Online-Marketing Newsletter: AUSGABE 13 / 2009 | 02.04.2009 - ADZINE - Magzin für Online-Marketing
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   AUSGABE 13 / 2009 | 02.04.2009

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EDITORIAL
von Arne Schulze-Geißler, Editor | ADZINE 02.04.2009

Thematisch das Web infiltrieren

Arne Schulze-Geißler

Marken sind für Unternehmen äußerst kostbare Güter. Das stimmt umso mehr, wenn Marken und Unternehmen unmittelbar mit einem Thema, einem Gefühl oder der Lösung zu einem Problem assoziiert werden. Das Internet bietet in diesem Zusammenhang für Marken grenzenlose Möglichkeiten, produktverwandte Themen zu besetzen, mediale Räume zu öffnen und inhaltlich einzunehmen.

Hierbei können Marken von den vielen Affiliate Sites lernen, die sich oft mit kläglichem Content, aber guter Auffindbarkeit und Verlinkung Besucher sichern, um diese gleich wieder weiterzuleiten an Versicherer, Kreditgeber, DSL- und Mobilfunk-Anbieter. Bei Marken geht es dabei natürlich nicht um die schnelle Provision, sondern darum, eine thematische Identität im Netz aufzubauen, eventuell auch ganz losgelöst von ihren Markenpräsenzen. Für alle, die nicht Google heißen, sind eigene Themen und Inhalte nach wie vor entscheidend, um möglichst viel Raum einzunehmen in der digitalen Welt. Je mehr Raum, desto mehr Relevanz, Links, Sichtkontakte, Buzz etc.

Unternehmen suchen ja gerade bei den Überthemen Search und Social Media nach Orientierung und dabei können gut gewählte Themen den Aktivitäten im Netz eine schlüssige Richtung verleihen. Eigene Contentangebote liefern Futter für die Suche und die Verlinkung sowie Gesprächsstoff für die eigene und externe Communitys. Menschen suchen nun mal Antworten auf alltägliche und spezielle Fragen und da können nicht nur die unzähligen Affiliate-Ratgeberseiten helfen. Dass es dabei gute Ansätze gibt, sich nicht als reiner Produktanbieter zu positionieren, sondern als Informationsanbieter und Problemlöser zeigt Karsten Zunke in unserem ersten Artikel.

Wer allerdings ohne große Umwege seine Zielgruppe mit einer Markenbotschaft erreichen will, der sollte sich mit den Targetingmöglichkeiten von digitaler Werbung auseinandersetzen. Einen Einstieg findet man durch die Begriffserläuterungen des BVDW, sehr empfehlenswert. Jens von Rauchhaupt hat nach der Veröffentlichung auch gleich beim Arbeitskreisleiter ‚Targeting’ nachgefragt, an welchen Themen derzeit gearbeitet wird.


Viel Spaß mit Adzine!

Arne Schulze-Geißler
asg@adzine
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BRANDING & SEM
von Karsten Zunke, Redaktion | ADZINE 02.04.2009

Starke Argumente

Karsten Zunke

Manche Marken sind einfach nicht so sexy wie andere. Hier ist Kreativität gefragt, um wirkungsvoll die Werbetrommel zu rühren. Aber wie bitte schön sollen im Internet zum Beispiel Fast Moving Consumer Goods werbetechnisch mit schnittigen Cabrios, schicken Touchscreen-Multimedia-Handys oder leistungsstarken Spielkonsolen mithalten? Zumal sich manche Produkte nur bedingt im E-Commerce unters Volk bringen lassen. Einige Firmen besetzen daher bei Google Nutzwert-Themen, indem sie entsprechende Keywords buchen. Wer in bestimmten Feldern Themenführer ist, wird besser wahrgenommen. Auch Verlage möchten sich mit Google-Werbung thematisch positionieren und schrecken selbst vor Katastrophen-Keywords nicht zurück.

„Wie kann man genau senkrecht ein Loch in den Boden bohren. Gibt es Hilfsmittel?“, diese Frage in einem Online-Forum wäre eigentlich eine Steilvorlage für Hersteller von Bohrmaschinen und Bohrzubehör, die hier über Kompetenz ein positives Branding erreichen könnten. Allzu oft müssen sich Internet-User solche Fragen noch untereinander selbst beantworten. Aber es geht auch anders. Wenn sich Nutzer zum Beispiel fragen, wie sie Energie im IT-Bereich effizienter einsetzen können, wird ihnen geholfen. Wer Energie-Effizienz bei Google eintippt, stößt im oberen Anzeigenbereich auf IBM. Das Unternehmen gibt auf der Landingpage Tipps zur Energieeffizienz in der IT und bietet zahlreiche Infos dazu an – in Form von Texten, Videos und einem Podcast. Selbstverständlich bewirbt man in diesem Zusammenhang auch seine „grünen“ Produkte.


Die hohe Kunst einer thematischen Positionierung zelebriert der Waschmittelkonzern Henkel. Diverse Keywords rund um das Thema „Flecken“ und „Flecken entfernen“ werden beworben. Persil, Weißer Riese, Spee, Sil: Ein großer Teil vom Henkel-Portfolio wird in den Anzeigen sichtbar. Auch andere Anbieter wie Procter & Gamble oder Vanish-Hersteller Reckitt Benckiser versuchen das Thema zu belegen. Sie gehen jedoch in der Fülle der Henkel-Anzeigen unter. Henkel wirbt dabei nicht plump mit seinen Produkten, sondern mit Nutzwert. Die Reklame verlinkt in der Regel auf Ratgeberseiten zur Fleckenentfernung. Dort können User ihr Flecken-Problem Schritt für Schritt lösen.

Problem gelöst, Produkt beworben
Auf den Ratgeberseiten steht tatsächlich die Problemlösung im Vordergrund, nicht die eigenen Produkte. So kann ein Fleckenratgeber-Dialog auf der Website auch damit enden, dass es heißt: „Dieser Fleck lässt sich leider nicht mit Waschmitteln und Fleckvorbehandlungsmitteln für den Haushaltsbereich entfernen. Deshalb empfehlen wir bei dieser Fleckart, das Kleidungsstück in die Chemischreinigung zu geben“. Andere Flecken lassen sich sehr wohl mit Waschmitteln entfernen. Dann wird das dazu passende Henkel-Produkt eingeblendet. Auf seiner Sil-Website platziert der Waschmittelkonzern sogar Bastel-Tipps für Ostern. Für den Fall, dass etwas Kleber daneben gehen sollte, gibt es am Schluss der Bastelanleitung ebenfalls die passende Produktempfehlung.

Hauke Helms, eprofessional

Vor allem bei Zielgruppen, die noch nicht markenfixiert sind, dürfte ein solcher Kompetenzaufbau sinnvoll sein. Im Rahmen einer Google-Studie aus dem vergangenen Jahr führte der Einsatz von Adwords zu einer um 21 Prozent höheren ungestützten Markenbekanntheit als in der Kontrollgruppe. Selbst ein reiner Sichtkontakt mit Adwords steigert dieser Studie zufolge die Markenbekanntheit um elf Prozent. Kein Wunder also, dass auch viele Verlage eifrig Adwords buchen, um sich besser zu positionieren. Sie sehen sich einem immer größeren Druck ausgesetzt. Zum einen brechen durch die Wirtschaftskrise die Anzeigenerlöse ein, zum anderen wird der Wettbewerbsdruck in der ohnehin stark umkämpften Branche immer größer. Nicht nur gegen klassische Konkurrenten, auch gegenüber Bloggern, selbst ernannten Redakteuren, News-Aggregatoren, Wissens-Communitys und sonstigen Web-2.0-Angeboten müssen sich die etablierten Häuser durchsetzen.

Verlage positionieren sich
„Vielen Verlagen geht es bei Adwords-Buchungen vor allem um den Aufbau von Reichweite. Ziel ist es, von Nutzern aber auch von Media-Agenturen besser wahrgenommen zu werden“, erläutert Hauke Helms, Unit Director Retail & Media beim Performance-Marketing-Dienstleister eprofessional in Hamburg. Helms und sein Team betreuen die Suchmaschinen- und Online-Marketing-Kampagnen zahlreicher Unternehmen aus der Verlags- und Retailbranche, darunter Gruner + Jahr, Axel Springer, Medion, Gelbe Seiten und Wer liefert was?. „Verlage wollen Leitmedium und Orientierungshilfe sein. Daher müssen sie bei den Anfragen der Nutzer präsent sein. SEM ist hierfür ein probates Mittel, da man gerade bei aktuellen Ereignissen nicht davon ausgehen kann, dass die eigenen Seiten im organischen Index gelistet werden“, erläutert Helms.

Winnenden, Amstetten, Flugzeugabsturz, Amoklauf – katastrophale Ereignisse schlugen sich in den letzten Monaten medial auch im Internet nieder. Auf den ersten Blick wundert es schon, wenn beispielsweise zum Suchbegriff Winnenden auch Adwords-Werbung von FAZ.net erscheint. Wer in den vergangenen Tagen nach „Fritzl“ suchte, dem wurde unter anderem Adwords-Werbung von FAZ.net und N24 angezeigt. Wird das Wort „Flugzeugabsturz“ gegoogelt, erscheint Werbung von derwesten.de und ZEIT ONLINE. Aber in organischen Suchtreffern zu brandaktuellen Ereignissen auf der ersten Seite gelistet zu werden – dafür gibt es keine Garantie. Daher nutzen die Newsanbieter bezahlte Anzeigen, um zu topaktuellen Nachrichten die Aufmerksamkeit auf das eigene Angebot zu lenken.

Christian Röpke, ZEIT ONLINE

ZEIT ONLINE beispielsweise bucht Keywords, die für die eigene Marke und die Berichte auf der eigenen Website besonders relevant sind, und positioniert sich zunehmend als aktuelles Medium. „Keyword-Kampagnen dienen auch dem Zweck, neue User an unser Angebot heranzuführen, die bisher noch nicht bei uns gewesen sind. Unsere Anstrengungen dienen aber hauptsächlich dem organischen Wachstum“, erläutert Christian Röpke, Geschäftsführer ZEIT ONLINE. Der Erfolg der Kampagne bemesse sich daran, wie viel neue User man an sein Angebot heranführen könne, ob diese User weitere Klicks in dem Angebot tätigen würden – auch auf verwandte Themen – und ob sie wiederkämen.

Wertvolle Wiederkehrer
Besonders letzterer Aspekt wird in der Branche oft vernachlässigt. „Viele Verlage machen den Fehler, dass sie gestiegene Visits als Erfolg betrachten. Aber wichtig sind die Wiederkehrer, die neuen Leser“, sagt Helms. Wer nur kurzfristigen Traffic im Blick habe, stehe am Ende der Kampagne vor der gleichen Situation wie zuvor. „Stammleser zu generieren und die Reichweite dauerhaft zu erhöhen, das muss der Fokus sein.“

Den Machern von ZEIT ONLINE geht es beispielsweise in erster Linie darum, ihre Inhalte als aktuelles und hochwertiges Nachrichtenmedium bekannter zu machen. Man lehne es aber ab, gezielt sensible Themen zu nutzen, um von der verstärkten Aufmerksamkeit zu profitieren. „Wir hantieren bei aktuellen Themen zudem mit begrenzten Budgets und nutzen deshalb auch gezielt Keyword-Kampagnen, um Traffic in unsere Rubriken zu bekommen, den man dort in den hochwertigen vertikalen Umfeldern monetarisieren kann“, erläutert Röpke.

Auch der Nachrichtenanbieter N24 hätte mit seiner extra eingerichteten Video-Site zum Thema „Fritzl“ sicher keine Chance gehabt, in den organischen Suchtreffern weit oben gelistet zu werden. Das Nachrichtenangebot zum Inzest-Täters Josef Fritzl war während seines Prozesses riesig. Also buchte N24 Adwords und verlinkte in den kleinen Vierzeilern auf sein Video-Special zum Fritzl-Prozess. Die Adwords-Klicks wurden mit Werbung auf der verlinkten Website und in den Videos wieder monetarisiert.

Arbitrage-Effekte sind laut Helms oft ein positiver Nebeneffekt der Suchmaschinenwerbung. Sie stehen nach seiner Erfahrung aber nicht im Vordergrund der SEM-Aktivitäten von Verlagen und Newsanbietern. Bei einem Arbitrage-Modell werden Klicks günstig in Suchmaschinen eingekauft. Die so geschaffene größere Reichweite der eigenen Seite ermöglicht eine bessere Vermarktung des Werbe-Inventars auf der Website. Über die erzielten TKPs lassen sich dann im besten Fall nicht nur die SEM-Ausgaben refinanzieren, sondern – aufgrund der größeren Reichweite – auch die Erlöse der Webseite insgesamt erhöhen. Das ist eine reine Rechenaufgabe. Doch über Arbitrage-Geschäfte eine Kampagne durchzufinanzieren, ist kompliziert und der Effekt nur von kurzer Dauer. Langsames, aber nachhaltiges Wachstum gilt als strategisch schlauer. Und es ist zudem eine gute Basis für eine dauerhafte Themenführerschaft.

Karsten Zunke
redaktion@adzine.de
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VERBAND
von Jens von Rauchhaupt, Redaktion | ADZINE 02.04.2009

Einblicke in einen OVK Arbeitskreis

Jens von Rauchhaupt

Die BVDW-Arbeitsgruppen des OVK (Online-Vermarkterkreis) sollen konkrete Ergebnisse zu aktuellen Fragestellungen erarbeiten. Vorangegangene Woche hat die Arbeitsgruppe Targeting offiziell ihre Targeting-Definitionen ins Netz gestellt. ADZINE nahm das zum Anlass, um sich beim Leiter der Arbeitsgruppe, Dr. Bernd Henning, über die Arbeit dieses Arbeitskreises zu informieren.

Aus wie vielen Mitgliedern besteht der Arbeitskreis Targeting und wie ist innerhalb des Arbeitskreises die Gewichtung zwischen Vermarktern und Technologieanbietern?

Henning: Derzeit besteht der Arbeitskreis Targeting aus etwa 20 Mitgliedern. Etwa zwei Drittel sind Vermarkter aus dem OVK, hinzu kommen deren Targeting-Dienstleister und weitere Anbieter. Der AK trifft sich etwa quartalsweise.

Wie hat man sich eigentlich die Zusammenarbeit auf internationaler Ebene mit dem IAB vorzustellen, sind die neuen Targeting-Definitionen mit denen des IAB identisch, trifft man sich zu diesem Thema, hat der IAB eine Vorreiterrolle für den AK Targeting?

Henning: Über den BVDW/OVK ist der AK Targeting im IAB Europe, dem europäischen Dachverband der nationalen Branchenverbände Europas, vertreten. Mehrere Teilnehmer des AK Targeting sind zugleich auch in der Arbeitsgruppe des IAB Europe aktiv. Die deutschen Targeting-Definitionen sind so auch in die ersten europäischen Definitionen eingeflossen, die aber bislang weniger detailliert sind als die deutschen.

Womit beschäftigt sich derzeit der Arbeitskreis, wir hörten von einem Seminar auf der dmexco, wozu soll der dienen und an wen richtet er sich? Womit beschäftigt sich der AK Targeting derzeit noch?

Henning: Mit unserem Seminar auf der dmexco wollen wir allen interessierten Marktteilnehmern fundierte Einblicke in das doch noch junge Targeting-Thema geben. Hier ist noch Aufklärungsarbeit nötig sowohl hinsichtlich der technischen Grundlagen als auch in der Abgrenzung der unterschiedlichen Spielarten des Targetings.

Dr. Bernd Henning

Ist Datenschutz beim Arbeitskreis Targeting ein Thema, wie beurteilen Sie als AK-Leiter die unklare rechtliche Lage bzgl. Speicherung von IP-Nummern und Datenschutzkonformität.

Henning: Datenschutz ist selbstverständlich ein zentrales Thema für unseren Arbeitskreis. Werbekunden und Endnutzer müssen sich darauf verlassen können, dass die Targeting-Technologien datenschutzkonform arbeiten. IP-Nummern wiederum sind zunächst kein targetingspezifisches Thema: Es betrifft klassische Logfile-Analysen, Web Analytics, Shopsysteme, Adserver und vieles mehr. Nach dem jüngsten Urteil vom Amtsgericht München sind dynamische IP-Adressen keine personenbezogenen Daten, während ältere Gerichtsurteile IP-Adressen generell - egal ob dynamisch oder nicht - als personenbezogen bewertet hatten. Die gesamte Internet-Branche wartet hier auf Rechtssicherheit.

Wie sieht der AK Targeting das neue Behavioral-Targeting-Modell IBA von Google, befindet man sich – sei es auch informell – mit Google im Dialog?

Henning: Wir freuen uns, dass mit Google ein weiterer großer Player Behavioral Targeting anbieten wird. Das Thema Targeting wird damit sicherlich noch mehr Schubkraft bekommen.

Cookie Deletion bzw. InPrivate Filtering beim Internet Explorer 8, wie ist die Position des Arbeitskreises Targeting zu diesem Thema. Gibt es für den Werbetreibenden valide Daten darüber, wie viele User in Deutschland ihre Cookies regelmäßig löschen?

Henning: Grundsätzlich muss jedem Nutzer die Möglichkeit gegeben werden, einfach und bequem Cookies zu löschen oder bestimmte Cookies zu blockieren - also einen Opt-out zu machen. Das InPrivate Filtering im IE8 ist hierbei ein weiterer Fortschritt in puncto Nutzerfreundlichkeit.
Recht simpel lässt sich messen, wie viele User Cookies blockieren - nämlich sehr wenige (lt. webhits.de derzeit 1,3%). Schwieriger zu beantworten ist die Frage, wie viele User Cookies löschen, ohne sie zu blockieren. Hierzu gibt es hin und wieder Befragungsergebnisse - sie deuten darauf hin, dass nur wenige User Cookies wirklich häufig löschen. Das gelegentliche Löschen von Cookies ist für Targeting unproblematisch.

Jens von Rauchhaupt
jvr@adzine.de
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