| EDITORIAL |
| von
Arne Schulze-Geißler,
Editor | ADZINE
17.11.2005 |
Internet ausverkauft
Arne Schulze-Geißler
In der Printausgabe des Wallstreet Journals war gestern zu lesen, dass sich die führenden Internetportale in den USA vor Werbeaufträgen nicht retten können. Die Preise für Schaltungen sind gigantisch und Preislisten gibt es schon länger nicht mehr, weil man so viel besser auf die steigende Nachfrage reagieren kann.
Es heißt, dass Werbekunden bis zu 18 Monate auf die Schaltungen ihrer Kampagnen warteten. Auf meine Nachfrage bei MSN und Yahoo USA wollte man weder bestätigen noch dementieren, dass Werbekunden bei Ihnen warten müssten. Aus eigener Erfahrung weiß ich natürlich, dass einzelne gefragte Rubriken zu gewissen Terminen auch in Deutschland ausgebucht sein können. Aber man fragt sich doch, wie das in das Gesamtkonzept eines Werbeplanenden passt, der einen Terminplan zu erfüllen hat. Man kann die Kampagne doch schlecht um ein paar Monate verschieben.
Neben den TOP 50 US-Angeboten, die heute etwa 96 Prozent der Online-Werbegelder auf sich konzentrieren, gibt es ja auch Alternativen für die Werbekunden. Denn es ist nicht so, dass man die angestrebten Zielgruppen nicht auf anderen Werbeträgern findet. Die Recherche und Erstellung des Mediaplans wird natürlich aufwendiger. Ganz abgesehen von dem höheren Kommunikationsaufwand, den die Zusammenarbeit mit vielen kleinen Sites und Vermarktern erfordert.
Aber der Trend ist auch für Deutschland klar: Als Seitenbetreiber in der 2. und 3. Reihe sollte man sich auf das Kommende vorbereiten. Starke Vermarktungspartner und Netzwerke von mittleren und kleineren Sites werden auch in Deutschland zunehmend an Bedeutung gewinnen. Erfolgsentscheidend sind die plausible Darstellung der Reichweiten in den zielgruppenaffinen Umfeldern und eine proaktive Zusammenarbeit mit den Planern.
Adzine berichtet in dieser Ausgabe wieder über wichtige Themen in der digitalen Kommunikationswelt, so die Integration von Ausländern in die Werbepläne. AOL und die BBC machen Fernsehprogramme über das Internet zugänglich. Welche Bedeutung hat RSS im Online Marketing? Und wir untersuchen shopping.com auf die Chancen am deutschen Markt.
Viel Spaß mit Adzine!
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| INNOVATION |
| von
Rupert Turner,
Redaktion UK | ADZINE
17.11.2005 |
Push the Button
Am 14. November gaben AOL und Warner Bros. offiziell den Launch des Internet TV Angebotes "In2TV" bekannt. Das Programm bestehend aus mehreren tausend Episoden von Warner Bros. Fernsehserien soll Anfang 2006 an den Start gehen. Was kaum jemand zur Kenntnis nimmt, ist dass die BBC in Großbritannien schon fast einen Schritt weiter ist, dank des roten Knopfes auf der Fernbedienung.
Jetzt verfolgt man doch gemeinsame Ziele
Mit ihrer Zusammenarbeit schaffen AOL und Warner das größte On-Demand-TV-Unterhaltungsangebot im Internet. Kevin Konroy, Vice President AOL Media Networks, bemerkt "This is an exciting new way to experience these shows, allowing Web users to enjoy what they want, when they want it".
Bestandteil des kostenlosen TV-Angebotes sollen außerdem interaktive Features sein, so plant man bei AOL beispielsweise Spiele, Umfragen und ähnliches in das Programm zu integrieren, um die Möglichkeiten des interaktiven Mediums auszuschöpfen.
Time Warner, die Muttergesellschaft von AOL und Warner Bros., dokumentiert mit diesem Schritt die Absicht, die Geschäftsbereiche enger zu verzahnen und marktfähige Geschäftsmodelle zu etablieren. Das Erlösmodell basiert, wie bei den traditionellen privaten Fernsehsendern, auf Werbeeinnahmen. So sollen Werbespots von 15-30 Sekunden Länge in die Episoden eingebunden werden. In einem Programm von 30 Minuten sollen maximal zwei Minuten Werbung erscheinen.
Sind die Briten schon weiter?
Auch die staatliche British Broadcasting Corporation wird in Kürze Programme aus ihrem digitalen TV-Programm über das Internet zugänglich machen. " We need to respond to the rapidly changing habits of our audiences", sagte Emma Somerville, Head von interactiveTV Programming bei der BBC. Die BBC bietet heute schon im Rahmen des Digitalen Fernsehens ein kostenloses On-Demand-Programm an, das sowohl über Antenne wie auch Kabel und Satellit verfügbar ist. Neben Nachrichten, Sport, Wetter, Entertainment sind auch interaktive Spiele und Umfragen über den herkömmlichen Fernseher möglich. Um als Zuschauer in Großbritannien vom Live-Programm auf die On-Demand-Ebene zu wechseln, betätigt man einfach den Roten Knopf auf der Fernbedienung. Es erscheint ein Menü, aus dem dann ausgewählt werden kann.
In Zukunft hat man in Großbritannien also die Wahl, um zum interaktiven Fernsehen zu gelangen: den Roten Knopf oder die Website der BBC. Fernsehserien hat die BBC übrigens reichlich und könnte AOL den 1. Platz streitig machen.
Boots interaktiv
Auch für Werbekunden ist das interaktive Fernsehen der BBC eine attraktive Möglichkeit, um mit potentiellen Kunden in Dialog zu treten. Heute am 17. November 2005 startet der britische Drogeriekonzern Boots eine interaktive TV-Kampagne. Der Zuschauer hat während des herkömmlichen TV Spots die Möglichkeit sich einzumischen, indem er den Roten Knopf seiner Fernbedienung betätigt.
Dadurch erhält er Zugang zu einem Geschenkidee-Generator von Boots. Der Generator befragt den Zuschauer über einige Details der zu beschenkenden Person und sendet die individuellen Boots-Geschenkvorschläge per SMS an den interaktiven Nutzer. Diese Kampagne wurde kreiert und geplant von Red Bee Media, Naked Communications und Mediacom. Christian Rutland von Red Bee Media sagte zum Konzept der Kampagne, dass man ein interaktives Werbeerlebnis für den Konsumenten schaffen wolle.
Es ist also überdeutlich, die Grenzen zwischen den Medien werden diffuser und für die Anbieter wie auch die Nutzer wird es von Tag zu Tag spannender. Nur schade, dass die Deutschen keinen Red Button haben.
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| FOKUS |
| von
Jens von Rauchhaupt,
Redaktion | ADZINE
17.11.2005 |
Nicht nur Hakan will umschmeichelt sein
Jens von Rauchhaupt
Sie heißen Acelya, Hakan, Katharina oder Boris. Zumeist sind sie jung, Marken orientiert, konsumfreudig und nutzen das Internet mindestens so selbstverständlich wie ihre "germanischen" Altersgenossen. Bereits Ende der neunziger Jahre, just als die Novellierung des Staatsangehörigkeitsgesetzes hohe Wellen schlug, erkannte auch die Werbeindustrie, dass Deutschland ein Zuwanderungsland ist. Schnell machte der Begriff Ethnomarketing die Runde. Nun, gut sechs Jahre später, versetzen so genannte Ethnoportale die Werbekundschaft in Verzückung. Nebenbei ist mit diesen Portalen ein digitaler Integrationseffekt nicht ausgeschlossen.
Warum Ethnomarketing im Internet ?
Um Missverständnissen vorzubeugen: Ethnomarketing hat nichts mit exotischen Models in Baströckchen zu tun, auch handelt es sich nicht um Arbeitsbeschaffungsmaßnahmen für Jutesackträger mit Pensionsanspruch. Vielmehr skopieren Markt- und Werbeforscher damit eine Zielgruppe nach kulturellen Eigenheiten und Bedürfnissen und liefern ihre Ergebnisse an die, die etwas damit anfangen wollen. Es freut den Werbenden, wenn er eine exakte Kenntnis davon hat, wo sich seine Zielgruppe oder zumindest ein Teil davon aufhält.
Zahlen aus Wiesbaden und Berlin zuerst
Laut Bundesamt für Statistik leben in Deutschland derzeit 6,72 Millionen ausländische Staatsbürger aus 54 Ländern (Stand: Januar 2005). Ausländer und eingebürgerte Neudeutsche stellen etwa 10 Prozent unserer Bevölkerung. Allein in den letzten zehn Jahren haben 2,5 Millionen Zugewanderte die deutsche Staatsbürgerschaft angenommen. Zwei Sprach- und Kulturgruppen sind besonders hervorzuheben: Mit 2,5 Millionen Menschen stellen die Türken die größte Anzahl. Dicht gefolgt von 2,3 Millionen Mitbürgern, die aus der ehemaligen Sowjetunion/GUS zuwanderten und inzwischen einen deutschen Pass besitzen.
Ob mit oder ohne deutsche Staatsbürgerschaft. Alle haben etwas gemein: Die Zuwanderer und ihre Kinder haben einen starken Bezug zum Ursprungsland ihrer Ahnen, pflegen dorthin noch verwandtschaftliche Beziehungen, kommunizieren bevorzugt untereinander und ihre Sprache ist dabei ein Bestandteil ihrer eigenen Identität. "Wir alle besitzen mehrere Identitäten", so der große französische Politologe und Soziologe Alfred Grosser auf die Frage nach der deutschen Identität. Deutschtürken, Aussiedler und alle anderen Migrationsgruppen haben hierzulande wohl immer noch eine Identität mehr – verbunden mit allen Vor- und Nachteilen.
Acelya und Hakan sind bikulturell, bilingual und haben die Wahl
Die dritte Generation der gut 2,5 Millionen Türken - etwa 700 Tausend junge Mitbürger - wechselt zumindest online mit scheinbarer Leichtigkeit zwischen türkischer und deutscher Kultur. Im Internet vorrangig unter der Leitung des zweisprachigen Portale von vaybee.de aus Köln und turkdunja.de aus Hamburg.
Die Erfolgsgeschichte der Kölner Ethnoportal-Pioniere Tamer, Akgün und Hasim Kulmac begann im Jahr 2000. Damals ging vaybee! zunächst als Community an das mediale Netz. Vaybee bedeutet auf Türkisch etwa soviel wie das amerikanische "Whow". Erstaunt ist auch der objektive Betrachter von vaybee!. Dieses Portal gehört mit nachweisbar einer halben Million registrierten Mitgliedern und 1,5 Millionen Besuchern im Monat zur bestfrequentierten Kommunikationsplattform der Deutschtürken. "Wir wollen die jungen türkischen Menschen ansprechen", so Marketingchef Tamer Kulmac und liegt damit im Trend des Onlinemarketings. Schließlich wissen wir spätestens seit der neusten AGOF-Studie, dass die unter 29-Jährigen nahezu komplett im Internet anzutreffen sind. Auch die Geschlechterverteilung liegt mit 60 Prozent männlichen zu 40 Prozent weiblichen Nutzern nur leicht unter dem bundesdeutschen Durchschnitt.
Daher setzt vaybee! auf eine Mischung von Infotainment, Lifstyle und Servicediensten und hält für das registrierte Mitglied alles bereit, was ein Internetportal beherbergen sollte, um den Nutzer langfristig zu binden: SMS-Messaging, E-Mail-Account, ein Chatsystem, zahlreiche Foren und ein Clubkarten-Rabattsystem. Das Portal wird von Orange Media vermarktet. Wie es scheint, sehr erfolgreich. Auch deutsche Mobiltelefonanbieter, Krankenkassen und Onlinebanken gehören zu ihren Werbekunden.
Wer sein Produkt oder seine Dienstleistung etwas günstiger, aber kaum minder effizient an den türkischen Mann oder die türkische Frau bringen möchte, der könnte bei turkdunja.de gut aufgehoben sein. Hierbei handelt es sich um ein klassische zweisprachige Community mit Nachrichten, Chat- und Forensystem. Die Zahlen von turkdunja.de (türkische Welt) erregen Aufmerksamkeit: "Wir haben nach jüngsten Messungen 650 Tausend Mitglieder und 820 Tausend Besucher im Monat", so der deutschtürkische Inhaber und Seitenbetreiber Bekir Eyienging. Turkdunja.de setzt dabei auf eine etwas andere Vermarktungsstrategie. Mit TurkNetmedia führt man die Vermarktung der Werbeflächen in Eigenregie durch.
Für beide Seitenbetreiber geht es nun um die Qualitätssteigerung des Internetauftritts, denn: "Zuwächse in den Mitgliederzahlen sind nicht mehr zu erwarten, die Grenze des Möglichen ist erreicht", so Eyienging von turkdunja.de. Beide türkischen Betreiber planen daher einige multimediale Überraschungen, über die noch der Mantel der Verschwiegenheit gebreitet ist. Die Türken sind somit in der deutschen Internetlandschaft gut versorgt. Die Werbeindustrie hat ideale Möglichkeiten über die türkischen Ethnokanäle die junge und konsumhungrige Zielgruppe anzuvisieren.
Fast völlig vernachlässigt: Katharina und Boris
Betrachtet man Internetpräsenzen mit russisch-deutschem Hintergrund ergibt sich ein diffuses Bild. Vor allem für den, der kein Russisch spricht. Zahlreich sind die Internetseiten mit ".de" Kürzel in rein russischer Sprache. Vorrangig handelt es sich um russische DVD- und Musikangebote oder um Zeitungsableger ohne Werbewillen. Laut Pisa Studie 2002 haben die Aussiedler aus der Sowjetunion ein handfestes Problem mit der deutschen Sprache:
Bei 34,5 Prozent der 15-Jährigen mit einem Migrationshintergrund aus der ehemaligen Sowjetunion wurde der Vater im Ausland geboren und 45 Prozent der Jugendlichen dieser ethnischen Gruppe kommunizieren zu Hause ausschließlich in russischer Sprache.
Hier wird deutlich, dass die erste Generation mit dem Kopf in Russland geblieben ist und die zweite Generation erst das Erwachsenenalter erreichen muss, um deutsche Werbeinhalte im Internet anzunehmen. Schließlich hat die dritte Generation der Aussiedler kaum das Licht der Welt erblickt. Dennoch: 1997 war jeder dritte Spätaussiedler in Nordrhein-Westfalen jünger als 18 Jahre, so die Zahlen der nordrheinwestfälischen Landesstelle Unna-Massen. Bei den Deutschen ist nur jeder Fünfte unter 18 Jahre alt.
Eine junge Zielgruppe also, an der die deutsche Online-Werbung unbeachtet vorbeizieht, wenn die Medienplaner keinen Kanal zu erfahrenen Russlandexperten aufbauen. Der Begriff der Parallelgesellschaft ist hier so aktuell wie bei den türkischen Mitbürgern vor über 20 Jahren. Hier böte gezieltes Ethnomarketing im Internet ein neues Arbeitsfeld.
Doch es gibt auch einen Lichtblick: Mit germany.ru hält das Internet bereits ein russisch-deutsches Schmuckstück für die ausgewanderten Enkel Lenins bereit, das ähnlich einem Fabergé-Ei Überraschendes in sich trägt. Leider völlig vernachlässigt vom deutschen Werbemarkt. Dabei kann der im Jahre 1999 zugewanderte Seitenbetreiber Andreas Brückmann, wie der Goldschmied Fabergé in Sankt Petersburg geboren, auf 310 Tausend registrierte Mitglieder und 900 Tausend Besucher pro Monat blicken.
"Wir sind eine Community und ein Internetportal, 75 Prozent unserer Mitglieder wohnen in Deutschland und seit unserem Start im Jahr 1999 gab es noch keinen Monat ohne Wachstum hinsichtlich der Mitglieder- und Besucherzahlen."
germany.ru ist ebenfalls durchweg zweisprachig aufgebaut und setzt wie seine türkischen Pendants vaybee! und turkdunja auf Kommunikation. Dies hat allerdings auch noch einen besonderen Hintergrund. Das russische Telefonfestnetz ist völlig marode und unzuverlässig. Daher behelfen sich viele Aussiedler mit dem Chatsystem von germany.ru, wenn sie Neues aus der alten Heimat erfahren wollen. Letztlich können auch kommerzielle Ethnoportale bei der Integration sozial benachteiligter Migranten helfen, wie Jutta Croll, Geschäftsführerin der Stiftung digitale Chancen zu berichten weiß: "Zum Beginn des Jahres 2006 wird unter www.surfen-zum-job.de eine Guided Tour zum Virtuellen Arbeitsmarkt in Türkisch und Russisch online gehen."
Vielleicht findet sich dann ein entsprechender Hinweis bei vaybee, turkdunja oder germany.ru?
Link: www.digitale-chancen.de
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| SHOPSUCHE |
| von
Karsten Zunke,
Redaktion | ADZINE
17.11.2005 |
eBay vermarktet Suchergebnisse
Karsten Zunke
Das Unternehmen begann als Internet-Auktionshaus und mausert sich immer mehr zum Online-Allround-Anbieter: eBay hat mit shopping.com nun auch in Deutschland einen Suchdienst für Produkte und Preise gestartet. Als Erlösmodell setzen die Amerikaner auf Cost-Per-Click.
Geiz ist geil, das Internet auch – da sind sich Meinungsforscher und Werber einig. Kein Wunder, dass Einkaufsberater und Preisvergleichsportale im Web wie Pilze aus dem Boden schießen. Jüngster Spross hierzulande ist shopping.com. Das Portal gehört seit Sommer diesen Jahres zu eBay, vor zwei Wochen ging es in Deutschland an den Start. Nun können potenzielle Käufer über die eBay-Tochter Produkte suchen und Preise vergleichen.
Beobachter betrachten dies als Frontalangriff auf die Suchdienste Google und Yahoo, die ihrerseits mit Froogle und Kelkoo ebenfalls Shopping-Portale betreiben. Und die Suchmaschinen-Veteranen sollen nun mit den eigenen Waffen geschlagen werden – mit einem Cost-Per-Click-Modell. Wer bei shopping.com vom Schnäppchenjäger angeklickt wird, zahlt. Im Gegensatz zum klassischen Keyword-Advertising müssen hier alle Anbieter einer Kategorie den gleichen Klickpreis berappen. Lediglich die ersten drei Plätze der Suchergebnisse werden in einem gesonderten Bieterverfahren versteigert und als Anzeige gekennzeichnet.
"Wir nehmen den Markteintritt ernst"
Mit diesem Modell platzt shopping.com in einen Markt, in dem bisher mehr gerangelt als ernsthaft ausgeteilt wurde. Schließlich sind die Filetstücke bereits vergeben, die Reviere abgesteckt. Dachte man zumindest. Dass eBay nicht kleckert, sondern klotzt, ist bekannt. Dass shopping.com zum Marktführer in Deutschland aufsteigen soll, war daher zu erwarten. Auch wenn Kelkoo und Froogle dank starker Muttergesellschaften voraussichtlich gegenhalten können – für Preistrend, Getprice, Guenstiger.de, Billiger.de, Geizhals und Co. dürfte die Luft dünner werden.
So hält man sich bei Billiger.de bereits auffallend bedeckt. Noch im Juli dieses Jahres hatten die Betreiber – das Portal gehört zur solute GmbH – verkündet, man strebe mit dem Preisvergleichsdienst die Marktführerschaft in Deutschland an. Jetzt fand sich niemand, der zu der neuen Markt-Situation Stellung nehmen konnte. Andere Anbieter wollen direkt reagieren: Man habe keine Angst, im Konzert der Schwergewichte unter zu gehen, erklärt Philipp Hartmann, Geschäftsführer von Guenstiger.de, gegenüber ADZINE. "Trotzdem nehmen wir den Markteintritt des neuen Wettbewerbers durchaus ernst." Um sich der neuen Konkurrenz zu erwehren, will man eigene Qualitäten in Zukunft deutlicher herausstellen. "Noch in diesem Monat werden wir unserem Web-Auftritt einen kompletten Relaunch mit verschiedenen neuen Features verpassen", kündigt Hartmann als Reaktion an. Viele der kleinen Anbieter können zudem davon profitieren, dass sie bereits einen festen Stamm an Online-Werbekunden haben. Guenstiger.de finanziert sich beispielsweise ausschließlich über klar gekennzeichnete Werbung und nicht über Händler-Provisionen. "Wir sind somit im Gegensatz zu unseren Wettbewerbern händlerunabhängig und neutral", sagt Hartmann und ergänzt: "Bei uns können sich Händler grundsätzlich nicht auf die vorderen Plätze der Suchliste einkaufen." Aber shopping.com finanziert sich nicht ausschließlich über das Click-Modell, sondern vermarktet zusätzlich die Online-Werbeflächen auf den Ergebnisseiten. Jedoch gibt es bisher nur sehr spärliche Werbung auf dem Portal. Die Startseite soll sogar absichtlich anzeigenfrei gehalten werden.
Während Froogle von Google Adwords profitiert und Yahoo die Werbeflächen für Kelkoo vermarktet, erfolgt die Vermarktung von shopping.com in Eigenregie. Unter anderem soll ein Brandingprogramm Werbekunden locken, bei dem komplette Produkt-Kategorien gebucht werden können.
Schlau-Shops für Argwöhner
Das Angebot von Shopping.com umfasst die ganze Breite des Einzelhandels: Ob Kühlschrank, Bohrmaschine oder MP3-Player. Mehr als zwei Millionen Produkte sind in 13 Kategorien gelistet. In den USA zählen mehr als 95 Prozent der 300 größten Einzelhändler zu den Partnern. In Deutschland startet der Dienst mit großen Händlern wie Douglas, Otto, ProMarkt und Quelle, aber auch kleineren Spezialisten wie CD Wow! oder Weinversand.de.
Für die Nutzer des Portals verspricht der Newcomer mehr Suchkomfort bei der Online-Schnäppchenjagd als bei anderen Anbietern: "Das Geheimnis von Shopping.com ist, dass wir die Angebotsfülle des Internets für jedermann beherrschbar machen", sagt Dr. Helmut Becker, Country Manager von Shopping.com Deutschland. In der Tat: Wer einen Blick auf die Oberfläche des Suchdienstes wirft, findet einen aufgeräumten und vor allem übersichtlichen Desktop vor. Die Suche nach bestimmten Produkten lässt sich schrittweise eingrenzen. Die Preise werden meist inklusive Lieferkosten und Verfügbarkeit angegeben. Auf den zweiten Blick werden klare Unterschiede zum Wettbewerb deutlich.
Die ersten drei Treffer sind die bezahlten Anzeigen. Dann folgen die so genannten Schlau-Shops mit absteigendem Preis. Und dann erst werden die "normalen" Anbieter gelistet. Die Schlau-Shops sind besonders vertrauenswürdig, das Prädikat kann nicht gekauft werden. Voraussetzung dafür ist, dass der Online-Shop das Gütesiegel "Trusted Shops" trägt und zusätzliche Qualitätskriterien von shopping.com erfüllt, beispielsweise genaue Angaben zu Preisen, Versand und Verfügbarkeit macht und Garantien und Rückgabemöglichkeiten anbietet. Zudem muss der Shop eine hohe Bewertung durch die Kunden vorweisen können. Damit drückt eBay dieser Produktsuche seinen Stempel auf. Schließlich haben sich die Händlerbewertungen im Auktionsgeschäft bestens bewährt. Nun sollen sie helfen, auch diese 620-Millionen-Dollar-Investition zum Erfolg zu führen.
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| GÄSTE |
| von
Nico Zorn,
artegic AG | ADZINE
17.11.2005 |
RSS - Permission Marketing at its best
Nico Zorn
Kennen Sie schon RSS? Das Protokoll scheint die aktuellen Probleme im E-Mail Marketing elegant zu lösen: Keine False Positives, keine Spam- und Phishing-Probleme und einfache An- und Abmeldemöglichkeiten. Ist RSS die Zukunft des Permission Marketing?
RSS ist ein auf XML-basiertes Kommunikationsprotokoll und steht für ’Really Simple Syndication’ oder ’Rich Site Summary’. Das Format wird überwiegend verwendet, um User über neue Inhalte auf Websites zu informieren und wird häufig im Zusammenhang mit Weblogs genannt, da Weblog-Systeme standardmäßig RSS-Feeds erzeugen können. Für den Empfang eines RSS-Feeds muss der User lediglich die Adresse der XML-Datei in sein Leseprogramm (Feedreader) kopieren. Das Programm informiert anschließend zeitnah über neue Inhalte und stellt die entsprechenden Schlagzeilen und Kurztexte inklusive Links zu den Artikeln im Feedreader dar.
Das RSS-Verfahren scheint Spam- und Phishing-Attacken unmöglich zu machen: Die Software holt sich lediglich die Texte ab, die auf dem Server des Versenders zur Verfügung gestellt werden – aber nur so lange, wie der User diesen RSS-Feed auch lesen möchte, denn mit einem Mausklick kann das Abo wieder gekündigt werden. Im Gegensatz zu E-Mail hat der User also jederzeit die volle Kontrolle über die Nachrichten, die er erhält – Permission Marketing at its best?
Spätestens seit Microsofts Ankündigung, die nächste Version von Windows und den Internet Explorer 7.0 mit RSS-Funktionalitäten auszustatten, rückt das Protokoll zunehmend in das Blickfeld der "False Positive"-geplagten Online-Marketing-Branche: Das unabsichtliche Filtern von erwünschten Nachrichten (False Positive) findet im spamfreien RSS-Kanal nicht statt.
Wer jetzt allerdings überstürzt seinen E-Mail-Newsletter einstellt und ausschließlich auf RSS setzt, dürfte einen großen Teil seiner Leser verlieren, denn von der breiten Öffentlichkeit ist das Format noch längst nicht adaptiert: Während sich E-Mail als Massenkommunikationsmedium etabliert hat, können, laut einer Mitte 2005 durchgeführten Untersuchung des PEW Internet & American Life Projects, gerade einmal neun Prozent der Amerikaner etwas mit dem Begriff RSS anfangen. Wohlgemerkt: Gefragt wurde in der Studie lediglich nach dem Begriff, mit der Verbreitung von RSS-Readern dürfte es im Moment noch düsterer aussehen.
Fraglich ist auch, ob RSS langfristig tatsächlich von Spam verschont bleiben wird, denn sobald Inhalte wie Suchergebnisse, Weblog-Kommentare oder Forenbeiträge mittels RSS abonniert werden, kann Spam wieder zum Problem werden. So wird es wohl nur eine Frage der Zeit sein, bis Spam- und Werbeblocker auch in RSS-Readern zum Einsatz kommen.
Spannend ist sicherlich auch die Frage, wie viele RSS-Feeds ein durchschnittlicher User verarbeiten kann und möchte, zumal RSS-Feeds in der Regel mehrmals täglich aktualisiert werden. Die Gefahr, dass Nachrichten in der Informationsflut untergehen, scheint fast noch größer zu sein als im E-Mail Marketing, zumal die meisten RSS-Reader lediglich die Nachrichten der letzten Tage darstellen und ältere Beiträge nicht gespeichert werden.
Nichts desto trotz: RSS birgt zweifellos ein enormes Potential für das Online-Marketing und stellt eine interessante Ergänzung zum E-Mail Marketing dar. Wie immer beim Einsatz von neuen Marketing-Instrumenten gilt es herauszufinden, wie das neue Instrument die bisherigen Maßnahmen unterstützen und ergänzen kann.
Eine Möglichkeit: Bieten Sie einen RSS-Feed für Ihren Newsletter an und informieren Sie die Leser auf diesem Weg über neue Newsletter-Ausgaben. Denn auf diesem Weg erreichen Sie auch die User, die ihre E-Mail-Adresse aus Angst vor Spam nicht angeben wollen. Veröffentlichen Sie ein Weblog? Dann können Sie die interessantesten Beiträge des Blogs als Newsletter verschicken und die Inhalte auf diesem Weg auch den Usern nahe bringen, die keinen RSS-Reader installiert haben.
Die Generierung von Kontaktdaten potentieller Kunden sollte man dabei als zentrales Ziel der Online-Marketing Maßnahmen aber nie aus den Augen verlieren. Ein Datensatz mit Name, E-Mail-Adresse und gegebenenfalls weiteren Daten, wie Geschlecht oder Geburtsdatum, ist natürlich ungleich wertvoller als ein anonymer RSS-Abonnent und ermöglicht eine wesentlich direktere und individuellere Ansprache – unabhängig davon, ob der Interessent letztendlich mittels E-Mail oder via RSS angesprochen wird.
E-Mail oder RSS? Überlassen Sie die Entscheidung einfach Ihren Kunden – Permission Marketing at its best!
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| Termine im Online-Marketing |
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