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Blogs: Individualkonzepte vs. Standardvermarktung?

18.10.2012 | Von Sandra Goetz

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Blogs: Individualkonzepte vs. Standardvermarktung? Es ist schon länger her, dass Blogger von klassischen Medien- und Werbeindustrie belächelt wurden. Einschlägige Blogger werden bei Produkteinführungen und Pressereisen Fachjournalisten gleichgestellt und dürfen mit diesen um die Wette schreiben. Blogger sind gut sehr vernetzte Meinungsmacher und liefern mitunter hervorragenden Content. Sie sind die neuen Trüffelschweine, die gerne zitiert und zunehmend für Werbezwecke genutzt werden.

Ein gutes Beispiel ist der allseits bekannte Rivva Blog von Frank Westphal, seines Zeichens freier Softwareentwickler, der es geschafft hat, BMW als Sponsor ins Boot zu holen. Und zwar weil sein Angebot so gut ist, dass das größte deutsche Blognetzwerk mokono (heute Populis) auf die Seite aufmerksam geworden ist. Seit Juni 2011 wird rivva.de von den Berlinern vermarktet und von den Münchnern gesponsert. Was für die einen der Blogvermarktungstraum schlechthin ist, ist für die anderen eher ein „na ja“. Zum Beispiel für Ulrike Bartos, die mit ihrem Blog miss BARTOZ Furore macht.

Als Blogger (über)leben

U. Bartos
U. Bartos
Ulrike Bartos, ehemalige Marketingfachfrau bei G+J und AOL hat sich, nachdem AOL die Pforten in Deutschland geschlossen hatte, selbstständig gemacht und frönt ihrer großen Leidenschaft: Mode. Modeblogs, das stimmt, gibt es bereits wie Sand am Meer. Nicht aber so ein Modeblog wie das der hochgewachsenen Hamburgerin. Es ist ein Blog für große Größen, Size-Plus- und Plus-Plus-Frauen. „Das Angebot von missbartoz.de ist eine Einladung an alle Frauen, die, unabhängig von ihrer Konfektionsgröße, ihre individuelle Schönheit entdecken und entfalten möchten“, sagt Ulrike Bartos.

Mit ihrem Thema hat die Bloggerin einen Volltreffer gelandet. Neben einem uniquen Content, für den sie verantwortlich zeichnet, bekommt sie noch Unterstützung von einer Webdesignerin. 20.000 PIs hat der Blog monatlich, mehr als 6600 Unique User; über 2000 Fans kommen über Facebook und 3,2 Minuten lang ist die Verweildauer auf der „miss BARTOZ“-Seite. Gezählt wird über Google Analytics. „Wenn ich mit Agenturen arbeite, wird die Reichweite über deren Tools bestätigt“, sagt Bartos.

Aufgrund der kleinen aber relevanten Leserschaft, gilt es für Blogs zum Überleben hohe Werbepreise zu erzielen. Nischenvermarkter und Verticals sollen dabei behilflich sein und mit dem Argument des einzigartigen Contents und der Relevanz für den Werbekunden hohe Preise durchsetzen. „Meine Erfahrung ist, dass viele Spezial- oder Nischenvermarkter eines gemeinsam haben: Sie zahlen unheimlich niedrige Preise für teilweise sehr hochwertigen Content. So wurden mir als Premium-TKP-Kampagne sechs Euro von Glam Media angeboten. Das ist zu wenig, vor allem mit Exklusivvertrag“, sagt Bartos. Das ist natürlich mehr, als der knappe Euro, der für Low-TKP-Kampagnen gezahlt wird, reicht aber dennoch nicht aus, um von seinem Blog zu leben. Und genau das kann Ulrike Bartos mit ihrem Blog.

Mit Sheego, einem Online-Retailer für große Größen, geht Bartos genauso Marketingkooperationen ein, wie mit Marken, die aus England und den USA den deutschen Markt mit Plus Size Fashion beliefern. Corporate Stories werden lanciert, Videos vermarktet und die Bloggerin schaut genau hin, wer mit seinem Keyword-Marketing zu ihren Leserinnen passt.

"Ich kann verstehen, dass Werbetreibende ihre Agenturen bitten, hochaffine Umfelder für ihre Produktpräsentation zu buchen, und das sind immer öfter Blogs. Eine Agentur oder ein Vermarkter kann es aber zeitlich nicht abbilden, auf jeden kleinen Blog einzeln einzugehen und bucht eine Zielgruppe, die sie mit einer Werbe-Rotation beliefert. Und mit dieser Art von Gießkannenbuchung macht der Blogger sich seinen so sehr gepflegten Garten kaputt. Meine Leser z. B. sind sehr stark involviert und folgen mir und meinen Empfehlungen. Wenn ich jetzt plötzlich einen Artikel oder Banner zum Thema Online-Poker (oder auch nur Kleidung in "normalen Größen") bringe, werden sie misstrauisch, das nächste Mal sind sie genervt und dann bin ich sie los. Die Werbekunden im Übrigen auch.", erklärt Bartos.

AGOF für Blogs?

Wer Reichweiten messen und vergleichen will, braucht Standardverfahren. Wer bloggen will ein Faible, Emotion und Engagement. Der Aufruf der AGOF Blogs registrieren zu lassen, kommt für miss BARTOZ nicht infrage. Aus dem einfachen Grunde, weil die AGOF so, wie sie aktuell noch aufgestellt ist, nicht ausreichend dafür ausgestattet sei, die Blognutzung adäquat zu beurteilen, meint Ulrike Bartos.

M. Marienfeld
M. Marienfeld
Auf die AGOF setzt Marc Marienfeld, seit 1. Oktober neuer Geschäftsführer bei Populis, ein italienisches Medienunternehmen, das im Mai diesen Jahres den Blogvermarkter mokono übernommen hat und nun zu einem der größten Blogvermarkter Europas zählt: „Wir möchten im Jahr 2013 unter die AGOF-Top 20 kommen. Blogger, die mitziehen, sich exklusiv an uns binden und damit AGOF-relevant werden, sollen am Erfolg beteiligt und bessere Konditionen bekommen.“

Neben Bannervermarktung, Buttons, Search-Traffic, Feeds und Newsletter setzt Populis ebenso auf Affiliate-Programme und Produkttests in der Vermarktung. Kunden wie adidas, L’Oreal, Microsoft, Toyota oder auch BMW buchen in themenrelevante Blogs, d. h., L’Oreal ist im Fashion- und Beautybereich, adidas im Lifestyle- und Sportbereich und Toyota und BMW finden sich in Automotive-Blogs und -Themen. Nur „diejenigen, die ihr Blog professionell betreiben, können davon leben; ab 100.000 Unique User ist das der Fall“, sagt Marienfeld. Doch auch hier mag es Veränderungen geben: Für 2013 wird es eine neue Populis-Preisliste geben, die nach Verticals aufgeteilt ist. Dann bekommen vielleicht auch Blogs etwas von der Vermarktung ab, die vorher nicht wahrgenommen wurden.

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Sandra Goetz

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