Liebe ADZINE-Leser:innen,
die Werbeindustrie spricht inzwischen anders über Künstliche Intelligenz. Die große Euphorie ist zwar weiterhin vorhanden, aber die Marktteilnehmer liefern konkrete Anwendungsfälle und beschäftigen sich mit den Veränderungen, die damit einhergehen. Auf der diesjährigen Possible in Miami Beach ging es daher auch nicht um die nächste spektakuläre KI-Demo. Man sprach stattdessen lieber über Infrastruktur, Signalqualität oder neue Rollen in der Wertschöpfungskette des digitalen Werbemarkts.
Mittlerweile sind wir uns einig darüber, dass agentische Systeme nur so gut sein können wie die Daten, Schnittstellen und Prozesse, auf die sie zugreifen können. Der heutige Gastbeitrag von Ogurys Jan Heumüller zeigt, dass es bei Zielgruppendaten für KI-Agenten künftig nicht um mehr Masse geht, sondern um Kontext, Übersetz- und Lesbarkeit sowie verlässliche Aktivierung. Wer seine Daten nicht sauber vorbereitet, bekommt durch Agenten keine bessere Planung, sondern nur schnellere Annäherungen.
Dies wiederum ist eine der großen Baustellen im Markt. Auch der aktuelle Marketing Tech Monitor verdeutlicht, dass KI im Marketing vielerorts noch im Pilotmodus steckt. Die strategische Priorität ist gesetzt, doch Datenqualität, fehlende Integration, unklare Prozesse und mangelnde Skills bremsen die Umsetzung. Viele Unternehmen investieren also weiter in Technologie, können ihre bestehenden Systeme aber nur begrenzt ausschöpfen
Einen Blick in die Zukunft beschert uns heute Mariano Gomide von VTEX, genauer gesagt in die Zukunft des Commerce. Im Interview beschreibt der brasilianische Gründer, warum Agentic Commerce erst am Anfang steht und warum Konversationen künftig zu einem wichtigen Signal für Marketing, Targeting und Kundenbeziehungen werden könnten. Wenn Kunden nicht mehr nur klicken, sondern mit Systemen sprechen, müssen Marken lernen, diese Gespräche mitzugestalten, so sein Credo.
Der rote Faden dieser Woche: KI versucht im Marketing erwachsen zu werden. Wir hören weniger Versprechen und sehen mehr Versuche, Daten, Organisationen und Infrastrukturen so aufzustellen, dass sie von dem Wandel profitieren können.
Wir wünschen eine spannende Lektüre!
Anton Priebe, Chefredakteur ADZINE