Liebe ADZINE-Leser:innen,
Werbeanzeigen sollten zur jeweiligen Situation passen. Das ist leichter gesagt als getan – und es wird immer anspruchsvoller. Die Voraussetzung dafür ist, dass aus Briefings, Stimmungen und Nutzungsmomenten Signale werden, mit denen Technologien arbeiten können.
Unser Artikel zu Contextual Innovation veranschaulicht einen solchen Anwendungsfall. Denn Kontext meint im Advertising inzwischen mehr als Keywords und Kategorien. Er beschreibt unter anderem Inhalt, Moment, Stimmung, Format, Kanal und Aufmerksamkeit. Damit wird Contextual Advertising zu einer Übersetzungsaufgabe zwischen Strategie, Kreation und Media. Was im Briefing angelegt ist, muss so beschrieben werden, dass es in der Aktivierung noch erkennbar bleibt.
Auf der Kreativseite zeigt sich hingegen die Kehrseite der Automatisierung. Generative KI kann Motive, Headlines oder Varianten in großer Menge produzieren. Für Marken entsteht dadurch aber nicht automatisch eine großartige Wirkung. Wenn die Maschinen vor allem auf Klicks oder kurzfristige Reaktionen optimieren – und das tun sie naturgemäß, wenn man sie denn lässt –, kann die eigentliche Idee hinter der Kampagne schnell verblassen.
Apropos Maschinen – im heutigen Newsletter findet ihr zwei weitere Stücke, die sich mit KI-Interfaces beschäftigen. So arbeitet das Bielefelder Startup Acheron an einer Werbeinfrastruktur für Chat- und Agenten-Umgebungen, wobei ebenfalls kontextuelle Technologien eine Rolle spielen. Währenddessen strebt der Commerce-Media-Sektor nach Sichtbarkeit in KI-generierten Empfehlungen und Shortlists. Die Werbung schielt damit auf die Antworten, Gespräche und Produktvorschläge aus den Assistenten.
Der rote Faden klingt diese Woche nach einer Binsenweisheit, was ihn jedoch nicht weniger wahr werden lässt. Er lautet: Wer nur Output skaliert, gewinnt wenig. Wer den Output sauber übersetzt – und hier kommt der Kontext ins Spiel –, könnte einen Vorsprung haben.
Wir wünschen eine spannende Lektüre!
Anton Priebe, Chefredakteur ADZINE