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EditorialEmpört Euch!

Von Jens von Rauchhaupt, 2. November 2012

Apple hat im Euro-Raum die Preise für die Apps erhöht, ohne die Contentinhaber und Verlage im Vorfeld darüber ausreichend informiert zu haben. Die Kritik der deutschen Verlegerverbände fiel in ihrer Tonalität entsprechend heftig aus. Der BDZV und VDZ sprachen in einer gemeinsamen Presseerklärung von „Überfall“ und „Eingriff in die Preishoheit“. Gebracht hatte diese Kritik aber wenig. Wie auch? Die Verlage haben sich ja schon vor geraumer Zeit dem App-Vertriebsmodell des US-Konzerns unterworfen. Für eigene Digitalstrategien scheint der Zug längst abgefahren. Was bleibt, ist die blanke Empörung und die Hoffnung auf mehr Konkurrenz für Apple.

Quasi über Nacht und ohne Absprache mit den Verlagen hat Apple die vorgegebenen Preisstufen für Apps und In-App-Käufe um bis zu 20 Prozent angehoben. Als Grund der Anhebung mussten die Wechselkursentwicklung der vergangenen Monate herhalten.

Bis auf einige wenige Ausnahmen, wie im Fall der Heise Medien Gruppe, die in Windeseile ihre eigenen App-Preise senkte, reagierte man auf Publisherseite kaum. Eigentlich sollten die deutschen Verlage gegen das Gebaren von Apple nicht nur unisono sprechen, sondern auch gemeinsam handeln. Doch von echtem Widerstand kann keine Rede sein. Und so sind es gerade die eigene Abhängigkeit und Hilflosigkeit, die Apples Preiserhöhung den Verlegern vor Augen führt.

Doch hinsichtlich der Abhängigkeit erscheint Licht am Ende des Tunnels. Denn die Konkurrenz von Apple schläft nicht. Der „Überfall“ auf die Verlage könnte mittelfristig für Cupertino Folgen haben. Tatsächlich befindet sich Google mit der Android-Plattform zumindest bei den Smartphones international längst auf der Überholspur.

Nun hat auch Microsoft mit Windows 8 eine konkurrenzfähige Plattform entwickelt, über die die Verlage ihre digitalen Inhalte auch auf eine neue Generation von Tablets vertreiben können. Und so wundert es nicht, dass die Verlage und ihre Mediamarken derzeit intensiv an Adaptionen ihrer bestehenden Apple Apps auf andere Plattformen arbeiten. Allerdings ist eine professionelle App-Entwicklung schon für sich genommen ein recht umfangreiches Unterfangen. Karsten Zunke sprach dazu mit Oliver Eckert, Geschäftsführer von TOMORROW FOCUS Media, für den kostenfreie Apps ein alternatives Geschäftsmodell darstellen können.

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