Online-Marketing Newsletter: AUSGABE 14 / 2007 | 13.07.2007 - ADZINE - Magzin für Online-Marketing
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   AUSGABE 14 / 2007 | 13.07.2007

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AFFILIATE MARKETING
von Arne Schulze-Geißler, Redaktion | ADZINE 13.07.2007

Lizenz zum Verlinken (Teil 2)

Arne Schulze-Geißler

Die Trafficquelle Nr.1 für Affiliate Sites sind Suchmaschinen und damit sind sie gewollt oder ungewollt elementarer Bestandteil des Affiliate Marketings. Dabei spielt für Affiliates die Suchmaschinenoptimierung eine weitaus größere Rolle als die bezahlten Links. Die spezialisierten Publisher Sites sind, was Gattungsbegriffe angeht, in den organischen Rankings kaum zu schlagen. (siehe <a href="http://adzine.de/de/site/contentfcmsv44684548f93c2b/artikel.xml" target="_blank" >Lizenz zum Verlinken (Teil 1)</a>). Produktanbieter setzen daher selbst eher auf SEM-Maßnahmen. Aber auch in diesem Segment werden zunehmend gezielt Affiliates eingebunden, die einerseits die SEM Maßnahmen ergänzen und dem Affiliate Marketing-Ansatz zu mehr Dynamik verhelfen.

Natürlich gewinnt das Affiliate Marketing durch eine zusätzliche Komponente auch an Komplexität, da einerseits wieder einmal spezielles Know-how und eine auf das Kampagnenziel ausgerichtete Koordination unabdinglich sind. Zudem werden immer wieder zentrale Fragen aufkommen, welche Keywords man wann für SEM-Affiliates freigeben soll und natürlich auch wohin verlinkt wird? Aber zunächst schauen wir mal, worin grundsätzlich die Motivation besteht, den Affiliate-Gedanken auf das SEM auszudehnen.

"Die Vorteile für den Merchant liegen auf der Hand - er profitiert von der erfolgreichen Arbeit und dem Know-how seiner Affiliates, überträgt aber gleichzeitig auch Erfolgs- und finanzielle Risiken auf diese. Bei Beauftragung einer SEM-Agentur müsste er diese Risiken zumindest in großen Teilen selbst tragen“, erklärt Manuel Kester, Director Affiliate Marketing von belboon, Yoc AG.

Die Funktionsweise ist grundsätzlich aus "herkömmlichen" SEM-Maßnahmen bekannt, mit der Besonderheit, dass der Advertiser ein zusätzliches Vehikel nutzt, nämlich PPC-Affiliates.

"Es gibt verschiedene Möglichkeiten für Search im Affiliate Marketing: Bei der bezahlten Suchwortvermarktung (SEM) bewerben die Affiliates bestimmte Keywords auf Suchmaschinen und vergüten diese auf Klickbasis. Werden diese dann bei Google oder den anderen großen Suchmaschinen von Internetsurfern eingegeben, so landet man auf der Seite des Affiliates und klickt sich über diese Zwischenstation zur Seite des Merchants durch", so Axel Schönau, Managing Director Global Media GmbH.

Neben der Variante mit der zwischengeschalteten Landing Page, ist aber auch die direkte Verlinkung von der Affiliate Anzeige auf die Produktseite des Advertisers und damit zum Point of Sale natürlich realisierbar. "International hat sich das Direct Linking, also das direkte Verlinken aus der Anzeige bei Google auf die Kundenwebsite längst durchgesetzt", weiß Commission Junction Deutschlandchef und Leiter des AK Affiliate Marketing im BVDW Michael Kruse. "Für professionelle SEM-Affiliates ist die Freigabe der sogenannten Display-URL, also der Adresse www.kunde.de in der Google-Anzeige, eine absolute Voraussetzung. Top-Partner erwarten eine Top-Behandlung."

Bei der direkten Verlinkung ist allerdings zu berücksichtigen, dass Google jede Linkadresse pro Suchbegriff nur einmal zulässt. Bieten der Advertiser und der Affiliate beide auf die gleiche Kombination, befinden sie sich im Wettbewerb um die Auslieferung der Anzeige. Allerdings wird jedes Mal eine Anzeige des Kunden ausgeliefert, die Frage ist nur, ob auf CpC- oder auf CpA-Basis abgerechnet wird.

Zu klären ist dann noch, welche Keywords vom Advertiser für den oder die Search Affiliates freigegeben werden. Die wenigsten seien dabei so offen wie beispielsweise der bekannte Softwarehersteller Adobe: "Adobe, einer der exklusiven globalen CJ Kunden, bietet unseren Publishern an, auf sämtliche Adobe-Markennamen zu bieten. Der Erfolg gibt ihnen recht!“, so Kruse. "Insgesamt geht der Trend zu einer kampagnenorientierten oder saisonalen Keyword-Policy über."


Matthias Pantke, Geschäftsführer der TradeDoubler GmbH, beschreibt den eigenen Umgang in der Keyword Auswahl folgendermaßen: "Wird ein Partnerprogramm neu aufgesetzt, erarbeitet TradeDoubler als Affiliate-Netzwerk zusammen mit dem Advertiser eine Keywordpolicy, d.h., es wird definiert, auf welche Suchwörter Publisher im Rahmen von SEM/SEO zurückgreifen können. Der Rahmen ist gerade zu Beginn relativ strikt. Sobald die Publisher die Strategie des Advertiser verinnerlicht haben und das Partnerprogramm erfolgreich läuft, kann der Rahmen gelockert werden. Dabei gilt: Je offener die Policy der Advertiser für die Publisher, umso besser können diese ihre eigenen Kunden auf allen generischen Keywords in den Suchmaschinen abholen."

Äußerst wichtig erscheint die Kampagnenabstimmung und die Auswahl geeigneter Search Affiliates, die in der Lage sind, gezielt auch sämtliche begrifflichen Randbereiche zu erschließen. Wie viele Search Affiliates machen denn überhaupt Sinn bzw. benötigt man, um gute Ergebnisse zu erzielen?

Sabine Haase, Unternehmenssprecherin affilinet, erklärt dazu: "Unterstützt man das SEM eines Werbekunden mit etwa 3-5 erfahrenen und verlässlichen Search Affiliates kann man die Reichweite in der Suche optimal ausbauen.“

Es wird aber mehr als offensichtlich, dass die Publisher, die als Search Affiliates in Frage kommen, andere Kriterien erfüllen müssen als die Content Affiliates, die Portale oder z.B. Preisvergleiche betreiben. "Der optimale Publisher hat also nicht nur im Bereich des SEM Erfahrung, sondern auch in der Branche und mit den Produkten, für die er wirbt. Wir unterstützen Publisher dabei, inhaltlich gute Landing Pages aufzubauen, die im SEM auf lange Sicht funktionieren und unseren Kunden bzw. deren Produkten die größtmögliche Präsenz in den Suchmaschinen zu sichern." erklärt Holger Brandt, Geschäftsführer ad-cons GmbH

Ohne uns jetzt in endlosen Details und Differenzierungen zu verlieren, müssen wir doch zwei grundsätzlichen Strömungen Rechnung tragen, auf die uns Dimitrios Haratsis, zanox Regional Director DACH, aufmerksam macht.

"Grundsätzlich sollte bei Suchmaschinen-Marketing im Bereich Affiliate Marketing zwischen einer maßgeschneiderten Direktbetreuung und Brandingmaßnahmen sowie dem Bereich Long Tail unterschieden werden."

Chris Andersons Theorie des "Long Tail" unterstellt eine immer spezieller werdende Produktnachfrage, die durch ein sehr diversifiziertes Angebot im Internet hervorgerufen und auch bedient werden kann. Wer sich diesen Ansatz zur Anleitung nimmt, sucht seinen Erfolg in der Akkumulierung von Nischenangeboten, die zwar jeweils nur ein kleines Klientel bedienen, die Summe der Transaktionen aber trotzdem ein relevantes Volumen verspricht.

Haratsis weiter: "Herkömmliches Suchmaschinen-Marketing mit Schwerpunkt auf Brandingeffekten wird entweder vom Advertiser selbst durchgeführt oder an eine spezialisierte Agentur übergeben. Inzwischen kommt allerdings dem Long Tail eine immer größere Bedeutung zu, weil Internet-Nutzer zunehmend Spezial-Webseiten besuchen, die relativ kleine Nutzerzahlen haben, [...]."

Um gerade in dem zuvor beschriebenen SEM-Ansatz die Long-Tail-Theorie zu leben, erscheint das konsequente Keywordmanagement unerlässlich, um sämtliche Randbereiche und Nischen abzudecken. Der Schlüssel liegt hierbei wohl in der Verteilung von Keywords wie Gattungsunterkategorien auf die jeweils spezialisierten Publisher zur Maximierung der Reichweite im Ganzen.

Neben der großen Bedeutung des Long Tail unterstreicht Sabine Haase aber auch die Relevanz für die Marke, die man durch den Einsatz von Affiliates im SEM vor dem Zugriff anderer schützen kann. "Markenbegriffe werden immer wieder von Wettbewerbern missbraucht, um Traffic vom Markeninhaber abzuziehen. Durch das Einbinden von Search Affiliates kann man sicherstellen, dass bei der Suchanfrage nach dem eigenen Produkt bzw. Marke auch das eigene Unternehmen durch geschickte Mehrfachplatzierungen über evtl. verschiedene Landing Pages die größte Präsenz bei den Sponsored Links behält."

Da stellt sich doch direkt die Frage, ob Affiliate-Plattform-Betreiber gleichzeitig zu SEM-Dienstleistern mutieren müssen, um mit den zunehmend diffizilen Anforderungen, der Koordination und den unterschiedlichen Zielrichtungen von Kampagnen umzugehen.

Manuel Kester ordnet für uns die Aufgabenverteilung in der Search-Thematik und beantwortet die Frage: "Nein, eigentlich nicht. Affiliate Netzwerke bieten nach wie vor eine technische und kaufmännische Dienstleistung und darüber hinaus - im Rahmen des Affiliate-/Merchant-Netzwerks - einen Marktplatz für Angebot und Nachfrage von Werbe- und Vertriebsleistungen an. Das Affiliate-Netzwerk wird i.d.R. nicht selbst als SEM-Dienstleister für seine Kunden tätig. Innerhalb des Netzwerks werden aber durchaus SEM-Leistungen durch Merchants nachgefragt und durch Affiliates angeboten."

Publisher oder besser Affiliates übernehmen SEM Spezial-Aufgaben und werden so ein stückweit selbst zur SEM Agentur, dennoch erfolgt die Steuerung bestenfalls durch die SEM (Lead)-Agentur oder den Advertiser selbst. Das scheint der Idealfall. Ist das noch Wunschdenken oder funktioniert das heute schon gut?

"Nein, das funktioniert leider noch nicht. Das liegt hauptsächlich an einer zu restriktiven Grundhaltung vieler Agenturen in Deutschland, getreu dem Motto: Ich kann meinem Kunden doch nicht erklären, dass ich nicht alle 2,5 Mio. Suchwortkombinationen gebucht habe. Unsere internationale Erfahrung zeigt deutlich, dass Agenturen hier Mut zur Lücke haben und sich auf die strategischen sowie hochgenerischen Keywords konzentrieren sollten. Den Long Tail könnten sie dann wiederum Spezialisten überlassen. Nur dann bekommt der Advertiser das optimale Ergebnis", schildert Kruse seine Sicht der Dinge.

Arne Schulze-Geißler
asg@adzine.de
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RECHT ONLINE
von Dr. Martin Schirmbacher RA, HÄRTING Rechtsanwälte | ADZINE 13.07.2007

Haftung für Google AdWords-Option: "weitgehend passende Keywords"

Dr. Martin Schirmbacher RA

Über die rechtliche Zulässigkeit der Verwendung fremder Marken und Firmenbezeichnungen als Keywords, insbesondere bei Google Adwords, ist an dieser Stelle schon einiges geschrieben worden (vgl. <a href="http://www.adzine.de/de/site/contentfcmsv445f05c09a12cf/artikel.xml" target="_blank" >ADZINE vom 09.03.2007</a> und <a href="http://www.adzine.de/de/site/contentfcmsv444c0010769c3c/artikel.xml" target="_blank" >ADZINE vom 20.07.2006</a>).

In Deutschland wird der Einsatz fremder Marken als Keyword überwiegend für eine Markenverletzung gehalten. Nach einer Entscheidung des Bundesgerichtshofes zum Einsatz fremder Marken in Metatags (vgl. <a href="http://www.adzine.de/de/site/contentfcmsv4449ae5330999b/artikel.xml" target="_blank" >ADZINE vom 22.06.2006</a>) einer Website spricht vieles dafür, dass das oberste deutsche Zivilgericht auch den Einsatz fremder Marken und Bezeichnungen als Keywords für rechtswidrig halten würde. Auch bei dem Keyword-Advertising bemerkt der Nutzer die Verwendung der fremden Marke allenfalls mittelbar. Von der Verwendung fremder Marken und Bezeichnungen als Keyword ist daher abzuraten.

Ob dies auch für die Verwendung der Google-AdWords-Funktion: "weitgehend passende Keywords" gilt, hatte das Landgericht Berlin in einem erst kürzlich bekannt gewordenen Urteil zu entscheiden (Entscheidung vom 21.11.2006, Az. 15 O 560/06). Bei der Google-AdWords-Funktion "weitgehend passende Keywords" schlägt Google seinen Kunden thematisch verwandte Suchworte vor, die der Werbekunde in seine Keyword-Liste für eine Kampagne übertragen kann.

Es ging um ein einstweiliges Verfügungsverfahren: die Antragstellerin vertreibt unter der Bezeichnung "Europa Möbel" eine eigenständige Möbelreihe und ist Inhaberin der beim Deutschen Patent- und Markenamt eingetragenen Wort-/Bildmarke "EM Europa Möbel". Die Antragsgegnerin vertreibt über ihre Website u.a. Discount-Möbel.

Das Gericht ging bei seiner Entscheidung davon aus, dass die beklagte Partei als Keyword lediglich den Gattungsbegriff "Möbel" verwendete und eben die von Google angebotene Option "weitgehend passende Keywords" wählte. Nun erschienen bei Eingabe der Begriffe "europa-möbel" und "europamöbel" in die Suchfunktion der Internet-Suchmaschine "Google" neben den Suchergebnissen Werbeanzeigen für die Antragsgegnerin mit einem Link zu deren Internetseite.

Die Markeninhaberin übersandte dem werbenden Unternehmen vorprozessual eine Abmahnung, informierte sie also über den beanstandeten Umstand. Die Abgemahnte wies die Vorwürfe jedoch zurück und gab an, lediglich mit dem Gattungsbegriff "Möbel" zu werben. Eine weitere Abmahnung blieb ohne Ergebnis.

Das Landgericht Berlin untersagte das beanstandete Verhalten und sprach der Antragsstellerin einen markenrechtlichen Unterlassungsanspruch zu. Deren Marke sei durch das Erscheinen der Werbeanzeige der Beklagten rechtswidrig beeinträchtigt.

Die Beklagte sei hinsichtlich der Markenverletzung jedenfalls Störer, weil sie die Möglichkeit zur Verhinderung dieser Handlung gehabt und zumutbare Prüfpflichten verletzt habe. Sie habe unzweifelhaft bei dem Erscheinen der Anzeige durch die Wahl eines Allgemeinbegriffs als Keyword und der Auswahl der Option "weitgehend passende Keywords" mitgewirkt. Zumindest ab dem Zeitpunkt der Aufforderung durch den jeweiligen Markeninhaber habe der Werbende dafür Sorge zu tragen, dass zukünftig die AdWords-Anzeigen bei Eingabe des Markenbegriffs nicht mehr erscheinen. Dies könne insbesondere durch die Auswahl geeigneter "ausschließender Keywords" erreicht werden, so dass die Anzeige dann nicht erscheint, wenn der Suchbegriff zwar das festgelegte Keyword, zugleich aber auch das ausgeschlossene Keyword enthält.

Das Gericht hält aber auch fest, dass es dem Werbenden dagegen in der Regel nicht zumutbar ist, bereits vor Beginn der Anzeigen-Kampagne zu überprüfen, in welchem Umfang es durch Auswahl der Option "weitgehend passende Keywords" zu Kennzeichenverletzungen Dritter kommen könnte und diese von vornherein durch die Auswahl ausschließender Keywords zu verhindern. Vorauseilender Gehorsam ist also nicht nötig.

Das Landgericht hat eine differenzierte Entscheidung und wirft dem werbenden Unternehmen nicht die Verwendung der Option "weitgehend passende Keywords" als solche vor, sondern das Unterlassen geeigneter und zumutbarer Gegenmaßnahmen nach Kenntnis von der Einblendung von Werbung auch bei Eingabe der fremden Marke.

Fazit ist also, dass die Option "weitgehend passende Keywords" durchaus verwendet werden darf, dabei aber Vorsicht geboten ist. Bei offensichtlichen Markenverletzungen, spätestens aber ab einer entsprechenden Abmahnung des Markeninhabers muss die Einblendung der eigenen Werbung auf die Eingabe des markenrechtlich geschützten Keywords verhindert werden. Allein darauf zu verweisen, dass die Funktion von Google angeboten werde, genügt nicht.

Dr. Martin Schirmbacher RA
schirmbacher@haerting.de
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METRICS
von Karsten Zunke, Redaktion | ADZINE 13.07.2007

Zahlensturm im Wasserglas

Karsten Zunke

Für Wirbel sorgte kürzlich das amerikanische Marktforschungsinstitut Comscore. Das US-Unternehmen hatte Ende Mai erstmals einen Reichweitenreport für deutsche Websites vorgestellt. So mancher Internet-Interessierte rieb sich daraufhin verwundert die Augen, dass in den Reichweiten-Top Ten plötzlich ganz andere Seiten gelistet waren, als üblicherweise in den Erhebungen der hiesigen Arbeitsgemeinschaft Onlineforschung (AGOF) ausgewiesen werden. Selbst in der Fachpresse war vereinzelt zu lesen, dass die internet facts der AGOF nun wohl neue Konkurrenz bekommen würden. Leider hat das eine mit dem anderen nicht viel zu tun. Dieser Sturm im Wasserglas hat gezeigt: Es gibt grobe Missverständnisse. Und davon reichlich.

"Comscore ist für uns kein Wettbewerber. Das gilt auch für Nielsen Netratings", stellt René Lamsfuß, Vorstandsvorsitzender der AGOF klar. "Wenn die Daten dieser Marktforscher eine geeignete Grundlage für die Mediaplanung hierzulande gewesen wären, hätten wir vor fünf Jahren nicht so viel Arbeit, Zeit und Energie dafür aufgebracht, die internet facts auf den Weg zu bringen." Ein Unterschied wird schon in der Ausgangslage deutlich. Die Researcher sind marktwirtschaftlich agierende Unternehmen. "Wir sind kein Marktforschungsinstitut und wir wollen mit unseren Erhebungen keine Marktforschungsumsätze erzielen. Die AGOF ist ein eingetragener Verein, unterliegt entsprechenden Spielregeln und handelt im Auftrag ihrer Mitglieder", erläutert Lamsfuß.

Ähnliche Ansätze gibt es in Österreich und der Schweiz. Die Österreicher haben das AGOF-Modell in einer leicht veränderten Version adaptiert. Sie haben es anders strukturiert und dem kleineren Werbemarkt angepasst. Auch die Holländer, Belgier und Polen haben eine Lösung gefunden, bei der eine Organisation und kein Unternehmen die planungsrelevanten Online-Reichweiten zur Verfügung stellt. In Großbritannien, Frankreich und Spanien wird hingegen stark mit Netratings und Comescore gearbeitet.

Drei-Säulen-Modell

Aber im Gegensatz zu den Panelmessungen von Comscore und Nielsen Netratings ermittelt die AGOF ihre Daten mit einem Drei-Säulen-Modell. Das besteht aus einer elektronischen Messung der Nutzung, einer Onsite-Befragung der User und einer bevölkerungsrepräsentativen Telefonbefragung. Bei der rein technischen Messung werden Größen wie Visits und Page Impressions erhoben. Das geschieht auf Basis jedes einzelnen Rechners, dessen Internetnutzung gemessen wird. Diese Rechner werden als Unique Clients bezeichnet. Der wichtigste Part im Modell ist die Umwandlung dieser Unique Clients in Unique User, also in die Nutzer hinter den Rechnern. Dazu wird zwischen Single Usern, Multi Usern und Multi Clients unterschieden. Denn nur bei einem Single User ist ein Unique Client automatisch ein Unique User, also dann, wenn der Rechner nur von einer Person genutzt wird, die keinen anderen Internetzugang nutzt.

Die Daten der technischen Messung werden mit den On-Site-Befragungen angereichert. Von den Nutzern, von denen sowohl Daten aus der technischen Messung als auch Daten aus der Online-Befragung vorliegen, werden idealtypische Nutzerprofile erstellt. In einem Profiling-Datamining-Verfahren werden mit Hilfe dieser idealtypischen Nutzerprofile nach Ähnlichkeitsprinzip unvollständige Profile angereichert. Auf diese Weise werden fehlende soziodemografische Daten ergänzt und vollständige Nutzerprofile generiert (Modelling). Damit wurden die Unique Clients in Unique User umgewandelt. Um diese Informationen auf die deutsche Internetnutzerschaft ab 14 Jahren übertragen zu können, wird eine repräsentative Telefonbefragung durchgeführt und mit den Daten aus der technischen Messung fusioniert.

"Mit einem Panel hingegen lassen sich bestimmte Nutzereigenschaften nicht abbilden", sagt Lamsfuß. So lasse sich die Internetnutzung am Arbeitsplatz in Deutschland aus rechtlichen Gründen auf diese Weise nur schwer bis gar nicht repräsentativ erheben. Weder die Nutzer noch das Unternehmen würden es zulassen, dass ihnen beim Surfen am Arbeitsplatz jemand im übertragenen Sinne über die Schulter schaut. Die AGOF fängt diese Onliner mit ihrem Drei-Säulen-Modell ein.

Werbefrei nicht AGOF relevant

Die Erhebungen von Nielsen Netratings oder Comscore können auch deshalb nicht mit den internet facts verglichen werden, weil die AGOF einen anderen Fokus hat. So bemängelten Kritiker, dass in den Comscore-Top Ten beispielsweise Google, Ebay und Wikipedia unter den Top Ten landeten, bei der AGOF aber nie auftauchen. Das Problem: Einige große Websites basieren auf anderen Businessmodellen. Denn eine Voraussetzung, um von der AGOF in die Studie einbezogen zu werden, ist beispielsweise, dass auf dem Angebot klassische Bannerwerbung geschaltet wird. "Das Geschäftsmodell von Google fußt nicht auf Displaywerbung und die AGOF plant ihrerseits zur Zeit nicht, Keyword-Advertising als Planungstool zur Verfügung zu stellen", sagt Lamsfuß.

Nicht-Werbeträger fallen bis dato automatisch durch das AGOF-Raster. Auch können daher bisher nur wenige Web 2.0-Angebote ausgewiesen werden. Schließlich ist eine Mediaplanung für werbefreie Websites eine ziemlich sinnfreie Beschäftigung. Allerdings gibt es auch technische Ausschlusskriterien: beispielsweise muss die Seite mit Cookies arbeiten und den Einbau eines Tags in den Seitenquellcode erlauben. Wer die Voraussetzungen erfüllt, kann eine AGOF-Lizenz beantragen, um bei der Erhebung dabei zu sein. Einen Anspruch, Reichweiten für das gesamte deutschsprachige Internet zu erheben, hat die AGOF nicht. Die Bedeutung der Reichweiten der teilnehmenden Angebote dürfte unbestritten sein, eine Mediaplanung, die auch die Nutzungsintensität berücksichtigt, hat sich bisher aber noch nicht durchgesetzt. Nielsen//Netratings ergänzt derzeit seine Erhebungsdaten, um die Gesamtverweildauer von Nutzern auf den jeweiligen Angeboten. Aber auch hierbei ist Vorsicht geboten. Beispielsweise permanent geöffnete Instant Messaging Dienste, die Portalen wie AOL oder MSN zugeordnet werden, können das Bild verzerren.

Die Verweildauer bekommt gerade bei der zunehmenden Einbindung von dynamischen Inhalten einen höheren Stellenwert, da Websites nicht neu geladen werden müssen. Auch die AGOF misst solche Daten bereits, weist sie aber nach eigenen Angaben mangels Nachfrage bisher nicht aus. Ihr Ziel ist es Mediaplanern eine umfassende Grundlage für ihre Arbeit zu liefern. Diese bekommen sie auch schon heute - wenn auch mit einer gewissen Verzögerung. Insbesondere bei neuen Angeboten könnte dies fatal sein - im schlimmsten Fall sind die Anbieter wieder verschwunden, bevor Zahlen bekannt gegeben werden. Wenn ein neues Angebot aufgenommen wird, dauert es in der Regel sechs Monate, bis erste Zahlen vorliegen. "Das ist natürlich unbefriedigend", sagt Lamsfuß. "Aber wir arbeiten mit Nachdruck daran und werden zeitnah Lösungen zur Verfügung stellen können."

Karsten Zunke
kaz@adzine.de
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Termine im Online-Marketing

04.04.2008

Social Web BREAKFAST Hamburg



08.04.2008  -  09.04.2008

eMetrics Marketing Otimization Summit München



08.04.2008

eMetrics Marketing Optimization Summit München 2008



08.04.2008  -  09.04.2008

SMX Search Marketing Expo München



15.04.2008  -  18.04.2008

eCommerceForum 2008



16.04.2008  -  17.04.2008

Web 2.0 Kongress in Wiesbaden



18.04.2008  -  06.06.2008

QUISMA veranstaltet den 3. deutschlandweiten AffiliateCup



24.04.2008

First Cologne Web Content Forum



25.04.2008

SEMSEO - Konferenz für Suchmaschinenmarketing und -optimierung



27.05.2008

media coffee in Köln



02.06.2008  -  04.06.2008

Internet-Kongress iico.de (infopark internet congress) Berlin



02.06.2008  -  03.06.2008

“Connecting European E-Marketing“ - Interact Congress



02.06.2008

Internationaler Mediendialog Hamburg



05.06.2008

Nedstat Expert Forum Berlin 2008



10.06.2008

Nedstat Expert Forum Düsseldorf 2008



11.06.2008

Social Commerce Forum - Frankfurt a.M.



12.06.2008

„netnography08“ in München



23.06.2008  -  24.06.2008

Search Engine Strategies Hamburg



24.06.2008

Nedstat Expert Forum München 2008



04.09.2008

"OMD warm up" mit Home-Party-Hamburg



17.09.2008  -  18.09.2008

Online-Marketing-Düsseldorf 2008



18.09.2008

New Agency Models Conference London



24.09.2008

Virtual Worlds Camp bei Frogster, Berlin



30.09.2008  -  01.10.2008

Community SUMMIT Hamburg



11.10.2008  -  12.10.2008

BarCamp Munich 2008



21.10.2008  -  23.10.2008

Web 2.0 Expo Europe 2008



29.10.2008  -  31.10.2008

Medientage München 2008



06.11.2008

5. Pangora E-Commerce Kongress



12.11.2008  -  13.11.2008

TV Komm. Karlsruhe 2008



27.11.2008  -  28.11.2008

10. E12-Gipfel "Internet of Services"



29.11.2008

DMMK Young Professionals Stuttgart



03.12.2008

Erstellen Sie Ihren Webanaylse-Aktionsplan für 2009 - Mit Eric Peterson



10.02.2009  -  11.02.2009

Web Intelligence Forum



17.02.2009  -  18.02.2009

Social Media FORUM (Hamburg)



03.03.2009  -  08.03.2009

CeBIT 2009 - MARKETING SOLUTIONS AREA



03.03.2009  -  11.03.2009

Online Marketing Seminar: Convert Your Browsers to Buyers



01.04.2009  -  02.04.2009

Swiss Online Marketing 2009



22.04.2009  -  23.04.2009

Search Marketing Expo (SMX) München 2009



22.04.2009  -  23.04.2009

eMetrics Marketing Optimization Summit München 2009



11.05.2009  -  13.05.2009

CMO Gipfel 2009 - 3. Gipfel für Strategie und Innovation im Marketing



19.05.2009

Praxis-Workshop proseed: Strategisches Vertriebsmarketing im Internet



28.05.2009  -  03.06.2009

Web Analytics Academy Seminare



08.06.2009  -  09.06.2009

Deutscher Multimedia Kongress (DMMK) 2009 - MOVE!



10.06.2009  -  12.06.2009

Interact 2009 – Digital Advertising gets Innovative!



15.06.2009  -  17.06.2009

Infopark Internet Congress – iico.de



18.06.2009

Affiliate TactixX 2009



26.08.2009  -  25.09.2009

Digitaler Sommer an der Universität der Künste Berlin



15.09.2009

Social Media Forum - im East Hotel Hamburg



16.09.2009  -  17.09.2009

Community & Marketing 2.0 SUMMIT im East Hotel Hamburg



17.09.2009  -  18.09.2009

scoopcamp 2009 zum Thema „new storytelling“ von Hamburg@work und der dpa



18.09.2009

Online Marketing Convention



23.09.2009  -  24.09.2009

dmexco - Digital Marketing Exposition & Conference



08.10.2009

Zweites Gipfeltreffen zwischen Werbe- und Games-Branche in Hamburg



20.10.2009  -  10.11.2009

MARKETING ON TOUR Konferenz 2009 – Was sind die Top Trends im Online Marketing?



03.11.2009  -  17.11.2009

ecommerce conference



04.11.2009  -  19.11.2009

Premiere der Roadshow The Search Conference



26.11.2009

ConventionCamp Hannover 2009



23.02.2010

newTV-Kongress



04.03.2010  -  17.03.2010

ecommerce conference



18.03.2010  -  19.03.2010

TV Komm. 2010



23.03.2010  -  24.03.2010

eMetrics Marketing Optimization Summit



23.03.2010  -  24.03.2010

Search Marketing Expo (SMX)



13.04.2010  -  14.04.2010

Internet World Fachmesse & Kongress



08.06.2010  -  22.06.2010

Online Marketing Forum



10.06.2010

E-Mail Marketing Seminar mit Nico Zorn




 

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