung und crossmedialen Möglichkeiten bei BauNetz: “Wichtige Akzente können die Hersteller über klassische Formate wie Banner und Skyscraper setzen. Zunehmend gehen wir auch individuelle Wege und schaffen spezielle redaktionelle Umfelder, in die sich der Hersteller dauerhaft einbringen kann – und dies sowohl mit seiner Marke als auch seiner Fachkompetenz (Imagetransfer). Derartige Sponsoringkonzepte gibt es beispielsweise für die virtuelle Wissensdatenbank „Infoline Mauerwerk mit dem Partner XELLA und 50 weitere Gewerke. Unsere Werbekunden erreichen zudem ihre Geschäftspartner und Kunden der Zukunft   rund 25.000 Architekturstudenten. Hier können Hersteller gemeinsam mit BauNetz bspw. Architektenwettbewerbe konzipieren und wirkungsvoll in Szene setzen. Im crossmedialen Schulterschluss sind natürlich auch Anzeigen in Fachzeitschriften sinnvoll. Das Leistungsspektrum erstreckt sich aber bis hin zum Realevent „Architekten zum Anfassen“. Die BauNetz SAIL ist bspw. eine Architektenregatta, an der sich auch die Industrie mit Teams beteiligen kann. … und wenn dann das Velux-Logo auf dem Segel flattert, ist das auch Crossmedia. Darüber hinaus ist BauNetz Medienpartner wichtiger Branchenereignisse wie der Architektur Biennale in Venedig und Veranstalter eigener Events“, erklärt Kreuder.

Messeauftritte mit Online-Maßnahmen flankieren

Vieles im B2B-Geschäft beruht eben noch immer auf persönlichen Kontakten. Dies gilt insbesondere für die Baubranche, in der die Vertriebsgesellschaften gern zu Produktschulungen, Kongressen und Symposien einladen und dabei mit besonderen Events den für die Kunden oft aufwendigen Besuch schmackhaft machen wollen. Das gelingt nicht immer so gut wie bei der BauNetz Sail. Daher sind die Messeauftritte auf der BAU, IFAT oder ISH die zentralen Termine für die Entscheiderinnen und Entscheider der Bau-Werbebudgets. Hier kann der Werbungtreibende auf den reichweitenstarken Bauportalen und den Fachzeitschriften den eigenen Messeauftritt zusammen mit geschicktem E-Mail-Marketing in die Zielgruppe kommunizieren.

Jens Stolze, creative360

Damit das E-Mail-Marketing auch im B2B-Geschäft Aussicht auf Erfolg hat, gibt es laut Jens Stolze drei wichtige Schritte im Vorfeld zu berücksichtigen: „Die Unternehmen müssen zunächst bei der Zielgruppe die Bereitschaft für die Zusendung der E-Mails abklären. Dies geschieht durch Kundenbefragung, im Wege einer Kundenzufriedenheitsanalyse oder auch mittels einer Faxantwort im Post-Mailing. Es wäre fatal, ohne das Wissen um die Akzeptanz bei der Zielgruppe mit einem E-Mailing zu beginnen. Das Aufsetzen des Verteilers sehe ich im B2B-Bereich nicht als so kritisch an, da ja die Kunden zumeist schon bekannt sind. Wichtig ist die kontinuierliche Pflege. Das Mailing muss auf Kundenseite leicht abzumelden sein. Es ist besser, 1.000 interessierte Empfänger zu haben, als 5.000 Empfänger, die das Mailing in den Spam-Ordner verschieben.“

Höherer Online-Werbeeinsatz eine Frage der Zeit

Bei so vielen Nutzungsmöglichkeiten zur Kundenansprache und einer derart internetaffinen Zielgruppe bleibt die Frage, warum die Baubranche so zurückhaltend im Web wirbt. Jörg Kreuder von BauNetz sieht diese Zurückhaltung gelassen: „Wir erleben die Baubranche als sehr innovativ und experimentierfreudig, haben vielfach gemeinsam mit Herstellern neue Formate und Konzepte entwickelt – so z. B. unser Messe-TV zuletzt auf der BAU in München und demnächst auf der ISH in Frankfurt. Hier und da ist sicherlich noch Überzeugungsarbeit zu leisten, aber die kontinuierliche Veränderung der Mediennutzung und die Kreativität unserer Mitarbeiter wie Kunden liefern die beste Grundlage für eine weiterhin positive Entwicklung.“

Jens von Rauchhaupt
jvr@adzine.de
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Social Media
von Sandra Goetz, Redaktion | ADZINE 22.01.2009

Widget Marketing – Involvement statt Reichweite

Sandra Goetz

Die Vervielfältigung digitaler Formate und Anwendungen ist für viele Unternehmen ein Fluch. Gerade in der Film-, Musik-, Software- und Spielebranche kämpft man immer noch gegen die unerwünschte Vervielfältigung. Für das Marketing kann die Verbreitung digitaler Inhalte und Applikationen à la Viral, Buzz und Word of Mouth dagegen ein echter Segen sein. Der Treibstoff für eine Verteilung im Netz sind Ideen mit einem extrem hohen Entertainmentfaktor oder einem großen Nutzen für den Anwender. Genau beim Nutzen sollen kleine Applikationen oder auch Gadgets ansetzen, die man heutzutage so zahlreich z.B. in Online-Communitys angeboten bekommt. Welche Funktionen bieten diese Web-Applikationen? Wie verbreiten sich Widgets? Und kann man Widgetmarketing schon in herkömmlichen Kategorien der Mediaplanung messen?

Um dem Thema etwas näher zu kommen, haben wir Alexander Hachmann, Gründer der widjet GmbH zum Gespräch gebeten. Die widjet GmbH ist eine Kommunikationsagentur mit dem Fokus auf Internetprojekte und nach eigener Aussage ist sie die erste Agentur in Deutschland, die sich schwerpunktmäßig dem Thema Widgetmarketing widmet.


Wie definieren Sie Widgets?

Hachmann:
Widgets sind kleine Tools, die von Nachrichten, Spielen, Videos und Audio-Playern nahezu alle Funktionalitäten, die man sich vorstellen kann, beinhalten können. Diese kleinen Applikationen fügen Internetuser auf ihrer Webseite, ihrer Social-Network-Seite oder in ihren Blog ein, um so ihr Profil individuell zu gestalten. Widgets sind „das Web à la carte“.

Kann man jedes Widget überall und auf jeder Seite nutzen?

Hachmann:
Ja. Das Schöne an den kleinen Applikationen ist, dass sie absolut flexibel sind. Man muss nur einen Code kopieren und kann das Widget so auf allen dafür offenen Systemen embedden. Offene Systeme sind z.B. die Social Networks MySpace oder Facebook, persönliche Websites oder Blogs. Es gibt sogar Widgets speziell für den Desktop oder für das Handy als mobile Applikationen.

Welchen Nutzen sollen Widgets den Usern stiften?

A. Hachmann

Hachmann: Stellen Sie sich das Internet wie ein Wohnzimmer vor. Die Gruppe der 25- bis 34-Jährigen, der „Generation Online“, verbringt hier 14,4 Wochenstunden   genauso viel Zeit, wie beim Fernsehen. Das Internet hat heute im persönlichen Alltag der Nutzer auf breiter Front die führende Medienrolle übernommen. So wie man sich im Wohnzimmer gemütlich zusammensetzt, treffen sich junge Leute online in ihren Netzwerken wie MySpace oder Facebook oder ihren Blogs, um sich zu unterhalten und Neuigkeiten auszutauschen. Innerhalb dieser Networks stehen bestimmte Features zur Verfügung, um sich auszudrücken. Möchte ein Benutzer sein Profil persönlicher gestalten, greift er auf Widgets zurück.

Es gibt für die User verschiedene Möglichkeiten, die Widgets auszuwählen: Entweder greifen sie auf den „Widgetpool“ der Netzwerke zurück, bekommen das Widget direkt von ihren Freunden empfohlen oder „stolpern“ im Netz über ein Widget, finden es gut und fügen es von dort mit wenigen Klicks auf ihre persönliche Profilseite oder in ihren Blog ein. Da die meisten Widgets nicht von den Netzwerken selbst produziert sind, erweitern die Widgets so die Features des Netzwerkes.

Jedes Widget ist ein Teil der Wohnzimmereinrichtung und fokussiert auf eine bestimmte Aufgabe. Zum Beispiel: Widget 1, das „News-Widget“, liefert dem User schnell neue und spannende Informationen von einem Unternehmen. Widget 2, das „Musik-Widget“, öffnet einen direkten Zugang zu neuer Musik und Hintergrundinformationen. Widget 3, das „Shopping-Widget“, bietet sofortigen Zugang zu den angebotenen Produkten und aktuellen Schnäppchen. Die Möglichkeiten und Einsatzgebiete sind so vielfältig, wie die angebotene Themenauswahl.

Unsere Bildschirme bieten aber nur begrenzt Platz, wie sieht es mit der Lebensdauer der Masse von Widgets aus?

Hachmann: Die Lebensdauer der Widgets ist abhängig von ihrer Funktion. Es gibt kurzfristige Widgets und langfristige Widgets. Um das Wohnzimmerbeispiel noch einmal aufzugreifen, gibt es z.B. ein kurzfristiges Widget wie eine Tüte Chips oder auf Widgetebene ein Widget, was zeitlich begrenzt ist und mich z.B. als „Countdown-Widget“ bis zum Start des neuen Kinofilms über Neuigkeiten informiert. Auf der anderen Seite gibt es langfristige Widgets, wie ein Sofa oder auf Widgetebene ein News-Widget, das mich kontinuierlich über speziell ausgewählte Themen informiert. Außerdem bieten die meisten Networks verschiedene Seiten an, auf denen man die Widgets je nach Funktion platzieren und sie so sinnvoll verteilen kann.

Wie verbreiten sich Widgets?

Hachmann: Ein erfolgreiches Widget stiftet Nutzen: es macht Spaß, ist spannend und kurzweilig, einfach zu benutzen und ermöglicht eine positive Selbstdarstellung. Unter diesen Voraussetzungen verbreitet sich ein gutes Widget ausgehend vom „First Mover“ fast von ganz alleine durch aktive und passive Empfehlung. Aktiv, indem Benutzer das Widget per E-Mail weiterempfehlen, und passiv, durch eigeniniierte Besucher des Profils. Daraus ergeben sich im Idealfall unzählige Kontakte zweiten Grades. Man sagt auch, dass Widget verbreitet sich viral, d.h. epidemisch.

In welchem Rahmen werden Widgets am meisten genutzt und verbreiten sich am schnellsten?

Hachmann:
Social Networks spielen hierbei die größte Rolle. ComScore, ein globaler Internetinformationsanbieter, schätzt, dass 65 Prozent aller Unique Visits auf beruflicher wie auf privater Ebene auf Social Networks zurückgehen. Wenn wir uns das ansehen, können wir hier schon nicht mehr von einem Trend, sondern müssen von einer weltweiten Bewegung sprechen. Social Communities sind ein fester Bestandteil des sozialen Lebens geworden: 25 Prozent der Menschen bewegen sich zurzeit in ihnen. Und innerhalb der Social Communities haben sich Widgets als beliebte Möglichkeit etabliert, um Nutzerprofile individuell zu gestalten.
Damit stehen die Social Networks für ein riesiges Vermarktungspotenzial, das mehr und mehr die tradierten Geschäftsmodelle infrage stellen wird. Viele klassische Medien erleben den sich vollziehenden Wandel an stagnierenden oder sogar rückgängigen Reichweiten. Durch Widgets haben Unternehmen die Möglichkeit, an der Kommunikation zu partizipieren und aktiv dazu beizutragen.

Das heißt ohne soziale Netzwerke funktionieren Widgets nicht? Kann man sie kostenlos in den Networks platzieren?

Hachmann:
Widgets funktionieren in allen offenen Netzwerken, wie z.B. den Social Networks MySpace oder Facebook, aber auch auf allen Blogs und jeder Art von eigener Website. Social Networks sind nur ein Element. Die Widgets werden grundsätzlich kostenfrei in den „Widgetpool“ der Netzwerke aufgenommen. Die Netzwerke profitieren ja davon, ihre Features zu erweitern und den Usern einen kostenfreien Service zu bieten.
Gehen die meisten Widgets nicht komplett unter in der Flut an Anwendungen in Social Networks?  Hachmann: In der Flut gehen sie nur dann unter, wenn sie keine eigenständige Funktion haben. In der viralen Welt ist es wie im wirklichen Leben: langfristig setzt sich Qualität durch.

Lässt sich die Reichweite eines Widgets messen, d.h., wie viele Unique Nutzer es gab?

Hachmann: Prinzipiell können genauso wie für eine Website alle Daten über das Widget statistisch erhoben werden, also auch, wie viele User das Widget nutzen. Die registrierten Nutzer sind aber eine unzureichende Kennzahl. Um die Erfolge einer Kampagne messen zu können, ist das Wissen um die „Stickiness“ viel interessanter. Stickiness bezieht sich in erster Linie auf die Nutzungsdauer, d.h., wie aktiv ist der Nutzer und wie intensiv beschäftigt er sich mit dem Widget.

Welche Vorteile hat ein Unternehmen durch die Nutzung eines Widgets?

Hachmann: Gegenüber der Verbreitung anderer Online-Marketingmaßnahmen ist Widgetmarketing sehr persönlich und zielgerichtet und dabei kostengünstig. Im Vergleich zu klassischen Werbemaßnahmen können die Preise nicht in TKP angegeben werden. Für das Web 2.0 gibt es noch keine Kennzahlen 2.0. Viel wertvoller ist das „Involvement“ und die Identifikation der Nutzer. Identifiziert sich ein Nutzer mit dem Widget eines Unternehmens, ergibt sich daraus für das Unternehmen die Chance, mit den Kunden zu interagieren. Das Unternehmen hat über das Widget aber auch die Möglichkeit, neue Nutzer zu generieren, den Verkauf anzukurbeln, sich ein innovatives Image zu verschaffen und sich von Wettbewerbern abzugrenzen. Bisher setzt z.B. kaum ein deutscher Online-Händler Widgets ein, wie eine Marktanalyse des Bundesverbandes für Digitale Wirtschaft bestätigt. Immer noch haben etwa neun von zehn Shop-Betreibern keinerlei Erfahrungen mit Widgets. Allerdings wird sich derzeit intensiv mit dem Thema auseinandergesetzt.

Der Erfolg ist nicht wirklich planbar und nicht steuerbar. Für die meisten Unternehmen kann das doch nur ergänzend zu anderen Instrumenten eingesetzt werden, oder?

Hachmann: Die Frage ist, was bedeutet planbar? Ein Mediaplaner kann den besten Plan aufstellen und am Ende läuft die Kampagne trotzdem nicht. Erfolg ist ja nicht nur eine Frage des Geldes. Das entscheidende Kriterium ist die Qualität. Ist ein Widget erfolgreich und können sich die User mit dem Widget identifizieren, wird sich das Widget im Netz verbreiten. Aber es stimmt natürlich, dass der Erfolg eines Widgets mit den aktuellen Kennzahlen nicht planbar ist. Neue Online-Kanäle wie Widgetmarketing brauchen neue Kennzahlen, um das Marketing-Potenzial korrekt einschätzen zu können. Es ist ein häufiger Fehler, dass Werbetreibende Kennzahlen aus den klassischen Dialogmarketing-Kanälen eins-zu-eins in das Online-Marketing überführen wollen.

Besten Dank für das Gespräch!

Sandra Goetz
redaktion@adzine.de
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