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THEMEN Branding Online: Warum holt mich keine Marke ab?
Branding Online: Rich-Media-Werbung ohne Flash?
Adserving: Amazons CloudFront als Rich-Media-Türöffner
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Branding Online Warum holt mich keine Marke ab?Arne Schulze-Geißler, Chefredakteur
Fehlender Leistungsnachweis hemme Investitionen in digitale Medien, so das Ergebnis einer aktuellen Umfrage der Organisation Werbungtreibende im Markenverband (OWM). 85 Prozent der befragten Mitgliedsunternehmen beklagen offenbar, dass keine ausreichenden Leistungsnachweise für digitale Medien vorhanden sind, und 70 Prozent sagen, das hemme ihre Investitionen in Online-Werbung. Man fragt sich bei solchen Ergebnissen, was die Herren und Damen aus der Welt des Markenmarketings in den letzten zehn Jahren hinsichtlich der Integration von Online in ihre Kommunikation getan haben. 70 Prozent sollen latent unzufrieden sein mit der Online-Performance, die sie nicht messen können. Und 2012 stellen sie die Frage der Fragen, nach dem ROI von Online-Werbung für ihre Marken und pochen auf Nachweispflicht der Medien. „Der Markt braucht dringend Leistungsnachweise der digitalen Medien und eine belastbare konvergente Mediawährung über alle Kanäle“, so fasst der OWM-Vorsitzende Becker die Kritik seiner Mitglieder zusammen. Beklagen kann man ja so einiges (auch ein fehlendes Frequency Capping für TV-Werbung), aber letztlich liegt es doch in der Eigenverantwortung der Unternehmen, ihr Marken- und ROI-Puzzle zusammenzusetzen, sie stehen ja am Ende an der großen Kasse und zählen die verkauften Tütensuppen. Daher ist es an den Werbungtreibenden, die Ziele für TV, Print und Online zu formulieren und dabei die wahren Stärken und Schwächen der einzelnen Kanäle zu kennen und zu berücksichtigen. Es ist nämlich stark zu bezweifeln, dass man das Meiste aus seinen Budgets herausholt, wenn man alle Kanäle gleich behandelt. Betrachtet man erfolgreiche Online-Werbungtreibende aus dem ausschließlich vom ROI getriebenen Performance Advertising, dann haben ihre Aktivitäten eines gemeinsam. Sie enden nicht, sie finden online permanent und kontinuierlich statt, zudem sind sie stark datengestützt. Markenartikler dagegen kommunizieren punktuell und statisch online wie offline, das schränkt sie online bei begrenzten Reichweiten auf einzelnen Umfeldern noch immer ein. Man kann im Grunde über einen kurzen Zeitraum gar nicht in den Genuss der gesamten Stärke des digitalen Kanals kommen, schon gar nicht, wenn man konventionell plant und einkauft. Deshalb müssen sich die Markenwerber und damit auch die OWM-Mitglieder fragen, ob sie tatsächlich dem digitalen Medienkanal dauerhaft ausschließlich für ihre One-fits-all-Saisonbotschaften nutzen wollen und sich auch in zehn Jahren noch über den fehlenden Nachweis von Online-Werbewirkung in TV-Metriken beklagen. Wäre es nicht langsam angemessen, den Online-Kanal auf einer zusätzlichen und selbständigen Ebene zu nutzen, nämlich permanent und kampagnenunabhängig. Die eigene Website schaltet man auch nicht dreimal im Jahr für zwei Wochen an und dann wieder ab. Alle Marken haben permanent Response- und Engagement-Potenzial. Warum fightet Dr. Oetker nicht um mich, wenn ich mich online für Adventsgebäck interessiere, stattdessen bekomme ich überall nur Schuhe. Verdammt, ich interessiere mich aktuell fürs Backen, was ist los in Bielefeld? Hier wird ein Kunde auf dem silbernen Tablett geliefert und keiner holt mich ab.
Sind es wirklich die fehlenden Leistungsnachweise, die das Hemmnis darstellen oder fehlt es einfach an der Bereitschaft sich mit dem Medium auseinanderzusetzen und dem entsprechenden Know-how? Situativ und bedarfsorientiert zu werben bedeutet nicht nur eine Investition in die Marke, sondern auch in wertvolle Audience-Daten. Viel Spaß mit Adzine!
Branding Online Rich-Media-Werbung ohne Flash?Jens von Rauchhaupt, Redaktion
Ob für aufwendige und interaktive Werbebanner oder Bewegtbildwerbung: Das Flash-Format des Softwareanbieters Adobe und das allseits installierte Flashplayer Browser-Plug-in gelten als Inbegriff von „Rich-Media-Werbung“. Inzwischen ist HTML5 auf dem Vormarsch und schickt sich an, am Thron des Flash-Standards zu rütteln. Bei den mobilen Plattformen hat Adobe bereits das Handtuch geworfen und dort die Weiterentwicklung von Adobe Flash für Mobile eingestellt. Diese Entwicklung könnte Folgen auf die Rich-Media-Werbung und das Adserving haben. Rich Media: Was ist das überhaupt?Sich über Rich Media den Kopf zu zerbrechen, wäre höchstwahrscheinlich überflüssig, wenn nicht so viele Unternehmen mit dessen Kompetenz hausieren gingen. Rich Media ist gar kein offizieller Standard und daher vor allem eines: eine Definitionsfrage.Technische Dienstleister definieren Rich Media oftmals so: „Rich Media ist alles das, was über die statischen Standards GIF, JPG, PNG hinausgeht.“ Damit ist man nah an der allgemeinen Definition für Rich Internet Application (kurz: RIA), mit der alle Weblösungen beschrieben werden, die über das statische Web hinausgehen, um grafische Effekte zu ermöglichen, die Benutzerfreundlichkeit und gegebenenfalls die Performance von Webanwendungen zu verbessern. Unter diesen Weblösungen fallen Technologien wie Flash oder Silverlight genauso wie Ajax, CSS oder JavaScript, um nur einige zu nennen.Rich Media Ads bringen mehr Erkenntnisse
Neben einer Dwell-Analyse, die bei MediaMind Nutzungsrate und Nutzungsdauer eines Werbemittels misst, sind noch viele andere Report-Metriken wie Interaktionsraten, Expand Views und Rates zu nennen; auch bei Video-Streams, die unter den Begriff Rich Media fallen, kann die durchschnittliche Zahl der Nutzer, die den Stream ganz, zur Hälfte, einem Drittel oder nur zu einem Viertel gesehen haben, gemessen werden. Und das ist nicht alles: „Möglichkeiten zum erweiterten Kampagnen-Reporting sowie auch der gesamten Kampagnenanalyse gehören heute zum erwarteten Spektrum eines Premium-Rich-Media-Anbieters“, sagt Christian Altemeier, Director Sales & Business Development vom Anbieter Flashtalking, die sogar auch Heatmaps für die Rich-Media-Werbebanner als Reporting-Tool anbieten.
HTML5 Rich Media AdsUnd was ist jetzt bei den ominösen HTML5-Werbemitteln anders? Bisher ist Flash der bestimmende Standard für Rich-Media-Werbung. Die Agenturen kreieren mit der entsprechenden Adobe-Software landauf, landab die aufwendigen Werbebanner, die sich so gut für die Markenkommunikation einsetzen lassen. Grundsätzlich wird die Arbeit, die bei Flash in ActionScript gemacht wird, bei HTML5 durch JavaScript ersetzt. Hinzu kommt „Canvas“, das die klassische Flashbühne ersetzt.
Adserving-Anbieter stellen sich auf HTML5 ein
Dabei geht es vor allem um die Apple User mit ihren iPad, iPods und iPhones. „Normalerweise liefern wir ja als Fallback-Banner einfache JPEG oder GIF animierte Werbebanner aus. Jetzt wollen aber einige Agenturen gewährleistet haben, dass in solchen Fällen die Apple User gezielt mit Rich Media Ads auf Basis von HTML5 angesprochen werden.“ Doch noch ist der Anteil der Rich-Media-Werbung, die auf Basis von HTML5 ausgeliefert werden, sehr niedrig. Bei MediaMind schätzt man, dass im klassischen Display-Bereich, aber auch bei den mobilen MMA-Standardwerbeformaten der HTML5-Anteil erst bei 0,1 % läge. Einzig bei der mobilen Rich-Media-Werbung sei der Anteil deutlich höher, aber zurzeit nur schwer in Zahlen zu fassen. Mehraufwand fürs ReportingUmstellen müssen sich die Adserving-Anbieter bei den HTML5 Ads hinsichtlich der Reportings. Hier sorgt der offene Standard für Mehraufwand, wie uns Christoph Benning von MediaMind erläutert: „Das ist eine andere Art der Werbemittelprogrammierung. Für die Erstellung von HTML5 Ads gibt es aufgrund des offenen Standards viele unterschiedliche Software Development Kits. Um sicherzustellen, dass unser Tracking für das Kampagnenreporting des Kunden immer funktioniert, müssen wir die angelieferten Ads noch einmal bearbeiten. Daher ist eine HTML5-Umsetzung für uns noch immer deutlich umfangreicher als eine Kampagne mit standardisierten Flash Rich Media Ads.“Der Adserving-Anbieter ADTECH hat daher die Entwicklung von HTML5 frühzeitig in die Konzeption und Umsetzung des eigenen Rich-Media-Tools „Canvas“ einfließen lassen. „Das Tool prüft bei der Buchung alle Rich-Media-Elemente auf ihre Funktionsfähigkeit und zeigt mit Warnmeldungen an, wo es nachzubessern gilt“, berichtet Erhard Neumann, CEO der ADTECH AG. Dementsprechend sieht Neumann den ADTECH Adserver mit dem Canvas-Tool als „state-of-the-art im Bereich Erstellung, Buchung und dem Reporting für interaktive Werbemittel.“ Abgesang auf Flash?
Thomas Achab von triplesense glaubt auch an einen wenn auch langsamen Durchmarsch von HTML5: „Momentan befinden wir uns nach unserer Einschätzung in einer Phase, in der Flash von HTML5 abgelöst werden könnte. Um in dieser Übergangsphase alle Benutzer zu erreichen, müssen beide Technologien gleichzeitig eingesetzt werden. Denn solange viele Benutzer ältere Browser verwenden, wird Flash weiterhin benötigt. Irgendwann wird sicherlich der Kosten-Nutzen-Faktor nicht mehr hoch genug sein, um eine parallele Flash-Version zu rechtfertigen. Für unsere Kunden suchen wir schon jetzt immer nach der am besten geeigneten Lösung und beachten hier besonders den Faktor Zukunftssicherheit.“ Christoph Benning gibt sich da zurückhaltener. „Jetzt werden erst alle anfangen und HTML5 austesten und das bessere System wird sich durchsetzen. Ich glaube aber nicht, dass Adobe sein Flash wie im Mobile-Bereich auch im stationären Web einfach aufgeben wird. Wir werden da noch einen Kampf der Systeme erleben.“
Adserving Amazons CloudFront als Rich-Media-TüröffnerReimund Rose, Redaktion
Aufmerksamen Beobachtern mag es bereits aufgefallen sein. Immer häufiger liefern Brands ihre Rich-Media-Kampagnen einfach über die Amazon Cloud aus. Das soll die Kosten reduzieren. Sparen die Werbungtreibenden damit am falschen Ende oder fängt für sie bei Amazon der Regenbogen an? Ein Beispiel aus jüngster Zeit: Bei der Kampagne „Taste the Rainbow“ der Candy-Marke Skittles (Wrigley) ging es offensichtlich darum, die Marke Skittles in Deutschland bekannter zu machen. Skittles setzte dazu auf ein interaktives Rectangle Banner, dessen Motiv und Leitidee aus dem bereits vorhandenen Kampagnen-Spot „The Mill“ von TBWA Chiat/Day New York entnommen wurde. Der User konnte per Mouseover im Rich Media Ad für den Hauptprotagonisten eine kleine Tür öffnen, um so einen Regenbogen von Zuckerdrops in seine neu bezogene Wohnung hineinzulassen. Als Landing-Page nach dem Klick fungierte die Facebookseite von Skittles Deutschland. Dort haben sich inzwischen knapp 39 000 User zu dieser Marke bekannt.
Doch wie viele User sich wie lange mit dem Skittles-Werbebanner auf den einzelnen Werbeträgerseiten ohne Klick beschäftigten, wird Skittles und seine dafür verantwortliche Agentur schwerlich in Erfahrung gebracht haben. Denn das Werbemittel kam aus der Cloud, ausgeliefert über Amazon CloudFront Web Service. Dort gibt es kein Reporting samt Dwell- und Visibility-Analyse wie bei einem hochgezüchteten Agenturen-Adserver. Da gibt’s nur Webspace. Abgerechnet wird bei Amazon wie bei einem richtigen Adserver über die ausgelieferten Datenvolumina. Darüber können gewiefte Agenturen auch eine Art Mini-Reporting herauslesen, indem sie die Datenvolumina mit den Ad Impressions der Werbeträger ins Verhältnis setzen.
Teuer, günstig oder billig?Auf dem ersten Blick erscheinen Amazons Volumenpreis für sich betrachtet interessant. Winkler von adspirit sieht hingegen keine großen Unterschiede zum hiesigen Angebot: „Die Preise, die Amazon hier aufruft, sind durchaus vergleichbar mit den Preisen, die wir auch so von unseren normalen Rechenzentren bekommen. Insofern besteht hier kein signifikanter Unterschied.“
Cloud als UnterstützerinAllerdings setzen vermehrt Adserver-Anbieter partiell auf Cloud-Lösungen. Gerade bei sogenannten Mash-up-Werbebannern, bei denen etwa Profildaten und Retargeting-Cookies in Millisekunden über das Aussehen eines an den Nutzer angepassten Werbebanners entscheiden, werden die Rich-Media-Animationen oder Streams aus der Cloud nachgeladen. Das bringt wiederum für die Adserver-Anbieter Kostenvorteile. Dabei bleibt die Auslieferungslogik unter Kontrolle des Agenturen-Adservers. Das wäre bei einer reinen Cloud-Lösung nicht der Fall.
Zum Verständnis sei gesagt: Adform betreibt und unterhält auch eigene Rechenzentren in Europa. Dies schon aus Sicherheitsgründen, wie Kempfert meint. „Wir benötigen diese redundante Sicherheit, um jederzeit die Kontrolle über unsere Systeme ausüben zu können. Das wird definitiv auch so bleiben, denn unsere Kunden vertrauen uns ihre Daten an. Die Anforderungen zum europäischen Datenschutz erlauben auch die komplette Auslagerung der Kundendaten aus unserer Sicht nicht.“ Für Kempfert eigne sich eine zusätzliche Nutzung von Cloud Services dazu, um die eigenen Kosten konstant zu halten und damit Preise länger für die eigenen Kunden günstig anbieten zu können. „Ein Allheilmittel ist die Cloud nicht, dass Thema Datenschutz gebietet einen sorgfältigen Umgang mit der Auslagerung von Daten oder rechenintensiven Vorgängen. Letztendlich ist auch eine Cloud nicht immer so stabil. Auch in der Cloud kann es Datenverlust geben“, sagt Kempfert. Cloud-Dienst als Teil des SpektrumsTrotz der vielen Gegenargumente sehen Werbungtreibende die Amazon Web Services offenbar als Option an, um kurzfristig ganz ohne Adserver hohe Volumen auszuliefern. Geraten damit die 3rd-Party-Adserver-Anbieter hinsichtlich der Rich Media Ads unter Preisdruck? „Ja. Die Rich-Media-Preise werden sinken“, glaubt jedenfalls Oliver Weiss von Facilitate Digital: „Jedoch steigt die Nachfrage und die Anforderung an das Reporting. Die Kunden erkennen mehr und mehr den Wert von stabilen und akkuraten Reportingdaten. Deswegen erwarten wir, dass sich die in heutigen Zeiten teilweise überteuerten TKPs der klassischen Rich-Media-Anbieter auf einem adäquaten Level einpendeln werden.“ Weiss sieht die Verlagerung von Adserving-Teilbereichen in die Cloud als klaren Trend, auch im Hinblick auf die Rich Media Ads: „Wir sehen die Zukunft eher in der Integration von Cloud Services in den Adserver. Rich-Media-Auslieferung über die Cloud ist ein Tool, aber bei Weitem kein Adserver“, sagt Weiss.
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