Online-Marketing Newsletter: AUSGABE 25 / 2007 | 14.12.2007 - ADZINE - Magzin für Online-Marketing
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   AUSGABE 25 / 2007 | 14.12.2007

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EDITORIAL
von Arne Schulze-Geißler, Editor | ADZINE 14.12.2007

Respektlos ins Jahr 2008

Arne Schulze-Geißler

Vorgestern habe ich einen bemerkenswerten Ausspruch gehört, und zwar in einer ZDF-Reportage von Claus Kleber über "Amerikas andere Seite". Der Film berichtete über die Besonderheiten von Kalifornien als US-Innovationszentrum sowohl in wirtschaftlicher als auch gesellschaftlicher Hinsicht. Ein erfolgreicher junger Unternehmer im Silicon Valley und Absolvent der Stanford University äußerte in etwa die Worte: "Man hat uns an der Universität Respektlosigkeit gelehrt." Damit meinte er nicht nur, alles Bestehende in Frage zu stellen und Denkbarrieren niederzureißen, sondern er vermittelte auch ein unerschütterliches Vertrauen in das eigene Handeln.

Den meisten Menschen wird in Ausbildung und Studium nacktes Wissen vermittelt, ohne den Aufruf zur Respektlosigkeit. Berufliches Selbstbewusstsein sollte man aber spätestens dann erlangen, wenn an dem Wert der eigenen Fähigkeiten kein Zweifel mehr besteht. Egal wie jung und betrieblich unerfahren wir sind, fachlich können wir heute oft nicht von unseren Vorgesetzten und Kollegen lernen. Wir sind selbst die Spezialisten. Daher ist Selbstbewusstsein angesagt und das gilt in sämtlichen digitalen Disziplinen, natürlich auch im Marketing.

Ich kann nicht nachvollziehen, warum man teilweise noch voller Ehrfurcht in Richtung TV und Print schielt. Da passiert nämlich schon länger nichts mehr. Wir haben einfach das komplettere Medium zur Verfügung. Zugegebenermaßen sind TV- und Printkampagnen nach wie vor ein Garant für Reichweite, doch die digitalen Medien werden zunehmend zur intelligenten steuernden Instanz. Jeder digitale Rückkanal kann entscheidende Erkenntnisse für die Offline-Kommunikation liefern. Offline-Budgets werden daher tendenziell auch immer zielgerichteter eingesetzt und von findigen Marketing-Controllern gekürzt werden. Das sind schlechte Nachrichten für klassische Medien. Allzu abwartende Medienmacher und Marketingverantwortliche werden das Internet und die digitalen Medien noch verfluchen.

Nicht zu vergessen die Online-Meinungsbildungsmaschine Social Media, die heute schon reichlich kostbare Informationen bereithält. Unternehmen, die "besser" werden wollen sowie gezielter und bedarfsgerechter kommunizieren möchten, finden hier den notwendigen Input. Wie das funktionieren kann, berichtet Karsten Zunke in seinem heutigen Artikel über sogenanntes Opinion Mining und (Brand) Monitoring.

Martin Schirmbacher beleuchtet in einem Rechtsbeitrag zwei Urteile zum Einsatz von Tracking Tools, gegen die Nutzer geklagt hatten. Uns interessierte die Frage, ob Seitenbetreiber bei der Nutzung von Analysetools in Zukunft auf der Hut sein müssen.

Internetnutzer stoßen beim Lesen im Internet immer häufiger auf doppelt unterstrichene Worte im Text. Bei Maßnehmen mit der Maus, um auf einen weiterführenden link zu klicken, öffnet sich dann plötzlich ein Fenster. Helge Denker sprach mit den Verantwortlichen von Vibrant Media.

Viel Spaß mir Adzine!

Arne Schulze-Geißler
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von Karsten Zunke, Redaktion | ADZINE 14.12.2007

Kontrollverlust kontrollieren

Karsten Zunke

Die einen nennen es Opinion Mining, die anderen Webmonitoring und wieder andere sind dem Word of Mouth auf der Spur: Wer im Internet nach Meinungen gräbt, erhält wertvolle Informationen - sagen die Anbieter solcher Dienstleistungen. Doch was nützt die Erkenntnis, dass 41 Blogger gut und 34 schlecht über ein Produkt reden? Muss man wirklich wissen, wer was wo wie und auch noch warum im Netz über ein Unternehmen verbreitet? Oder sollten sich die Hersteller nicht besser darauf konzentrieren, einfach nur gute Produkte auf den Markt zu bringen? Dann klappt es mit der positiven Mundpropaganda doch ganz von allein - oder nicht? ADZINE hat sich auf die Suche begeben und einige Antworten ausgegraben.

Ob in Blogs, Foren oder Communities - wer im Web 2.0 nach Meinungen schürft, darf im Einzelfall nicht unbedingt tiefschürfende Antworten erwarten. Als Gesamtheit betrachtet können die Aussagen über Unternehmen und ihre Produkte jedoch aufschlussreich sein. Vorausgesetzt, man ist in der Lage, sie zutage zu fördern und nach Relevanz durchzusieben. Händisch wäre dies in Anbetracht von Milliarden Websites ein unmögliches Unterfangen. Hier kommt Software ins Spiel, die entweder das gesamte Internet oder ausgewählte Seiten regelmäßig analysiert. Je nach Einsatzzweck müssen im Vorfeld entsprechend relevante Themen und Begriffe definiert werden.

Früherkennung für Trends und Katastrophen

"Wir sehen Digital Management mit B.I.G. Screen als ein Instrument, mit dem das Marketing seinen Kontrollverlust im Web 2.0 vermindern kann", sagt David Uhl, Assistant Manager der Business Intelligence Group, über die Monitoring-Lösung seines Unternehmens, die ebenso facettenreich ist, wie das Thema an sich. Einsatzgebiete sind unter anderem das Brand Management und ein Image Monitoring. Dazu werden öffentliche Stimmungen und Meinungen im Netz aufgespürt. Beim Trend Management geht es um die Früherkennung von aktuellen Entwicklungen. Damit lässt sich nicht nur herausfinden, über was Nutzer gerade kommunizieren, sondern auch welche Produkte oder Informationen sie verstärkt suchen und mit welcher Intensität als relevant definierte Themen im Web diskutiert werden.

Auch die Auswirkungen von Kampagnen werden widerspiegelt. So könnten beispielsweise die Ausgaben für Werbe-Kampagnen der Häufigkeitsverteilung der digitalen Kommunikation angepasst werden. Auch Issue Management ist möglich, Probleme werden so frühzeitig erkannt. Zur Wettbewerbsanalyse taugt die Lösung ebenfalls. Wenn beispielsweise ein Autobauer unter seinen Usern "Nachtsichtsysteme" als Trendthema identifiziert, kann er überprüfen, ob on- und offline entsprechende Lösungen ausreichend promotet werden. Gleichzeitig kann er herausfinden, wie der Wettbewerber dieses Thema im Web kommuniziert. Daraus lassen sich Empfehlungen für das Marketing ableiten, wie dieser Trend besser monetarisiert werden kann. Auch Statements zu Produkten und Services werden mit dem Tool überwacht und Meinungsmultiplikatoren identifiziert.

.................. dieser Artikel wird nach der Anzeige fortgesetzt .....................

Karsten Zunke
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von Karsten Zunke, Redaktion | ADZINE 14.12.2007

Fortsetzung: "Kontrollverlust kontrollieren"

Karsten Zunke

...weiter gehts

Multiplikatoren einbinden

Multiplikatoren sollten ins eigene Business eingebunden werden. Sie um Rat zu fragen oder zur Hauptversammlung einzuladen, ist dabei nur der erste Schritt. Denn Word of Mouth zu Ende gedacht bedeutet, Verbraucher in Unternehmensprozesse zu integrieren.
Ein Paradebeispiel ist Procter and Gamble. Der Konsumgüter-Gigant betreibt in den USA zwei sogenannte Customer Influencer Panels: Tremor für Jugendliche und Vocalpoint für Mütter mit kleinen Kindern. Dort verbessern Verbraucher Produkte. Sie können eigene Ideen und Vorschläge schon im Entwicklungsstadium einbringen. In den Panels sammelt das Unternehmen einflussreiche Kunden, die ihre Meinung zu Produkten und Services gern mit anderen teilen, in sozialen Netzwerken verankert sind und es lieben, Neuigkeiten zu verbreiten. "Bei negativer Kommunikation gilt es abzuwägen, wie intensiv diese geführt wird. Nicht immer muss man in diesen Dialog mit großen Worten einsteigen. Man könnte beispielsweise Links platzieren, welche die Aussagen bestimmter User als überflüssig erscheinen lassen", rät Uhl.

Parallelwelten

Mit den gescreenten Informationen können Firmen aber nicht nur ihr Marketing verändern und Angebote oder Produkte verbessern, auch die Öffentlichkeitsarbeit lässt sich optimieren. "Vor allem große Firmen haben immer Neider - egal wie gut oder schlecht das Unternehmen und seine Produkte sind", sagt Michael Konitzer, Principal Consultant der Agentur Ray Sono in München. Damit reiche es heutzutage nicht aus, lediglich hochwertige Produkte und exzellenten Service zu bieten, um eine gute Publicity zu erhalten. "Im Internet hat sich längst eine parallele PR-Welt herausgebildet. User beziehen immer mehr Informationen aus Quellen, die nicht von Unternehmen kontrolliert werden. Darum müssen die Anbieter lernen, den Kunden zuzuhören", begründet Konitzer die Notwendigkeit eines Webmonitoring.

Selbst eine Auswertung von Suchanfragen kann sinnvoll sein. Ein auf Südafrika spezialisierter Reiseanbieter konnte so beispielsweise sein Marketing und sein Angebot verbessern. Dazu analysierte Ray Sono, wonach User im Web im Zusammenhang mit Südafrikareisen noch suchen. Es stellte sich heraus, dass der Geldtransfer eines der wichtigsten Themen für die Interessenten war. Also promotet der Reiseanbieter seine Destinationen in Südafrika nun mit dem Hinweis, wie man im Reiseland auf einfache Weise auf sein Geld zugreifen kann. Die Analyse der Suchanfragen hatte auch Auswirkungen auf das Angebot, denn die Wunsch-Reiseziele ließen sich in diesem Zusammenhang sehr gut ermitteln. Der Reiseanbieter konnte daraufhin sein Produktangebot optimieren.

Ray Sono setzt für das Monitoring auf ein semiautomatisches Vorgehen, bei dem zunächst in Zusammenarbeit mit dem Kunden Keywords manuell festgelegt werden. Dann durchsucht ein Webcrawler automatisch das gesamte Internet. Die Suchergebnisse werden von den Experten analysiert, semantisch signifikante Themen herausgearbeitet und zu Themenclustern zusammengefasst. "So können wir die zentralen Quellen analysieren und Multiplikatoren identifizieren. Außerdem werden die 'Schaltstellen' sichtbar, an denen die Informationen und Meinungen im Netz an die großen Medien übergeben werden", erläutert Konitzer.

Software mit Grammatik-Kenntnissen

Einen anderen Ansatz verfolgt Interone Worldwide. Die Agentur nutzt eine Software, die nicht das gesamte Internet durchforstet. "Wir definieren aus der Fragestellung heraus einen Quellensatz, den wir als Nährboden für unser Problem sehen", erläutert Christian Gast, Director Innovations Interone Worldwide, Hamburg. Diese Informationsquellen werden regelmäßig eingelesen und analysiert. "Hier haben wir die wichtigsten Foren, Communites, Blogs und Userportale identifiziert, einen eigenen Bewertungsmaßstab angelegt und verschiedene Kriterien aufgesetzt. Der resultierende Themen-Mix ist zunächst allgemein", so Gast. Darauf hat die Agentur jedoch Begriffswelten aus den Sigma-Milieus* gelegt und kann dementsprechend für jeweilige Nutzergruppen relevante Themen identifizieren. Im zweiten Schritt nimmt eine Software jeden Satz auseinander. Die Lösung kann die Texte lesen, analysieren und verstehen. Gemeinsam mit dem französischen Anbieter hat die Agentur diese Software webtauglich gemacht. Mit ihr kann im Internet nicht nur auf Dokumentenebene à la Google gesucht werden, sondern sie versteht die Sprachstruktur, so dass Analysen auf Satzebene möglich sind. "Wir suchen nicht nach Dokumenten mit Schlüsselwörtern, sondern nach Sätzen mit diesen Wörtern. Die Software ist zudem in der Lage zu unterscheiden, um welchen grammatikalischen Satzbestandteil es sich handelt. Sie kann Subjekt, Prädikat und Objekt erkennen", erläutert Gast. Auch hier gilt das Motto. Die Software übernimmt die Massenbearbeitung, die Experten sichten die Infos und ordnen sie ein.

Endlich weg vom Kampagnen-Tanker

Für Gast ist das Opinion Mining ganz klar im Marketing verankert. "Wir wollen mit Opinion Mining Insider-Informationen über die Zielgruppen erlangen und kreative Anstöße generieren, um Kampagnen effizienter zu steuern. Unsere Vision ist es, vom schwerfälligen Tanker 'Kampagne' wegzukommen, bei dem am Anfang ein Budget geplant wird und dann alles automatisch abläuft. Sowohl inhaltlich als auch bei der Mediaschaltung könnten Marketer online heutzutage viel flexibler agieren", sagt Gast. Wer beispielsweise Suchmaschinenmarketing betreibe und wisse, über was seine Zielgruppe aktuell diskutiert, könnte sofort reagieren, entsprechende Keywords definieren und zur Diskussion passende Produkte in Suchmaschinen bewerben. Auch für das Produktmanagement kann das Feedback von Konsumenten wichtig sein. "Aber viel wichtiger ist es, die Reaktionszeit in der Kommunikation zu beschleunigen", meint der Innovations-Chef. Und das kann schon mal auf kurzen Wegen erfolgen: Eine punktuelle Ansprache von Leuten, die negative Meinungen verbreiten, sei nach seinen Erfahrungen unglaublich wirksam.

Doch bis dahin ist es in vielen Unternehmen noch ein weiter Weg. Nur allzu oft ignorieren Führungskräfte die Diskussionen im Web 2.0 - aus Angst falsch zu reagieren. Zudem geht der Überblick über die stetig wachsenden digitalen Meinungsäußerungen schnell verloren. "Zunächst geht es darum, dem Marketing die Unsicherheit des Kontrollverlustes zu nehmen", konstatiert Gast.

*SIGMA Milieus reflektieren die psychische Prädisposition der Konsumenten und vernetzen sie mit der Nutzung oder Ablehnung von Produkten und Marken.

Karsten Zunke
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RECHT
von Dr. Martin Schirmbacher, HÄRTING Rechtsanwälte | ADZINE 14.12.2007

Tracking Tools - Ungemach wegen der Auswertung von IP-Adressen?

Dr. Martin Schirmbacher

Nahezu jeder Betreiber von professionellen Websites nutzt heutzutage Tracking-Tools. Lediglich ein Bruchteil der Website-Betreiber bekennt sich öffentlich zur Nutzung solcher Hilfsmittel. Ein Rechtsverstoß? Für erhebliche Unruhe sorgen derzeit zwei Urteile Berliner Gerichte, die dem Bundesjustizministerium im Wesentlichen die Nutzung von Tracking-Tools ohne Information der Nutzer untersagen.

Geklagt hatte ein Betroffener unter Berufung auf sein Recht auf informationelle Selbstbestimmung. Sowohl das Amtsgericht Berlin-Mitte (Urteil vom 27. März 2007 - Az. 5 C 314/06) als auch das Landgericht Berlin (Urteil vom 6. September 2007 - Az. 23 S 3/07) gaben dem Kläger Recht. Das Bundesjustizministerium, das ohnehin nach Klageerhebung auf die Nutzung von Tracking Tools verzichtet hatte, verlor in beiden Instanzen.

Speicherung von Daten und das Telemediengesetz

Dass das Tracking der Besucherbewegungen für die Websitebetreiber von erheblicher Relevanz ist, bedarf keiner Erörterung. Dass es deshalb ganz erhebliche Verbreitung findet, ist ebenso bekannt - jedenfalls unter den Website-Betreibern. Dass dies auch auf Nutzer-Seite der Fall ist, darf indes bezweifelt werden.

Nahezu alle Tracking-Tools speichern die IP-Adresse, die dem Surfenden zugeordnet ist, wenn er sich auf der Website befindet, die getrackt wird. Und eben die Speicherung der IP-Adresse des Nutzers war der Stein des Anstoßes. Der Unterlassungsanspruch des Klägers ergibt sich nach Ansicht der Berliner Gerichte aus § 1004 des Bürgerlichen Gesetzbuches in Verbindung mit § 15 Absatz 4 des Telemediengesetzes (TMG). Nach letzterer Vorschrift ist es untersagt, personenbezogene Daten zu speichern und zu verarbeiten, ohne dass der Betroffene in diese Nutzung einwilligt. Nutzungsprofile dürfen nur erstellt werden, wenn dabei Pseudonyme verwendet werden und ein Rückschluss auf die Identität des Betroffenen nicht möglich ist.

Bei den herkömmlichen Tracking-Tools werden über die IP-Adresse hinaus keine Daten gespeichert, die auch nur theoretisch eine Verbindung zu der Identität des Betroffenen ermöglichen. Letzteres ist mit der IP-Adresse dem Access-Provider des Nutzers, dem die Einwahldaten und der Klarname des Anschlussinhabers bekannt sind, regelmäßig möglich.

IP-Adressen als personenbezogene Daten?

Wesentliche Weichenstellung der Entscheidung ist die Frage, ob die gespeicherten IP-Adressen personenbezogene Daten im Sinne von § 15 Abs. 4 TMG sind. Dies ist unter Juristen umstritten. Nach der maßgeblichen Vorschrift des § 3 Abs. 1 Bundesdatenschutzgesetz (BDSG) sind personenbezogene Daten "Einzelangaben über bestimmbare natürliche Personen". Problematisch ist nun, ob Nutzer allein aus der IP-Adresse tatsächlich bestimmbar ist.

Nach der herkömmlichen Auslegung der Vorschrift richtet sich dies nach den Möglichkeiten des Speichernden. So kann ein Datum für den einen Anbieter personenbezogen sein, während es dies für den anderen Anbieter nicht ist, weil dieser nicht die Möglichkeit der persönlichen Identifizierung hat.

In den oben genannten Entscheidungen haben die Berliner Gerichte die IP-Adresse für ein personenbezogenes Datum gehalten. Dies treffe auch auf dynamische IP-Adressen zu. Es sei ausreichend, dass die IP-Adresse geeignet ist, einen Bezug zu der natürlichen Person herzustellen. Es bestehe - auch bei dynamischen IP-Adressen - die Möglichkeit, die Internetnutzer ohne unverhältnismäßigen Aufwand zu identifizieren. Das ist indes nur die halbe Wahrheit. Dem Websitebetreiber ist es in aller Regel nicht möglich, den Surfer aus der IP-Adresse individuell zu identifizieren. Steht der Websitebetreiber nicht gleichzeitig in vertraglicher Beziehung zu dem Nutzer, fehlt ihm die Zuordnungsmöglichkeit. Dies zeigt sich eindrucksvoll an den Schwierigkeiten der Musikindustrie, die Namen der Anschlussinhaber im Falle von Urheberrechtsverletzungen zu ermitteln. Ohne die Mithilfe der Staatsanwaltschaft lassen sich die Anschlussinhaber nicht ausfindig machen.

Die Entscheidungen der Gerichte sind daher eher zweifelhaft und wohl von dem Gedanken getrieben, dass eine Verneinung des Personenbezugs die Nichtanwendbarkeit der Vorschriften des Telemediengesetzes zur Folge hätte und die gesammelten Daten ohne Restriktionen und Information des Nutzers an Dritte übermittelt werden könnten. Diese wiederum können grundsätzlich die Möglichkeit haben, den Nutzer aufgrund der IP-Adresse zu identifizieren. Gegen eine solche Zusammenführung helfen indes andere Normen, so dass die Argumentation nicht zu überzeugen vermag.

Was ist zu tun?

Die oben zitierten Urteile sind jedoch auch auf Zustimmung gestoßen. Auch die Datenschutzbeauftragten und verschiedene EU-Institutionen halten IP-Adressen für personenbezogene Daten. Wer auf der sicheren Seite sein möchte, sollte daher versuchen, die Vorschriften des TMG einzuhalten, um Klagen von Nutzern und - was durchaus denkbar ist - Abmahnungen von Wettbewerbern zu vermeiden.

Gem. § 13 Abs. 1 TMG besteht eine Unterrichtungspflicht des Webseitenbetreibers zu Beginn des Nutzungsvorgangs, über Zweck, Art und Umfang der Datenerhebung und Datenverwendung. Der Nutzungsvorgang soll für den Nutzer möglichst transparent gestaltet sein, damit dieser die Rechtmäßigkeit der Datenverarbeitung überprüfen kann.

Es bedarf also einer transparenten Information des Nutzers. Findet sich der Hinweis in einer irgendwo auf der Website versteckten Datenschutzerklärung, wird der Websitebetreiber der Hinweispflicht jedenfalls nicht gerecht. Doch auch wer einen deutlich gekennzeichneten Link auf der Startseite anbringt, ist nicht aller Sorgen entledigt, wenn die IP-Adresse in diesem Zeitpunkt bereits gespeichert ist.

Zudem muss der Nutzer grundsätzlich die Möglichkeit haben, den Dienst ohne die Speicherung seiner Daten zu nutzen. Es muss also ein Opt-Out geben. Ob dies technisch mit den herkömmlichen Tools ohne weiteres möglich ist, erscheint jedenfalls fraglich. Der sicherste Weg wäre daher der des Bundesjustizministeriums: auf die Nutzung von Tracking Tools ganz zu verzichten - jedenfalls aber kein Tool einzusetzen, das die IP-Adresse des Nutzers dauerhaft speichert.

Für eine abschließende Aussage ist es noch zu früh. Zu divers sind die Meinungen. Angesichts dessen, dass selbst das Bundesjustizministerium gern die IP-Adressen der Nutzer speichern und auswerten würde, ohne dass dies eine vorherige Information oder gar die Einwilligung des Nutzers erforderlich machen soll, ist selbst eine klarstellende Gesetzesänderung nicht ausgeschlossen. Bis dahin gilt hier was auch in anderem Zusammenhang gilt: Der Websitebetreiber bewegt sich auf rechtlich unsicherem Boden.

Dr. Martin Schirmbacher
schirmbacher@haerting.de
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WERBEFORMEN
von Helge Denker, Redaktion | ADZINE 14.12.2007

Das Netz wird grün

Helge Denker

Wie platziert man Online-Anzeigen möglichst nah am redaktionellen Content? Als Alternative zu Context Werbung im Google Content-Network fällt immer haufiger InText-Werbung auf. Webseiten werden automatisch gescannt und buchbare Schlüsselwörter mit grünen, doppelt unterstrichenen Werbelinks versehen, den sogenannten Hooks. Fährt der Mauszeiger über diesen Link, öffnet sich ein kleines Werbefenster, in dem neben Texten und Bannern auch zeitnah Rich-Media-Formate wie Videos gezeigt werden können. Ein Klick in das Werbefenster führt in der Regel zu den entsprechenden Landing-Pages.

Führender Anbieter dieser "InText-Werbung" genannten Lösung ist Vibrant Media (www.vibrantmedia.de), die in Hamburg ihre deutsche Niederlassung unterhalten. Die Firma wurde 2000 in London gegründet und hat weltweit über 170 Angestellte. Vibrant Medias Werbeformen, wie IntellitextVibrant InTtext und SmartAD, werden nach Angaben des Unternehmens von 115 Millionen Unique Usern gesehen. "Mit IntelliTXT, Vibrants InText-Werbung wird jedes Wort zu einer Chance für Werbetreibende, mit potenziellen Kunden zu kommunizieren", heißt es auf der Webseite. Näher kann man Content und Werbung kaum zusammenbringen.

Vibrant Media gehört in den USA zu den am schnellsten wachsenden Ad-Networks mit eigener Technologie. Jeden dritten Internetnutzer, so die Studie comscore 2007, erreicht diese spezielle Werbeform. Katharina Brandt, Senior Manager Media von Vibrant Media: "Die Akzeptanz der InText-Werbung ist sehr hoch. Im Rahmen einer Untersuchung hatten Nutzer die Möglichkeit, die InText-Werbung-Funktion abzuschalten. Nur ein User von 100.000 nutzte diese Möglichkeit." Das dürfte eine sehr optimistische Einschätzung des Unternehmens sein. Gibt man "IntelliText" mal in einer x-beliebigen Suchmaschine ein, wird man den Eindruck nicht los, als handelten die meisten Suchergebnisse von der Suche nach dem "Aus"-Knopf.

Aber auch deutsche Webseiten sehen durch IntelliText-Werbung eine zusätzliche Erlösquelle, unter anderem findet man die Werbeform bei Chip.de, SportBILD.de, AutoBILD.de, Amica.de, n-tv.de und der Finanzwebseite Ariva.de. Vibrant Media hat die IntelliTXT-Technologie, auf der IntelliText-Werbung basiert, selbst entwickelt und hostet auch alle Ads selbst. Auf diesem Weg können diese ohne Zeitverzögerung eingespielt werden. Wie bei Online-Werbung üblich, kann der Kunde oder die Agentur ein tägliches Limit vergeben, bis zu der Werbung ausgespielt werden soll. "Ist die gewünschte Zahl der Klicks erreicht, blendet das System automatisch Werbung von einem anderen Kunden ein", erklärt Katharina Brandt. Auch ist es möglich, dass Werbekunden bestimmte Webseiten aus einem Channel, zum Beispiel "Automotive", ausschließen. Das Portfolio selbst gibt Vibrant Media nicht heraus. Der Kunde zahlt für die Werbung eine CPM - auf Basis einer Cost per Click-Pauschale (CPCM = Kosten pro tausend Impressionen). Der CPC steht in Abhängigkeit zu dem gewählten Format, dem Channel und der gewünschten Zielgruppe. CPMs basieren auf dem aktuellen verfügbaren Angebot und der ausgewählten Unterkategorie.

Vibrant Media setzt im Vertrieb auf den persönlichen Kontakt und arbeitet nicht mit "Anzeigenautomaten", über die Werbung gebucht wird, sondern mit einem Team von Vertrieblern, die Agenturen und Kunden beraten. Das Konzept "Persönlicher Kontakt statt Interface" ist erfolgreich. Die Nachfrage nimmt, auch in Deutschland, stark zu. Besonders Video-ADs sind in jüngster Zeit stark gefragt, vorzugsweise im Bereich Branding. Besonders gut lief in jüngster Zeit ein Axe-Werbespot, der mit witzigen Inhalten viel Aufmerksamkeit und Klicks auf sich ziehen konnte. "Der Anstieg der Nachfrage ist über alle Werbeformate verteilt, wobei Video derzeit am stärksten zunimmt", erklärt Katharina Brandt.
Die jüngste Werbeform, "IntelliTxt Vibrant Video" genannt, wird derzeit zum Beispiel viel für Kinowerbung, Musikvideos oder Werbespots eingesetzt. Da der User die Werbung selbst aktiviert und dies auch sehr schnell lernt, ist die Akzeptanz vergleichsweise deutlich höher, als bei eingebundenen, flashbasierten Video-Ads, die einfach mit Ton gestartet werden, ob der User sie nun sehen will oder nicht. IntelliTxt Vibrant Video sei eine Kombination von content-relevanter Werbung mit der Brandingwirkung eines Werbespots. Damit werden weltweit über 250 Millionen Werbespots pro Monat im gesamten Internet ausgeliefert.

Helge Denker
helgedenker@gmail.com
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